Der Einfluss einer Teilnahme an Bodybuilding-Wettkämpfen auf die Entwicklung von Essstörungen


Bachelorarbeit, 2019

43 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theoretischer Teil
2.1 Bodybuilding als Leistungssport
2.2 Essstörungen - Definition und Symptomatik
2.3 Entstehung von klassischen Essstörungen
2.4 Essstörungen im Leistungssport, insbesondere im Bodybuilding

3. Empirischer Teil
3.1 Einleitung und Untersuchungsvariablen
3.2 Fragestellungen und Forschungshypothesen
3.3 Methodik
3.4 Durchführung der Studie
3.5 Auswertung der Daten und Ergebnisse
3.7 Analyse

4. Zusammenfassung und Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Traum von einem perfekten Körper nimmt in der heutigen Gesellschaft einen immer größeren Stellenwert ein, da er als Symbol für Ansehen und Attraktivität gilt. So ist es nicht verwunderlich, dass Essstörungen wie Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa noch immer sehr präsent sind und es weltweit tausende Betroffene gibt, die durch diese krankhafte Ernährungsform versuchen, einem bestimmten Idealbild nachzueifern.

Gleichzeitig kommt durch die Fitness-Szene eine Gegenbewegung auf, welche sich weg von einem dünnen, hin zu einem sportlichen, gesunden Körpertypen entwickelt. Doch auch hier scheint es vor allem in der Bodybuilding-Szene immer mehr Extreme zu geben, welche es mit dem Streben nach einem perfekten Körper zu übertreiben scheinen.

Gibt es zwischen diesen beiden extremen Formen des Körperkults womöglich Parallelen oder kann sich bei einem Athleten eventuell sogar eine Essstörung entwickeln?

Mich interessiert das Thema Ernährung und Wettkampf-Bodybuilding sehr, da ich zum einen selber aktive Athletin bin und zum anderen in meinem Umfeld Personen habe, die diesen Sport betreiben und auch an Essstörungen leiden. Dies hat mich dazu veranlasst, durch diese Arbeit das Thema Esstörungen im Zusammenhang zum Bodybuilding näher zu untersuchen.

Vorrangig soll Augenmerk auf Auffälligkeiten im Ernährungsverhalten von aktiven Bodybuilding-Athleten gelegt werden, da es im Zusammenhang mit dieser Thematik häufig zu der Annahme kommt, das Bodybuilder essgestört seien. Doch ist dies tatsächlich der Fall? Haben alle Athleten, die einmal an einem Wettkampf teilgenommen haben, eine Essstörung oder sind anfälliger, an solch einer zu erkranken?

Diese Fragen sind der Grund dafür, das Ernährungsverhalten von Wettkampf-Bodybuildern näher zu beleuchten und der Frage nachzugehen, ob dieser Sport tatsächlich einen so starken Einfluss auf das Ernährungsverhalten oder gar der Entwicklung einer Essstörung hat.

2. Theoretischer Teil

2.1 Bodybuilding als Leistungssport

2.1.1 Definition Bodybuilding

In der Fachliteratur findet sich für den Begriff ‚Bodybuilding‘ keine allgemeingültige Definition.

Das Wort stammt aus dem englischen und bedeutet übersetzt „body“ = Körper und „to build“ = bauen, also „den Körper bauen“ oder „den Körper modellieren“.

Bei dieser Sportart ist es das Ziel, durch gezielte Kraftübungen und der passenden, proteinreichen Ernährung ein Wachstum der Muskelmasse herbei zu führen und seinen Körper durch diese bestmöglich zu modellieren und diesen dann im Wettkampf im sogenannten „Posing“ zu präsentieren. Bewertungskriterien bei diesen Wettkämpfen, bei denen die Teilnehmer je nach Gewicht, Muskelmasse und Größe in unterschiedliche Klassen eingeteilt werden, sind unter anderem Muskelmasse, Muskeldefinition, Symmetrie und die Präsentation (vgl. Deutscher Bodybuilding und Fitness-Verband e.V.) Beim Bodybuilding geht es primär um die Körpermodifikation und nur sekundär um den Kraftaufbau, wie es beispielsweise beim klassischen Kraftsport oder Powerlifting der Fall ist.

Somit zählt jeder, der Krafttraining betreibt um seinen Körper nach seinen Wünschen zu formen, als ‚Bodybuilder‘. Jedoch wird in dieser Arbeit im speziellen auf die Gruppe der Personen eingegangen, welche diesen Sport als Wettkampf-/ Leistungssport betreiben und mindestens einmal an einem Wettbewerb teilgenommen haben.

2.1.2 Der Einfluss der Ernährung im Bodybuilding

Wenn man sich richtig ernährt, kann man Gesundheit und Leistungsfähigkeit steigern, während man durch eine falsche Ernährung das Gegenteil erreicht“ (Konopka, 2001, S.9)

Die Ernährung spielt beim Kraftsport und ganz besonders im Wettkampf-Bodybuilding eine bedeutende Rolle. Ein Bodybuilder ist bestrebt, mit seiner körperlichen Bestform auf der Bühne zu stehen, was nur durch eine Kombination aus dem richtigen Training und einer optimalen Ernährung erreichbar ist, da auf diesem Wege die Körperzusammensetzung beeinflusst werden und der Organismus mit der gesteigerten körperlichen und geistigen Belastung besser umgehen kann.

Im folgenden wird auf die wichtigsten Punkte in der Ernährung, im speziellen bei der eines Bodybuilder, eingegangen und diese erläutert.

2.1.2.1 Die Energiebilanz - Diät und Aufbau

Um die Ernährung während der Vorbereitung auf einen Wettkampf optimal planen zu können, muss zu Beginn der Diät als auch dem Aufbau außerhalb der Wettkampfsaison die Energiebilanz herausgefunden werden. Die Energiebilanz gibt dabei die Differenz zwischen Energiebedarf und Energiezufuhr wieder. Wenn die Energiebilanz negativ ausfällt, man also weniger Energie verbraucht als man durch die Nahrung zu sich nimmt, befindet der Körper sich in einem Energiedefizit (vgl. Ralf Brandes, Florian Lang, Robert F. Schmidt, S.555) In Folge dessen greift er zur Energiegewinnung auf Speicher in Form vom Körperfett, Glykogenspeicher oder auch körpereigenes Protein, also Muskulatur, zurück. Wenn man dem Körper hingegen mehr Energie liefert als man verbraucht, ist die Energiebilanz positiv und man ist in der Lage, Körpermasse zuzunehmen. Die Menge an Energie, die der menschliche Körper verbraucht, setzt sich aus drei Komponenten zusammen.

1. Der Grundumsatz

Der Grundumsatz ist die Energiemenge, welche der Körper in völliger Inaktivität liegend, zwölf Stunden nach der letzten Nahrungsaufnahme und bei konstanten 20°C Raumtemperatur benötigt, um einzig und allein seine Organfunktionen aufrecht zu erhalten (vgl. Karl-H. et al., 2013, S.26). Dieser Wert ist von unterschiedlichen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Körperzusammensetzung oder Gewicht abhängig und kann somit von Mensch zu Mensch variieren und verändert sich im Laufe des Lebens auf Grund von beispielsweise einer Abnahme der Muskulatur als stoffwechselaktives Gewebe oder einer Veränderung der Schilddrüsenfunktion.

2. Der Leistungumsatz

Der Leistungsumsatz ist die Energiemenge, die für zusätzliche körperliche Aktivitäten benötigt wird, welche über den Grundumsatz hinausgehen. Auch dieser Wert ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig und variiert sogar noch stärker als der Grundumsatz, da hier die Menge der eingesetzten Muskulatur in Kombination mit der Intensität und der Dauer der Belastung entscheidend sind.

3. Die nahrungsinduzierte Thermogenese

Die Energiebilanz wird zudem durch den Energieverbrauch während der Verstoffwechselung der Nährstoffe während der Verdauung beeinflusst. Die Thermogenese ist definiert als „Zunahme der Körpertemperatur und der Wärmeabgabe an die Umgebung über den Grundumsatz hinaus, die circa 6h nach Nahrungsaufnahme auftritt.“ (Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung) Die Höhe dieses Energieverbrauchs ist abhängig von der Menge und der Nährstoffzusammensetzung der Nahrung. Bei Kohlenhydraten werden etwa 6%, bei Fetten sogar nur 2-3% der Kalorien bei der Oxidation in Wärme umgewandelt, hingegen bei Eiweiß ganze 30-40%. Somit liegt der Energieverbrauch der Thermogenese bei einer durchschnittlichen Ernährung bei etwa 7-13% des Gesamtumsatzes pro Tag (vgl. Manfred James Müller, 2006, S.79).

Im Muskelaufbau, welcher außerhalb der Wettkampfsaison stattfindet, geht es in erster Linie darum, Muskulatur aufzubauen. Hierfür ist nicht nur Hypertrophietraining nötig, um im Muskel einen optimalen Wachstumsreiz zu setzen, sondern auch eine Energieversorgung, welche über dem Gesamtumsatz liegt, um dem Körper ausreichend Baustoff für die Muskulatur bereitzustellen.

Die Diät, welche je nach Ausgangsform drei bis sechs Monate in Anspruch nehmen kann, verfolgt anschließend das Ziel, das Körperfett auf ein Minimum zu reduzieren, um die darunter liegende Muskulatur sichtbar zu machen. Das Krafttraining wird hierbei bei gleicher Intensität fortgeführt, bei der Energieversorgung durch die Ernährung jedoch ein Energiedefizit eingehalten, um die Muskelmasse möglichst aufrecht zu erhalten und Körperfett als Energielieferant zu aquirieren und es somit zu reduzieren.

2.1.2.2 Proteine

Proteine dienen dem menschlichen Körper nicht nur als Grundlage für den Aufbau von Knorpel, Sehnen, Bändern, Haut, Haaren oder Nägel.

Auch die Skelettmuskulatur eines Menschen besteht zu rund 22% aus Proteinen, weshalb es in dieser Sportart nicht nur ein Widerstandstraining benötigt um die nötigen überschwelligen Reize zu setzen, sondern auch eine Zufuhr proteinreicher Lebensmittel, um dem Körper die Proteinsynthese zu ermöglichen und in Form von Aminosäuren, den Bestandteilen des Proteins, Baustoffe für die Muskeln zu liefern. Diese Aminosäuren lassen sich in die Gruppen der essenziellen, bedingt essenziellen und nicht essenziellen Aminosäuren einteilen (vgl. Michael Adolp, 2010, S.103).

Die essenziellen Aminosäuren Threonin, Lysin, Valin, Leucin, Isoleucin, Phenylalanin, Tryptophan und Methonin sind hierbei die einzigen, welche vom Körper nicht selbst synthetisiert oder durch andere nicht essenzielle Aminosäuren gebildet werden können und somit in ausreichender Form durch die Ernährung zugeführt werden müssen.

Wichtig hiefür ist eine möglichst hohe biologische Wertigkeit. „Sie gilt als Maß dafür, wie viel eines aufgenommenen Nahrungsproteins in körpereigenes Protein umgewandelt werden kann“ (Deutsches Ernährungsberatungs- und -Informationsnetz) Das bedeutet, dass ein Protein, dessen Aminosäuren-Zusammensetzung der des Körperproteins ähnelt, eine bessere Verwertbarkeit und somit eine höhere biologische Wertigkeit hat als ein Protein, dessen Aminosäuren-Zusammensetzung stark von dem des menschlichen Körpers abweicht. Durch eine geschickte Kombination verschiedener Proteinquellen kann diese Wertigkeit gesteigert werden, da sich die unterschiedlichen Aminosäurenprofile gegenseitig ergänzen.

Die von der DGE ausgesprochene Empfehlung von täglich 0,8-1,0g/kg Körpergewicht bezieht sich auf eine normale Mischkost für einen durchschnittlichen Erwachsenen ab 19 Jahren, reicht für einen intensiv trainierenden Kraftsportler jedoch nicht aus, weshalb diese Menge im Bodybuilding häufig um das Zwei- bis Vierfache erhöht wird. Vor allem in einem Kaloriendefizit während der Wettkampfvorbereitung sollte die Proteinzufuhr nochmals erhöht werden, um den Fettabbau zu optimieren und einem Muskelverlust vorzubeugen.

2.1.2.3 Kohlenhydrate

Kohlenhydrate dienen dem Körper, im Alltag als auch bei sportlicher Aktivität, in erster Linie als Energieträger, welcher für den Körper schneller verwertbar ist als Fett. Diese Funktion macht man sich auch im Bodybuilding zu Nutze, um vor allem im Muskelaufbau außerhalb der Wettkampfsaison ausreichend Energie für das Hypertrophietraining zur Verfügung zu haben und auf diesem Wege Muskelmasse aufbauen zu können.

Dabei spielt der Aufbau der unterschiedlichen Kohlenhydrate eine wesentliche Rolle, da es hiervon abhängig ist, wie schnell die Energiebereitstellung während einer Belastung abläuft. Je nach Anzahl der verknüpften Moleküle kann man zwischen Mono- (Einfachzucker), Di- (Zweifachzucker), Oligo- (Mehrfachzucker) und Polysacchariden (Vielfachzucker) unterscheiden (vgl. Michael Adolph, 2010, S.62)

Die physiologische Energieerzeugung verläuft hierbei in der Glykolyse und im Citrat-Zyklus. Im Kraftsport wird sich in erster Linie die schnellste Energiebereitstellung der Monosaccharide in Form von Traubenzucker und die Aufnahme von Polysaccharide in Form von Kartoffeln, Haferflocken oder Reis zu Nutze gemacht, da diese durch ihre komplexe Struktur und den darin enthaltenen Ballaststoffen länger benötigen, um vom Körper aufgespalten, aufgenommen und für die Energiegewinnung genutzt zu werden. Zudem halten sie den Blutzuckerspiegel durch eine gleichmäßige Insulinproduktion konstant.

Da Kohlenhydrate die einzigen Nährstoffe sind, welche für den Körper nicht essenziell sind, besteht vor allem hier die Möglichkeit, durch Mengenanpassungen die Diät innerhalb der Vorbereitung auf einen Wettkampf zu optimieren. So ist es oftmals nicht unüblich, dass in den letzten Wochen vor einem Wettkampf dieser Nährstoff zu gänze aus der Ernährung gestrichen wird und nur noch Proteine und Fette aufgenommen werden.

2.1.2.4 Fette

Fette in der Ernährung dienen mit ihren 9,4kcal pro 100g nicht nur als hochkalorischer Energielieferant, sondern auch als Trägersubstanz für fettlösliche Vitamine oder als Substrat für die Synthese von hormonähnlichen Substanzen, den Eikosanoiden, in dessen Zusammenhang diese hierbei auch Einfluss auf Blutdruck, Entzündungsprozesse, Immunabwehr oder unterschiedliche Stoffwechselvorgänge haben (vgl. Claus Leitzmann, 2009, S. 27).

Die wichtigsten Nahrungsfette sind Öle und Triglyceride, welche je nach Aufbau der Fettsäuren in gesättigte, ungesättigte und mehrfach ungesättigte Fette unterteilt werden (vgl. Prof. Dr. Stephan Geisler, David Loosen, 2018, S.10).

Da die gesättigten Fettsäuren die LDL-Cholesterin-Konzentration im Blut ansteigen lassen (vgl. Beatrice R. Amann-Vesti, 2006, S.207) sollte die Zufuhr durch die Nahrung möglichst gering ausfallen. Die ungesättigten und vor allem mehrfach ungesättigten Fette wie Omega-3 und Omega-6, welche für der Körper essenziell, also nicht selbst produzierbar sind, sollten dafür in ausreichender Menge zugeführt werden.

2.1.2.5 Nahrungsergänzungsmittel

Da es heutzutage unzählige Nahrungsergänzungsmittel im Bereich des Bodybuildings gibt, wird hier nur auf die legalen, meist genutzten Supplemente eingegangen.

Das Produkt, welches wohl am meisten Verwendung findet, ist Protein in Fom von Eiweißpulvern oder einzelnen Aminosäuren. Wie im Kapitel „Proteine“ bereits erläutert, ist dieser Makronährstoff unentbehrlich bei dem Aufbau von Skelettmuskulatur. Somit ist es nicht verwunderlich, dass Bodybuilder sich diese Ergänzung zu Nutze machen, um auf einfache und schnelle Art und Weise eine gewisse Menge Protein zu sich zu führen und den Körper auf diesem Wege nach dem Training oder im Laufe des Tages genügend Baustoffe zu liefern. Zwar ist es für einen durchschnittlichen Erwachsenen keine Herausforderung, den täglichen Grundbedarf durch die natürliche Ernährung zu decken, jedoch haben Kraftsportler einen erhöhten Bedarf, der durch eine Supplementierung leichter gedeckt werden kann.

Im Folgenden werden die drei beliebtesten Produkte kurz erläutert.

1. Molkenprotein

Das Molkenprotein, häufig auch Whey-Protein genannt, ist wegen seiner hohen biologischen Wertigkeit von 104 und der schnellen Resorption dank der leichten Verdaulichkeit äußerst beliebt.

2. Branched chain amino acids

Die Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin, auch BCAAs genannt, sind essenziell, können also nicht von Körper selber hergestellt werden, was eine Zufuhr von Außen notwendig macht.

3. Essential amino acids

EAAs enthalten nicht nur die drei branched chain amino acids, sondern zusätzlich noch Lysin, Methonin, Phenylalanin, Threonin und Tryptophan und somit alle acht essenziellen Aminosäuren.

Ein weiteres Nahrungsergänzungsmittel, welches in den meisten Fällen eingenomen wird, ist Kreatin.

Kreatin ist ein Tripeptid, welches aus den drei Aminosäuren Arginin, Methionin und Glycin besteht. Es vereinfacht die Produktion des Energielieferanten Adenosintriphosphat und kann somit bei kurzen, intensiven Belastungen die Energielücke schließen und dafür sorgen, dass man beispielsweise im Krafttraining mehr Wiederholungen schafft. Dies widerum ermöglicht einen größeren Kraft- und Muskelaufbau.

Kreatin kann sowohl vom menschlichen Körper gebildet als auch durch die Nahrung aufgenommen werden. Der größte Speicher stellt hierbei die Muskulatur dar, in denen sich etwa 95% befinden. Der tägliche Bedarf liegt bei durchschnittlich drei bis vier Gramm, wobei nur etwa die Hälfte selbst vom Körper synthetisiert werden kann (vgl. Jürgen Gießing, 2019, S.20).

In einer Studie von Volek et al. unersuchte man, inwieweit Bodybuilder von der Einnahme von Kreatin profitieren können.

Zwei Gruppen von Probanden übten 12 Wochen lang ein schweres Krafttraining aus, bei dem die Hälfte der Teilnehmer in der ersten Woche insgesamt 25g Kreatin einnahmen und die andere Hälfte lediglich einen Placebo. Die Gruppe, welche das Kreatin einnahm, legten insgesamt 6,3% fettfreie Masse zu, die Vergleichsgruppe lediglich 3,1%. In einer Metaanalyse kam man zu dem Ergebnis, dass auch die Kraft mit einer Kreatineinnahme um 14% im Vergleich zu Teilnehmern, die kein Kreatin eingenommen haben, angestiegen ist.

Auch Omega-3-Fettsäuren in flüssiger Form oder Kapseln werden von vielen Athleten täglich supplementiert. Diese mehrfach ungesättigten Fettsäuren können vom Körper nicht selber produziert werden, weshalb es wichtig ist, sie in ausreichender Menge durch die Nahrung zuzuführen. Dieses Nahrungsergänzungsmittel kann auch bei Nicht-Sportlern positive Auswirkungen auf den Körper und die Gesundheit haben und eine Vielzahl von Stoffwechselreaktionen und physiologischer Prozesse im Organismus positiv beeinflussen (vgl. Wolfram, 2006), vor allem mit dem Hintergrund, dass heutzutage häufig ein Überschuss an Omega-6-Fettsäuren besteht und ein Mangel an Omega-3. Jedoch machen sich Bodybuilder vor allem die Effekte auf die Entzündungshemmung und auf den Lipoproteinstoffwechsel zu nutze. Die dem Körper zugeführten Fettsäuren, ob Omega-3 oder Omega-6, werden durch Enzyme namens PLA2 gespalten. Bei der Spaltung von Omega-6-Fettsäuren entstehen Stoffe, welche für verschiedene entzündliche Vorgänge verantwortlch sind. Bei Omega-3-Fettsäuren hingegen entstehen Stoffe mit entzündungshemmender Wirkung (vgl. Michael Hamm, Dirk Neuberger, 2006, S.59)

2.1.3 Krafttraining

Das Hauptziel des Krafttraining im Bodybuilding ist der Aufbau von Skelettmuskelmasse. Die sportwissenschaftliche Definition von Kraft lautet: „Kraft ist die Fähigkeit des Nerv-Muskel-Systems Widerstände zu überwinden oder ihnen entgegenzuwirken.“ (Jan Pauls, 2011, S.10)

Die Muskulatur kann hierbei konzentrisch, isometrisch und konzentrisch arbeiten (vgl. Kay Bartrow, 2011, S.185). Bei der konzentrischen Muskelarbeit verkürzt sich der Muskel, um eine gewisse Kraft aufbringen zu können und es nähern sich Muskelansatz und -ursprung an. Bei der isometrischen Muskelarbeit kontrahiert der Muskel ohne Längenveränderung, hier findet also eine statische Haltung statt. Bei der exzentrischen Muskelarbeit versucht der Muskel, eine von außen wirkende Kraft auszubremsen und es kommt zu einer Verlängerung des betreffenden Muskels.

Zudem lassen sich verschiedene Formen von Kraft unterscheiden - die Kraftausdauer, die Maximalkraft, die Reaktivkraft und die Schnellkraft.

Der sichtbarste und im Bodybuilding wichtigste Anpassungseffekt des Körpers an ein Krafttraining ist eine Dickenzunahme der Muskulatur. „Unter dem Einfluss einer gesteigerten Funktion passen sich die Zellen eines Gewebes, das Organ und letztendlich der Gesamtorganismus so an, dass durch eine höhere Organmasse (Hypertrophie) und eine höhere Leistungsfähigkeit der Mehrbelastung entgegengewirkt wird“ (Mader, 1990, S.20). Somit entsteht diese Verdickung der Muskulatur durch ein Wachstum der einzelnen Muskelfasern durch Proteineinlagerungen. Das Krafttraining muss hierbei einen über das normale Maß hinausgehenden Reiz in der Muskulatur setzen, um oben genannte Anpassungserscheinungen in Form einer Muskelhypertrophie im Körper herbei zu führen.

Hierbei gibt es eine große Vielfalt an Methoden und Übungen, welche zum Einsatz kommen können, wobei ein konzentrisches Krafttraining mit 70-80% der Maximalkraft in mehreren Sätzen bis zum Muskelversagen die am häufigsten praktizierte ist (vgl. Günter Schnabel, 2011, S.325).

Aber auch das exzentrische Training, Trainingssätze mit aufsteigender Belastung oder Wiederholungsbereiche zwischen 15-20 setzen überschwellige Reize und werden zusätzlich zur üblichen Hypertrophiemethode durchgeführt.

2.1.4 Geschichtliche Entwicklung

Die Ausführung von bestimmten Übungen mit Zusatzgewichten mit dem Ziel, den Körper zu modellieren, hat eine lange Geschichte. So fand man bereits in Ägypten Grabmalereien aus den Jahren 3000 v. Chr. die darauf hindeuten, dass bereits dort diese Sportart zu ästhetischen Zwecken ausgeübt wurde.

Etwa 1000 Jahre später, in der griechischen Antike, war das Wissen über die Anatomie des menschlichen Körpers weit voran geschritten und so entwickelten sich Gymnasien, in denen ausgewählte Männer mit Hilfsmitteln trainiert wurden um in Wettkämpfen gegeneinander anzutreten (vgl. Jan Pauls, 2015, S.36). Hier ging es jedoch zunächst noch nicht um das äußere Erscheinungsbild, sondern vielmehr um das Kräftemessen in den Arenen als Unterhaltung der Gesellschaft.

Im vorletzten Jahrhundert sorgte Eugene Sandow, geboren am 02. April 1867, dafür, dass der Kraftsport immer populärer wurde und er seitdem als Vorreiter des modernen Bodybuildings gilt. Er war es auch, der im Jahre 1901 den ersten Bodybuildling-Wettkampf ins Leben gerufen hat (vgl. Sabine Lamprecht, Hans Lamprecht, 2016)

Joe Weider, geboren am 29. November 1919 in Montreal, gründete 1946 schließlich gemeinsam mit seinem Bruder Ben Weider die heutige IFBB (International Federation of Bodybuilding and Fitness) und ließ 1965 das erste Mal den zur heutigen Zeit populärsten Wettbewerb stattfinden, den Mr. Olympia (vgl. Weider Germany)

Heutzutage gibt es immer mehr Fitnessstudios in Form von Discountern oder Premium-Studios, die von Personen unterschiedlichsten Alters besucht werden. Somit ist es nicht verwunderlich, dass auch Bodybuilding als Wettkampfsport eine immer breitere Masse anspricht und die Anzahl der Wettkämpfe stetig zunimmt.

2.1.5 Persönlichkeitsentwicklung und Psyche

Die geistige Komponente spielt im Bodybuilding und bei der Vorbereitung auf einen Wettkampf eine ganz wesentliche Rolle.

Um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen, benötigt es unter anderem ein hohes Maß an Disziplin, da es die Grundvoraussetzung für regelmäßiges Training und das Einhalten des Ernährungsplans und somit von großer Bedeutung für das Erreichen der Ziele ist.

Auch die Fähigkeit, seine Lebensweise genauestens zu strukturieren und äußere Einflüsse bewerten zu können sind Eigenschaften, die unumgänglich sind. Außerdem muss man in diesem Zusammenhang auch angemessen auf externe Störfaktoren reagieren und negativen Einflüssen entgegenwirken können. Vor allem eine Inakzeptanz des nahen, sozialen Umfeldes kann sonst über kurz oder lang zu Selbstzweifeln führen.

Jedoch kann diese Einstellung auch zu negativen Effekten führen, was australische Sportwissenschaftler der University of Sydney bei der Durchführung einer Studie herausfanden.

Im Fachjournal Sports Medicine veröffentlichten sie eine Metastudie mit 31 zuvor veröffentlichten Experimenten und analysierten diese erneut. Die Probanden, welche in Bodybuilder und Kraftsportler eingeteilt wurden, mussten ein Fragebogen ausfüllen, welcher Anzeichen für eine Muskelsucht - auch Adoniskomplex oder Bigorexie genannt - untersuchen sollte. Im Gegensatz zur Vergleichsgruppe zeigte sich bei den Bodybuildern, dass diese häufiger an einer Abhängigkeit vom Training leiden. Das Wohlbefinden würde leiden, wenn das Training ausfällt und sie würden am Tag nicht richtig ‚funktionieren‘. Auch das Training bei Krankheit oder Verletzung kommt deutlich öfter vor als bei der Vergleichsgruppe.

Die Forscher kamen außerdem zu dem Ergebnis, dass Bodybuilder häufiger an Zweifeln bezüglich ihres äußeren Erscheinungsbild und einem negativen Selbstbild leiden. Dabei konnten keine Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Probanden festgestellt werden.

Der Drang zum Perfektionismus?

Die oben beschriebene Studie zeigt, dass viele Bodybuilder nach etwas besserem streben. Mit harten Training, einer konsequenten Diät und einem genau getakteten Tagesablauf versuchen sie, ihren Körper nach ihren Wünschen und Vorstellungen zu formen und haben dadurch einen kritischeren Blick auf sich selbst. Wenn man sich nun die Definition für Perfektionismus von Nils Spitzer anschaut, lassen sich hier einige Parallelen feststellen. „Es geht also beim Perfektionismus im Kern um das Streben nach dem Makellosen, dem Fehlerlosen, danach, es noch besser zu machen“ (Nils Spitzer, 2016, S.3)

2.2 Essstörungen - Definition und Symptomatik

„Esstörungen sind psychosomatische Erkrankungen, die durch Störungen der Nahrungsaufnahme bzw. des Körpergewichts ohne organische Ursachen gekennzeichnet sind.“ (Tappauf & Scheer, 2007, S.26)

Als Esstörungen werden alle von der Norm abweichenden Auffälligketen des Essverhaltens verstanden, welche langfristig zu psychischen und physischen Störungen führen. Betroffene beschäftigen sich übermäßig mit den Themen Körpergewicht, Nahrung und äußeres Erscheinungsbild. Dies heißt jedoch nicht, dass all diejenigen, die sich intensiv mit der Ernährung beschäftigen oder überdurchschnittlich viel Sport betreiben, automatisch an einer Essstörung leiden (vgl. Gerlinghoff & Backmund, 2007, S.14). Essgestörtes Verhalten ist für sich genommen keine Krankheit (vgl. ebd. S.14), jedoch sind die Übergänge eines solchen Verhaltens hin zu einer diagnostizierten Essstörung meist fließend (vgl. ebd. S.12).

Etwa 100.000 Menschen sind deutschlandweit an der Essstörung Magersucht erkrankt, wovon ein Großteil (90-95%) Frauen sind. Vor allem in den letzten 20 Jahren ist eine deutliche Zunahme dieser Art von Erkrankungen zu erkennen. Ein gestörtes Essverhalten kann viele verschiedene Verhaltensmuster aufweisen, wie z.B. der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel, der Zwang einer ständigen Kontrolle über die zugeführte Nahrung, exzessive Sporteinheiten als Ausgleich für Mahlzeiten, Fressattacken oder das Erbrechen kurz nach der Nahrungsaufnahme (vgl. Cuntz & Hillert, 2008, S.48). Da die Verhaltensmuster so breit gefächert sind, werden verschiedene Formen der Krankheit unterschieden.

Im folgenden wird jedoch in erster Linie auf die sogenannten klassischen Essstörungen näher eingegangen.

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Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss einer Teilnahme an Bodybuilding-Wettkämpfen auf die Entwicklung von Essstörungen
Hochschule
IST-Hochschule für Management
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
43
Katalognummer
V902553
ISBN (eBook)
9783346190154
ISBN (Buch)
9783346190161
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bodybuilding, Essstörung, Bulimie, Magersucht, Kraftsport, Wettkampfsport
Arbeit zitieren
Daniela Hobach (Autor), 2019, Der Einfluss einer Teilnahme an Bodybuilding-Wettkämpfen auf die Entwicklung von Essstörungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/902553

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