In der Soziologie gilt G.H. Mead als Vater der Sozialpsychologie. Die Psychologie hingegen schreibt diese Rolle Kurt Lewin zu.
Wie kann jeweils ein Klassiker der Psychologie und einer der Soziologie als prägende Persönlichkeit dieser Sozialpsychologie gelten?
Und warum haben wohl die meisten Studierenden der Soziologie, selbst im fortgeschrittenen Semester, Kurt Lewin nie kennengelernt, obwohl die Sozialpsychologie schon im Grundstudium ausführlich behandelt wird?
In einer ersten Recherche stieß ich auf den Cooley-Mead Award, welcher jährlich von der Social Psychology Section der American Sociological Association vergeben wird. Im Newsletter der Sektion heißt es: „The Cooley-Mead Award, which is given annually, recognizes career contributions to sociological social psychology.“
Offensichtlich gibt es also eine soziologische Sozialpsychologie, welche sich von anderen Sozialpsychologien abgrenzt. Ebenso gibt es eine psychologische Sozialpsychologie, deren Standardlehrbuch „The handbook auf social psychology“ heißt. In der dritten Auflage wird der Symbolische Interaktionismus, dessen prägende Persönlichkeit G.H. Mead auch Namensgeber
für den oben genannten Preis ist, nicht einmal angeschnitten.
Im amerikanischen Standardwerk der soziologischen Sozialpsychologen „Sociological Perspectives on Social Psychology“ hingegen verweisen 28% aller Literaturhinweise auf psychologische Journale.
Demnach müsste es möglich sein, ein und denselben Tatbestand aus der Sicht beider Richtungen der Sozialpsychologie zu beschreiben. Diesen Versuch unternehme ich mit einer Beschreibung der Entwicklung der Adoleszenz. In erster Linie erhoffe ich mir davon ein genaueres Bild der Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der Sozialpsychologie Lewins und Meads.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 SOZIALPSYCHOLOGIE
2.1 Definition
2.2 Begriffsgeschichte
3 UNTERSCHIEDE
3.1 Sozialpsychologie und Soziologie
3.2 Soziologische Sozialpsychologie und psychologische Sozialpsychologie
3.3 Einordnung
3.3.1 Lewins Biografie
3.3.2 Lewin in der Sozialpsychologie
3.3.3 Meads Biografie
3.3.4 Mead in der Sozialpsychologie
4 ADOLESZENZ
4.1 Definition
4.2 Methodische Probleme
4.3 Adoleszenz aus Sicht der Strömungen
4.3.1 Meads Grundbegriffe
4.3.2 Beschreibung der Entwicklung
4.3.3 Lewins Grundbegriffe
4.3.4 Beschreibung der Entwicklung
5 VERGLEICH DER BESCHREIBUNGEN
5.1 Diskussion der Verhaltensformel
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Entwicklungsvorgänge der Adoleszenz durch den vergleichenden Einsatz der Feldtheorie von Kurt Lewin und des Symbolischen Interaktionismus nach G.H. Mead, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede der psychologischen und soziologischen Sozialpsychologie herauszuarbeiten.
- Grundlagen und Abgrenzung der psychologischen und soziologischen Sozialpsychologie
- Biografische und theoretische Einordnung von Kurt Lewin und G.H. Mead
- Analyse der Adoleszenz auf Basis von Lewins Feldtheorie (Lebensraum, Lokomotion)
- Analyse der Adoleszenz auf Basis von Meads Identitätskonzept (I und ME)
- Vergleich beider theoretischer Ansätze und Diskussion der Übertragbarkeit auf die Identitätsentwicklung
Auszug aus dem Buch
Identität, ME, I und Self
Die menschliche Identität ist ein Wechselspiel zweier Teilaspekte, dem ME und dem I. Erfahrungen und Erinnerungen sortieren und speichern wir innerhalb des ME. Dieser Teil kann vom Individuum selbst betrachtet werden, beispielsweise in Form von Rückblicken auf vergangene Situationen. Das ME ist also der objektive Teil unserer Identität.
Der Teil unserer Identität, welcher diesen Rückblick durchführt, ist das I. Das I ist entsprechend der subjektive Teil unserer Identität.
Zusammengefasst besteht unsere Identität aus einem Objekt und einem Subjekt, welcher das Objekt betrachtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Der Verfasser erläutert die Motivation für diese Arbeit und die Entdeckung der zwei getrennten Strömungen der Sozialpsychologie.
2 SOZIALPSYCHOLOGIE: Es werden Definitionsversuche sowie die Begriffsgeschichte der Sozialpsychologie diskutiert.
3 UNTERSCHIEDE: Dieses Kapitel arbeitet die Differenzen zwischen psychologischer und soziologischer Sozialpsychologie sowie die theoretische Einordnung von Lewin und Mead heraus.
4 ADOLESZENZ: Der Adoleszenzbegriff wird definiert und aus der theoretischen Sicht beider Strömungen detailliert analysiert.
5 VERGLEICH DER BESCHREIBUNGEN: Es findet eine abschließende Diskussion der Verhaltensformel sowie ein systematischer Vergleich der Theorien statt.
Schlüsselwörter
Adoleszenz, Sozialpsychologie, Feldtheorie, Symbolischer Interaktionismus, G.H. Mead, Kurt Lewin, Identität, ME, I, Lebensraum, Soziologie, Psychologie, Gruppendynamik, Sozialisation, Verhaltensformel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Adoleszenz aus der Sicht zweier unterschiedlicher sozialpsychologischer Strömungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die theoretischen Grundlagen der psychologischen Sozialpsychologie (Lewin) und der soziologischen Sozialpsychologie (Mead) sowie deren Anwendung auf den Lebensabschnitt der Adoleszenz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein genaueres Bild der Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Ansätzen von Lewin und Mead zu gewinnen, indem beide auf dasselbe Phänomen – die Adoleszenz – angewendet werden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor wählt einen komparativen Ansatz, bei dem Theorien auf Basis von Primär- und Sekundärliteratur gegenübergestellt und in Bezug auf ihre Anwendbarkeit auf die Adoleszenz reflektiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine methodische Einordnung der Autoren und eine detaillierte Gegenüberstellung der Adoleszenzentwicklung anhand der jeweiligen Grundbegriffe der Autoren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Feldtheorie, Lebensraum, Lokomotion, Symbolischer Interaktionismus, Identität (I/ME) und Marginalposition.
Wie unterscheidet Mead zwischen I und ME?
Das ME repräsentiert den objektiven Teil der Identität (gespeicherte Erfahrungen und Erwartungen der Gesellschaft), während das I den subjektiven, impulsiven und unberechenbaren Teil darstellt, der in der Gegenwart handelt.
Was versteht Lewin unter der Marginalposition in der Adoleszenz?
Der Adoleszent befindet sich in einer Zwischenphase, in der er nicht mehr der Kindergruppe angehört, aber noch nicht vollständig in die Gruppe der Erwachsenen integriert ist, was zu affektiver Instabilität führt.
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- Karl Musiol (Author), 2007, Über Entwicklungsvorgänge der Adoleszenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90268