Mit der Anwendung von Handels- und Wirtschaftsdüngern sind nicht nur Fragen nach Ertragssteigerungen und ökonomisch effektivem Düngereinsatz von Interesse, sondern gleichermaßen auch Aspekte der Umweltverträglichkeit der Düngungsmaßnahmen (KERSCHBERGER, FRANKE, HESS u.a.1998 S. 5). Beide Ziele können nur durch genaue Kenntnis und Kontrolle der im landwirtschaftlichen Betrieb vorkommenden Nährstoffmengen erreicht werden. Laut Düngeverordnung ist der Landwirt verpflichtet, Aufzeichnungen anzufertigen (siehe Kapitel 2), die einerseits eine Düngeplanung (also eine Bedarfsermittlung) darstellen sollen, andererseits sollen die Aufzeichnungen den Nährstoffvergleich, eine „Erfolgskontrolle“ für den bedarfsgerechten Düngereinsatz, ermöglichen (MATTHEY 1997 S.90). Mit Hilfe eines Nährstoffvergleichs (der Gegenüberstellung von Nährstoffzufuhr und Nährstoffabfuhr) lässt sich relativ einfach (anhand der Bilanzsalden) feststellen, ob das Nährstoffmanagement des Betriebs den rechtlichen Anforderungen entspricht. Der Landwirt soll von dem Ergebnis ableiten können, ob es in seinem Betrieb zu vermeidbaren Nährstoffverluste kommt, die ökonomisch und ökologisch nicht vertretbar sind (JACOBS 2000 S. 30).
In Abb. 1 wird deutlich, das die Landwirte in Deutschland die Stickstoffüberschüsse schon deutlich reduziert haben. Aufgrund steigender Stickstoffpreise werden die Ergebnisse der Nährstoffbilanzierung genauer „unter die Lupe genommen“. Es wird versucht, die im Betrieb vorhandenen Nährstoffe besser auszunutzen und den Zukauf von mineralischen Düngemitteln zu verringern und dadurch Kosten zu sparen. Allerdings gibt es Unterschiede hinsichtlich des Aufwands der Erstellung, der Einsatzmöglichkeit (je nach Betriebsausrichtung) und der Genauigkeit der verschiedenen Bilanzierungsmöglichkeiten (vgl. Kapitel 4 und 5). Mit dem Vergleich und der Bewertung von 2 Bilanzierungsmöglichkeiten, der Hoftorbilanz und der Einzelschlagbilanz, setze ich mich in dieser Seminararbeit auseinander.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rechtliche Vorschriften zur Erstellung eines Nährstoffvergleichs
2.1 Vorschriften, die einen Nährstoffvergleich fordern
2.2 Betriebliche Kriterien, die von der Pflicht zur Erstellung eines Nährstoffvergleichs befreien
2.3 Zulässige Bilanzüberschüsse
3. Vorstellung der behandelten Bilanzierungsmöglichkeiten
3.1 Hoftorbilanz
3.2 Einzelschlagbilanz
4. Bewertung von Hoftorbilanz und Einzelschlagbilanz
5. Schlussfolgerung
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht und bewertet die Unterschiede sowie die Eignung der Hoftorbilanz und der Einzelschlagbilanz zur Nährstoffbilanzierung in landwirtschaftlichen Betrieben unter Berücksichtigung aktueller gesetzlicher Vorgaben.
- Rechtliche Anforderungen der Düngeverordnung
- Funktionsweise der Hoftorbilanz
- Methodik der Einzelschlagbilanz
- Vergleichende Analyse der Genauigkeit und des Aufwands
- Bedeutung für die betriebliche Nährstoffeffizienz
Auszug aus dem Buch
4. Bewertung von Hoftorbilanz und Einzelschlagbilanz
Die Hoftorbilanz ist nur begrenzt zur Kontrolle der sachgerechten Düngung der Flächen eines Betriebes geeignet, da sie alle Pfade landwirtschaftlichen Handelns im Betrieb umfasst. In jedem dieser Pfade treten Nährstoffverluste (z.B. Stickstoffverluste bei der Güllelagerung) auf, die nicht genau quantifiziert werden können. Dazu kommt, dass die genaue Kontrolle bzw. Dokumentation der zu erfassenden Nährstoffmengen unter Umständen schwierig sein kann (z.B. Umrechnungen des Rohproteingehaltes in den Stickstoffgehalt bei verschiedenen Futtermitteln). Außerdem muss das einzelbetriebliche Geschehen bei der Analyse des Hoftorbilanzergebnisses genau in Betracht gezogen werden. Besondere Vorkommnisse wie z.B. Auf oder Abstockung des Viehbestandes wirken sich ebenfalls stark beeinträchtigend auf das Bilanzergebnis aus. Diese Ungenauigkeiten beeinträchtigen dann die Aussagekraft der Nährstoffbilanz hinsichtlich der Düngung. Eine seriöse Aussage über eine eventuell notwendige Korrektur der Düngung einzelner Schläge ist dann mit diesen Ergebnissen nicht mehr gegeben (EMBERT 2004, S.16).
Vorteile hat die hoftorbezogene Nährstoffbilanzierung in Betrieben, wo die Nährstoffabfuhr von den Flächen nur schwer schlagbezogen zu quantifizieren ist (z.B. bei intensiver Weidehaltung von Milchkühen).
Bei der einzelschlagbezogenen Nährstoffbilanzierung ergibt sich aus der Erfassung nur weniger Zahlen pro Schlag ein vertretbarer Aufwand. Aufgrund der geringeren Anzahl von notwendigen Daten ist das Risiko der Beeinträchtigungen durch ungenaue Werte erheblich geringer. Betriebe, die sowieso mit einer Ackerschlagkartei arbeiten, können mit dieser (unter Einbeziehung der Nährstoffabfuhr mit Ernteprodukten und Ernteresten und der Nährstoffbindung durch Leguminosen) direkt den Nährstoffsaldo für die einzelnen Flächen erstellen (EMBERT 2004, S.13). Aus den einzelnen Salden der verschiedenen Schläge lässt sich dann der durchschnittliche betriebliche Saldo bilden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Notwendigkeit von Nährstoffbilanzen zur Erfolgskontrolle und Effizienzsteigerung bei der Düngung unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte.
2. Rechtliche Vorschriften zur Erstellung eines Nährstoffvergleichs: Dieses Kapitel behandelt die gesetzlichen Verpflichtungen gemäß der Düngeverordnung sowie Ausnahmeregelungen und zulässige Nährstoffüberschüsse.
3. Vorstellung der behandelten Bilanzierungsmöglichkeiten: Hier werden die beiden methodischen Ansätze, die Hoftorbilanz und die Einzelschlagbilanz, in ihrer Funktionsweise und Struktur beschrieben.
4. Bewertung von Hoftorbilanz und Einzelschlagbilanz: Es erfolgt ein Vergleich hinsichtlich Genauigkeit, Datenaufwand und praktischer Eignung für unterschiedliche Betriebstypen.
5. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Einzelschlagbilanz präzisere Ergebnisse liefert, während die Hoftorbilanz das gesamte Betriebsgeschehen abbildet, rechtlich jedoch nicht mehr ausreichend ist.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die zentralen Erkenntnisse über die Eignung der Bilanzierungsmethoden für die betriebliche Praxis.
Schlüsselwörter
Nährstoffbilanz, Düngeverordnung, Hoftorbilanz, Einzelschlagbilanz, Landwirtschaft, Stickstoff, Phosphor, Nährstoffvergleich, Nährstoffmanagement, Flächenbilanz, Düngung, Schlagkartei, Umweltschutz, Erfolgskontrolle, Nährstoffeffizienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht und bewertet die beiden Methoden der Hoftorbilanz und der Einzelschlagbilanz zur Nährstoffbilanzierung in landwirtschaftlichen Betrieben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind rechtliche Anforderungen der Düngeverordnung, die methodische Durchführung der Bilanzierungen sowie deren Genauigkeit und praktische Anwendbarkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich Nährstoffvergleiche gestalten lassen und welche Bilanzierungsmöglichkeit besser geeignet ist, um eine ökologisch und ökonomisch angepasste Düngung zu gewährleisten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Methode, indem sie bestehende gesetzliche Vorgaben zusammenfasst und die Vor- sowie Nachteile der beiden Bilanzierungsmodelle gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die gesetzlichen Grundlagen, die technischen Unterschiede der Bilanzierungswege und deren jeweilige Stärken und Schwächen bei der Anwendung auf unterschiedliche Betriebstypen analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Nährstoffbilanz, Düngeverordnung, Hoftorbilanz, Einzelschlagbilanz und landwirtschaftliche Erfolgskontrolle.
Warum ist die Hoftorbilanz laut Düngeverordnung nicht mehr ausreichend?
Die Hoftorbilanz ist aufgrund der hohen Anzahl an variablen Faktoren und der damit verbundenen Ungenauigkeiten für eine präzise schlagbezogene Dokumentation, wie sie die aktuelle Düngeverordnung fordert, nicht mehr zugelassen.
Für welche Betriebe ist die Einzelschlagbilanz besonders geeignet?
Sie ist besonders vorteilhaft für viehlose Ackerbaubetriebe, da diese bei der Nutzung einer Ackerschlagkartei sehr genau und mit vertretbarem Aufwand den Nährstoffbedarf ihrer Flächen erfassen können.
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- André Grote (Author), 2007, Vergleich und Bewertung der Hoftor- und der Einzelschlagbezogenen Nährstoffbilanzierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90272