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Transformatorische Bildungsprozesse in Annie Ernaux' "Erinnerung eines Mädchens"

Untersuchung von Bildungsprozessen mit Jacques Lacans Theorien

Titel: Transformatorische Bildungsprozesse in Annie Ernaux' "Erinnerung eines Mädchens"

Hausarbeit , 2019 , 56 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Tim Emmerich (Autor:in)

Literaturwissenschaft - Vergleichende Literaturwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Annie Ernaux' Autobiographie "Erinnerung eines Mädchens" kann für eine Untersuchung transformatorischer Bildungsprozesse in Erzählungen fruchtbar gemacht werden. Dies wird in dieser Arbeit anhand der psychoanalytischen Theorien Lacans versucht.

Anfänglich erscheint es höchst ungewöhnlich und komplex, eine Bildungstheorie auf einen Roman anzuwenden. Das Befassen mit Lacans Schriften lehrt jedoch, dass Eigenheit und Komplexität nicht immer Hindernisse sein müssen, wenn man nur genau und vor allem ausdauernd liest. Mit Sätzen wie "das Unbewusste ist wie eine Sprache strukturiert" kombiniert Jacques Lacan (1901-1981) strukturale Linguistik mit Psychoanalyse. In seinen für ihn charakteristischen Seminaren kommentiert und verfeinert er die Psychoanalyse Sigmund Freuds.

In der ersten Hälfte dieser Hausarbeit sollen hauptsächlich Theorien Lacans, aber auch die Theorie Transformatorischer Bildungsprozesse sowie das Konzept der Dreifachen Mimesis Paul Ricoeurs dargestellt werden. Anhand der Theorie Transforma-torischer Bildungsprozesse sollen in der zweiten Hälfte Bildungsprozesse im autobiographischen Roman "Erinnerung eines Mädchens" von Annie Ernaux unter Einbezug von Lacans Theorien untersucht werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Theoretischer Teil: Lacans Lehre und Bildung

1.1 Einleitung

1.2 Romane und Bildungsprozesse

1.3 Ricœur: Dreifache Mimesis

1.4 Transformatorische Bildung

1.5 Lacan: Das Imaginäre, das Symbolische und das Reale

1.6 Lacan: Das Spiegelstadium und das Subjekt

1.7 Lacan: Das Begehren (désir)

1.8 Lacan: Signifikantentheorie

1.9 Lacan: Das Phantasma

1.10 Die Bedeutung Lacans Theorien für Transformatorische Bildungsprozesse

2. Empirischer Teil: Das Mädchen von 1958

2.1. Einführung und Zusammenfassung des Romans

2.1.1 „Formulierung ohne Widerspruch“ – Der Personenwechsel

2.1.2 „Sie ist ich, ich bin sie“ – Der Personenwechsel als Figur des Welt- und Selbstverhältnisses

2.1.3 Die „Liebesnacht“ – Der Geschlechtswechsel

2.1.4 „Es sind keine fünf Minuten vergangen“ – Der Geschlechtswechsel als Figur des Welt- und Selbstverhältnisses

2.2 „Mon historie c’est l’histoire d’un amor“ – Der Weg zwischen Liebesnacht und Schreiben

2.3 Das „von der Koppel entlaufene Fohlen“ – Transformatorische Bildungsprozesse in der Ferienkolonie

2.3.1 „Die Zerstörung aller Interpretationen“ – Die Wirklichkeit der Vergangenheit und die Unwirklichkeit der Gegenwart

2.3.2 „Ich bin es, die die Bilder zusammenbringt“ – Dreifache Mimesis in „Erinnerung eines Mädchens“

2.3.3 „Ich könnte am Ende meines Buches sterben“ – Transformatorische Bildungsprozesse im Verfassen des Romans

2.4 Fazit und Zusammenfassung

2.5 Transformatorische Bildung in dieser Hausarbeit

2.6 Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die psychoanalytische Theorie von Jacques Lacan als Analyseinstrument für Transformatorische Bildungsprozesse in autobiographischen Romanen dienen kann, wobei der Fokus auf Annie Ernaux’ Werk „Erinnerung eines Mädchens“ liegt.

  • Grundlagen der Theorie Transformatorischer Bildung.
  • Lacans drei Register: Das Imaginäre, das Symbolische und das Reale.
  • Die Rolle von Sprache und Signifikanten bei der Konstitution des Subjekts.
  • Sprachliche Stilmittel (Personen- und Geschlechtswechsel) im Roman.
  • Das Verfassen von Literatur als potenzieller Bildungsprozess.

Auszug aus dem Buch

1.1 Einleitung

Anfänglich erscheint es höchst ungewöhnlich und komplex, eine Bildungstheorie auf einen Roman anzuwenden. Das Befassen mit Lacans Schriften lehrt jedoch, dass Eigenheit und Komplexität nicht immer Hindernisse sein müssen, wenn man nur genau und vor allem ausdauernd liest. Mit Sätzen wie „das Unbewusste ist wie eine Sprache strukturiert“ kombiniert Jacques Lacan (1901-1981) strukturale Linguistik mit Psychoanalyse. In seinen für ihn charakteristischen Seminaren kommentiert und verfeinert er die Psychoanalyse Sigmund Freuds.

In der ersten Hälfte dieser Hausarbeit sollen hauptsächlich Theorien Lacans, aber auch die Theorie Transformatorischer Bildungsprozesse sowie das Konzept der Dreifachen Mimesis Paul Ricœurs dargestellt werden. Anhand der Theorie Transformatorischer Bildungsprozesse sollen in der zweiten Hälfte Bildungsprozesse im autobiographischen Roman „Erinnerung eines Mädchens“ von Annie Ernaux unter Einbezug von Lacans Theorien untersucht werden.

Hermann Hesse sagt: „Wer nicht in die Welt passt, der ist immer nahe daran, sich selber zu finden.“ Transformatorische Bildung entsteht dort, wo man selbst nicht mehr zur Welt passt: Man transformiert sein Welt- und Selbstverhältnis, genau genommen grundlegende Figuren und Kategorien dessen. Mit dieser Annahme reformulieren Erziehungswissenschaftler, wie Winfried Marotzki, Hans-Christoph Koller oder Rainer Kokemohr den Bildungsbegriff. Dabei liegt der Fokus auf neuen Zugängen der empirischen Erfassung, um Strukturen von Bildungsprozessen zu untersuchen. Eine Möglichkeit dieser Herangehensweise bietet die Untersuchung Transformatorischer Bildung anhand autobiographischer Romane, wie sie in dieser Arbeit durchgeführt wird.

Der zweite Teil dieses Zitats lässt sich im Lichte Lacans auf eine interessante Art und Weise verstehen, „[d]enn das Zu-sich-selbst-Kommen […] ist immer ein Zu-einem-Anderen-Kommen“1. Ebenfalls beachtenswert ist folgender Umstand: Hermann Hesse konnte zweifelsohne, als er 1919 den Demian geschrieben hatte, nichts von Transformatorischen Bildungsprozessen wissen, aber nach Lacan entsteht die Bedeutung ja erst im Nachhinein.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Theoretischer Teil: Lacans Lehre und Bildung: Einführung in die psychoanalytischen Grundlagen nach Lacan und die Theorie transformatorischer Bildungsprozesse.

1.1 Einleitung: Hinführung zur Fragestellung und Verknüpfung von Literatur und Bildungstheorie.

1.2 Romane und Bildungsprozesse: Analyse, wer im Kontext eines Romans als sich bildende Person agieren kann (Protagonist, Leser, Autor).

1.3 Ricœur: Dreifache Mimesis: Erläuterung des Modells von Ricœur als Instrument zur Analyse der Zeitkonstruktion in Biographien.

1.4 Transformatorische Bildung: Definition des Bildungsbegriffs als Transformation grundlegender Figuren und Kategorien des Welt- und Selbstverhältnisses.

1.5 Lacan: Das Imaginäre, das Symbolische und das Reale: Darstellung der drei psychischen Register mittels des Borromäischen Knotens.

1.6 Lacan: Das Spiegelstadium und das Subjekt: Beschreibung der Ich-Konstitution und der narzisstischen Identifikation.

1.7 Lacan: Das Begehren (désir): Erläuterung der Mangelstruktur des Subjekts und der Rolle des „Objekts klein a“.

1.8 Lacan: Signifikantentheorie: Darstellung der Psychoanalyse als Untersuchung sprachlicher Strukturen statt inhaltlicher Aspekte.

1.9 Lacan: Das Phantasma: Analyse der Struktur des Phantasmas als Ausdruck und Antrieb des Begehrens.

1.10 Die Bedeutung Lacans Theorien für Transformatorische Bildungsprozesse: Synthese von Lacans Theorien mit bildungstheoretischen Ansätzen.

2. Empirischer Teil: Das Mädchen von 1958: Anwendung der theoretischen Konzepte auf Annie Ernaux' autobiographischen Roman.

2.1. Einführung und Zusammenfassung des Romans: Überblick über die Handlung von „Erinnerung eines Mädchens“.

2.1.1 „Formulierung ohne Widerspruch“ – Der Personenwechsel: Analyse der Trennung von erzählendem und erzähltem Ich.

2.1.2 „Sie ist ich, ich bin sie“ – Der Personenwechsel als Figur des Welt- und Selbstverhältnisses: Untersuchung der Identitätsentwicklung und Dekonstruktion der Vergangenheit.

2.1.3 Die „Liebesnacht“ – Der Geschlechtswechsel: Analyse eines zentralen Stilmittels zur Darstellung der Beziehung zwischen den Figuren.

2.1.4 „Es sind keine fünf Minuten vergangen“ – Der Geschlechtswechsel als Figur des Welt- und Selbstverhältnisses: Diskussion der Liebesnacht als mögliches transformatorisches Ereignis.

2.2 „Mon historie c’est l’histoire d’un amor“ – Der Weg zwischen Liebesnacht und Schreiben: Untersuchung der Auswirkungen des Erlebten auf Annies psychische Verfassung und ihren späteren Schreibprozess.

2.3 Das „von der Koppel entlaufene Fohlen“ – Transformatorische Bildungsprozesse in der Ferienkolonie: Analyse des Übergangs vom behüteten Elternhaus in die Welt der Ferienkolonie.

2.3.1 „Die Zerstörung aller Interpretationen“ – Die Wirklichkeit der Vergangenheit und die Unwirklichkeit der Gegenwart: Reflexion über den Wahrheitsanspruch und die Fiktionalität der Erinnerungsarbeit.

2.3.2 „Ich bin es, die die Bilder zusammenbringt“ – Dreifache Mimesis in „Erinnerung eines Mädchens“: Anwendung des Mimesis-Konzepts auf den Schreibvorgang von Ernaux.

2.3.3 „Ich könnte am Ende meines Buches sterben“ – Transformatorische Bildungsprozesse im Verfassen des Romans: Diskussion darüber, ob der Akt des Schreibens selbst eine transformatorische Bildung darstellt.

2.4 Fazit und Zusammenfassung: Zusammenführende Betrachtung der Ergebnisse und Beantwortung der Ausgangsfrage.

2.5 Transformatorische Bildung in dieser Hausarbeit: Reflexion über den eigenen Lern- und Bildungsprozess während des Verfassens der Arbeit.

2.6 Ausblick: Diskussion weiterer Forschungsfelder und Anknüpfungspunkte für künftige Untersuchungen.

Schlüsselwörter

Jacques Lacan, Transformatorische Bildung, Annie Ernaux, Erinnerung eines Mädchens, Psychoanalyse, Spiegelstadium, Begehren, Signifikant, Welt- und Selbstverhältnis, Autobiographie, Mimesis, Personenwechsel, Geschlechtswechsel, Identität, Subjektivität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Bildungsprozesse in Annie Ernaux' autobiographischem Roman „Erinnerung eines Mädchens“ unter Anwendung der psychoanalytischen Theorien von Jacques Lacan.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die erziehungswissenschaftliche Biographieforschung, die Psychoanalyse Lacans sowie die literarische Analyse autobiographischer Romane.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es zu analysieren, ob und wie transformatorische Bildungsprozesse im Roman und im Akt des Schreibens selbst durch lacansche Konzepte wie das Spiegelstadium oder die Signifikantentheorie beschrieben werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse mit einem bildungstheoretischen Fokus verfolgt, gestützt auf die psychoanalytische Theoriebildung Lacans und Konzepte der Biographieforschung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil (Lacan, Bildungstheorie, Mimesis) und einen empirischen Teil, der spezifische Textpassagen aus Ernaux' Roman (z. B. Personenwechsel, Liebesnacht) untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Transformatorische Bildung, Jacques Lacan, Identitätsbildung, Signifikantenkette, Autobiographie, Subjektkonstitution.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen dem erzählenden und dem erzählten Ich im Roman eine so große Rolle?

Diese Spaltung ist laut der Analyse das zentrale Mittel, um die zeitliche Distanz und die Transformation des Selbstverhältnisses der Autorin darzustellen und kritisch zu reflektieren.

Wie bewertet die Autorin den Schreibprozess als „transformatorische Bildung“?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das Schreiben zwar einen erheblichen Bildungsprozess (Horizontserweiterung, Reflexion) darstellt, aber für einen strikten „transformatorischen“ Bildungsbegriff die notwendige krisenhafte, existenzielle Erschütterung durch das Schreiben allein nicht zweifelsfrei belegt werden kann.

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Details

Titel
Transformatorische Bildungsprozesse in Annie Ernaux' "Erinnerung eines Mädchens"
Untertitel
Untersuchung von Bildungsprozessen mit Jacques Lacans Theorien
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Autor
Tim Emmerich (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
56
Katalognummer
V902733
ISBN (eBook)
9783346190765
ISBN (Buch)
9783346190772
Sprache
Deutsch
Schlagworte
annie transformatorische theorien mädchens lacans jacques ernaux erinnerung bildungsprozessen bildungsprozesse untersuchung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Tim Emmerich (Autor:in), 2019, Transformatorische Bildungsprozesse in Annie Ernaux' "Erinnerung eines Mädchens", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/902733
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  56  Seiten
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