Die Liaisons dangereuses von Choderlos de Laclos bilden den zentralen Aspekt dieser Arbeit mit dem Titel „Libertinäre Liebesbeziehungen im intermedialen Transfer. Die filmische Umsetzung des Briefromans von Laclos im 20. Jahrhundert“. Themen wie Liebe, Intrigen und Machtspiele des Briefromans von 1782 sind noch immer aktuell, was die vielfältige Beschäftigung mit dem Roman erklärt. Zu nennen sind beispielsweise das Theaterstück Les Liaisons dangereuses Christopher Hamptons von 1985, die Fortschreibung des Romans aus dem Blickwinkel der Marquise von Christiane Baroche 1987 und die hier behandelten Filme von Roger Vadim 1959, Stephen Frears 1989 und Roger Kumble 1999.
Wegen der Perspektivenvielfalt der Laclos- Forschung und des vermehrten Interesses an filmischen Umsetzungen des Romans, rücken die Themen Liebe, Libertinage und Macht in den Mittelpunkt dieser Arbeit. Diese werden sowohl im Roman Les Liaisons dangereuses als auch in den Filmen analysiert.
Bei den ausgewählten Filmen handelt es sich um Kinofilme, die auch außerhalb ihres Entstehungslandes gezeigt wurden und daher ein großes Publikum ansprechen konnten. Der erste Film, der hinsichtlich der Liebe, Libertinage und Macht untersucht wird, sind die Liaisons dangereueses 1960 von dem französischen Regisseur Roger Vadim. Der 1959 gedrehte Film bietet eine Aktualisierung des Laclos-Stoffs, er überträgt die Handlung in die späten fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Dreißig Jahre später erscheint der Film Dangerous Liaisons des Briten Stephen Frears in den Kinos. Dieser zeichnet sich im Gegensatz zu der Verfilmung Vadims durch eine größere Nähe zur Vorlage aus. Gegenüber des ebenfalls 1989 erschienen Films Valmont von Milos Forman, der auch die Handlung des Briefromans Laclos' als Basis verwendet, wird hier aufgrund eines größeren Erfolgs beim Publikum die Interpretation Frears' gewählt.
Roger Kumbles Film wird als letzter im Rahmen dieser Arbeit behandelt. Die Cruel Intentions des Amerikaners von 1999 schaffen für den Zuschauer einen aktualisierten Zugang zum Stoff des Briefromans.
Ziel der Arbeit ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Romans zu den Verfilmungen hinsichtlich der Libertinage, den Liebesbeziehungen und den Machtverhältnissen der handelnden Personen zu untersuchen.
Dazu wird unter Punkt 1 der Gliederung auf den Begriff der Intermedialität eingegangen, besonders auf das Verhältnis zwischen Roman und Film.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Intermedialität
2. Libertinage und romantische Liebe
3. Choderlos de Laclos' Briefroman: Les Liaisons dangereues
3.1 Zusammenfassung der Handlung
3.2 Zeit und Wirkung des Romans
3.3 Besonderheiten des Briefromans
3.4 Libertinage und romantische Liebesbeziehungen
3.4.1 Der Vicomte de Valmont
3.4.2 Die Marquise de Merteuil
3.5 Die Machtbeziehungen in den Liaisons dangereuses
4. Roger Vadims Film: Les Liaisons dangereuses 1960
4.1 Handlung des Films und Abweichung zum Roman
4.2 Zeit und Wirkung des Films
4.3 Besonderheiten der Verfilmung
4. 4 Libertinage und romantische Liebesbeziehungen
4.4.1 Valmont
4.4.2 Juliette de Merteuil
4.5 Machtbeziehungen in den Liaisons dangereueses 1960
5. Stephen Frears Film: Dangerous Liaisons
5.1 Handlung des Film und Abweichung zum Roman
5.2 Zeit und Wirkung des Films
5.3 Besonderheiten der Verfilmung
5.4 Libertinage und romantische Liebesbeziehungen
5.4.1 Der Vicomte de Valmont
5.4.2 Die Marquise de Merteuil
5.5 Machtbeziehungen in den Dangerous Liaisons
6. Roger Kumbles Film: Cruel Intentions
6.1 Handlung des Films und Abweichung zum Roman
6.2 Zeit und Wirkung des Films
6.3 Besonderheiten der Verfilmung
6.4 Libertinage und romantische Liebe
6.4.1 Sebastian Valmont
6.4.2 Kathryn Merteuil
6.5 Machtbeziehungen in den Cruel Intentions
7. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den intermedialen Transfer von Choderlos de Laclos' Briefroman "Les Liaisons dangereuses" (1782) in drei filmische Adaptionen des 20. Jahrhunderts. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede hinsichtlich der Konzepte von Libertinage, Liebesbeziehungen und Machtverhältnissen zwischen den literarischen Vorlagen und den filmischen Umsetzungen von Roger Vadim (1960), Stephen Frears (1989) und Roger Kumble (1999) zu analysieren.
- Intermedialität und das Verhältnis zwischen Literatur und Film
- Entwicklung und Definition der Libertinage und romantischen Liebe
- Analyse der Machtstrukturen und Manipulationsstrategien der Protagonisten
- Vergleich der filmischen Adaptionen mit dem historischen Briefroman
- Rolle des Briefmediums im Kontrast zu modernen Kommunikationsmitteln
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Der Vicomte de Valmont
Im Laufe des Romans verführt der Vicomte mehrere Frauen. Cécile und die Présidente de Tourvel, die sich in den Liaisons dangereuses durch selbstverfasste Briefe charakterisieren werden neben Valmont näher betrachtet. Eine bedeutende Frage ist hier, ob der Vicomte zu leidenschaftlicher Liebe fähig ist oder eine libertine Strategie verfolgt. Gibt es in den Liaisons dangereuses eine Person, die liebt?
Der Vicomte gesteht der Marquise gleich zu Beginn des Romans sein Verliebtsein in die Présidente ein:
„Me voilà donc, depuis quatre jours, livré à une passion forte. ... je n'ai plus qu'une idée; j'y pense le jour, et j'y rêve de la nuit. J'ai besoin d'avoir cette femme, pour me sauver du ridiculed'en être amoureux.“ (Laclos, 1995, 14).
Diese wird von vielen Kritikern als Schwächung angesehen, als Verstoß gegen den libertinären Code. Im Gegensatz dazu sieht Andrejs Petrowski in der Liebe Valmonts eine von ihm benutzte Strategie. Der Vicomte möchte nicht nur die Présidente besitzen, sondern auch Madame de Merteuil von sich abhängig machen, daher „trennt er sich von ihr und beweist der libertinen Gesellschaft, daß er sie nicht liebt, wie er sich den taktischen Anschein geben muss.“ (Petrowski, 2002, 181). Sein Ziel ist es, die beiden Frauen gegeneinander auszuspielen und so beide miteinander betrügen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz des Briefromans und führt in die Analyse des intermedialen Transfers in den drei ausgewählten Kinofilmen ein.
1. Intermedialität: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Intermedialität und erörtert das theoretische Verhältnis sowie die Vorurteile zwischen Literatur und Film.
2. Libertinage und romantische Liebe: Hier werden die historischen Begriffe der Libertinage und der romantischen Liebe des 18. und 19. Jahrhunderts voneinander abgegrenzt und als theoretische Grundlage für die Untersuchung eingeführt.
3. Choderlos de Laclos' Briefroman: Les Liaisons dangereues: Eine tiefgehende Untersuchung des Romans, seiner Handlung, seiner Besonderheiten sowie der libertinen und Machtstrategien der Figuren Valmont und Merteuil.
4. Roger Vadims Film: Les Liaisons dangereuses 1960: Analyse der Aktualisierung des Stoffes in die 1950er Jahre, wobei besonders die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und der filmische Stil beleuchtet werden.
5. Stephen Frears Film: Dangerous Liaisons: Untersuchung dieser Werktreuen Adaption, die den historischen Kontext des 18. Jahrhunderts beibehält und den Fokus auf das emotionale Innenleben der Figuren legt.
6. Roger Kumbles Film: Cruel Intentions: Analyse der Transformation des Stoffes in das Milieu amerikanischer Highschool-Jugendlicher der 1990er Jahre und die damit verbundene Neuausrichtung der Machtkonstellationen.
7. Schluss: Zusammenfassender Vergleich der Ergebnisse, der die zunehmende Eindeutigkeit der Liebesdarstellungen in den Filmen gegenüber der Ambivalenz des Romans aufzeigt.
Schlüsselwörter
Libertinage, Intermedialität, Liebesbeziehungen, Machtstrukturen, Briefroman, Literaturverfilmung, Choderlos de Laclos, Valmont, Marquise de Merteuil, Roger Vadim, Stephen Frears, Roger Kumble, Transgression, Amour Propre, Maskerade
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den intermedialen Transfer von Choderlos de Laclos' Briefroman in drei bedeutende Verfilmungen, um zu verstehen, wie sich die Konzepte von Liebe, Libertinage und Macht über die Zeit und in verschiedenen kulturellen Medien verändern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die libertine Lebensweise des 18. Jahrhunderts, die Machtmechanismen in zwischenmenschlichen Beziehungen sowie die Dynamik der Literaturverfilmung und die Adaption klassischer Stoffe in die Gegenwart.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung der libertinen Beziehungen und Machtverhältnisse zwischen dem Roman von 1782 und den Adaptionen von 1960, 1989 und 1999 herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine komparatistische Analyse, um den Roman und die Verfilmungen miteinander zu vergleichen, unterstützt durch soziologische Theorien zur Liebe (Niklas Luhmann) und Macht (Michel Foucault) sowie literaturwissenschaftliche Ansätze zur Intermedialität.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert jeden Film einzeln, betrachtet jeweils die Handlung, die Zeitwirkung, die spezifischen Besonderheiten der Verfilmung sowie das Verhalten der zentralen Figuren Valmont und der Marquise de Merteuil in Bezug auf Libertinage und Macht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Libertinage, Intermedialität, Machtstrukturen, Maskerade, Amour Propre und die Analyse der filmischen Transformation klassischer Literaturvorlagen.
Wie verändert sich die Charakterisierung von Valmont in den verschiedenen Filmen?
Während Valmont im Roman durch seine libertine Strategie und die Ambivalenz seiner Gefühle zur Tourvel definiert ist, zeigt die Tendenz in den Filmen eine Melodramatisierung, bei der Valmont zunehmend als romantisch Liebender und Sympathieträger dargestellt wird.
Welche Rolle spielt die Marquise de Merteuil als weibliche Libertine?
Die Marquise agiert im Verborgenen gegen das patriarchale System. Die Arbeit zeigt, dass ihr Versuch, sich in einem von Männern dominierten Feld zu behaupten, in den Filmen oft in einer Demaskierung endet, wobei der soziale Preis für ihr Handeln variiert.
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- Nicole Harsch (Author), 2006, Libertinäre Liebesbeziehungen im intermedialen Transfer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90289