Kommentierung des Artikels "von dem har" aus dem Buch der Natur von Konrad von Megenberg


Hausarbeit, 2019

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Über den Autor
1.2 Über das Buch der Natur

2. Analyse des Artikels „ von dem har “
2.1 Originaltext aus dem Buch der Natur
2.2 Paraphrase
2.3 Sprache
2.4 Gliederung
2.5 Vergleich mit dem lateinischen Originaltext

3. Humorallehre

4. Autorit ä tenlehre
3.1 Aristoteles
3.2 Plinius der Ältere
3.3 Thomas von Cantimpré

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur
6.3 Hilfsmittel

1. Einleitung

Der Artikel von dem har gehört zum ersten Kapitel aus dem Buch der Natur von Konrad von Megenberg. Es ist der insgesamt dritte Artikel über den Menschen. In dieser Hausarbeit werde ich den Artikel von dem har kommentieren. Dabei werde ich zunächst auf das Leben von Konrad von Megenberg und den Hintergrund zum Buch der Natur eingehen. Dann werde ich eine inhaltliche Zusammenfassung des Artikels widergeben und dessen Sprache und Gliederung erläutern. Anschließend werde ich ihn mit dem lateinischen Originaltext vergleichen und auf Unterschiede zwischen beiden Artikeln eingehen. Danach werde ich die zitierten Autoritäten und die Humorallehre behandeln. Zum Schluss werde ich im Fazit die wichtigsten Er-kenntnisse noch einmal zusammenfassen und einen kurzen Ausblick über weitere Forschungsschritte geben.

1.1 Über den Autor

Konrad von Megenberg „war ein gelehrter Geistlicher mit vielfältigen literarischen Neigungen und Interessen“1. Vieles, was wir heute über ihn wissen, hat er selbst in seinen Schriften über sich preisgegeben. So auch im Buch der Natur.2 Er wurde 1309 in Megenberg (heute Mäbenberg), was in der Nähe von Nürnberg liegt, in ei-ner verarmten Ministerialenfamilie geboren. Als Kind ging er in Erfurt zur Schule und verdiente sich seinen Lebensunterhalt durch das Geben von Nachhilfestunden an seine Mitschüler. Durch eine Anstellung als Lektor im zisterzienischen Kollegium St. Bernhard ermöglichte er sich sein Studium in Paris, welches er später mit dem Grad eines magister artium abschloss. Nach Abschluss seines Studiums lehrte er von 1334 bis 1342 an der Pariser Universität. Durch eine Auseinandersetzung mit einem Magister Christian wurde Konrad für einige Zeit mit Vorlesungs- und Prüfungsverbot belegt. Aufgrund dieses Verbots, und um seinen Lebensunterhalt weiterhin sichern zu können, verließ er Paris und nahm das Rektorat an der Wiener Stephansschule an, die später zu einer Universität wurde. Durch die Annahme dieser Position war er somit für das gesamte Schulwesen Wiens verantwortlich. 1348 verließ er Wien und zog nach Regensburg, wo er bis zu seinem Tod am 14. April 1374 als einfacher Domherr lebte. 3 Konrad von Megenberg verfasste naturwissenschaftliche, theologische, philosophi-sche und politische Schriften.4 Sein Buch der Natur gehört zu den naturwissen-schaftlichen Schriften.

1.2 Über das Buch der Natur

Das um 1350 entstandene Buch der Natur von Konrad von Megenberg gilt als erste Enzyklopädie in deutscher Sprache. Dabei hat Konrad von Megenberg die lateini-sche Version, den liber de natura rerum von Thomas von Cantimpré, als Vorlage genutzt, diese übersetzt und teilweise mit eigenen Beobachtungen oder mit seiner Meinung ergänzt. An einigen Stellen kürzte er einzelne Artikel auch oder ließ sie aus. Mit dem Buch der Natur in deutscher Sprache ermöglichte Konrad auch Laien und nicht Lateinkundigen sich ein Wissen im Bereich der Natur anzueignen.5

Während der liber de natura rerum 19 Bücher umfasst, beinhaltet das Buch der Na-tur nur acht Hauptstücke mit teilweise einigen Unterkapiteln.6 Zunächst gibt es ein Kapitel von dem menschen in seiner gemainen natur, in dem sowohl auf Organe und Innereien des Menschen, als auch auf Extremitäten und Äußerlichkeiten einge-gangen wird. Ebenfalls zu diesem Kapitel gehört ein Bereich, der sich mit der Ge-burtskunde befasst und beschreibt, wie eine Frau schwanger wird, wie eine Geburt abläuft etc. Das nächste Kapitel befasst sich mit dem Sonnensystem und den Ele-menten. Im dritten Kapitel werden die Tiere beschrieben. Hierbei wird unterteilt in Landtiere, Lufttiere, Fische, Meerwunder, Schlangen und Würmer. Dabei werden nicht nur reale Tiere, sondern auch Fabelwesen wie Einhörner und Meerjungfrauen oder Sirenen beschrieben. Das darauffolgende Kapitel handelt von den Bäumen, bei denen zwischen ‚normalen‘ und ‚wohlschmeckenden‘, also Bäumen, die einen Er-trag wie Früchte oder Hülsenfrüchte liefern, unterschieden wird. Danach folgen noch Kapitel über Kräuter, Edelsteine, Metalle und eines über wunderliche Brunnen . 7 Die einzelnen Artikel sind, mit Ausnahme des ersten, zweiten und achten Kapitels, nach dem lateinischen Alphabet, also wie im liber de natura rerum, geordnet. Zusätzlich zu diesen acht Kapiteln umfasst das Buch der Natur ein nach Themenbereichen geordnetes Inhaltsverzeichnis, sowie einen Prolog und einen Epilog. Konrad war zunächst davon ausgegangen, dass es sich bei seiner zu übersetzenden Vorlage um eine Schrift von Albertus Magnus handelte und nannte diesen als Quelle in sei-nem Prolog. Während seiner Übersetzungsarbeit kamen ihm jedoch Zweifel an die-ser Annahme, sodass er diese später im Verlaufe des Buches revidierte und zu dem Schluss kam, dass es sich bei seiner Vorlage um den liber de natura rerum des Thomas von Cantimpré handeln müsse.8

Konrad ließ bei seiner Schrift nicht nur das übersetzte Wissen aus dem liber de na-tura rerum einfließen, sondern bediente sich auch an dem Wissen aus anderen Quellen, wie beispielsweise dem Physiologus und De vegetabilibus von Albertus Magnus, den Etymologien des Isidor von Sevilla und dem Canon des Avicenna.9 Somit liegt uns „in Konrads Buch das erste systematisierte deutschsprachige Kom-pendium des Wissens über die geschaffene Natur in ihrer Vielfalt vor.“10

2. Analyse des Artikels „ von dem har “

2.1 Originaltext aus dem Buch der Natur

„VON DEM HAR Des menschen hâr auf dem haupt wechst auz irdischem grobem rauch und haizem, der mit zaeher fäuhten ist gemischt. daz hâr grâwet von der kelten des hirns, wenne diu nâtürleich hitz sô krank wirt, daz si des hirns, kelten nicht mag gesenftigen, ez sei von alter oder von sorgen o­der von unfuor. daz hâr reiset auz von überigem gepresten der kost oder von fauler fäuhten in dem haupt und mêr an den mannen wan an den frawen und an den mannen, die maiden sint und ir gezeug niht habent, und daz ist von der kelten an den paiden. dar umb auch werdent die ha-izen man kal wenne si unkäusch pflegent, aber die frawen kalwent niht, dâ von daz si kelterr nâtûr sint wan die man. Aristotiles spricht, daz die läut und diu tier in den kalten landen habent gestracktez hâr und langez und oft weizez und hertez, aber in haizen landen als in môrnlant habent si kraus hâr und swarz. daz ist dar umb, daz die kelten den irdischen rauch streckt, dâ daz hâr auz wirt, aber die hitz krimpft den selben rauch und krümpt in. Aristotiles spricht, daz ein iegeleich tier, daz vil hârs ha-be, und ein iegleich mensch unkäuscher sei dann ain anderz und auch ain iegleich vogel, der mêr vedern habe denn sin ander. der mensch hât mêr hârs auf dem haupt denn anderswâ, dar umb, daz sein hirn verhüllt sei vor starker kelten und vor überiger hitz. Plinius spricht, daz etleichen alten läuten, die dâ tôt sint, in etswie vil tagen hâr wähst. daz ist dar umb, daz in den tagen sôgtâner rauch pei inen belaip, dâ daz hâr auz wehst.“11

2.2 Paraphrase

Der Artikel beginnt damit, dass beschrieben wird, dass Haare aus Rauch entstehen. Haare werden grau, wenn die natürliche Hitze des Gehirns abnimmt und dort mehr Kälte herrscht. Dies liegt am Alter, Sorgen oder an Ausschweifungen. Danach wird beschrieben warum Haare ausfallen. Haarausfall hat zur Ursache, dass man zu wenig isst oder faule Feuchte im Kopf hat, was man an aussätzigen Leuten, und bei diesen mehr bei Männern als bei Frauen und an Eunuchen sieht. Deswegen werden auch die Männer, die von Natur aus heiß sind, kahl, wenn sie Unkeuschheit pflegen, aber die Frauen werden nicht kahl, denn sie sind von Natur aus kälter. Danach wird erwähnt, dass Aristoteles gesagt hat, dass Menschen in kalten Ländern eher glat-tes, langes, weißes (also helles bzw. blondes) und festes Haar, und Menschen in wärmeren Ländern wie Äthiopien eher krauses und schwarzes Haar haben. Der Grund für die Unterschiede in der Beschaffenheit des Haares liegt in dem irdischen Rauch, der das Haar bei Kälte streckt und bei Hitze krümmt. Ferner wird darauf hin-gewiesen, dass schon Aristoteles sagte, dass Tiere und Menschen, die in Un-keuschheit leben, mehr Haare haben, als keuschlebende. Die meisten Haare des Menschen befinden sich auf seinem Kopf, was daran liegt, dass das Gehirn dort vor starker Kälte und Hitze geschützt ist. Als weitere Autorität wird Plinius zitiert, der gesagt haben soll, dass bei vielen Menschen auch nach dem Tod die Haare noch weiterwachsen. Damit endet der Artikel.

2.3 Sprache

Das Buch der Natur wurde, im Gegensatz zur Mehrheit der damaligen Schriften, nicht in lateinischer, sondern in mittelhochdeutscher Sprache verfasst. Ferner lässt sich zur Sprache feststellen, dass Konrad das Buch der Natur in Prosaform schrieb. Auffallend ist, dass im Artikel lediglich die Wörter ‚Aristotiles‘, ‚Plinius‘ und zu Beginn des Artikels das erste Wort (‚Des‘) am Anfang großgeschrieben sind. Dies liegt ver-mutlich daran, dass die Groß- und Kleinschreibung von Wörtern im Mittelhochdeut-schen nicht einheitlich geregelt war und somit jeder Autor nach Belieben variieren konnte.12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Da sich das Mittelhochdeutsche teilweise sehr stark vom heutigen Deutsch unter-scheidet, werden im Folgenden einige Begriffe und Phrasen aufgelistet und erläu-tert, deren direkte Erschließung für mich nicht möglich war:

- unfuor: Dieses Wort findet man im Anhang (Glossar) des Buch der Natur. Es kann übersetzt werden mit ‚Ausschweifungen‘ oder ‚üble Aufführung‘.13
- überigem gepresten der kost: Das Wort ‚gepresten‘ findet man so nicht im Wörterbuch. Sucht man jedoch nach ‚gebrest‘, so finde man die Übersetzung ‚Mangel‘.14 Übersetzt heißt dieser Nebensatz demnach: ‚übermäßigen Man­gel an Lebensmitteln‘, das heißt bezogen auf das Haar, dass das Haar aus-fällt, wenn eine Mangelernährung vorliegt.
- mannen, die maiden sint und ir gezeug niht habent: Dieser Satz heißt über­setzt: ‚Männer, die ihre Hoden nicht haben.‘ Das Wort ‚maiden‘ wird im An­hang des Buch der Natur übersetzt mit: ‚castratus‘ und ‚cappaun‘.15 Obgleich man vom Wort ‚castratus‘ bereits auf ‚Kastration‘ ableiten konnte, wollte ich wissen, was ‚cappaun‘ heißt. In einem Mittelhochdeutschen Wörterbuch ergab die Suche nach ‚cappaun‘ jedoch keine Treffer. Sucht man jedoch nach einer anderen Schreibweise des Wortes, nämlich nach ‚kappun‘, so findet man, dass das Verb (kappûnen) übersetzt wird mit ‚castrieren‘.16 Es handelt sich demnach bei ‚mannen, die maiden sint und ir gezeug niht ha­bent‘ um Eunuchen, sodass man diesen kompletten Nebensatz mit einem Wort wiedergeben kann.
- gestracktez: Das Wort ‚gestracktez‘ kommt von dem Verb ‚stracken‘, was mit ‚gestreckt liegen‘ oder ‚sich ausdehnen‘ übersetzt werden kann.17 Auf Haare bezogen heißt es demnach, dass es sich um glatte Haare handelt.
- hertez: Sucht man nach ‚hertez‘ findet man als Übersetzung ‚hart‘ oder ‚fest‘18. Diese Übersetzung mach bezogen auf Haare jedoch wenig Sinn. Gemeint könnte die Dicke der Haare sein, also demnach ‚dickes Haar‘ oder aber, bezogen auf die Reißfestigkeit, dass die Haare nicht schnell ausreißen und demnach als ‚fest‘ gelten.

[...]


1 „Konrad von Megenberg“. Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Band 5, Sp. 222

2 Vgl. Konrad von Megenberg: Buch der Natur. Die erste Naturgeschichte in deutscher Spra-che. Hrsg. V. Franz Pfeiffer. Stuttgart: Karl Aue 1861, S. IX – XV.

3 Vgl. „Konrad von Megenberg“. Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Band 5, Sp. 221 - 222

4 Vgl. ebd. Sp. 221 - 236

5 Vgl. ebd. Sp. 231 - 234

6 Vgl. Pfeiffer: Das Buch der Natur von Konrad von Megenberg, S. 34 - 40

7 Vgl. ebd. S. 60 - 69

8 Uwe Ruberg: Allegorisches im ‚Buch der Natur‘ Konrads von Megenberg, S. 310

9 Vgl. „Konrad von Megenberg“. Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon.

10 Band 5, Sp. 232

11 Uwe Ruberg: Allegorisches im ‚Buch der Natur‘ Konrads von Megenberg, S. 310

12 Pfeiffer: Das Buch der Natur von Konrad von Megenberg, S. 78 - 79

13 Vgl. Pfeiffer: Das Buch der Natur von Konrad von Megenberg, S. 822

14 Vgl. Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=Lexer&mode=Vernetzung&lemid=LG00614#XLG00614

15 Vgl. Konrad von Megenberg: Buch der Natur, S. 739

16 Vgl. Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=Lexer&mode=Vernetzung&lemid=LK00364#XLK00364 (Zu-griff am: 26.02.2019)

17 Vgl. ebd. http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=Lexer&lemid=LS07965 (Zugriff am: 26.02.2019)

18 Vgl. ebd. http://woerterbuchnetz.de/cgi-(bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=Lexer&lemid=LH01895 (Zugriff am: 26.02.2019)

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Kommentierung des Artikels "von dem har" aus dem Buch der Natur von Konrad von Megenberg
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
18
Katalognummer
V902963
ISBN (eBook)
9783346188304
ISBN (Buch)
9783346188311
Sprache
Deutsch
Schlagworte
artikels, buch, kommentierung, konrad, megenberg, natur
Arbeit zitieren
Elena Andernacht (Autor), 2019, Kommentierung des Artikels "von dem har" aus dem Buch der Natur von Konrad von Megenberg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/902963

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