Für international agierende Unternehmen wird die Identifizierung der für die Auslandsmission geeigneten Mitarbeiter zu einem immer stärker gewichtigen Erfolgsfaktor und liegt dieser Studie zugrunde. Untersucht werden Mediationseffekte kognitiver und motivationaler Variablen auf den Einfluss der Persönlichkeitsmerkmale Offenheit für Erfahrungen bzw. Extraversion auf die Absicht zur Arbeit im Ausland.
Als theoretischer Rahmen dient hierbei die Theory of Planned Behavior (TPB), Self Determination Theory (SDT), sozial-kognitive Theorie der Self Efficacy und der Ansatz zur kausalen Autonomie. Die Mediationsuntersuchung basiert auf einer Online-Umfrage mit einer Stichprobe aus 159 Teilnehmern. Für die Forschungshypothesen konnten signifikante vollständige Mediationseffekte nur für motivationale kulturelle Intelligenz im Modell für Offenheit und Absicht und für motivationale kulturelle Intelligenz und Leistungsmotivation im Modell für Extraversion und Absicht nachgewiesen werden.
Da bisherige Studien zu Mediationseffekten innerhalb der TPB und SDT inkonsistente Ergebnisse zeigten, suggeriert die Autorin die Erweiterung der Persönlichkeitsmerkmale der Big Five um weitere zeitlich überdauernde Motive im Sinne von Reiss und Heckhausen & Heckhausen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie und Forschungsstand
2.1 Theoretischer und empirischer Hintergrund
2.2 Forschungsfragestellung und Hypothesen
2.2.1 Theory of Planned Behavior, Self-Determination Theory, kausale Autonomie und Self-Efficacy als theoretischer Rahmen
2.2.2 Mediationseffekte
3. Methode
3.1 Stichprobengewinnung und -beschreibung
3.2 Untersuchungsdesign
3.3 Durchführung
3.4 Datenanalyse
4. Ergebnisse
4.1 Ergebnisse der deskriptiven Statistik und Korrelationen
4.2 Ergebnisse zur Fragestellung und Hypothesen
4.3 Ergebnisse der explorativen Statistik
5. Diskussion
5.1 Inhaltliche Diskussion und theoretische Implikationen
5.2 Limitationen
5.3 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterthesis untersucht, inwieweit motivationale und kognitive Faktoren (wie Selbstwirksamkeit, Autonomie und kulturelle Intelligenz) die Beziehung zwischen Persönlichkeitsmerkmalen wie Offenheit für Erfahrungen bzw. Extraversion und der persönlichen Absicht zur Arbeit im Ausland mediieren.
- Analyse des Einflusses der Big-Five-Persönlichkeitsmerkmale auf internationale Karrierabsichten
- Integration von Theorien wie der Theory of Planned Behavior (TPB) und der Self-Determination Theory (SDT)
- Untersuchung von Mediationseffekten durch motivationale Variablen
- Empirische Überprüfung mittels einer Online-Umfrage (N=159)
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für die Mitarbeiterauswahl international agierender Unternehmen
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Theory of Planned Behavior, Self-Determination Theory, kausale Autonomie und Self-Efficacy als theoretischer Rahmen
Zwischen Absicht und Verhalten lassen sich hohe Korrelationen aufzeigen (Armitage & Conner, 2001), daher ist die Betrachtung der entsprechenden Absicht zielführend, um eine spätere Auslandstätigkeit sowie das Verhalten entsprechend zu prognostizieren (Remhof, 2015, S. 23).
Nach der TPB ist die Einstellung zum Verhalten die erste Determinante zur Identifizierung der Absicht, wobei die Einstellung den Grad beschreibt, bis zu welchem ein Individuum gegenüber einem bestimmten Verhalten positiv oder negativ eingestellt ist (Ajzen, 1991). Dabei wirkt der subjektive Nutzen eines beabsichtigten Verhaltens durch die Ausprägung der positiven oder negativen Ergebniserwartungen auf die Einstellungen zum Verhalten ein (Armitage & Conner, 2001). Je stärker die Ausprägung der Einstellung, desto wahrscheinlicher ist es, dass das beabsichtigte Verhalten ausgeführt wird (Ajzen, Czasch & Flood, 2009). Das heißt somit, dass je mehr positive Einstellungen eine Person gegenüber eines Auslandsengagements hat, desto eher ist sie bereit, im Ausland zu arbeiten (Lu, 1998).
Bei Bandura (1977) entscheidet die Erwartung der Selbstwirksamkeit darüber, ob eine Handlung aufgenommen, wie viel Anstrengung investiert wird und wie lange diese Bemühungen angesichts möglicher Misserfolge anhalten werden. Dabei basieren die Selbstwirksamkeitserwartungen auf den bisherigen Erfolgen und Misserfolgen, d.h. – ähnlich wie bei der SDT – auf den gesammelten Erfahrungen (Kaiser, Müller-Stark & Jamet, 2011; Ryan & Deci, 2008). Bandura (1979) sagt dazu: „The stronger the perceived self-efficacy, the more active the efforts.“ Das heißt, dass je höher die Selbstwirksamkeitserwartung im Hinblick auf den Auslandseinsatz ist, desto eher wird die Handlung und somit eine Tätigkeit im Ausland aufgenommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die steigende Relevanz internationaler Karrieren im Zuge der Globalisierung und die daraus resultierende Notwendigkeit, passende Mitarbeiter für Auslandsmissionen zu identifizieren.
2. Theorie und Forschungsstand: Hier werden die theoretischen Bezugsrahmen (TPB, SDT, Self-Efficacy) sowie der aktuelle Forschungsstand zu den Persönlichkeitsmerkmalen Extraversion und Offenheit im Kontext von Auslandsabsichten detailliert erarbeitet.
3. Methode: Dieser Abschnitt beschreibt das Untersuchungsdesign der Online-Umfrage, die Zusammensetzung der Stichprobe (N=159) und die angewendeten statistischen Auswertungsmethoden (Regression, Bootstrapping).
4. Ergebnisse: Es werden die Resultate der statistischen Analysen präsentiert, die zeigen, dass insbesondere motivationale kulturelle Intelligenz signifikante Mediationseffekte aufweist.
5. Diskussion: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse kritisch, diskutiert die theoretischen Implikationen für zukünftige Personalauswahlprozesse und nennt Limitationen der vorliegenden Studie.
Schlüsselwörter
Persönlichkeitsmerkmale, Absicht zur Arbeit im Ausland, Expatriierung, TPB, SDT, Self-Efficacy, kausale Autonomie, Leistungsmotivation, Sensation Seeking, Ungewissheitstoleranz, Subjektive Norm, Kulturelle Intelligenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Masterthesis untersucht den Einfluss der Persönlichkeitsmerkmale Offenheit für Erfahrungen und Extraversion auf die Absicht, eine Arbeit im Ausland aufzunehmen, und analysiert dabei vermittelnde (mediierende) psychologische Faktoren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themenfelder umfassen internationale Karriereplanung, Personalpsychologie, Persönlichkeitsmodelle (Big Five) sowie motivationspsychologische Theorien wie die Selbstbestimmungstheorie und das Konzept der Selbstwirksamkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, ob und über welche motivationalen und kognitiven Variablen die Persönlichkeitseigenschaften eine Intention für Auslandstätigkeiten beeinflussen, um so die Auswahlprozesse für Expatriates zu optimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine quantitative Online-Umfrage mit 159 Teilnehmern durchgeführt. Die Auswertung erfolgte über multivariate Regressionsanalysen nach Hayes (PROCESS-Modell 4) mittels SPSS, ergänzt durch Bootstrapping-Verfahren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erstreckt sich von der theoretischen Fundierung der Hypothesen über die detaillierte Methodenbeschreibung bis hin zur umfassenden Darstellung der statistischen Ergebnisse und deren fachwissenschaftlicher Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Theorie des geplanten Verhaltens (TPB), Selbstwirksamkeit (Self-Efficacy), motivationale kulturelle Intelligenz sowie die Persönlichkeitsdimensionen Offenheit und Extraversion.
Welche besondere Rolle spielt die motivationale kulturelle Intelligenz?
Die Arbeit identifiziert die motivationale kulturelle Intelligenz als einen zentralen Mediator, der bei beiden untersuchten Modellen (Offenheit und Extraversion) einen signifikanten positiven Effekt auf die Absicht zur Arbeit im Ausland ausübt.
Welche Rolle spielt die Leistungsmotivation bei Extravertierten?
Für extravertierte Personen konnte nachgewiesen werden, dass Leistungsmotivation eine vollständige Mediation zwischen ihrer Persönlichkeitsstruktur und der Absicht zur Auslandstätigkeit übernimmt.
Warum ist die Stichprobe für die Arbeit repräsentativ?
Die Stichprobe bestand aus 159 Teilnehmern, die überwiegend über einen akademischen Hintergrund verfügen und sich über berufliche Netzwerke wie XING und LinkedIn rekrutierten, was eine hohe Relevanz für das Thema "internationale Karriere" sicherstellt.
- Quote paper
- Sylvia F. Rodatz (Author), 2019, Der Zusammenhang zwischen Offenheit für Erfahrungen bzw. Extraversion und der Absicht zur Arbeit im Ausland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/903039