Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, eine eingehende Analyse des Gedichts "bibliothek" von Ernst Jandl durchzuführen. Dieses Gedicht, das 1977 veröffentlicht wurde, stellt einen bemerkenswerten Ausdruck der experimentellen Lyrik des 20. Jahrhunderts dar. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Untersuchung der Kommunikationssituation im Gedicht, der Analyse seines Inhalts sowie der Erforschung der darin verwendeten Stilmittel.
Das Gedicht "bibliothek" zeichnet sich durch seine unkonventionelle sprachliche Gestaltung aus, die im Kontrast zur herkömmlichen deutschen Standardsprache steht. Das Ziel besteht darin, diese Abweichungen von der Norm und die Selbstreferentialität des Gedichts zu verstehen. Die Kommunikationssituation im Gedicht wird hinsichtlich der angesprochenen Instanz oder fehlenden direkten Anrede analysiert. Der Inhalt des Gedichts wird erkundet, insbesondere die metaphorische Darstellung der Bibliothek als Gefängnis für Sprache und Literatur. Schließlich werden die Stilmittel untersucht, die im Gedicht verwendet werden, um seine besondere Struktur und musikalische Elemente zu betonen.
Durch die Analyse von "bibliothek" wird angestrebt, tiefere Einblicke in die experimentelle Poesie dieses bedeutenden Dichters zu gewinnen und die Beziehung zwischen Sprache, Normen und künstlerischer Freiheit zu erkunden. Diese Arbeit zielt darauf ab, die vielschichtige Bedeutung und die künstlerischen Techniken in Jandls Gedicht aufzudecken und dabei die Relevanz des Gedichts innerhalb seines Gesamtwerks und im Kontext der literarischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts zu beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Analyse der Kommunikationssituation im Gedicht
Die Analyse der Inhaltsseite des Gedichts
Die Analyse der Stilmittel des Gedichts
Fazit
Quellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das Gedicht „bibliothek“ von Ernst Jandl einer eingehenden literaturwissenschaftlichen Analyse zu unterziehen und dabei insbesondere die selbstreferenziellen Aspekte sowie die Darstellung sprachlicher Normen zu beleuchten.
- Analyse der Kommunikationssituation und Beobachterperspektive im Gedicht.
- Untersuchung der inhaltlichen Struktur und der Metaphorik des Gefängnisses.
- Analyse formaler und stilistischer Merkmale wie Anaphern, Parallelismen und Rhythmus.
- Einordnung des Werkes in den Kontext der konkreten Poesie und des Schaffens von Ernst Jandl.
Auszug aus dem Buch
Die Analyse der Inhaltsseite des Gedichts
Das Gedicht beschreibt eine Bibliothek. Dies geschieht allerdings nicht auf die Art und Weise, wie der geneigte Leser es sich vorstellt. Die Beschreibung der Bibliothek steigt direkt bei den kleinsten Einheiten der Bibliothek ein: den Buchstaben. Weitergeführt wird diese Beschreibung mit immer höheren Einheiten der Bibliothek. Sehr bildhaft geht es nun über zu den Wörtern: „die vielen wörter /die nicht aus ihren sätzen können“ (V. 3/ 4). In der immer gleichen Wiese geht es nun weiter mit den Sätzen, den Texten, und den Büchern. Das Gedicht zeigt also eine Beobachtung von der kleinsten zur größten Einheit der Bücher innerhalb der Bibliothek, der Bücher. Am Ende des Gedichtes steht folgende Phrase: „die gute putzfrau mit dem staubwedel“ (V. 11). Dies bezieht sich auf den Staub auf den Büchern, welcher ein Vers vorher beschrieben wird. Die Putzfrau putzt den Staub von den Büchern. Sie pflegt die Bücher, in denen die Texte, Sätze, Wörter und Buchstaben nicht herauskönnen. Die jeweiligen Einheiten können nicht aus ihren höheren Einheiten heraus. Man kann dies so deuten, dass sie gefangen sind und die Putzfrau sich um sie sorgt, sie von Staub befreit. Das Gedicht zeigt also eine stufenhafte Beschreibung, die zu immer höheren Einheiten übergeht. Jedoch sind diese ineinander gefangen. Das Gedicht ist so konstruiert, dass es sich endlos weiterschrieben ließe (vgl. HINCK 2012: 189). Die Bibliothek ist das Gefängnis, der Inhalte, welche sich dort befinden. Dieses Gefängnis steht im Kontrast zu den freiheitlich-künstlerischen Inhalten der Bibliothek.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in das Werk von Ernst Jandl ein und benennt das zentrale Thema des Gedichts, die Gefangenheit der Sprache in Normen.
Die Analyse der Kommunikationssituation im Gedicht: Dieses Kapitel untersucht die Sprechinstanz und stellt fest, dass das Gedicht aus einer sachlichen, beobachtenden Perspektive ohne direkte Anrede verfasst ist.
Die Analyse der Inhaltsseite des Gedichts: Hier wird die stufenweise Beschreibung der Bibliothek analysiert, in der Einheiten wie Buchstaben und Wörter als gefangen in höheren Strukturen dargestellt werden.
Die Analyse der Stilmittel des Gedichts: Dieses Kapitel widmet sich der formalen Gestaltung, insbesondere der Verwendung von Anaphern, Parallelismen und dem bewussten Bruch mit orthografischen Normen.
Fazit: Das Fazit fasst die Selbstreferentialität des Gedichts zusammen, das den Autor und seine Auseinandersetzung mit der starren „Korsettform“ der Sprache thematisiert.
Quellen: Dieses Verzeichnis listet die verwendete Fachliteratur zur Gedichtanalyse und zu Ernst Jandls Lyrik auf.
Schlüsselwörter
Ernst Jandl, Bibliothek, Gedichtanalyse, konkrete Poesie, Sprache, Normen, Selbstreferenzialität, Metapher, Literatur, Lyrik, Stilmittel, Buchstaben, Wörter, Sätze, Freiheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine literaturwissenschaftliche Analyse des Gedichts „bibliothek“ von Ernst Jandl und untersucht, wie der Autor das Thema sprachlicher Normen und Zwänge verarbeitet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Beobachterperspektive im Gedicht, die Metaphorik des Gefängnisses innerhalb der Bibliothek sowie die formale Gestaltung durch Stilmittel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Jandl durch formale und inhaltliche Mittel darstellt, dass Sprache in normativen Strukturen gefangen ist, und inwieweit das Gedicht auf Jandls eigenes Schreiben verweist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine klassische Gedichtanalyse angewandt, die sowohl die Kommunikationssituation als auch die inhaltliche und stilistische Ebene (einschließlich formaler Versgestaltung) betrachtet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Analysebereiche: die Kommunikationssituation, die inhaltliche Stufenstruktur und die stilistischen bzw. formalen Mittel des Werkes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird besonders durch Begriffe wie Selbstreferenzialität, konkrete Poesie, sprachliche Normen und formale Abweichung charakterisiert.
Inwiefern ist das Gedicht „bibliothek“ selbstreferentiell?
Das Gedicht thematisiert nicht nur die Sprache an sich, sondern reflektiert durch seine Struktur und die explizite Thematisierung von Wörtern und Büchern den Prozess des Schreibens und das Wirken des Autors selbst.
Welche Rolle spielt die „Putzfrau“ im Gedicht?
Die Putzfrau fungiert als Element, das die „Totenruhe“ der gefangenen Sprachbausteine in der Bibliothek aufrechterhält, ohne die Struktur des Gefängnisses jedoch auflösen zu können.
Warum verwendet Jandl in diesem Gedicht konsequent Kleinschreibung?
Die durchgängige Kleinschreibung, auch bei Nomen, dient als stilistisches Mittel zur Abweichung von der deutschen Standardsprache und unterstreicht den normbrechenden Charakter der Lyrik des Autors.
- Arbeit zitieren
- Chris K. (Autor:in), 2020, Über "bibliothek" von Ernst Jandl. Analyse eines Gedichtes des 20. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/903093