Im Jahr 2018 starben durchschnittlich drei Menschen, weil für sie nicht rechtzeitig eine Organspende zur Verfügung stand. 2017 waren die Organspenden auf dem tiefsten Stand seit 20 Jahren. Dabei ist das Bild der Organspende in der Bevölkerung durchweg positiv. In dieser Ausarbeitung wird überprüft, wie diese Tatsachen zusammenpassen. Ebenso wird das dahinterliegende Dilemma aufgedeckt.
Um das Thema der Organspende zu bearbeiten werden zunächst allgemeine Informationen und Daten zur Organspende aufgezeigt. Diese sind aufgeteilt in Daten von Deutschland und Europa. Anschließend werden die drei in Europa verwendeten Modelle, wie mit Organspende umgegangen wird, vorgestellt. Ebenso wird auf die Gesetzeslage in Deutschland eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Allgemeines zur Organspende
2.1 Lage in Deutschland
2.2 Regelungen zur Organspende in Europa
2.2.1 Erweiterte Zustimmungslösung
2.2.2 Entscheidungslösung
2.2.3 Widerspruchlösung
2.3 Gesetzeslage
3 Das Dilemma
3.1 Definition eines Dilemmas
3.2 Ergründung des eigentlichen Dilemmas
4 Ethischer Ansatz
4.1 Utilitarismus
4.2 Integrative Wirtschaftsethik
4.3 Ökonomische Ethik
5 Handlungsempfehlungen
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das ethische Dilemma, dass trotz einer überwiegend positiven Einstellung der Bevölkerung zur Organspende die tatsächlichen Spendenzahlen in Deutschland rückläufig bzw. niedrig sind. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der moralischen Haltung und dem tatsächlichen individuellen Handeln aufzudecken sowie auf Basis ökonomischer Ethik Handlungsempfehlungen zur Überwindung dieses Dilemmas zu formulieren.
- Analyse der Datenlage zur Organspende in Deutschland und Europa
- Vergleich der europäischen Regelungsmodelle (Zustimmungs-, Entscheidungs- und Widerspruchslösung)
- Theoretische Fundierung des Dilemmas mittels der Spieltheorie (Gefangenendilemma)
- Ethische Einordnung durch Utilitarismus, integrative Wirtschaftsethik und ökonomische Ethik
- Ableitung von Handlungsempfehlungen zur Steigerung der Entscheidungsbereitschaft
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition eines Dilemmas
Das Wort Dilemma kommt aus dem Griechischen, dabei steht „Di“ für „zwei“ und „lemma“ für eine Aussage. Denn wenn sich Menschen in einem Dilemma befinden, müssen sie zwischen zwei gleichwertigen Aussagen (Alternativen) wählen (Thyssen, 2010, S. 31).
Es gibt verschiedene Darstellungen von Dilemmastrukturen, hier wird zur Erklärung das Gefangenendilemma verwendet. Bei diesem geht es darum, ein Dilemma zu visualisieren, um es anschließend zur allgemeinen Besserstellung oder zur Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil hin zu lenken. Diese Änderungen passieren nicht von allein oder werden durch die Akteure gelenkt, denn:
„In einer Dilemmastruktur verhindern Informations- und Anreizprobleme, dass Investitionen in die Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil vorgenommen werden“ (Suchanek, 2007, S.52).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert das Missverhältnis zwischen der positiven Einstellung zur Organspende und der niedrigen Spendenbereitschaft und steckt den Rahmen für die ethische Untersuchung ab.
2 Allgemeines zur Organspende: Dieses Kapitel liefert eine Bestandsaufnahme der Organspendesituation in Deutschland und Europa, inklusive der rechtlichen Grundlagen und verschiedenen europäischen Regelungsmodelle.
3 Das Dilemma: Hier wird der Begriff des Dilemmas theoretisch definiert und die Situation der Organspende als Gefangenendilemma modelliert, um das Handeln der Akteure zu analysieren.
4 Ethischer Ansatz: Der Abschnitt diskutiert verschiedene ethische Strömungen wie Utilitarismus, integrative Wirtschaftsethik und ökonomische Ethik hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit auf das Problem.
5 Handlungsempfehlungen: Aufbauend auf der ökonomischen Ethik werden konkrete Vorschläge zur Lösung des Dilemmas erarbeitet, insbesondere die Einführung einer Pflicht zur Entscheidung.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und regt zu weiterführender Diskussion über internationale Abhängigkeiten im Eurotransplant-Verbund an.
Schlüsselwörter
Organspende, Ethik, Gefangenendilemma, Spendenbereitschaft, Ökonomische Ethik, Entscheidungslösung, Widerspruchslösung, Eurotransplant, Transplantation, Handlungsanreize, Organspendeausweis, Status quo Bias, Institutionenökonomik, Transplantationsgesetz, Organspender.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, warum in Deutschland trotz einer mehrheitlich positiven Einstellung der Bevölkerung zur Organspende die tatsächlichen Spendenzahlen seit Jahren niedrig bzw. rückläufig sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit verknüpft statistische Daten zur Organspende mit rechtlichen Rahmenbedingungen, psychologischen Erkenntnissen wie dem Status quo Bias und spieltheoretischen Modellen der ökonomischen Ethik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das zugrundeliegende ethische Dilemma der Organspende zu identifizieren und Lösungswege aufzuzeigen, wie die Diskrepanz zwischen der allgemeinen Zustimmung und der persönlichen Bereitschaft zur Organspende durch institutionelle Änderungen überwunden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet primär eine ethische und theoretische Analyse. Dabei wird das Gefangenendilemma aus der Spieltheorie zur Modellierung der Problematik genutzt und die ökonomische Ethik nach Suchanek zur Ableitung von Handlungsempfehlungen herangezogen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Daten und Regelungen, eine theoretische Definition und Modellierung des Organspende-Dilemmas sowie eine Analyse verschiedener ethischer Ansätze, um eine fundierte Handlungsempfehlung abzuleiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Organspende, Gefangenendilemma, Ökonomische Ethik, Entscheidungslösung, Widerspruchslösung und Handlungsanreize.
Warum reicht die bisherige "Entscheidungslösung" in Deutschland laut Autor nicht aus?
Der Autor argumentiert, dass die bloße Bereitstellung von Informationen nicht ausreicht, da das eigentliche Problem darin besteht, dass sich Menschen zwar für Organspende aussprechen, aber selten aktiv werden, um dies auf einem Organspendeausweis zu dokumentieren.
Welchen Lösungsvorschlag bringt der Autor für das Dilemma ein?
Der Autor schlägt eine Pflicht zur Entscheidung vor, beispielsweise bei der Beantragung eines neuen Personalausweises oder Reisepasses. Dies soll die Informations- und Anreizproblematik lösen, ohne die individuelle Freiheit zur Ablehnung der Organspende zu untergraben.
- Arbeit zitieren
- Philipp Schmidt (Autor:in), 2020, Das Dilemma beim Thema Organspende. Warum sinkt die Zahl der Organspender?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/903278