Thema der Arbeit ist ein Vergleich zwischen katholischer und evangelischer performativer Didaktik. Dabei zielt sie darauf ab, den Ansatz einer performativen Religionsdidaktik weniger auf den kognitiven Aspekt des Glaubens als vielmehr auf den Aspekt der Glaubenserfahrung zu legen. So bezeichnet der Begriff „Perfomativität“ qua definitionem eine sprachliche Äußerung, die im selben Moment vollzogen wird.
Dadurch sieht sich dieser Ansatz zumindest in seiner katholischen Version oft mit der Behauptung konfrontiert, in das alte Modell eines katechetischen Religionsunterrichts zurückzufallen. Daher fragt diese Arbeit, ob dieser Vorwurf seine Berechtigung hat.
Des Weiteren soll geklärt werden, wie weit die performative Religionsdidaktik als didaktisches Konzept trägt, und wo sie ihre Grenzen hat. Hierzu werde ich sowohl auf das katholische Modell als auch auf das evangelische Modell der performativen Didaktik eingehen. Zudem werde ich das didaktische Konzept dieser beiden Modelle erklären, sowie die Grenzen beider Modelle auflisten. Anschließend werde ich dann in einer kurzen Gegenüberstellung die beiden Modelle miteinander vergleichen und dann noch auf deren Praxistauglichkeit eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Fragestellung und Aufbau der Arbeit
2. Hauptteil
2.1 Die Situation im Religionsunterricht
2.2 Die katholische performative Didaktik
2.2.1 Der Begriff der Performativität
2.2.2 Das didaktische Prinzip
2.2.3 Die Grenzen
2.3 Die evangelische Performativität
2.3.1 Das Verständnis von Performativität
2.3.2 Das didaktische Prinzip
2.3.3 Grenzen
2.4 Kurzer Vergleich
2.5 Umsetzbarkeit
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ansätze einer performativen Religionsdidaktik, um zu bewerten, ob diese als Rückschritt in einen alten, katechetischen Unterrichtsstil zu werten sind. Dabei wird analysiert, inwieweit das katholische und das evangelische Modell der performativen Didaktik zur Vermittlung religiöser Inhalte beitragen können und wo ihre konzeptionellen sowie praktischen Grenzen liegen.
- Aktuelle Situation des Religionsunterrichts im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen
- Gegenüberstellung katholischer und evangelischer Konzepte der Performativität
- Analyse didaktischer Prinzipien und methodischer Grundlagen
- Diskussion der Grenzen und der Praxistauglichkeit performativer Ansätze
- Evaluation des Potenzials zur Förderung religiöser Kompetenzen
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Das didaktische Prinzip
Aufgrund der eben erläuterten Situation ist der Religionsunterricht heute oftmals der einzige Ort, an dem Kinder und Jugendliche mit Religion in Kontakt kommen. Deswegen könnte man von einer Art Teufelskreis sprechen: Wie kann man Kindern und Jugendlichen den Glauben nahe bringen, wenn die Kirche in ihrem Leben eigentlich keinerlei Bedeutung hat?
Das Ziel der performativen Religionsdidaktik ist es deshalb nicht nur reines Wissen über Religion zu vermitteln, sondern deren Grundvollzüge zu erleben und dadurch verständlich zu machen. Hierbei wird die Religion im Unterricht nachgestellt, beziehungsweise inszeniert, damit die Schüler die Möglichkeit haben diese für sich zu erkunden. Ein Beispiel hierfür wäre ein gemeinsames Gebet. Wichtig ist, dass die Schüler sich anschließend über das Erlebte austauschen und ihre Meinung in einer Gruppe, oder vor der Klasse kundtun können. Dadurch sollen die anderen Schüler in ihren Ansichten bestärkt werden, oder aufgefordert werden ihre eigenen Einstellungen zu überdenken und in der Gruppe äußern. Die Schüler müssen ihren eigenen Standpunkt also erläutern, auch wenn sie sich nicht mit Religion identifizieren. Wenn sich eine Klasse jedoch beispielsweise mit Bibelstellen beschäftigt, dann können diese nicht abgewandelt werden, da sich der eigentliche Kern sonst nicht mehr erschließen lässt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Fragestellung und Aufbau der Arbeit: Einführung in die Problematik des Religionsunterrichts vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Prozesse und Definition des Zieles dieser Arbeit.
2. Hauptteil: Analyse der Ausgangslage sowie detaillierte Untersuchung der katholischen und evangelischen Ansätze der performativen Didaktik, ihrer Grenzen und ein Vergleich der Konzepte.
2.1 Die Situation im Religionsunterricht: Erläuterung der schwindenden religiösen Vorkenntnisse und des veränderten gesellschaftlichen Stellenwerts von Religion für Kinder und Jugendliche.
2.2 Die katholische performative Didaktik: Darstellung des katholischen Ansatzes, der stark auf der Sprechakttheorie basiert und Religion durch Vollzug erlebbar machen möchte.
2.2.1 Der Begriff der Performativität: Herleitung des Begriffs aus der Sprechakttheorie von Austin und Searle und Anwendung auf religiöse Handlungen.
2.2.2 Das didaktische Prinzip: Erklärung der Absicht, Religion durch Inszenierung im Unterricht erfahrbar zu machen, statt bloßes Wissen zu vermitteln.
2.2.3 Die Grenzen: Diskussion der Grenzen, insbesondere hinsichtlich zeitlicher Intensität und der Schwierigkeit, komplexe kognitive Inhalte rein performativ zu vermitteln.
2.3 Die evangelische Performativität: Einführung in das evangelische Verständnis, das den Fokus auf Inszenierung und schauspielerische Elemente legt.
2.3.1 Das Verständnis von Performativität: Definition des Begriffs aus Sicht der Theaterwissenschaft mit Fokus auf Feedback-Schleifen und Rollenwechseln.
2.3.2 Das didaktische Prinzip: Beschreibung der Unterrichtsgestaltung als Theaterinszenierung, bei der Schüler abwechselnd Akteure und Publikum sind.
2.3.3 Grenzen: Kritische Betrachtung der zeitlichen Belastung und der Gefahr inhaltlicher Verfälschung bei der Transformation biblischer Texte.
2.4 Kurzer Vergleich: Synthese der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem katholischen und evangelischen Modell.
2.5 Umsetzbarkeit: Bewertung der Praktikabilität und Vorschlag zur Kombination beider Ansätze im Schulalltag.
3. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfrage und Entkräftung des Vorwurfs, es handele sich um einen Rückschritt in katechetische Methoden.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, Performative Didaktik, Performativität, Sprechakttheorie, Inszenierung, Glaubenserfahrung, Würzburger Synode, Religionspädagogik, Transformation, Didaktisches Prinzip, Religiöse Bildung, Unterrichtspraxis, Schüleraktivierung, Katechetik, Mendl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Konzept der performativen Religionsdidaktik und untersucht, wie dieses den Religionsunterricht im Vergleich zu traditionellen Ansätzen verändert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die gesellschaftliche Ausgangslage des Religionsunterrichts, die theoretischen Grundlagen performativer Didaktik (katholisch und evangelisch), sowie deren methodische Umsetzung und Grenzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob die performative Didaktik einen Rückfall in überkommene, katechetische Unterrichtsformen darstellt oder eine sinnvolle didaktische Innovation bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, um die verschiedenen fachwissenschaftlichen Ansätze zur performativen Didaktik gegenüberzustellen und deren Praxistauglichkeit zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die veränderten Bedingungen für den Religionsunterricht skizziert, gefolgt von einer detaillierten Analyse der katholischen und evangelischen Modelle, deren Unterschiede und eine Einschätzung ihrer praktischen Anwendung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Religionsunterricht, Performativität, Inszenierung, Glaubenserfahrung, Sprechakttheorie und didaktische Transformation.
Worin liegt der Hauptunterschied zwischen dem katholischen und dem evangelischen Modell?
Der evangelische Ansatz betont stärker den theaterwissenschaftlichen Aspekt der Inszenierung und die Transformation (Bearbeitung) von Texten, während der katholische Ansatz enger an der Sprechakttheorie orientiert ist.
Ist der performative Ansatz für alle Klassenstufen gleichermaßen geeignet?
Der Autor schätzt den Ansatz primär für die Unter- und Mittelstufe als sinnvoll ein, während die Erschließung komplexer theologischer Themen in der Oberstufe rein performativ oft an Grenzen stößt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2015, Die Performative Religionsdidaktik. Katholischer und evangelischer Glaube im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/903413