Nach unseren Recherchen, sind wir der Ansicht, dass es schwierig ist, im Kontext Sozialer Arbeit, die Würde und Achtung von Menschen mit eingeschränkter Selbstbestimmung immer gerecht zu wahren. Oftmals fehlt uns als SozialarbeiterInnen im Umgang mit diesen Klienten das erforderliche Hintergrundwissen was diesen Menschen geprägt hat und welche Auffassungen dieser hieraus trägt, um explizit die Wünsche bzw. Bedürfnisse zu erfassen und umzusetzen. Aus diesem Grund sollte sich ein Sozialarbeiter/ eine Sozialarbeiterin immer die Frage stellen, ob er/ sie in der Situation des z.B. vergreisten oder behinderten Menschen, mit den Gegebenheiten um ihn herum zufrieden wäre. Tut er dies, handelt er mit besten Wissen und Gewissen und kann hierdurch seinem gegenüber die größtmögliche Achtung und Würde seiner Person entgegenbringen. Wir als SozialarbeiterInnen sind in den meisten Kontexten gezwungen, Entscheidungen vollkommen autonom zu treffen. Dies bedeutet, dass wir als Sozialarbeiter bei Fehlentscheidungen damit rechnen müssen, die vollen Konsequenzen aus unserem Handeln vertreten zu haben.
Gliederung
1.0 Einleitung
1.1 Problemaufriss
1.2 Zentrale Fragestellung
2.0 Begriffsdefinitionen
2.1 Definition „Noch – Nicht - Personen“
2.2 Definition „Niemals - Personen“
2.3 Definition „Nicht – Mehr - Personen“
2.4 Definition von Personen nach Peter Singer
3.0 Vorstellung von Peter Singer und seiner Auffassung über die utilitaristische Ethik
4.0 Fallbeispiele aus der Praxis Sozialer Arbeit in Bezug auf KlientInnen mit eingeschränkter Selbstbestimmung
4.1 Fallbeispiel „Niemals – Personen“
4.2 Fallbeispiel „Nicht – Mehr – Personen“
4.3 Gesamteindruck zur Diskussionsrunde
4.4 Fazit geschilderter Fallbeispiele
5.0 Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie im Kontext der professionellen Sozialen Arbeit die ethischen Grundprinzipien von Würde und Achtung gegenüber Klientinnen und Klienten gewahrt werden können, deren Selbstbestimmungsfähigkeit eingeschränkt ist oder fehlt. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob sich diese Werte gegenüber sogenannten „Noch-Nicht-Personen“, „Niemals-Personen“ und „Nicht-Mehr-Personen“ im Berufsalltag stets verwirklichen lassen.
- Ethische Grundlagen und Definitionen von Würde und Achtung.
- Die utilitaristische Ethik von Peter Singer und ihre Implikationen für die Soziale Arbeit.
- Analyse praxisnaher Fallbeispiele zu den Kategorien eingeschränkter Selbstbestimmung.
- Reflexion berufsethischer Konflikte im Spannungsfeld zwischen Schutzauftrag und Autonomiewahrung.
- Strategien zur Förderung der Selbstbestimmung bei Menschen mit geistigen Defiziten oder Altersdemenz.
Auszug aus dem Buch
4.1 Fallbeispiel „Niemals – Personen“
„Diplom – Sozialarbeiterin Nathalie I. berichtet aus ihrer Berufspraxis über den geistig behinderten Christian 28 Jahre, welcher im Wohnheim für behinderte Menschen lebt: Christian will morgens alleine aufstehen und nicht geweckt werden. Unsere Bewohner gehen ja fast alle in die Werkstatt für Behinderte. Jetzt hat er einen Wecker, den verstellt er aber immer so, dass er nicht rechtzeitig weckt. Jetzt stehe ich da morgens vor der Tür – was macht man jetzt? Anfangs hat man an die Tür geklopft, da kam er wütend raus! Wenn man nicht schnell genug weg war, konnte es sein, das man einen Fausthieb abbekam. Ich, zum Glück noch nicht – aber es war kurz davor. Ich war dann schnell weg. Und so steh ich da. Weck ich ihn jetzt? Lass ich ihn einfach verpennen? Aber dann habe ich später das Drama, dann kommt er einfach zu spät oder vielleicht ist der Bus schon weg. Er braucht diese Hilfe, aber er kann sie nicht annehmen und da hat man den Konflikt. Wie handelt man?
Er ist morgens auch sehr schlecht drauf, vor allem wenn er nachts schlecht geträumt hat. Im Laufe des Tages kommt das dann zehnmal: „Mein Vater hat früher immer an meine Tür geklopft!“ Deshalb kann er es nicht haben, wenn man klopft. Und dann geht man eben so ins Zimmer rein. Das klappt etwas besser. Aber es kann trotzdem sein, dass er wütend aufspringt.
Und als wir ihn mal haben schlafen lassen, das war dann schrecklich, wie er sich nachher beeilen musste, da hat er uns auch angeschrieen. Also die Aggressivität war genauso da.“
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung: Diese Einleitung führt in die berufsethischen Herausforderungen der Sozialen Arbeit ein und begründet die Wahl des Themas „Würde und Achtung gegenüber KlientInnen mit eingeschränkter Selbstbestimmung“.
2.0 Begriffsdefinitionen: Es werden die zentralen Kategorien „Noch – Nicht - Personen“, „Niemals - Personen“ und „Nicht – Mehr - Personen“ definiert sowie der Personenbegriff nach Peter Singer erläutert.
3.0 Vorstellung von Peter Singer und seiner Auffassung über die utilitaristische Ethik: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das Leben und die Ansätze von Peter Singer und erläutert die Grundzüge seiner utilitaristischen Ethik.
4.0 Fallbeispiele aus der Praxis Sozialer Arbeit in Bezug auf KlientInnen mit eingeschränkter Selbstbestimmung: Hier werden zwei konkrete Praxisfälle analysiert, in denen ethische Konflikte im Umgang mit der Würde von Klienten aufgezeigt und diskutiert werden.
5.0 Schlussfolgerungen: Das Fazit fasst die Schwierigkeit zusammen, im professionellen Alltag stets die Würde einzuhalten, und betont die Notwendigkeit von Empathie und Reflexion bei autonom getroffenen Entscheidungen.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Berufsethik, Würde, Achtung, Selbstbestimmung, Peter Singer, Utilitarismus, Fallbeispiele, Lebensrecht, Pflege, Autonomie, ethische Konflikte, Klientenrechte, Behinderung, Altersdemenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit berufsethischen Fragen der Sozialen Arbeit, speziell im Umgang mit der Würde von Klienten, deren Selbstbestimmung eingeschränkt ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf ethischen Grundprinzipien, dem utilitaristischen Personenbegriff von Peter Singer und der praktischen Anwendung dieser Theorien in der Arbeit mit behinderten oder dementen Menschen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung, ob und wie professionelle Soziale Arbeit die Würde von Klienten wahren kann, die aufgrund ihres Zustands als nicht oder nur eingeschränkt selbstbestimmt gelten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Verfasser nutzen eine Kombination aus Literaturrecherche zu ethischen Theorien und der Analyse von Fallbeispielen aus der Praxis, die in einem Seminar diskutiert wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Begriffsdefinitionen und Singer-Rezeption) sowie in die praktische Fallanalyse von Christian (geistig behindert) und Frau Wenger (Altersdemenz).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Soziale Arbeit, Berufsethik, Würde, Achtung, Selbstbestimmung und der utilitaristische Ethikansatz.
Welche Herausforderung ergibt sich bei dem Klienten Christian im Fallbeispiel 4.1?
Der Konflikt besteht darin, dass die Sozialarbeiterin zwischen dem Wunsch des Klienten nach Autonomie (nicht geweckt werden) und der Notwendigkeit der täglichen Struktur (Pünktlichkeit) abwägen muss, ohne die Würde zu verletzen.
Wie bewerten die Autoren den Umgang mit Frau Wenger im Fallbeispiel 4.2?
Die Autoren diskutieren die Balance zwischen dem Schutzbedürfnis der Nachbarschaft und dem Recht der dementen Frau auf Verbleib in ihrem gewohnten Umfeld unter Wahrung ihrer Persönlichkeitsrechte.
Welche Hilfestellung bietet die „advokatorische Ethik“ laut Kapitel 4.4?
Sie schlägt vor, sich bei Entscheidungen für hilflose Klienten vorzustellen, diese könnten plötzlich wieder selbst urteilen, um zu reflektieren, ob man mit dem eigenen Handeln im Nachhinein konsensfähig wäre.
- Quote paper
- Veronika Wehner (Author), Veronika Wehner (Author), Cindy Gundermann (Author), 2007, Die Würde und Achtung gegenüber KlientInnen mit eingeschränkter Selbstbestimmung im Kontext Sozialer Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90352