Finanzmarktkapitalismus


Hausarbeit, 2007

16 Seiten, Note: 1,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Finanzmarktkapitalismus
2.1. Definition „Finanzmarktkapitalismus“
2.2. Die Funktion der Finanzmärkte
2.3. Die Akteure im Finanzmarktkapitalismus
2.3.1. Die privaten Anleger
2.3.2. Die institutionellen Anleger
2.3.3. Die Unternehmen
2.3.3.1 Einfluss der Finanzmärkte auf die Unternehmen
2.3.3.2 Veränderungen des Produktionsregimes
2.3.4. Die Manager und die Beschäftigten
2.3.5. Die Politik
2.4. Auswirkungen des Finanzmarktkapitalismus

3. Resümee und Ausblick

4. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Horrende Managergehälter, Massenentlassungen in profitablen Unternehmen, Finanznöte in den öffentlichen Haushalten, der Rückbau der Sozialsysteme, das Ende der Deutschland AG und schließlich die Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse, all dies sind Themen, die die Medien, Politik und Wissenschaft in den letzten Monaten und Jahren beschäftigten.

Von dem so genannten deutschen „Kuschelkapitalismus“ spürt ein großer Teil der Deutschen derzeit wenig. Das System des rheinischen, koordinierten Kapitalismus, für welches Deutschland bekannt war, scheint sich zu verändern.[1] Die für diese Form des Kapitalismus typischen Institutionen, Akteure, Normen und Verhaltensweisen scheinen im Auflösen oder in der Transformation begriffen. Es findet eine Entwicklung zu einem deutlich liberaleren System, ähnlich dem amerikanischen, statt.

Diese Entwicklung wurde von vielen Wissenschaftlern vorausgesagt. Diese vermuteten, dass nach dem Ende des sozialistischen Systems eine neue Systemkonkurrenz entstanden ist und zwar zwischen den Kapitalismen untereinander, also zwischen den koordinierten und den liberalen Kapitalismen. Den Ausgang dieser Konkurrenz prognostizierten sie mit einem Ende des Nebeneinanders der Systeme und einer Transformation beider zu einem einheitlichen Typus, den sie als Finanzmarktkapitalismus bezeichnen.[2] Diese Wandlung begann in Amerika deutlich früher in den 1980ern, was sicherlich auch mit der verstärkten Affinität dieses Systems zu den Finanzmärkten zusammenhängt, und begann in Deutschland zeitlich verzögert erst in den Neunzigern zu wirken.[3]

Diesen einheitlichen Typus des Finanzmarktkapitalismus, seine Akteure, seine Institutionen, ihre Verhaltensweise und ihr Zusammenspiel auf den Märkten, sowie die Auswirkungen ihres Handelns auf eine Volkswirtschaft sollen im Folgenden beschrieben werden. Dazu wird zunächst versucht eine gemeingültige Definition für diesen Typus zu geben. Danach wird versucht die Besonderheiten der Funktionsweise von Finanzmärkten herauszuarbeiten. Beginnend mit den Anlegern werden die verschiedenen Akteure im Finanzmarktkapitalismus und die Transformationen die von diesem Systemtypus in den verschiedenen Bereichen hervorgerufen werden, beschrieben. Hierbei wird speziell auf die institutionellen Investoren und ihr System von Einwerbung und Anlage, sowie auf die Produktionssphäre, die durch den Finanzmarktkapitalismus gravierenden Veränderungen unterworfen ist, eingegangen. Die Auswirkungen die diese haben werden im folgenden Abschnitt nochmals explizit aufgezählt und ergänzt.

Abschließend wird versucht dem Leser das Dilemma, in welches uns dieses System führt, aufzuzeigen und einen Ausblick für die Zukunft zu geben.

2. Finanzmarktkapitalismus

2.1. Definition „Finanzmarktkapitalismus“

Der Finanzmarktkapitalismus beschreibt ein Produktionsregime, welches durch eine spezielle Konfiguration ökonomischer Institutionen auszeichnet ist. Dies sind insbesondere die Aktienmärkte auf denen die Kapitalisierung stattfindet, die institutionellen Anleger als neue Eigentümer der großen Aktiengesellschaften und eine ausgeprägte Wissensindustrie von Analysten, Beratern und Ratingagenturen die Unsicherheit in Risiko transformieren. Feindliche Übernahmen, der Markt für Unternehmenskontrolle und Aktienoptionen sind die Transfermechanismen, die die Logiken der Finanzmärkte auf die Realwirtschaft übertragen und so die Unternehmen und Manager auf die Ziele des Shareholdervalue verpflichten und in ihrer Struktur verändern[4]

2.2. Die Funktion der Finanzmärkte

Im System des Finanzmarktkapitalismus wird die Aktie als gewichtiges Finanzierungsinstrument angesehen. Im Gegensatz zu organisierten Kapitalismen, in dem der Kredit das dominante Finanzierungsinstrument ist, wird die Verbindung zwischen Finanz- und Realwirtschaft nicht durch ein System des „relational contracting“ zwischen Banken und Unternehmen, sondern durch die Funktionsweise globaler Finanzmärkte hergestellt.[5]

Diese Finanzmärkte gewinnen zunehmend an Bedeutung. Dies geht soweit, dass für sie die Realökonomie nur noch als Umwelt gilt und die Finanzmärkte sich immer weiter von ihr abkoppeln.

Auf den Gütermärkten der Realwirtschaft werden die Produktionsergebnisse der Unternehmen ex post bewertet, das heißt der Erfolg des Produktionsprozesses wird von den Käufern anhand des gebotenen Preises beurteilt.[6]

Im Gegensatz dazu findet auf den Finanzmärkten eine Bewertung von Zahlungsversprechen statt. Da Zahlungsversprechen auf die Zukunft bezogen sind, sind Finanzmärkte zukunftsorientiert. Hierbei ist die zentrale Größe die Kapitalisierung. Dies ist der Betrag, welchen ein Investor heute zu zahlen bereit ist, wenn ihm im Gegenzug dafür zukünftige Zahlungen in Aussicht gestellt werden. Die Höhe der Kapitalisierung hängt von der Höhe der zukünftigen Erträge ab, diese sind grundsätzlich ungewiss, da sie vielen verschiedenen Faktoren unterliegen, die ex ante weder in ihrer Gesamtheit erfasst noch in ihrer Wirkung auf die zukünftigen Zahlungen bewertet werden können.[7]

Das bedeutet aber gleichzeitig, dass sich auf den Finanzmärkten Erwartungen bilden, anhand derer die Bewertung von Zahlungsversprechen und damit die Kurse festgelegt werden. Somit transformieren Finanzmärkte Unsicherheiten in Risiko. Allerdings ist dies nur unvollständig möglich, da die Akteure auf den Finanzmärken (Fondmanager, Analysten…) aufgrund der Informationsmenge und der kurzen Entscheidungszeit, die ihnen für ihre Bewertung zur Verfügung steht, kurzfristig keine seriösen Einschätzungen über die zukünftigen Entwicklungen von Unternehmungen leisten können. Deshalb versuchen sie abzuschätzen, was andere Akteure aufgrund der einfließenden Informationen für Kursentwicklungen erwarten und wie sie sich verhalten werden und treffen darauf hin ihre eigene Entscheidung aufgrund ihrer Erwartungen über die Erwartungen der anderen Akteure. Damit ist gezeigt, dass ein Großteil der Volatilität auf den Finanzmärkten aufgrund von endogenen Erwartungs-Erwartungen entsteht und ihre Entwicklung sich somit von der Realökonomie, die solch starken Schwankungen naturgemäß nicht unterliegt, abkoppeln kann.[8] Außerdem wurde gezeigt, dass es sich bei dem auf den Märkten gehandeltem Kapital nur um fiktives Kapital handelt, da nur Erwartungen kapitalisiert werden und somit nicht wirklich eine Transformation der Unsicherheit stattfindet, sondern dies nur fiktiv stattfindet.[9] Aufgrund dieser Konstellation ergibt sich für Anleger in Finanzmärkten die Chance die Gewinne aus der Kapitalverwertung nicht mehr ex post über den langwierigen Produktionszyklus zu realisieren, sondern bereits ex ante, durch Bewertungsdifferenz, damit Änderung der Höhe des fiktiven Kapitals und folgenden Kursänderungen. Dadurch wird es für Investoren möglich ohne den Einbezug der Realwirtschaft durch Spekulationen Gewinne zu erzielen.[10]

2.3. Die Akteure im Finanzmarktkapitalismus

2.3.1. Die privaten Anleger

Die Systeme des Finanzmarktkapitalismus zeichnen sich aus durch einen hohen Anteil privater Anleger aus. Durch den enormen Anstieg der privaten Vermögen auf ca. 30 Billionen Dollar weltweit, die insbesondere auch in der Mittelschicht akkumuliert sind, ist ein enormer Bedarf an professioneller Vermögensverwaltung entstanden. Anlage in Fonds und Aktien ist zu einem Massenphänomen geworden.[11] Nicht mehr nur Reiche und Großindustrielle legen ihr Geld in Aktien und Fonds an, sondern auch einfache Arbeiter und Angestellte besitzen Investmentsparpläne und haben eine Rentenversicherung, die ihre Vermögen am Kapitalmarkt platziert. Diese Vermögen werden von den so genannten institutionellen Investoren verwaltet.

[...]


[1] Vgl. Beyer J. (2006), S. 177

[2] Vgl. Deutschmann C. (2005), S. 60f

[3] Vgl. Beyer J. (2006), S. 178

[4] Vgl. Windolf P. (2005), S. 20

[5] Vgl. Windolf P. (2005), S. 23

[6] Vgl. Windolf P. (2005), S. 25f

[7] Vgl. Windolf P. (2005), S. 26 - 30

[8] Vgl. Windolf P. (2005), S. 31f

[9] Vgl. Windolf P. (2005), S. 28f

[10] Vgl. Deutschmann C. (2005), S. 63

[11] Vgl. Deutschmann C. (2005), S. 62

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Finanzmarktkapitalismus
Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin
Veranstaltung
Politische Ökonomie und Sozialstruktur der modernen Gesellschaft
Note
1,1
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V90358
ISBN (eBook)
9783638042680
ISBN (Buch)
9783640315680
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzmarktkapitalismus, Politische, Sozialstruktur, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Daniel Detzer (Autor), 2007, Finanzmarktkapitalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90358

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