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Zur Rolle der Aufseherinnen in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Werkzeug oder Täterin?

Titel: Zur Rolle der Aufseherinnen in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Werkzeug oder Täterin?

Hausarbeit , 2000 , 18 Seiten , Note: 1,2

Autor:in: Melanie Hillmann (Autor:in)

Soziologie - Recht und Kriminalität
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Das Thema Frauen im Strafvollzug lässt sich aus vielen Perspektiven betrachten: Frauen als Opfer, Frauen als Täterin, als Insassinnen im Strafvollzug oder auch als Angestellte im Vollzugsdienst. In der vorliegenden Betrachtung geht es nicht um "kriminelle" Frauen im herkömmlichen Sinne. Es geht vielmehr um Frauen, die, je nachdem aus welchem Blickwinkel man sie betrachtet, in fast alle Kategorien passen. Sie sind Täterinnen und auch Opfer. Zu ihren Aufgaben gehörte der "Vollzugsdienst" und doch sind sie in gewisser Weise auch Gefangene. Gemeint sind Frauen, die im Dritten Reich als Aufseherinnen in Konzentrationslagern gearbeitet haben. Wenngleich die Tätigkeit von KZ-Aufseherinnen auf den ersten Blick wenig mit dem Thema Frauen im Strafvollzug gemeinsam hat, so möchte ich doch den Versuch unternehmen, mögliche Verbindungen herauszuarbeiten und zu bewerten. Die Grenzen von unserem Verständnis für richtig und falsch, gut und böse, kriminell und rechtmäßig verschwimmen hier.

Es liegt mir fern, die Rolle der KZ-Aufseherinnen zu verallgemeinern oder gar zu verteufeln. Es gab viele Frauen, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Häftlingen geholfen und somit unnötiges Leid verhindert haben. Wenn ich Aufseherinnen als Opfer ihrer Ideologie oder der damaligen Verhältnisse bezeichne, so soll damit ihr Verhalten in keiner Weise verharmlost oder entschuldigt werden. Gleichsam muss bedacht werden, dass neben den Aufseherinnen auch weibliche Häftlinge durch das sogenannte System der Funktionshäftlinge zu Täterinnen werden konnten. Die Grenzen zwischen Täter- und Opferwerdung in diesem Bereich sind offenbar fließend.

Zu Beginn möchte ich zunächst einen Überblick über die Ausbildung und Rekrutierung von KZ-Aufseherinnen geben. Dabei wird deutlich werden, dass es neben angeworbenen und dienstverpflichteten Aufseherinnen auch Frauen gab, die sich freiwillig für den Dienst in den Konzentrationslagern meldeten. Obwohl die Zahl der Aufseherinnen bisher nicht eindeutig zu ermitteln ist, lässt sich doch sagen, dass die weibliche Bewachung vor allem in den Frauenkonzentrationslagern eine große Rolle gespielt hat. „Die unmittelbare und direkte Herrschaft über die weiblichen Häftlinge übte (...) die weibliche Bewachung aus“.

Mein Ziel ist es vor allem, das Verhalten der Aufseherinnen in den Konzentrationslagern näher zu beleuchten. Anhand von einigen Berichten von Opfern und Täterinnen möchte ich aufzeigen, wie die Frauen ihre Rolle als Aufseherinnen wahrgenommen haben.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rekrutierung und Aufgaben der KZ – Aufseherinnen

2.1. Die Rekrutierung

2.2. Die Unterbringung

2.3. Ausbildung und Aufgabenbereiche

2.4. Sanktionen

3. Die Berichte

3.1. Die Aussagen der Opfer

3.2. Die Aussagen der Täterinnen

4. Zusammenfassende Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Rolle von weiblichem Bewachungspersonal in nationalsozialistischen Konzentrationslagern, um das Spannungsfeld zwischen ihrer Funktion als „Werkzeug“ des Regimes und ihrer individuellen Täterschaft zu beleuchten.

  • Rekrutierungsmethoden und Motivationen des weiblichen Wachpersonals
  • Strukturelle Ausbildung und spezifische Aufgabenbereiche der Aufseherinnen
  • Analyse von Zeitzeugenberichten aus der Perspektive von Opfern
  • Selbstwahrnehmung und Rechtfertigungsstrategien der Täterinnen
  • Historische Einordnung des weiblichen Anteils an NS-Verbrechen

Auszug aus dem Buch

3.1. Die Aussagen der Opfer

Die folgenden Schilderungen der Gefangenen machen deutlich, dass die Aufseherinnen ihre Machtposition oft in schamloser Weise ausgenutzt haben. Die damaligen Verhältnisse, vor allem die meist fehlende Sanktionierung im Falle eines Übergriffes gegen die Gefangenen, ließen den Aufseherinnen viele Freiheiten. Ich habe in der Literatur keinen Hinweis darauf gefunden, dass eine Aufseherin, wenn sie eine Gefangene misshandelt hat, ernsthafte Konsequenzen zu fürchten hatte. Auf der anderen Seite wurde niemand dazu gezwungen, die Gefangenen über das Maß hinaus schlecht zu behandeln.

Strafen für Aufseherinnen gab es eher, wenn diese der Kommandantur zu wenig Respekt entgegenbrachten oder aber mangelnde Autorität gegenüber den Häftlingen zeigten. So war das Konzentrationslager ein Ort, in dem die Aufseherinnen alle und die Häftlinge gar keine Rechte besaßen. Er war zudem von Willkür und Schikane geprägt.

„...Täglich werden die Baracken einer strengen Kontrolle unterzogen. Es ist ein junges Mädchen von der SS, die „Graue Maus, die in ihrer tadellos sitzenden Uniform elegant und kokett aussieht (...) Hochmütig geräuschvoll dringt sie in Begleitung eines Soldaten und des jüdischen Lagerleiters (...) in die Baracke ein.

Die „Graue Maus“ macht übertriebene, provozierende Gesten, wirft den Körper scharf herum und stößt vor einem schlecht gewaschenen Geschirr oder einem nicht sorgfältig genug gebauten Bett theatralisch berechnete Schreckenschreie aus. Sie glänzt darin, einem knallende, impulsive, schnelle und plötzliche Ohrfeigen zu verabreichen, ohne den Handschuh auszuziehen. Mindestens sieben oder acht Häftlinge in jeder Baracke werden täglich von ihr wegen eines Nichts mit dem Entzug von Brot oder Essen bestraft. Einschüchtern, schikanieren und demütigen, das ist ihr einziges Ziel. Diese Besuche haben keinen anderen Sinn.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die kriminologische Fragestellung ein, wie Frauen im nationalsozialistischen Lagersystem zu Täterinnen wurden und inwiefern sie als „Werkzeuge“ des Regimes agierten.

2. Rekrutierung und Aufgaben der KZ – Aufseherinnen: Dieses Kapitel erläutert die Anwerbungswege, die Unterbringungssituation sowie die verschiedenen Dienstfunktionen und Sanktionierungsmechanismen für das weibliche Bewachungspersonal.

3. Die Berichte: Hier werden anhand von Primärquellen die traumatischen Erfahrungen der Opfer sowie die (oft rechtfertigenden) Aussagen der Täterinnen gegenübergestellt, um ein Bild der Lagerrealität zu vermitteln.

4. Zusammenfassende Schlussbetrachtung: Das Fazit fordert ein Umdenken in der Forschung, um die aktive Beteiligung von Frauen an NS-Verbrechen anzuerkennen und die eigene Täterschaft kritisch zu reflektieren.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Konzentrationslager, Aufseherinnen, weibliches Bewachungspersonal, Täterinnenforschung, Gewalt, NS-Ideologie, Ravensbrück, Strafvollzug, Machtposition, Häftlinge, Kriegsverbrecherprozesse, Funktionshäftlinge, SS-Gefolge.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Rolle von Aufseherinnen in nationalsozialistischen Konzentrationslagern und untersucht, warum diese Frauen zu Täterinnen wurden.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Rekrutierung, der Lageralltag, die Ausübung von Gewalt sowie die wissenschaftliche Einordnung des weiblichen Verhaltens im NS-System.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Frauen ihre Rolle als Aufseherinnen wahrnahmen und die Grenzen zwischen Täter- und Opferwerdung in diesem Kontext zu analysieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung historischer Berichte von Opfern sowie Aussagen ehemaliger Aufseherinnen aus Kriegsverbrecherprozessen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden der Rekrutierungsprozess, die Ausbildung, die verschiedenen Aufgabenbereiche (z.B. Blockführerinnen) und die Berichte über die Ausübung von Gewalt detailliert analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Nationalsozialismus, Konzentrationslager, Aufseherinnen, Täterinnenforschung und Gewalt.

Warum war es für die Forschung lange schwierig, das Thema objektiv zu betrachten?

Die Arbeit stellt fest, dass das weibliche Geschlecht in der Forschung lange pauschal als Opfer NS-Politik gesehen wurde, was eine objektive Auseinandersetzung mit weiblicher Täterschaft erschwerte.

Gab es für Aufseherinnen Sanktionen bei Fehlverhalten gegenüber Häftlingen?

Die Untersuchung zeigt, dass Gewalt kaum sanktioniert wurde; Strafen gegen Aufseherinnen erfolgten eher bei mangelndem Respekt gegenüber der Kommandantur.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zur Rolle der Aufseherinnen in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Werkzeug oder Täterin?
Hochschule
Universität Hamburg  (Kriminologie)
Veranstaltung
Seminar "Frauen im Strafvollzug"
Note
1,2
Autor
Melanie Hillmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2000
Seiten
18
Katalognummer
V903904
ISBN (eBook)
9783346201249
ISBN (Buch)
9783346201256
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauen Strafvollzug Drittes Reich Nationalsozialismus Konzentrationslager
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Melanie Hillmann (Autor:in), 2000, Zur Rolle der Aufseherinnen in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Werkzeug oder Täterin?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/903904
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Leseprobe aus  18  Seiten
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