Kommunikation umgibt uns in ihrer Vielfältigkeit jeden Tag und wird von uns häufig nicht mehr bewusst wahr genommen. Wissenschaftler aus den verschiedensten Bereichen, von Geistes- und Sozialwissenschaften über die Naturwissenschaften bis hin zur Philosophie, haben versucht „Kommunikation“ zu erklären und zu schematisieren.
Die Geschichte der Kommunikationsmodelle lässt sich bis in die Antike zurück verfolgen. Platon spricht in seinem "Kratylos" von Sprache als ein Organon (Werkzeug), mit Hilfe dessen eine Person der anderen etwas über die Dinge mitteilt. Die heute üblichen Kommunikationsmodelle und damit etablierten Begriffsbestimmungen finden sich aber erst Ende der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die vorliegende Arbeit soll einen Einblick in den Aufbau und die Entwicklung einiger, ausgewählter Kommunikationsmodelle ermöglichen. Außerdem sollen die Unterschiede und Diskussionsansätze zwischen den einzelnen Modellen aufgezeigt werden, um auf diesem Weg klar zu machen, welche Aspekte der Kommunikation jedes einzelne berücksichtigt und wozu es hilfreich sein kann.
Dazu wird zunächst kurz auf die Begriffe „Kommunikation“ und „Kommunikationsmodell“ eingegangen. Es soll deutlich werden, warum es überhaupt verschiede Modelle gibt und geben muss.
Betrachtete Modelle:
-Lasswell-Formel
-Organon-Modell
-Mathematische Theorie der Kommunikation
-Sprechakttheorie
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Eine Begriffsbestimmung für Kommunikation und Kommunikationsmodell
3. Kommunikationsmodelle
3.1 Die Lasswell-Formel
3.2 Das Organon-Modell
3.3 Mathematische Theorie der Kommunikation
3.4 Die Sprechakttheorie
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, einen fundierten Einblick in die Entwicklung und den Aufbau ausgewählter Kommunikationsmodelle zu geben, um deren Unterschiede und Anwendungsbereiche im Kontext menschlicher Interaktion kritisch zu reflektieren.
- Grundlegende Begriffsbestimmungen von Kommunikation und Modellen
- Analyse der Lasswell-Formel und ihrer Bedeutung für die Forschung
- Das Organon-Modell nach Karl Bühler und dessen Erweiterungen
- Die mathematische Kommunikationstheorie nach Shannon und Weaver
- Grundlagen und Klassifizierungen der Sprechakttheorie nach Searle
Auszug aus dem Buch
3.4. Die Sprechakttheorie
Die Sprechakttheorie, oder Sprachhandlungstheorie, geht von der Annahme aus, dass man mit einer Äußerung nicht nur Sachverhalte beschreiben oder Behauptungen aufstellen kann, sondern sie auch dazu dienen kann, andere Handlungen zu vollziehen. Diese Annahme geht regelmäßig mit der Auffassung einher, dass die Bewertung einer Äußerung nicht auf deren Wahrheitswert (wahr oder falsch) beschränkt ist.
Als Wegbereiter oder „Vorläufer“ der gegenwärtigen analytischen Sprechaktphilosophie sieht Schwab: Charles Sanders Peirce (1839-1914), Georg Herbert Mead (1863-1931), Karl Bühler (1879-1963), Ludwig Wittgenstein (1889-1951) und John Langshaw Austin (1911-1960). [9] Alle stellten für die heutige Theorie relevante Überlegungen an. Austin und Wittgenstein können in gewisser Weise beide als „Väter“ der Sprechakttheorie angesehen werden. Wittgenstein spricht sich in seinen 1953 posthum veröffentlichten „Philosophischen Untersuchungen“ explizit gegen die Theorie aus, dass Wörter generell nur der Benennung von Dingen dienten. Austin lieferte mit seiner 1961, ebenfalls posthum veröffentlichten, Vorlesungsreihe „How To Do Things With Words“ von 1955 die Geburtsstunde der modernen Sprechakttheorie. Zu deren Verbreitung trug im wesentlichen Austins Schüler John Searle mit seinem 1969 veröffentlichten Buch „Speech Acts“ bei.
Die Searlesche Theorie der Sprechakte
Unter dem Begriff „Sprechakt“ wird die Grundeinheit der sprachlichen Kommunikation verstanden. Gesprochene Sätze setzen sich gewöhnlich aus vielen verschiedenen Sprechakten zusammen. Searle teilt Sprechakte in vier Arten ein:
- Äußerungsakte
- Propositionale Akte
- Illokutionäre Akte
- Perlokutionäre Akte [10]
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwärtigkeit von Kommunikation und den wissenschaftlichen Anspruch, diese durch Modelle zu systematisieren.
2. Eine Begriffsbestimmung für Kommunikation und Kommunikationsmodell: Dieses Kapitel erläutert die Schwierigkeit einer einheitlichen Definition von Kommunikation und beschreibt, wie Modelle versuchen, diese Prozesse schematisch abzubilden.
3. Kommunikationsmodelle: Hier werden zentrale theoretische Ansätze wie die Lasswell-Formel, das Organon-Modell, die mathematische Theorie und die Sprechakttheorie detailliert vorgestellt und diskutiert.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Der Abschnitt rekapituliert die Grenzen der vorgestellten Theorien und verweist auf weiterführende wissenschaftliche Ansätze in der Kommunikationsforschung.
Schlüsselwörter
Kommunikation, Kommunikationsmodell, Lasswell-Formel, Organon-Modell, Mathematische Kommunikationstheorie, Sprechakttheorie, Sender, Empfänger, Illokution, Perlokution, Sprachhandlung, Informationstheorie, Sprachsystem, Pragmatik, Semantik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Übersicht über verschiedene theoretische Ansätze und Modelle der Kommunikationswissenschaft, von frühen Ansätzen bis zur modernen Sprechakttheorie.
Welches ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, dem Leser den Aufbau, die Entwicklung und die Unterschiede der verschiedenen Modelle aufzuzeigen, um deren Anwendbarkeit und Grenzen besser zu verstehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, bei der bestehende Kommunikationsmodelle anhand der Fachliteratur vergleichend dargestellt und hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile bewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Lasswell-Formel, des Organon-Modells von Bühler, der mathematischen Theorie von Shannon und Weaver sowie der Searleschen Sprechakttheorie.
Was zeichnet die Lasswell-Formel aus?
Sie gilt als Grundfeste der Kommunikationsforschung und erlaubt eine erste systematische Aufgliederung von Kommunikationsprozessen in Fragen nach Sender, Botschaft, Medium, Empfänger und Wirkung.
Welche Limitationen weist die mathematische Theorie der Kommunikation auf?
Sie konzentriert sich primär auf die technisch verlustfreie Datenübertragung und vernachlässigt dabei die semantische Bedeutung der Nachrichten sowie den sozialen Kontext menschlicher Interaktion.
Was versteht man im Kontext der Sprechakttheorie unter einem "perlokutionären Akt"?
Dies bezeichnet die beabsichtigte Wirkung, die beim Hörer durch eine sprachliche Äußerung erzielt werden soll, wie zum Beispiel Überzeugen, Kränken oder Trösten.
Warum spielt die Sprechakttheorie eine so bedeutende Rolle?
Sie ermöglicht eine sehr präzise Analyse sprachlicher Interaktionen, indem sie Sprache nicht nur als Abbild von Sachverhalten, sondern als aktives Werkzeug des Handelns begreift.
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- Robert Naumann (Author), 2008, Kommunikationsmodelle - von der Lasswell-Formel zur Sprechakttheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90391