„Als ein Fünfkämpfer den Epitimos von Pharsalos unabsichtlich mit dem Wurfspieß traf und tötete, habe er [Perikles] einen ganzen Tag darauf verwendet, mit Protagoras die Frage zu diskutieren, wen man nun bei diesem Unglück nach streng rechtlicher Beurteilung für den Schuldigen halten müsse, den Speer oder eher den, der ihn geworfen, oder die Kampford-ner?“
Plutarch: Perikles 36.
Dieser Ausschnitt aus der Perikles/Fabius Maximus-Parallelvita des Plutarch beschreibt eine Interaktion zwischen dem Sophisten Protagoras von Abdera und dem athenischen Staatsmann Perikles. Anekdotenhaft zeigt er auf, dass Perikles mit einem der bekanntesten und seine Zeit prägendsten Sophisten ein Rechtsproblem diskutierte.
Anekdote oder Fakt? Intentionales Beispiel oder reale Begebenheit?
Da der Autor der Parallelvita, Plutarch von Chaironeia, kein Zeitgenosse der von ihm beschriebenen Personen war, geboren wurde er um 46 n.Chr. , und keine Quellen dieses eher kleine und unscheinbare Ereignis in dieser Form erwähnen, dessen Thematik allerdings im 5. Jahrhundert v.Chr. zum pädagogischen Standardrepertoire gehörte und an anderer Stelle wieder auftaucht , ist davon auszugehen, dass Plutarch hier ein konstruiertes Beispiel mit einem bestimmten Zweck in Form einer Anekdote verwendete.
Diese Hausarbeit im Rahmen des Seminars „Perikles“ (AM 1) versucht der Frage nachzugehen, inwieweit die Begegnung von Protagoras und Perikles in der Parallelvita Perikles/Fabius Maximus Plutarchs eine intentionale Anekdote ist und welche Absicht sich dahinter verbirgt.
Kurz: Was sollte diese konstruierte Darstellung des Protagoras von Abdera zur Lebensbeschreibung des Perikles beitragen? Wie ist sie zu deuten?
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. WER WAR DER DARGESTELLTE?
2.1. PROTAGORAS VON ABDERA – BIOGRAPHISCHES
2.2. PROTAGORAS, DER SOPHIST UND LEHRER – AUSGEWÄHLTE SCHWERPUNKTE DER LEHRE UND PHILOSOPHIE DES PROTAGORAS
2.2.1. DER HOMO-MENSURA-SATZ
2.2.2. DER AGNOSTIZISMUS DES PROTAGORAS UND SEINE FOLGEN
3. WER WAR DER AUTOR? WAS SEINE WERKE?
3.1. PLUTARCH VON CHAIRONEIA – BIOGRAPHISCHES
3.2. PARALLELVITEN ALS WEG ZUM ‚BESSEREN LEBEN’? AUFBAU UND INTENTION DER BIOI PARALLÊOI
4. SCHLUSSFOLGERUNGEN
5. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Begegnung zwischen dem Sophisten Protagoras und dem athenischen Staatsmann Perikles in Plutarchs Parallelvita. Ziel ist es zu analysieren, ob diese Interaktion als reale Begebenheit einzustufen ist oder ob Plutarch die Szene als intentionale Anekdote konstruiert hat, um das Bild des Perikles als tugendhaftes Vorbild zu schärfen.
- Historische und biographische Einordnung der Person Protagoras von Abdera.
- Analyse der sophistischen Lehrschwerpunkte, insbesondere des Homo-Mensura-Satzes.
- Untersuchung von Plutarch als Biograph und der Intention hinter seinen Parallelviten.
- Deutung der Protagoras-Darstellung als literarisches Mittel zur Charakterisierung von Perikles.
Auszug aus dem Buch
2. Wer war der Dargestellte? Aspekte seines Lebens, Werks und seiner Lehre
Die Äußerungen des Protagoras beschäftigen bis in die Gegenwart Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen und tauchen auch in der modernen Literatur als Forschungsgegenstand immer wieder auf. Dennoch ist über das Leben und intellektuellen Werdegang des Protagoras nur wenig bekannt. Keine seiner Abhandlungen ist vollständig erhalten und nur wenige seiner Äußerungen gelten als gesichert.
Den Darstellungen Platons und Diogenes Laertius’ nach stammt Protagoras aus Abdera.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und hinterfragt den Wahrheitsgehalt einer spezifischen Anekdote aus Plutarchs Perikles-Vita.
2. WER WAR DER DARGESTELLTE?: Dieses Kapitel beleuchtet das Leben, die Lehren und die philosophische Bedeutung des Sophisten Protagoras von Abdera.
3. WER WAR DER AUTOR? WAS SEINE WERKE?: Es folgt eine Analyse von Plutarchs Biographie, seiner Intention als Biograph und dem Aufbau seiner Parallelviten.
4. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Die Ergebnisse führen zu der Schlussfolgerung, dass der Auftritt des Protagoras ein fiktives Konstrukt zur Charakterstärkung des Perikles darstellt.
5. ZUSAMMENFASSUNG: Das Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen, dass Protagoras im Text primär als Symbolfigur für Bildung und juristische Reflexion dient.
Schlüsselwörter
Protagoras, Perikles, Plutarch, Parallelviten, Sophistik, Homo-Mensura-Satz, Anekdote, Biographie, Geschichtsschreibung, Antike, Philosophie, Charakterdarstellung, Moral, Bildung, Relativismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht eine spezifische Anekdote in Plutarchs Perikles-Vita, in der der Sophist Protagoras mit Perikles ein juristisches Problem diskutiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die historische Person Protagoras, die sophistische Lehre sowie die biographische Methode und Intention von Plutarch.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Klärung, ob die Begegnung historisch authentisch ist oder ein von Plutarch bewusst gestaltetes Mittel zur Charakterisierung von Perikles darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die Quellenarbeit mit der Interpretation literarischer Konstruktionen in antiken Biographien verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet Protagoras’ Philosophie (insb. den Homo-Mensura-Satz und Agnostizismus) und untersucht anschließend Plutarchs Absichten in seinen Parallelviten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Protagoras, Perikles, Plutarch, Sophistik und die Gattung der Parallelviten.
Warum bezweifelt die Autorin die historische Realität der Anekdote?
Da Plutarch erst 500 Jahre nach den Ereignissen lebte und keine zeitgenössischen Quellen den Vorfall stützen, gilt er als spätere literarische Konstruktion.
Welche Rolle spielt die Bildung für Plutarch in dieser Vita?
Bildung dient in der Anekdote als Attribut, um Perikles als reflektierten und weisen Staatsmann zu stilisieren.
- Quote paper
- Katharina Theilen (Author), 2007, Traf der Speer oder traf er nicht? Zur Darstellung des Protagoras von Abdera in der Perikles-Vita von Plutarch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90394