Kooperatives Lernen im Rahmen des schülerorientierten Unterrichts

Referatsausarbeitung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
25 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Kooperatives Lernen im selbstgesteuerten Unterricht

2. Begriffsdefinitionen
2.1 Kooperation
2.2 Kooperatives Lernen

3. Das Verhältnis von Selbststeuerung und Kooperativem Lernen

4. Peer–Tutoring und Peer–Collaboration
4.1 Peer–Tutoring
4.1.1 Vorstellung des Konzeptes, theoretischer Hintergrund und Ziele des Peer-Tutoring
4.1.2 Peer-Tutoring bei Kindern mit Lernschwierigkeiten und Effekte des Peer-Tutoring
4.2 Peer–Collaboration
4.2.1 Peer-Collaboration in freundschaftlichen Beziehungen
4.2.2 Untersuchung zur Kooperation unter Kindern aus Mainstreaming-Klassen
4.3 Anregungen für die Praxis

5. Sechs Methoden des kooperativen Lernens
5.1 “Jigsaw” Methode
5.2 „Placemat“ Methode
5.3 „Think-Pair-Share“ Methode
5.4 „Inside-Outside-Circle“ Methode
5.5 „Strukturierte Kontroverse“ Methode
5.6 „Gruppenrallye“ Methode

6. Ablauf der Sitzung

7. Evaluation

8. Literatur

9. Anhang

1. Kooperatives Lernen im selbstgesteuerten Unterricht

Kooperatives Lernen bietet eine Vielfalt an methodischen Möglichkeiten für den Unterricht bei Schülern mit Lernschwierigkeiten. Dies soll in den nun folgenden Ausführungen dargestellt werden.

Begonnen wird mit den Definitionen der Begriffe „Kooperation“ und „Kooperatives Lernen“ und anschließend das Verhältnis von kooperativem Lernen und Selbststeuerung aufgezeigt. Nach der darauffolgenden Vorstellung der Konzepte „Peer-Tutoring“ und „Peer-Collaboration“ werden abschließend sechs Methoden des kooperativen Lernens beschrieben, die auch für die Gestaltung der Referatssitzung verwendet wurden.

2. Begriffsdefinitionen

2.1 Kooperation

Kooperation kann als „bewusste, von allen Beteiligten verantwortete, zielgerichtete, gleichwertige und konkurrenzarme Zusammenarbeit“ gelten, wobei hier besonders das Arbeitsfeld Schule im Vordergrund steht. (Wachtel/Wittrock, 1990, 264 in Bundschuh, Heimlich, Krawitz, 2002, 177)

Auch im heilpädagogischen Arbeitsfeld ist die Zusammenarbeit verschiedener Professionen ein zentraler Punkt. Vor allem durch die gegenwärtigen Veränderungen in den Organisationsformen ist die Kooperation unabdingbar. Die Integration beeinträchtigter Schüler an Regelschulen verlangt nach neuen Formen der Zusammenarbeit; so sollten Förder- bzw. Sonderschullehrer gemeinsam mit Grundschul- bzw. Sekundarschullehrer für die Schüler gewinnbringend arbeiten. (vgl. Bundschuh, Heimlich, Krawitz, 2002, 177)

Bezüglich der heilpädagogischen Arbeitsfelder kann man zwischen internen und externen Aspekten unterscheiden. Während die Kooperation nach innen vor allem der Zusammenarbeit im Team innerhalb einer Institution entspricht, beinhaltet die Kooperation nach außen auch die Zusammenarbeit verschiedener Systeme und die Zusammenarbeit mit Eltern, Medizinern usw. (vgl. Bundschuh, Heimlich, Krawitz, 2002, 177)

Das Mittelpunkt der Kooperation in einem Bildungs- du Erziehungssystem liegt nach Kreie in einem „gemeinsamen Aneignungsprozess“, der zwischen unterschiedlichen Bedürfnissen, Sichtweisen und Kompetenzen vermittelt. (vgl. Kreie, 1990, 237 in Bundschuh, Heimlich, Krawitz, 2002, 177f) Nach Buber umfasst die Kooperation Prozesse der „gegenseitigen Annäherung und Abgrenzung auf der Basis der Wertschätzung der Individualität des anderen“. (Bundschuh, Heimlich, Krawitz, 2002, 178)

Feuser allerdings weist kritisch darauf hin, „dass das Problem der Kooperation zu sehr auf der Ebene der Interaktion zwischen Erwachsenen betrachtet werde.“ (Feuser, 1995, 183 in Bundschuh, Heimlich, Krawitz, 2002, 178) Vor allem im Unterricht sind es gerade die Erfahrungen auf Schülerebene, auf die Wert gelegt werden soll, denn sie sind es, die in Kooperation arbeiten und lernen sollen. Besonders im gemeinsamen Spiel- und Lernprozess lernen die Schüler die Einigung verschiedener Kompetenzen im Dialog. Denn „die Kooperation von Kindern und Jugendlichen untereinander besitzt ein hohes entwicklungsförderndes Potential.“ (Benkmann, 1998, 12 in Bundschuh, Heimlich, Krawitz, 2002, 178) Natürlich darf hier auch die Schlüsselqualifikation „Teamfähigkeit“ bei den Schülern nicht außer Acht gelassen werden. Denn sie ist Voraussetzung für die notwendige Kooperation. (vgl. Bundschuh, Heimlich, Krawitz, 2002, 178)

Kooperative Prozesse haben sich im heilpädagogischen Arbeitsfeld mittlerweile auch auf der Ebene verschiedener Systeme ausgeweitet. So werden beispielsweise verschiedene Institutionen (wie Regel- und Sonderschule) in einem Haus zusammengeführt, wobei jedes System seine organisatorische Eigenständigkeit beibehalten soll, die Schüler aber im Freizeitbereich verstärkt kooperieren können. (vgl. Bundschuh, Heimlich, Krawitz, 2002, 180)

Kooperative Kompetenz umfasst mehrere Kompetenzen. Zum einen die Achtung der Individualität des Kollegen (gegenseitige Akzeptanz) und die Annahme der eigenen Schwächen. Zum anderen eine Konfliktfähigkeit, die Konflikte angemessen austragen und ertragen hilft, sowie ein Einfühlungsvermögen in Menschen und Situationen, und schließlich eine Zuwendungsfähigkeit und –bereit-schaft. (Wachtel/Wittrock, 1990, 267 in Bundschuh, Heimlich, Krawitz, 2002, 177)

Kooperatives Lernen wirkt sich positiv auf die Schulleistungen und das soziale Verhalten der Schüler aus. Zudem hat es Vorteile für das Sozialklima in Schulklassen. (vgl. Benkmann, 1997, 87) Nach sozial-konstruktivistischen Vorstellungen setzt Lernen soziale Interaktionen voraus und beruht auf Kooperation und Kommunikation. Lernen ist weitgehend ein durch Kooperation sozial konstituierter Prozess, bei dem mindestens zwei Personen in Beziehung treten.

In jeder Klasse sind die Kinder in ihren Interessen, Kompetenzen und Schwierigkeiten heterogen, so dass sie sich gegenseitig anregen können. Im Gegensatz zu Interaktionen mit von Kindern mit Erwachsenen sind die unter Kindern gleichberechtigter und erfordern in höherem Maße Aushandlungsprozesse, was die kognitiven Aktivitäten und die Auseinandersetzung mit der Sache anregt. (vgl. Werning/Lütje-Klose, 2003, 155)

Kooperatives Lernen unter Gleichaltrigen gelingt allerdings nicht immer gleich gut. Die günstigste Bedingung für eine gute Zusammenarbeit ist eine bereits bestehende Freundschaftsbeziehung. Dadurch fühlen sich die Kinder sicherer und könne sich gut auf die zu erarbeitenden Inhalte konzentrieren. Weitere Bedingungen sind die Entwicklungsangemessenheit der Aufgaben, die in den Zuständigkeitsbereich der Lehrer fallen und ein Unterrichtskontext, in dem das gemeinsame Arbeiten positiv bewertet und sinnvoll eingebunden wird. (vgl. Werning/Lütje-Klose, 2003, 156)

Die Kinder stellen im Unterricht füreinander eine wichtige Ressource dar, die im kooperativen Gruppenunterricht genutzt wird. Darunter versteht man Lernprogramme, in denen die kooperativen Fähigkeiten der Kinder systematisch gefördert und zur inhaltlichen Erschließung oder Übung der Unterrichtsgegenstände herangezogen werden. Dabei wird die Klasse bewusst in heterogene Gruppen geteilt, wobei sich jeder mit einem Teilbereich des Themas beschäftigt. Die Teilergebnisse werden anschließend zusammengetragen und diskutiert; so sind alle in ihren Arbeitsergebnissen aufeinander angewiesen und jeder einzelne trägt seinen Teil dazu bei, dass die Gruppe gemeinsam die Aufgabe lösen kann. (vgl. Avci-Werning, 2002, 101 in Werning/Lütje-Klose, 2003, 157) Diese Art der Aufgabenlösung kann dazu beitragen, dass die Schüler aktiver werden und ihre Lernprozesse stärker selbst steuern können, wobei sie gleichzeitig auch lernen, dass sie gemeinsam, wenn jeder sein Wissen einbringt, auf mehr und bessere Ideen kommen. Zugleich lernen die Schüler ihre Arbeits- und Gruppenprozesse selbständig zu planen und zu organisieren. Der Lehrer übernimmt hierbei nur die Manager-Rolle ein, in der er inhaltliche Anregungen gibt bei der Lernorganisation hilft und das soziale Verhalten unterstützt. Dies ist nur möglich, wenn der Lernstoff und die Aufgabenstellung so gewählt sind dass die Schüler selbstständig arbeiten können, es gemeinsam entwickelte und einhaltbare Regeln gibt und die Gesprächfähigkeiten der Schüler vorhanden sind. (vgl. Werning/Lütje-Klose, 2003, 158f)

Kooperatives Lernen bezeichnet eine Reihe von didaktischen Verfahren im Unterricht, bei denen mehrere Schüler gemeinsam an einem Problem oder einer Aufgabe arbeiten. Es ist eine Interaktionsform, zu der die Kinder angeleitet werden. (vgl. Zornemann 1999, 22)

2.2 Kooperatives Lernen

„Kooperatives Lernen findet statt, wenn zwei oder mehr relativ gleichberechtigte Partner sich wechselseitig dabei unterstützen, eine gemeinsame Aufgabe zu bewältigen, ein gemeinsames Ziel zu erreichen.“ (Hinde/Groebel, 1989 in Benkmann, 1997, 88)

„Der Begriff Kooperatives Lernen ist ein Sammelbegriff, der eine Vielzahl gruppenbezogener Arbeitsformen umfasst, wie die Partner- und Kleingruppenarbeit, die Arbeit mit Tischgruppen oder Tutorensystemen. In einem aktiven Austauschprozess sollen die Schüler sich bei diesen Arbeitsformen über einen gemeinsamen Gegenstand auseinandersetzen und sich diesen über verschiedene Tätigkeiten mit einem gemeinsamen Ziel inhaltlich erschließen.“ (Krämer-Kilic, 2000, 5 in Werning/Lütje-Klose, 2003, 156)

Kooperatives Lernen der Schüler und eine kooperative Lehrer-Schüler-Interaktion sind zentrale Voraussetzungen für den schulischen Unterricht, um den heterogenen Bedürfnissen und Kompetenzen der Schüler gerecht werden zu können. Auch eine gute, harmonische, unterstützende und aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit der Lehrer ist dabei von großer Wichtigkeit. Besonders im gemeinsamen Unterricht nimmt die Lehrerkooperation eine Schlüsselrolle ein. Dabei können grundsätzlich zwei kooperative Modelle unterschieden werden. Zum einen das Stütz-Lehrer-System, bei welchem zwar weiterhin der Lehrer für den Unterricht verantwortlich, jedoch für einige Stunden eine Doppelbesetzung in die Klasse kommt. Ein Förderschul- bzw. Sonderschullehrer unterstützt die Klassenleitung bei der Förderung der Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf. Eine andere Form ist das Zwei-Pädagogen-System, bei dem meist zwei Lehrer gemeinsam unterrichten und sich alle anfallenden Aufgaben teilen (team-teaching). Dadurch ist eine innere Differenzierung möglich, wodurch alle Schüler bestmöglich gefördert werden können. Eine effektive kooperative Arbeit auf der Basis unterschiedlicher Kompetenzen kann eine enorme Entlastung und zugleich auch eine Bereicherung für alle Beteiligten sein. (vgl. Bundschuh, Heimlich, Krawitz, 2002, 178)

Zudem bereichert Kooperation nicht nur das Schulleben, sondern leistet auch seinen Beitrag zur Entlastung und Intensivierung der Kontakte außerhalb der Schule. (vgl. Bundschuh, Heimlich, Krawitz, 2002, 179)

Natürlich bringt die Kooperation verschiedener Charaktere auch Probleme mit sich. Oft hängt es mit der wenigen Erfahrung einzelner Personen zusammen. Wocken interpretiert diese Probleme als „notwendige Folge des hierarchisch organisierten Schulsystems.“ (Wocken 1988, 208 in Bundschuh, Heimlich, Krawitz, 2002, 179) Im Zwei-Pädagogen-System beispielsweise beurteilen die Lehrer ihre Arbeit gegenseitig, was für viele als „Enthüllung der Person“ oder als „Verlust an Privatheit, Einschränkung persönlicher Freiheit, Verunsicherung beruflicher Identität“ empfunden wird. (Wocken 1991, 20 in Bundschuh, Heimlich, Krawitz, 2002, 179) Ein weiterer Grund für Kooperationsprobleme kann eine ungenaue Aufgaben- und Rollenverteilung sein. Hierbei ist es wichtig die gegenseitige Erwartungshaltung gleich zu Beginn des gemeinsamen Arbeitens zu klären. Vor allem von Förder- bzw. Sonderschullehrern wird oft ein hohes Maß an Fachkompetenz und Wissen erwartet, wobei dem nicht immer entsprochen werden kann. (vgl. Bundschuh, Heimlich, Krawitz, 2002, 179)

Zusätzlich ist es wichtig, dass man sich bezüglich der didaktisch-methodischen Gestaltung des Unterrichts und des zugrunde liegenden Erziehungskonzepts einig wird. Dabei steht die Herausbildung einer gemeinsamen Verantwortung für den Unterricht und die Schüler im Vordergrund. Der äußere Rahmen der Kooperation wird durch die institutionelle Einbettung bestimmt. Natürlich darf nicht vernachlässigt werden, dass kooperative Arbeit sehr viel Arbeit, Mühe, Zeit und Anstrengung von allen fordert. Ein kontinuierlicher Teamentwicklungsprozess ist wünschenswert, damit die verschiedenen Kompetenzen nicht nebeneinander wirken, sondern in den Prozess der gemeinsamen Weiterbildung und des Erfahrungsaustausches einbezogen werden. (vgl. Bundschuh, Heimlich, Krawitz, 2002, 179)

3. Das Verhältnis von Selbststeuerung und Kooperativem Lernen

Selbststeuerung kann im Rahmen von Kooperativem Lernen stattfinden. Notwendige Kompetenzen sind Methoden-, Kooperations- und Kommunikationskompetenz, sowie eine Reflexionsfähigkeit. Selbststeuerung und Kooperatives Lernen beeinflussen sich gegenseitig, dennoch sind sie unvereinbar was die Sozialform betrifft. Selbststeuerung läuft vorwiegend alleine ab, während man beim Kooperativen Lernen gemeinsam lernt und mit anderen zusammenarbeitet. Für die Selbststeuerung sind Lernstrategien notwendig, denn der Lernprozess wird hier selbst gestaltet (didaktische und methodische Entscheidungen). Für das Lernen durch Lehren ist die Selbststeuerung eine Voraussetzung.

Beim Kooperativen Lernen wird der zu erarbeitende Stoff in der Regel vom Lehrer vorgegeben, der selbstgesteuerte Aspekt hier ist der Weg zum Lernziel. Zudem können Schüler die Lernziele für andere vorgeben, dadurch haben sie die Möglichkeit durch Lehren zu lernen. So stehen die Schüler in ständiger Interaktion mit den anderen Beteiligten, sie stellen Fragen, helfen sich gegenseitig usw.

Auch selbstständiges Lernen kann kooperativ sein, man kann beispielsweise Informationen so auswählen, dass die Adressaten den größtmöglichen Nutzen daraus ziehen können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Kooperatives Lernen im Rahmen des schülerorientierten Unterrichts
Untertitel
Referatsausarbeitung
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Pädagogik und Psychologie)
Veranstaltung
Selbstgesteuertes Lernen bei SchülerInnen mit Förderschwerpunkt Lernen in Förder- und Integrationsklassen
Note
1,0
Autoren
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V90398
ISBN (eBook)
9783638033459
ISBN (Buch)
9783656057741
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
eine sehr gelungene Ausarbeitung zu einem schönen Referat
Schlagworte
Kooperatives, Lernen, Rahmen, Unterrichts, Selbstgesteuertes, SchülerInnen, Förderschwerpunkt, Förder-, Integrationsklassen
Arbeit zitieren
Veronika Bernau (Autor)Patricia Stein Cornelia Benz (Autor), 2007, Kooperatives Lernen im Rahmen des schülerorientierten Unterrichts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90398

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