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Das interaktionistische Paradigma und sein Bezug zur Lernbehindertenpädagogik

Title: Das interaktionistische Paradigma und sein Bezug zur Lernbehindertenpädagogik

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 14 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Veronika Bernau (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Summary Excerpt Details

Der Interaktionismus versteht „Lernbehinderung“ nicht als eine individuelle Störung des Menschen. Der Begriff „Lernbehinderung“ wird nach interaktionistischem Denken eher als Ergebnis eines Prozesses gesehen, der von einer gesellschaftlichen Norm differiert. Bei der Entwicklung von Etikettierungen können sozial-psychologisch erforschte Einseitigkeiten bei der Beobachtung des Anderen bei dem Zuschreibungsprozess mit hineinspielen.
Lernschwierigkeiten und Leistungsversagen können nicht nur als ein individuelles Persönlichkeitsmerkmal begriffen werden; sie sind vor allem Ursache eines charakteristischen Gesellschafts-, Schul- und Interaktionssystems. Es gibt keine „Lernbehinderung“ an sich. Sie ist keine universelle Größe, sondern eine schulorganisatorische, interaktionistische Bestimmungsvariable. Lehren und Lernen hängen über den Prozess der Interaktion voneinander ab. „Lernbehinderung“ kann man somit nicht im/in der Schüler/in selbst suchen, sondern nur in der Lehrer-Schüler-Beziehung. Der/die „lernbehinderte“ Schüler/in hat sein/ihr Gegenüber im „lernbehinderten“ Lehrer. Bezogen auf eine wechselseitige Interaktion ist „Lernbehinderung“ das Resultat eines Wechselspiels inmitten schulischer Organisations-, Kommunikations- und Inhaltsstrukturen einerseits und den möglichen Reaktionen des Lernenden andererseits. Inter-aktionen sind zirkuläre Entwicklungsvorgänge, in der jedes Verhalten sowohl der Beweggrund als auch dessen Auswirkung sein kann.
Auf diese Weise kehrt man von einer einseitig, personalistischen Sicht ab und wendet sich einer mehrdimensionalen Betrachtungsweise zu.

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Inhaltsverzeichnis

1. Erziehungswissenschaftlicher Bezug

1.1 Etikettierungsansatz

1.2 Sozialer Interaktionismus - eine Kurzzusammenfassung

1.3 Definition des „labeling approach“

2. Geschichtlicher Hintergrund

3. Grundbegriffe

3.1 Symbol

3.2 Interaktion

3.3 Kommunikation

3.4 Situation

3.5 Identität

3.6 Rolle

3.7 Stigma

4. Kernaussagen

4.1 Sozialisation bei Mead

4.1.1 Kindliches Spiel

4.1.2 „Me“, „I“ und “Self”

4.2 Sozialisation bei Habermas

4.3 Rollenkompetenzen und Interaktion

5. Kritik und Chancen des symbolischen Interaktionismus

5.1 Kritik am symbolischen Interaktionismus

5.2 Chancen des symbolischen Interaktionismus

6. Bezug zur Lernbehinderung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das interaktionistische Paradigma, insbesondere den Etikettierungsansatz ("labeling approach"), und dessen Bedeutung für das Verständnis von Lernbehinderung in der Sonderpädagogik. Dabei wird aufgezeigt, dass Lernbehinderung nicht als individueller Defekt, sondern als prozessuales Ergebnis sozialer Konstruktionen und Interaktionen im schulischen Kontext zu verstehen ist.

  • Grundlagen des symbolischen Interaktionismus und des Etikettierungsansatzes.
  • Historische Entwicklung der interaktionistischen Theorie.
  • Zentrale Begriffe wie Identität, Rolle, Symbol und Stigma.
  • Theoretische Sozialisationsmodelle nach Mead und Habermas.
  • Kritische Reflexion der Auswirkungen von Etikettierungsprozessen auf den Lernenden.

Auszug aus dem Buch

1.1 Etikettierungsansatz

Der sozialwissenschaftliche Ansatz stellt die Verläufe der sozialen Interaktion in den Mittelpunkt. In der Sonderpädagogik haben hier vor allem die Ansichten des divergenten Verhaltens das Interesse geweckt. Das Auftreten behinderter Menschen ist in einer bestimmten Art und Weise stets eine von der sozialen Norm abweichende Handlungsweise (vgl. Schröder 2000, 152 f.). Eine wichtige Errungenschaft, um das Misslingen von sozial randständigen SchülerInnen in der Schule zu erläutern, ist im sogenannten Etikettierungsansatz, dem „labeling approach“, zu sehen (vgl. Werning/Lütje-Klose 2003, 55). Der Ansatzpunkt dafür ist der soziale Interaktionismus, den ich in dieser Arbeit in seinen Grundzügen vorstellen möchte.

„Im Rahmen des Etikettierungsansatzes wird Lernbehinderung dann als Ergebnis eines Interaktionsprozesses verstanden, in dem es gelungen ist, das Lernverhalten eines Schülers über einen längeren Zeitraum als normabweichend zu beschreiben.“ (Werning/Lütje-Klose 2003, 57). Somit ist „Lernbehinderung kein individueller Defekt oder keine individuelle Störung des Individuums. Das Phänomen Lernbehinderung wird vielmehr in seiner interaktionistischen Gebundenheit als prozessuales Ergebnis der sozialen Konstruktion von Abweichung verstanden“ (Werning/Lütje-Klose 2003, 57).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Erziehungswissenschaftlicher Bezug: Dieses Kapitel führt in den Etikettierungsansatz ein und erläutert, wie Lernbehinderung im sonderpädagogischen Kontext als soziales Konstrukt statt als individuelles Defekt verstanden wird.

2. Geschichtlicher Hintergrund: Hier werden die soziologischen Wurzeln des symbolischen Interaktionismus dargelegt, insbesondere die Bedeutung der "Chicagoer Schule" und die Einflüsse von Denkern wie Blumer, Mead, Pierce, Cooley und Thomas.

3. Grundbegriffe: Dieses Kapitel definiert essenzielle Begriffe wie Symbole, Interaktion, Kommunikation, Identität und Stigma, die für das Verständnis der interaktionistischen Theorie notwendig sind.

4. Kernaussagen: Hier werden die theoretischen Konzepte zur Sozialisation nach Mead und Habermas mit den zuvor definierten Grundbegriffen verknüpft, wobei besonders die Entwicklung des "Self" hervorgehoben wird.

5. Kritik und Chancen des symbolischen Interaktionismus: Dieses Kapitel beleuchtet sowohl die Grenzen der Theorie bezüglich der Berücksichtigung industrieller Machtstrukturen als auch das Potenzial der Theorie zur kritischen Hinterfragung institutioneller Abläufe.

6. Bezug zur Lernbehinderung: Der abschließende Teil synthetisiert die theoretischen Erkenntnisse und verdeutlicht, dass Lernschwierigkeiten als Ergebnis zirkulärer Interaktionsprozesse in der Lehrer-Schüler-Beziehung zu sehen sind.

Schlüsselwörter

Symbolischer Interaktionismus, Etikettierungsansatz, labeling approach, Lernbehinderung, Sonderpädagogik, soziale Konstruktion, Identität, Interaktion, Kommunikation, Stigmatisierung, Sozialisation, Rollenübernahme, Selbstkonzept, Schulentwicklung, soziale Norm.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt den symbolischen Interaktionismus und dessen Übertragung auf die Lernbehindertenpädagogik, um zu zeigen, wie soziale Prozesse zur Zuschreibung einer Behinderung führen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen umfassen den "labeling approach", die soziologischen Grundlagen der Interaktion, Identitätsentwicklung sowie die kritische Reflexion von Schulinstitutionen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu verdeutlichen, dass Lernbehinderung kein individueller Defekt ist, sondern ein prozessuales Ergebnis gesellschaftlicher Zuschreibungen und Interaktionen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Aufarbeitung erziehungswissenschaftlicher Grundlagentexte zur Anwendung auf das spezifische Feld der Lernbehindertenpädagogik.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden der geschichtliche Hintergrund, die Definition zentraler Begriffe, theoretische Sozialisationsmodelle und eine kritische Auseinandersetzung mit institutionellen Etikettierungsprozessen diskutiert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist maßgeblich geprägt durch Begriffe wie "Etikettierungsansatz", "Symbolischer Interaktionismus", "Stigmatisierung", "soziale Konstruktion" und "Interaktionsprozess".

Wie unterscheidet sich die interaktionistische Sicht auf Lernbehinderung von der klassischen Sicht?

Während klassische Sichten Lernbehinderung als individuelles Defekt oder Störung betrachten, begreift die interaktionistische Sicht sie als Resultat einer wechselseitigen Lehrer-Schüler-Beziehung und gesellschaftlicher Definitionsmacht.

Welche Rolle spielt das "Self" im Modell von Mead?

Das "Self" entsteht bei Mead im dynamischen Spannungsfeld zwischen der biologischen Spontanität des "I" und der von anderen bestimmten Vorstellung des "Me".

Warum ist das Umfeld (Schule/Lehrer) laut der Arbeit für den Stigmatisierungsprozess entscheidend?

Die Schule dient als "Brennpunkt", in dem durch Leistungsanforderungen, Erwartungen und selektive Interaktionen Schüler schnell mit negativen Etiketten belegt werden, die sie schließlich in ihr eigenes Selbstbild übernehmen.

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Details

Title
Das interaktionistische Paradigma und sein Bezug zur Lernbehindertenpädagogik
College
LMU Munich  (Institut für Pädagogik und Rehabilitation)
Course
Theorien der Lernbehindertenpädagogik
Grade
2,0
Author
Veronika Bernau (Author)
Publication Year
2007
Pages
14
Catalog Number
V90399
ISBN (eBook)
9783638033466
ISBN (Book)
9783638938099
Language
German
Tags
Paradigma Bezug Lernbehindertenpädagogik Theorien Lernbehindertenpädagogik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Veronika Bernau (Author), 2007, Das interaktionistische Paradigma und sein Bezug zur Lernbehindertenpädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90399
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