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Sonderpädagogik im Dritten Reich. Der Umgang mit Menschen mit Behinderung im Nationalsozialismus und heute

Title: Sonderpädagogik im Dritten Reich. Der Umgang mit Menschen mit Behinderung im Nationalsozialismus und heute

Term Paper , 2003 , 28 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Diplom-Heilpädagogin Christina Stutzkowsky (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Bei der Auseinandersetzung mit dem Thema „Sonderschule im Dritten Reich“ bin ich auf viele interessante Texte und Ausarbeitungen mit unterschiedlichen Herangehensweisen und Schwerpunkten gestoßen. Die Zeit des Nationalsozialismus wurde beispielsweise in Bezug zu ihrer Vorgeschichte betrachtet, die Verhältnisse in Deutschland wurden mit denen in Frankreich zu dieser Zeit verglichen oder die Einstellung der Sonderpädagogik zu ihrer Vergangenheit wurde kritisch betrachtet. Vergessen oder nur beiläufig erwähnt wird allerdings fortwährend der Bezug zur Gegenwart.
Meine Fragen bei der Erstellung dieser Arbeit lauteten also: Wie sehen die Situation und die Lebensbedingungen für Menschen mit Behinderung heute aus? Haben wir einen Fortschritt in Richtung Integration erzielt und wenn, welchen? Gibt es Rückschritte und inwiefern werden Sonderschüler und behinderte Kinder heute immer noch ausgegrenzt? Ist das gesellschaftliche Verhalten der Gegenwart eventuell sogar mit den Begebenheiten im Dritten Reich vergleichbar? Um Antworten auf diese Fragen bekommen zu können, sollen zunächst die Situation von Sonderschulen und Lehrern sowie von Sonderschülern und behinderten Menschen im Nationalsozialismus ausführlich beschrieben und erläutert werden. Vor diesem Hintergrund wird dann kurz auf den Umgang der Behindertenpädagogik mit ihrer Geschichte Bezug genommen, um den Umgang mit Menschen mit Behinderung heute verständlicher zu machen. Im Anschluss daran werde ich die erarbeiteten Ergebnisse über die Zeit des Dritten Reiches mit Berichten über aktuelle Diskussionen zu dem Thema vergleichen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Zur Entwicklung des Dritten Reiches

3) Die Geschichte der Hilfsschule

4) Das Verhalten der Hilfsschullehrer

5) Die Konsequenzen für die Hilfsschüler

6) Widerstand

7) Der Umgang der Sonderpädagogik mit ihrer Geschichte

8) Die Situation heute – Integration oder Ablehnung?

8.1) Fortschritte

8.2) Rückschritte

8.3) Pränatale Diagnostik und Abtreibung

8.4) Sonderschule heute

8.5) Vergleich mit dem Dritten Reich

9) Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, die historische Behandlung von Menschen mit Behinderung im Nationalsozialismus aufzuarbeiten und diese mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen sowie Debatten über Integration und Bioethik kritisch zu vergleichen, um Parallelen in der Ausgrenzung aufzudecken.

  • Historische Entwicklung des Umgangs mit behinderten Menschen vor und während der NS-Zeit
  • Rolle und Verhalten der Hilfsschullehrerschaft im Nationalsozialismus
  • Konsequenzen nationalsozialistischer Ideologie für Hilfsschüler (Sterilisation und Euthanasie)
  • Kritische Analyse aktueller Integrationsbemühungen versus ausgrenzender Tendenzen
  • Bioethische Herausforderungen durch pränatale Diagnostik und moderne Selektionsmechanismen

Auszug aus dem Buch

3) Die Geschichte der Hilfsschule

Die seit ca. 1867 in Deutschland existierenden Hilfsschulen werden als Vorgänger der uns heute bekannten Lernbehinderten- und Förderschulen bezeichnet und gingen ihrerseits aus den schon mehrere Jahrzehnte früher gegründeten Nachhilfe-, Hilfs- und Armenklassen hervor. Die Intention dieser zusätzlichen Lerngruppen war es, den Schwächeren die Angleichung an das geforderte Unterrichtslevel zu ermöglichen, um sie in den Regelklassen angemessen unterrichten zu können. Doch schon bald wurden immer mehr dieser unterstützenden Maßnahmen gestrichen, in Berlin z. B. wurde die letzte Nachhilfeklasse 1911 abgeschafft (vgl. Rudnick 1996, S. 197f.). Statt der Integration leistungsschwacher Schüler in die Regelschule wurde nun eine Differenzierung des Schulsystems angestrebt, aus welcher Mitte des 19. Jh. die Hilfsschulen hervorgingen, in denen hilfsbedürftige Schüler einen ihnen angepassten Unterricht erfahren sollten.

Doch auch viele andere Faktoren trugen zur Gründung der Hilfsschulen bei, wie beispielsweise der Anstieg des Leistungsniveaus in der Volksschule 1872, die Abschaffung des Schulgeldes und der Kinderarbeit in Preußen und die Abschaffung von Arbeits- und Fabrikschulen 1894 (vgl. Ellger-Rüttgardt 1997, S. 250). Die Selbständigkeit des Sonderschulwesens sagte sicherlich auch den Hilfsschullehrern sehr zu, die nun in einer eigenen Institution unterrichten konnten und denen dadurch mehr Bedeutung und Ansehen zukam als in Verbindung mit der Volksschule (vgl. Rudnick 1996, S. 198). So wurden in ganz Deutschland bis zum Ersten Weltkrieg zahlreiche neue Hilfsschulen gegründet, die außer von Hilfsschullehrern vor allem auch vom Staat Unterstützung erhielten, der in dieser neuen Institution ein „praktisches Sammelbecken“ für allen „Ballast“ sah, von dem die Volksschule nun befreit werden konnte (vgl. Ellger-Rüttgardt 1997, S. 250f.).

Vor dem Hintergrund der im ersten Kapitel beschriebenen Tatsachen allerdings erscheint es als logische Folge, dass der Zweck und Nutzen der Hilfsschule zu Beginn der faschistischen Ära stark bezweifelt wurde. Aus welchem Grund sollte man ein Schulwesen aufrecht erhalten, dass entgegen aller rassen- und erbhygienischen Ziele schwache oder behinderte Kinder unterstützt und fördert und für das sogar mehr finanzielle Mittel benötigt wurden als für die „normale“ Volksschule, in der die für den Staat wesentlich „wertvolleren“ und leistungsstärkeren Nachkommen unterrichtet wurden? Dadurch ging die Zahl der Hilfsschulen bis ca. 1935 zunächst rapide zurück.

Zusammenfassung der Kapitel

1) Einleitung: Die Autorin legt ihre Fragestellung dar, ob gesellschaftliche Verhaltensweisen der Gegenwart gegenüber Menschen mit Behinderung Ähnlichkeiten mit der Zeit des Nationalsozialismus aufweisen.

2) Zur Entwicklung des Dritten Reiches: Dieses Kapitel beleuchtet, wie rassenideologische und sozialdarwinistische Gedanken bereits lange vor 1933 den Boden für die Ausgrenzung behinderter Menschen bereiteten.

3) Die Geschichte der Hilfsschule: Hier wird die Entstehung der Hilfsschulen als institutionelle Differenzierung beschrieben und ihre ideologische Umdeutung im Nationalsozialismus analysiert.

4) Das Verhalten der Hilfsschullehrerschaft: Das Kapitel untersucht die politische Einstellung und das utilitaristische Denken der Lehrerschaft, die aktiv an der Umsetzung der nationalsozialistischen Ziele mitwirkten.

5) Die Konsequenzen für die Hilfsschüler: Die Auswirkungen der NS-Gesetzgebung, insbesondere Zwangssterilisation und die T4-Euthanasie-Programme auf die Betroffenen, stehen hier im Mittelpunkt.

6) Widerstand: Die Autorin reflektiert über den begrenzten Widerstand innerhalb der Pädagogenschaft und beleuchtet die Rolle einzelner mutiger Lehrkräfte.

7) Der Umgang der Sonderpädagogik mit ihrer Geschichte: Dieses Kapitel kritisiert die mangelnde Aufarbeitung der NS-Verbrechen in der Sonderpädagogik der Nachkriegszeit.

8) Die Situation heute – Integration oder Ablehnung?: Die Autorin analysiert heutige Fortschritte in der Integration sowie kontraproduktive Tendenzen wie moderne Selektionsverfahren und bioethische Debatten.

9) Schluss: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Integration behinderter Menschen eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und eine ethische Offenheit gegenüber der Vielfalt erfordert.

Schlüsselwörter

Sonderpädagogik, Nationalsozialismus, Hilfsschule, Euthanasie, Zwangssterilisation, Integration, Ausgrenzung, Menschenwürde, Bioethik, Pränatale Diagnostik, Behindertenpädagogik, Leistungsgesellschaft, Geschichte, Diskriminierung, Sozialdarwinismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht die historische Entwicklung und den Umgang mit behinderten Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus und setzt diesen in Bezug zu aktuellen gesellschaftlichen und pädagogischen Strömungen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Geschichte des Hilfsschulwesens, die Rolle der Lehrkräfte in der NS-Zeit, staatliche Euthanasieprogramme sowie moderne Herausforderungen in der Inklusion und Bioethik.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu klären, ob es Parallelen zwischen dem gesellschaftlichen Verhalten gegenüber behinderten Menschen im Nationalsozialismus und der heutigen, von Leistungsdruck geprägten Gesellschaft gibt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse und den Vergleich historischer Dokumente und Berichte mit aktuellen ethischen Debatten, um die Entwicklung der Sonderpädagogik kritisch zu hinterfragen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die historische Analyse des NS-Regimes, die Rolle der Hilfsschullehrer, die Folgen für betroffene Schüler, die Verdrängung dieser Geschichte in der Nachkriegszeit sowie einen kritischen Blick auf heutige Tendenzen in der pränatalen Diagnostik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Sonderpädagogik, Nationalsozialismus, Integration, Euthanasie, Ausgrenzung und behindertenpädagogische Ethik.

Inwiefern spielt der Begriff "Ballastexistenz" eine Rolle?

Der Begriff verdeutlicht die nationalsozialistische Ideologie, die Menschen aufgrund ihrer vermuteten Leistungsunfähigkeit als wirtschaftliche Belastung definierte, was zur Rechtfertigung von Sterilisation und Euthanasie diente.

Was sagt die Autorin zur pränatalen Diagnostik?

Sie warnt davor, dass pränatale Diagnostik in einer Leistungsgesellschaft zu einer selektiven Abtreibung führen kann, die behindertes Leben entwertet und eugenische Züge trägt.

Warum wird Peter Singer in der Arbeit erwähnt?

Die Autorin nutzt seine Thesen als Beispiel dafür, wie utilitaristische Gedanken über die "Lebensberechtigung" von schwerbehinderten Neugeborenen auch heute wieder in ethischen Diskursen auftauchen.

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Details

Title
Sonderpädagogik im Dritten Reich. Der Umgang mit Menschen mit Behinderung im Nationalsozialismus und heute
College
University of Cologne
Course
Jugend im Dritten Reich II – Desiderate und Randgebiete der Forschung
Grade
2,0
Author
Diplom-Heilpädagogin Christina Stutzkowsky (Author)
Publication Year
2003
Pages
28
Catalog Number
V90404
ISBN (eBook)
9783638029841
ISBN (Book)
9783638928687
Language
German
Tags
Sonderpädagogik Dritten Reich Umgang Menschen Behinderung Nationalsozialismus Jugend Dritten Reich Desiderate Randgebiete Forschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diplom-Heilpädagogin Christina Stutzkowsky (Author), 2003, Sonderpädagogik im Dritten Reich. Der Umgang mit Menschen mit Behinderung im Nationalsozialismus und heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90404
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