Diese Arbeit untersucht mithilfe von Expert*inneninterviews, wie der Begriff der sozialen Plastik verstanden und rezipiert wird. Joseph Beuys zählt noch heute zu den bedeutendsten, aber auch umstrittensten Künstler*innen des 20. Jahrhunderts. Er galt als sehr facettenreich, da er sich neben seinen Zeichnungen und Plastiken u. a. auch der Aktionskunst und der Politik widmete. Zeit seines Lebens engagierte er sich für ein erweitertes Verständnis von Kunst, welches ihn zu seiner Vision der Sozialen Plastik führte.
Im Rahmen von Fachgesprächen in der Kunstschule Werksetzen wurde Beuys Werk und Denkkonzept regelmäßig thematisiert. Daraufhin wurde das Interesse für diese Forschungsarbeit geweckt und im Zuge von Recherchen zu Beuys Biografie und dem theoretischen Kontext weiter vertieft. Besonders interessant erschien in diesem Zusammenhang Beuys Vision der Sozialen Plastik, da diese heute weniger visionäres Gedankenkonzept darstellt, sondern vielmehr auch ein praktisches Arbeitsfeld ist.
Dieses in Teilen noch unberührte Arbeitsfeld ergab letztendlich die leitende Forschungsfrage "Wie wird Soziale Plastik theoretisch/methodisch eingebettet, praktisch angewandt und von Teilnehmenden rezipiert?" Im ersten Teil der Arbeit wird Soziale Plastik theoretisch/methodisch diskutiert, während im zweiten Teil der Arbeit im Zuge der praktischen Untersuchung die Anwendung und die Rezeption in den Fokus gerückt wird.
Um einen einleitenden Zugang zu dem Begriff Soziale Plastik, seiner Bedeutung und Entstehung zu bekommen, wird zunächst auf Joseph Beuys Werdegang und Kunstverständnis eingegangen. Ebenso wird herausgestellt, wie Soziale Plastik in der heutigen Zeit verstanden, und in welcher Form damit gearbeitet wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Soziale Plastik
2.1 Kurzbiographie Joseph Beuys
2.2 Vom erweiterten Kunstbegriff zur Sozialen Plastik
2.3 Soziale Plastik heute
2.3.1 Omnibus für direkte Demokratie
2.3.2 Institut für Kunst, Kultur und Zukunftsfähigkeit
2.3.3 Social Sculpture Research Unit
3 Beuys Kunstverständnis & Soziale Arbeit
3.1 Ästhetische Praxis in der Sozialen Arbeit
4 Methoden der Datenerhebung
4.1 Triangulation
4.2 Leitfadengestützte Expert_inneninterviews
4.3 Teilnehmende Beobachtung
5 Forschungsverlauf und Datenauswertung
5.1 Forschungsablauf
5.2 Datenauswertung Qualitative Inhaltsanalyse
6 Ergebnisse
6.1 Ergebnisse Expert_inneninterviews
6.2 Ergebnisse Teilnehmende Beobachtung
6.3 Ergebnisdiskussion
7 Methodenkritik
8 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Abschlussarbeit untersucht, wie Joseph Beuys' Vision der Sozialen Plastik theoretisch und methodisch in den Kontext der Sozialen Arbeit eingebettet wird, wie diese in der Praxis Anwendung findet und wie sie von den Teilnehmenden rezipiert wird.
- Joseph Beuys und der erweiterte Kunstbegriff
- Theoretische Grundlagen der Sozialen Plastik
- Anwendung von Kreativen Strategien in der Praxis
- Bedeutung ästhetischer Praxis für die Soziale Arbeit
- Empirische Untersuchung durch Experteninterviews und teilnehmende Beobachtung
Auszug aus dem Buch
2.1 Kurzbiographie Joseph Beuys
Im Folgenden werden die biographischen Daten von Joseph Beuys dargestellt, um einen Eindruck von seiner Person und seinem Lebenswerk zu bekommen. Es werden ausschließlich die Stationen in seinem Leben hervorgehoben, die im Hinblick auf den erweiterten Kunstbegriff und die Soziale Plastik von Bedeutung sind. Zudem wird in diesem Kapitel primär Beuys Verständnis und Ansicht von Sozialer Plastik fokussiert und weniger die praktische Herstellung seiner Kunstwerke, da die vorliegende Arbeit Soziale Plastik nicht im Sinne von praktischen Werken thematisiert, sondern die Perspektive von Sozialer Plastik als prozessuale Entwicklung menschlicher kreativer Fähigkeiten in den Blick nimmt.
Joseph Heinrich Beuys wurde am 12. Mai 1921 in Krefeld als Sohn von Johanna Maria Margarete geb. Hülsermann (1889-1974) und ihrem Ehemann Joseph Jakob Beuys (1888-1958), in Krefeld geboren. Noch im selben Jahr zog die Familie nach Kleve, wo Joseph Beuys von 1927 bis 1932 zunächst die Katholische Volksschule besuchte und schließlich im Jahr 1941 an dem staatlichen Hindenburg-Gymnasium sein Abitur ablegte (Ermen, 2007, S. 9ff.). Beuys genoss eine streng katholische Erziehung (Stachelhaus, 2013, S. 14). Die Beziehung zu seinen Eltern wird als eher distanziert beschrieben (Stachelhaus, 2013, S. 9). Während seiner Schulzeit musste er eine Klasse wiederholen und schloss sich noch vor Beendigung seines Abiturs einem Wanderzirkus an, woraufhin er ein Jahr zurückgestuft wurde. Er profitierte vom Wohlwollen seiner Lehrkräfte und konnte so 1940 sein Abitur fortführen (Stachelhaus, 2013 S. 11). Beuys verbrachte viel Zeit in der niederrheinischen Landschaft, was ihn nachhaltig prägte. Sein besonderes Interesse galt der Pflanzen- und Tierwelt. Er beobachtete und dokumentierte naturwissenschaftliche Vorgänge und unterhielt im elterlichen Haus ein eigenes Laboratorium (Stachelhaus, 2013 S. 13f.). Durch die spätere Freundschaft zu Heinz Sielmann, einem Bio- und Zoologen, der Beuys zur Zeit seines Kriegsdienstes ausbildete und nach dem Krieg ein bekannter Tierfilmer wurde, konnte Beuys von dessen naturwissenschaftlichem Wissen profitieren und seine eigenen, bis dahin schon beträchtlichen Kenntnisse, vertiefen (Stachelhaus, 2013, S. 21).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk von Joseph Beuys und die Forschungsfrage zur theoretischen Einbettung und praktischen Anwendung der Sozialen Plastik ein.
2 Soziale Plastik: Dieses Kapitel erläutert die Kurzbiographie von Beuys, seinen erweiterten Kunstbegriff und aktuelle Institutionen, die im Feld der Sozialen Plastik tätig sind.
3 Beuys Kunstverständnis & Soziale Arbeit: Das Kapitel verknüpft das Kunstverständnis von Beuys mit der Sozialen Arbeit und beleuchtet die Bedeutung der ästhetischen Praxis in diesem Fachbereich.
4 Methoden der Datenerhebung: Hier werden die angewandten Methoden, namentlich Triangulation, leitfadengestützte Experteninterviews und teilnehmende Beobachtung, vorgestellt.
5 Forschungsverlauf und Datenauswertung: Dieses Kapitel beschreibt den Ablauf der Untersuchung sowie die Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse.
6 Ergebnisse: Die Ergebnisse aus den Experteninterviews und der teilnehmenden Beobachtung werden präsentiert und kritisch diskutiert.
7 Methodenkritik: Eine reflektierte Betrachtung der gewählten Forschungsmethodik im Hinblick auf das Forschungsziel.
8 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und zeigt Potenziale für zukünftige Forschungen auf.
Schlüsselwörter
Soziale Plastik, Joseph Beuys, erweiterter Kunstbegriff, Kreativität, Soziale Arbeit, Ästhetische Praxis, Empowerment, Qualitative Forschung, Experteninterviews, Teilnehmende Beobachtung, Lebenslanges Lernen, Transformation, Gesellschaftsgestaltung, Partizipation, Prozessorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Bachelorarbeit?
Die Arbeit untersucht Joseph Beuys' Konzept der Sozialen Plastik und deren Anwendbarkeit als Arbeitsfeld in der Sozialen Arbeit, wobei der Fokus auf prozessualen Entwicklungen liegt.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Die Arbeit beleuchtet die Biografie von Beuys, die theoretische Basis des erweiterten Kunstbegriffs und die praktische Umsetzung durch kreative Strategien in verschiedenen sozialen Kontexten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist zu ergründen, wie Soziale Plastik theoretisch und methodisch eingebettet ist, wie sie praktisch angewandt wird und welche Erfahrungen Teilnehmende bei dieser Anwendung machen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, das auf der Triangulation von leitfadengestützten Experteninterviews und einer teilnehmenden Beobachtung eines Seminars basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen von Beuys' Kunstverständnis konkrete kreative Strategien, wie das „innere Atelier“ oder „aktives Zuhören“, erläutert und die Ergebnisse der praktischen Datenerhebung analysiert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben dem zentralen Begriff der Sozialen Plastik sind „erweiterter Kunstbegriff“, „Kreative Strategien“, „Soziale Arbeit“ und „Qualitative Inhaltsanalyse“ maßgebliche Aspekte.
Inwiefern beeinflusst das Konzept der „Sozialen Plastik“ die moderne Soziale Arbeit?
Das Konzept ermöglicht es der Sozialen Arbeit, künstlerische Methoden als Bindeglied für soziale Entwicklung und Empowerment zu nutzen, indem es individuelle Fähigkeiten und Potenziale der Klienten in den Vordergrund stellt.
Was sind die wichtigsten Erkenntnisse aus dem praktischen Teil?
Die praktische Anwendung wird als bereichernd für die persönliche Entwicklung empfunden, wobei die vollständige Integration im Berufsalltag aufgrund struktureller Anforderungen und der begrifflichen „Unsichtbarkeit“ der Sozialen Plastik noch Herausforderungen birgt.
- Arbeit zitieren
- Yvonne Schönfelder (Autor:in), 2015, Joseph Beuys und die Soziale Plastik. Eine empirische Untersuchung zu Bedeutung und Rezeption, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/904061