In dieser Arbeit geht es um die Thematik der Grenzziehung. Es soll untersucht werden, wie und nach welchen Verfahrensweisen die Grenzziehung im kolonialen Afrika des ausgehenden 19. Jahrhunderts vollzogen wurde. Vor allem wird erarbeitet, welche Kriterien wie und in welchem Umfang auf die Festlegung der Grenzen einwirkten. Inwieweit beeinflussten machtpolitische und geostrategische Motive, aber auch Rohstoffe und Ressourcen sowie die Interessen der ansässigen Völker und Stämme die koloniale Grenzziehung?
Aufgrund der vielfältigen Unterschiede und Kontexte der Grenzziehungen innerhalb der vielzähligen Ländereien Afrikas möchte sich diese Arbeit auf das Gebiet des früheren Schutzgebietes Deutsch-Südwestafrika beschränken, ohne jedoch wichtige weltpolitische Geschehnisse wie die Berliner Kongokonferenz oder das Thema Südwestafrika tangierende Verträge wie den Vertrag über die Kolonien und Helgoland auszuklammern.
Inhaltsverzeichnis
1) EINLEITUNG
2) DIE GRENZE IN DER RAUMTHEORIE
3) BEVÖLKERUNG SÜDWESTAFRIKAS
4) DAS DEUTSCHE STREBEN NACH KOLONIEN
5) AUSDEHNUNG DER MACHT IN SÜDWESTAFRIKA
6) DIE BERLINER KONGO-KONFERENZ
7) HELGOLAND-SANSIBAR-VERTRAG
8) DER CAPRIVI-ZIPFEL
9) FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Verfahrensweisen und Kriterien der kolonialen Grenzziehung in Deutsch-Südwestafrika im ausgehenden 19. Jahrhundert, um aufzuzeigen, inwieweit machtpolitische Interessen und geostrategische Motive die Festlegung von Grenzen gegenüber den Bedürfnissen der ansässigen Völker priorisierten.
- Historische Raumtheorie und die Konstruktion von Grenzen
- Die ethnographische Zusammensetzung des damaligen Südwestafrika
- Motive und Methoden deutscher Kolonialpolitik
- Diplomatische Grenzverhandlungen und der Einfluss europäischer Karten
- Die Rolle der Berliner Kongokonferenz und des Helgoland-Sansibar-Vertrags
Auszug aus dem Buch
8) Der Caprivi-Zipfel
„In Südwestafrika wird das Gebiet, welches Deutschland zur Geltendmachung seines Einflusses vorbehalten wird, begrenzt: 1. Im Süden durch eine Linie, welche an der Mündung des Oranjeflusses beginnt und an dem Nordufer des Flusses bis zu dem Punkte hinaufgeht, wo derselbe vom 20. Grad östlicher Länge getroffen wird. 2. Im Osten durch eine Linie, welche von dem vorher genannten Punkte ausgeht und dem 20.Grad östlicher Länge bis zu seinem Schnittpunkte mit dem 22. Grade südlicher Breite folgt. Die Linie läuft sodann diesem Breitengrade nach Osten entlang bis zu dem Punkte, wo er von dem 21. Grad östlicher Länge getroffen wird; sie führt darauf in nördlicher Richtung den genannten Längengrad bis zu seinem Zusammentreffen mit dem 18. Grad südliche Breite hinauf, läuft dann in östlicher Richtung diesen Breitengrade entlang, bis er den Tschobefluß erreicht, und setzt sich dann im Thalweg des Hauptlaufes dieses Flusses bis zu dessen Mündung in den Zambese fort, wo sie ihr Ende findet. Es ist Einverständnis darüber vorhanden, daß Deutschland durch diese Bestimmung von seinem Schutzgebiet aus freien Zugang zum Zambese mittels eines Landstreifens erhalten soll, welcher an keiner Stelle weniger als 20 englische Meilen breit ist.“
In dieser aus Artikel III. des Vertragswerkes des 1890 ratifizierten Vertrages zwischen Deutschland und England über die Kolonien und Helgoland (Helgoland-Sansibar-Vertrag) zitierten Passage zeigt sich nebst eines neuerlichen Belegs für die oft willkürliche und anhand europäischer Karten erfolgte Grenzziehung im kolonialen Afrika auch das Entstehungsdokument des Caprivi-Zipfels.
Zusammenfassung der Kapitel
1) EINLEITUNG: Die Einleitung definiert das Thema der Grenzziehung im kolonialen Afrika und steckt den Untersuchungsrahmen auf Deutsch-Südwestafrika ab.
2) DIE GRENZE IN DER RAUMTHEORIE: Dieses Kapitel erörtert die theoretische Bedeutung von Grenzen als Instrumente der Raumkonstruktion und politischer Ordnung.
3) BEVÖLKERUNG SÜDWESTAFRIKAS: Es erfolgt eine Vorstellung der wichtigsten Stämme wie Ovambo, Herero und Nama sowie deren Lebensweisen vor der Kolonialisierung.
4) DAS DEUTSCHE STREBEN NACH KOLONIEN: Untersucht werden die Motive hinter dem plötzlichen Wandel zur aktiven Kolonialpolitik sowie die Rolle der Missionsgesellschaften und von Adolf Lüderitz.
5) AUSDEHNUNG DER MACHT IN SÜDWESTAFRIKA: Hier wird analysiert, wie das Deutsche Reich seine Autorität durch Schutzverträge und militärische Mittel im Landesinneren ausbaute.
6) DIE BERLINER KONGO-KONFERENZ: Das Kapitel behandelt die Bedeutung des Artikels VI der Kongoakte und das neue Prinzip der effektiven Herrschaftsausübung.
7) HELGOLAND-SANSIBAR-VERTRAG: Es wird die Rolle dieses Vertrages als Instrument zur Gebietsbereinigung und Interessenwahrung der europäischen Mächte dargelegt.
8) DER CAPRIVI-ZIPFEL: Dieses Kapitel analysiert anhand der Entstehungsgeschichte des Caprivi-Zipfels die willkürliche und machtorientierte Grenzziehung am Reißbrett.
9) FAZIT: Zusammenfassung der Ergebnisse, die bestätigt, dass koloniale Grenzziehungen die Interessen der einheimischen Bevölkerung konsequent ignorierten.
Schlüsselwörter
Deutsch-Südwestafrika, koloniale Grenzziehung, Raumtheorie, effektive Herrschaftsausübung, Berliner Kongokonferenz, Helgoland-Sansibar-Vertrag, Caprivi-Zipfel, Kolonialpolitik, Siedlungsgebiete, Imperialismus, Landnahme, Schutzverträge, Geostrategie, Namibiagebiet, Grenzkonflikte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Mechanismen und Kriterien der Grenzziehung im kolonialen Afrika, mit einem spezifischen Fokus auf das Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die historische Raumtheorie, die Bedeutung kolonialer Verträge, die Rolle der indigenen Bevölkerung und der Einfluss von Machtpolitik auf die Geographie Afrikas.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie und nach welchen Gesichtspunkten koloniale Grenzen gezogen wurden und dass diese maßgeblich von europäischen Interessen statt von lokalen Gegebenheiten bestimmt waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse von Primärquellen, wie Verträgen und offiziellen Aktenstücken, sowie einer Auswertung raumtheoretischer und historischer Fachliteratur.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Rahmung, eine ethnographische Analyse der lokalen Völker, eine historische Einordnung der deutschen Kolonialpolitik sowie eine detaillierte Untersuchung bedeutender Verträge wie der Kongoakte und des Helgoland-Sansibar-Vertrags.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die zentralen Schlagworte umfassen Kolonialismus, Grenzziehung, deutsche Schutzgebiete, internationale Verträge und die politische Raumordnung.
Warum spielt der Caprivi-Zipfel eine zentrale Rolle in der Untersuchung?
Der Caprivi-Zipfel dient als Paradebeispiel für eine künstliche, am "Reißbrett" entstandene Grenzziehung, die ohne Rücksicht auf die Lebenswirklichkeit der ansässigen Völker rein machtpolitischen und strategischen Interessen des Deutschen Reiches folgte.
Inwiefern beeinflussten europäische Karten die Grenzverläufe?
Die Untersuchung zeigt, dass die europäischen Entscheidungsträger oft über keine genauen Ortskenntnisse verfügten und Grenzen anhand unpräziser Karten mittels Längen- und Breitengraden zogen, was zu zahlreichen Fehlern und Konflikten führte.
Welche Bedeutung hatte die Berliner Kongokonferenz für die Grenzziehung?
Die Konferenz führte das Prinzip der "effektiven Herrschaftsausübung" ein, welches die Kolonialmächte zwang, ihre Gebietsansprüche präziser zu definieren und physisch zu besetzen, was wiederum zu einer noch systematischeren Grenzziehung führte.
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- Felix Wilhelm (Author), 2019, Grenzziehung im kolonialen Afrika in Deutsch-Südwestafrika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/904086