Diese Hausarbeit hat sich zum Ziel gesetzt, die Geschicke der polnischen Archivare unter den deutschen Archivverwaltungen im Polen des Ersten und des Zweiten Weltkriegs zu untersuchen und miteinander zu vergleichen.
Die Hausarbeit ist chronologisch gegliedert und befasst sich im ersten Teil der Arbeit mit dem Osteinsatz der deutschen Archivare im Ersten Weltkrieg und dessen Folgen für die polnischen Archivare, während im zweiten Teil der Arbeit das Schicksal der polnischen Archive unter der deutschen Archivverwaltung im Generalgouvernement während des Zweiten Weltkriegs thematisiert wird. Beide Themenbereiche werden unter ähnlichen Gesichtspunkten und Fragestellungen behandelt, sodass für beide Teile der Arbeit eine Vergleichsperspektive entsteht.
Im ersten Unterkapitel des ersten Teils wird die historische Situation in Polen während der deutschen Besetzung in den Jahren 1915-1918 untersucht. Dies dient zum einen der historischen Einordnung, ist aber auch insofern wichtig, da die Entscheidungen und Beschlüsse der Machthaber und Führungseliten in Deutschland unmittelbaren Einfluss auf die Tätigkeit der deutschen Archivverwaltung und damit auch auf die Behandlung der Polen durch diese hatten. Den Gegenpart zu diesem Abschnitt bildet das erste Kapitel des zweiten Teils dieser Hausarbeit. Dort wird mit ähnlicher Herangehensweise die Rolle des besetzten Polens im Zweiten Weltkrieg thematisiert.
Anschließend wird auf die jeweiligen Leiter der Archivverwaltungen Bezug genommen. Für den Teil des Ersten Weltkrieg wird die Rolle des Leiters der deutschen Archivverwaltung in Warschau, Adolf Warschauer, einer genaueren Untersuchung unterzogen. Dieses Kapitel ist insofern wichtig, als dass der Leiter als Führungsperson einen großen Einfluss auf die anderen Archivare des deutschen Osteinsatzes hatte und somit die Behandlung der polnischen Kollegen in nicht zu unterschätzendem Maße beeinflussen konnte. An dieser Stelle werden sowohl die Voraussetzungen bei Dienstantritt, seine Meinung über die Polen und sein Verhalten während seines Osteinsatzes berücksichtigt. Selbiges wird wiederrum im zweiten Teil der Hausarbeit an Erich Randt, der von 1939-1945 Leiter der Archivverwaltung des Generalgouvernements war, untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Polnische Archivare im 1. Weltkrieg
2.1 Polen im Ersten Weltkrieg
2.2 Archivverwaltung unter Adolf Warschauer
2.3 Polnische Archivare im 1. Weltkrieg
3. Polnische Archivare im 2. Weltkrieg
3.1 Polen im Zweiten Weltkrieg
3.2 Erich Randt: Leiter der Archivverwaltung des GG
3.3 Polnische Archivare im 2. Weltkrieg
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die unterschiedlichen Schicksale und Arbeitsbedingungen polnischer Archivare unter deutscher Verwaltung während des Ersten und des Zweiten Weltkriegs. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie sich die wechselnden politischen Rahmenbedingungen und die Haltung der jeweiligen deutschen Archivleiter auf den Alltag, die Handlungsspielräume und das Verhältnis zwischen deutschen und polnischen Archivaren auswirkten.
- Vergleich der deutschen Archivverwaltungen in Polen während beider Weltkriege
- Analyse der Rolle und Führungspersönlichkeit von Adolf Warschauer (1. Weltkrieg) im Kontrast zu Erich Randt (2. Weltkrieg)
- Untersuchung des Alltags polnischer Archivare unter Besatzungsbedingungen
- Beurteilung der Einflussmöglichkeiten auf den Verbleib polnischer Archivalien
- Evaluierung der kollegialen Zusammenarbeit versus Unterdrückungsmechanismen
Auszug aus dem Buch
2.3 Polnische Archivare im 1. Weltkrieg
Für die polnischen Archivare brachte die deutsche Besetzung Kongresspolens große Veränderungen. Bisher unter russischer Führung stehend mussten sich die polnischen Archivare nun mit den Deutschen auseinandersetzen, durften es sich aber aufgrund des noch unklaren Kriegsausgangs im Osten auch im Falle einer russischen Rückkehr nicht komplett mit diesen verscherzen.
Der Traum von einem unabhängigen polnischen Staat und somit auch einem unabhängigen polnischen Archiv erfüllte sich auch nach der deutschen Machtübernahme Ende 1915 nicht. Stattdessen wurde eine deutsche Archivverwaltung unter der Leitung Adolf Warschauers gegründet. Diese bestand jedoch nicht nur aus Deutschen, es wurden auch einige Polen eingestellt, da diese eingearbeitet waren und man gegenüber den polnischen Archivaren und den Polen an sich einen guten Willen demonstrieren wollte. So blieb auch das bedeutendste Warschauer Archiv, das AGAD (Archiwum Glowne Akt Dawynch (Archiv Alter Akten)), unter der Leitung von Teodor Wierzbowski, wobei auch hierbei politisches Kalkül eine Rolle spielte.
Teodor Wierzbowski wurde regelrecht umworben, sein Amt weiter fortzuführen. So sprach Warschauer davon, dass er: „alles versuche, seine im Privatgespräch geäußerten Ansprüche zu erfüllen… besonders vorsichtig bin ich darin gewesen, meine Stellung ihm nicht als die eines Vorgesetzten erscheinen zu lassen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Arbeit stellt die Forschungsfrage nach den Bedingungen polnischer Archivare unter deutscher Besatzung in beiden Weltkriegen und erläutert die chronologische sowie vergleichende Vorgehensweise der Untersuchung.
2. Polnische Archivare im 1. Weltkrieg: Dieses Kapitel analysiert die Situation im besetzten Kongresspolen, beleuchtet die Rolle von Adolf Warschauer als Leiter der Archivverwaltung und beschreibt die Arbeitsumstände polnischer Archivare in diesem Zeitraum.
3. Polnische Archivare im 2. Weltkrieg: Dieser Teil befasst sich mit der totalitären Besatzungspolitik, der Tätigkeit von Erich Randt im Generalgouvernement sowie der massiven Verschlechterung der Lebens- und Arbeitsbedingungen für polnische Archivare.
4 Fazit: Das Fazit stellt die gravierenden Unterschiede in den deutschen Planungen und der Behandlung polnischer Archivare zwischen den beiden Kriegen heraus und bewertet die Auswirkungen der jeweiligen Archivverwaltungen.
Schlüsselwörter
Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, Polen, Generalgouvernement, Archivare, Archivverwaltung, Adolf Warschauer, Erich Randt, Besatzungspolitik, Archivalien, NS-Regime, Widerstand, Arbeitsbedingungen, Geschichtsforschung, Kongresspolen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Situation und das Schicksal polnischer Archivare unter deutscher Archivverwaltung im Polen des Ersten und Zweiten Weltkriegs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Rolle der Besatzungsverwaltung, die Führungspersönlichkeiten Adolf Warschauer und Erich Randt sowie die Auswirkungen der Kriegspolitik auf das Archivwesen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist der Vergleich der unterschiedlichen Bedingungen für polnische Archivare in den beiden Weltkriegen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der deutschen Archivpolitik herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-chronologische Analyse und vergleichende Perspektive auf Basis von Archivberichten und zeitgenössischer Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Ersten Weltkriegs mit Fokus auf Warschauer und des Zweiten Weltkriegs mit Fokus auf Randt sowie die Darstellung der Lebensumstände der polnischen Archivare.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Archivverwaltung, Besatzungspolitik, Polen, Archivare, NS-Regime, Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg und deutsch-polnische Beziehungen.
Wie unterschied sich die Archivverwaltung unter Warschauer von der unter Randt?
Warschauer agierte vergleichsweise liberal und pflegte berufliche sowie persönliche Kontakte, während Randt als überzeugter Nationalsozialist Kontakte zu Polen auf ein Minimum reduzierte und diese als billige Hilfskräfte behandelte.
Was waren die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die polnischen Archivare?
Die Archivare litten unter Unterdrückung, Zwangsarbeit, Verschleppung in Konzentrationslager und einer extremen Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen unter dem NS-Regime.
Gab es Einflussmöglichkeiten auf den Verbleib der polnischen Archivalien?
Im Ersten Weltkrieg wurde noch versucht, in Verhandlungen einen Kompromiss zu finden, während im Zweiten Weltkrieg Archivalien ohne Rücksicht auf polnische Interessen einfach nach Deutschland verlagert wurden.
- Arbeit zitieren
- Felix Wilhelm (Autor:in), 2017, Polnische Archivare unter den deutschen Archivverwaltungen des Ersten und Zweiten Weltkriegs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/904090