Magersucht im Jugendalter


Hausarbeit, 2002

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Was ist Magersucht?

3. Ursachen der Magersucht
3.1 Wie es anfängt
3.2 Pubertätskrise
3.3 Gesellschaftliche Ursachen und die Rolle der Frau
3.4 Familiäre Ursachen
3.5 Verleugnung der Sexualität

4. Merkmale
4.1 Körperliche Veränderungen
4.2 Verhalten und Persönlichkeitsveränderungen
4.3 Wie sehen sich Magersüchtige selbst?

5. Was kann man gegen Magersucht tun?
5.1 Behandlungsmöglichkeiten
5.2 Heilungschancen

6. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Vor einigen Jahren war mir das Thema Magersucht sozusagen ziemlich egal. Ich wusste nichts darüber. Ich hatte nichts damit zu tun. Ich kannte niemanden, der diese Krankheit hatte.

Das änderte sich als mir jemand erzählte, dass ein Mädchen auf meiner Schule Magersucht gehabt hatte, jetzt aber geheilt wäre.

Das Verhalten meiner 18-jährigen, damals besten Freundin änderte sich bald darauf so sehr, dass ich kaum noch mit ihr reden konnte und nach einigen Monaten war mir aufgrund ihrer immer dünner werdenden Gestalt klar, dass sie Magersucht hatte, obwohl sie es natürlich nicht zugab.

Hilflos musste ich mit ansehen, wie sie sich bis zum Skelett herunterhungerte und fast jeglichen Kontakt zu ihren Freunden und mir verlor. Ich informierte mich in dieser Zeit, hauptsächlich durch Gespräche mit der oben genannten, ehemals magersüchtigen Bekannten, über die Krankheit und dennoch war es mir absolut unverständlich, was in diesen Leuten vorgeht.

Dann ging alles sehr schnell. Meine Freundin kam von einem auf den anderen Tag ins Krankenhaus, wo sie für das nächste halbe Jahr auch blieb. Endlich konnte sie sich mir und anderen wieder öffnen. Doch es gab oft Momente, in denen mir alles sehr hoffnungslos erschien. Manchmal dachte ich, sie würde sterben.

Zu dieser Zeit fing auch mein 13-jähriger Bruder an zu hungern. Obwohl ich ihm ständig erzählte, wie schlecht es meiner Freundin im Krankenhaus ginge, schien ihn das nicht abzuschrecken. Im Gegenteil sah er wohl nur, wie viel Aufmerksamkeit ihr entgegengebracht wurde. Und mir scheint heute, dass er diese Aufmerksamkeit auch wollte.

Bald musste auch er ins Krankenhaus, eine Spezialklinik für Essstörungen. Oft überlegte ich, wer es wohl schneller oder eher schaffen würde, die Krankheit zu überwinden, und ob es überhaupt noch eine Heilungschance gab.

Nach einem halben Jahr ließ sich meine Freundin entgegen dem Rat des Arztes (sie war ja volljährig) aus dem Krankenhaus entlassen. Und trotz meiner Vorbehalte schaffte sie es tatsächlich mit Therapie und der Hilfe ihrer Familie aus dem Teufelskreis auszusteigen. Heute ist sie eine glückliche, gesunde junge Frau und hat eine ziemlich normale Einstellung zum Essen.

Auch meine Bruder machte einen großen Kampf durch. Er erreichte letztendlich das Mindestgewicht und kann es auch halten. Seine Probleme hat er aber, trotz Therapie bis heute, noch nicht bewältigt. Jetzt befindet er sich mit 14 Jahren mitten in der Pubertät und hat dadurch noch mehr Probleme mit sich selbst.

Aus diesen Erfahrungen mit der Krankheit Magersucht entstand die Intention, mich in dieser Arbeit mit diesem Thema auseinander zu setzen.

Meine Hausarbeit soll sich mit den Ursachen, Merkmalen und Heilungschancen der Anorexia Nervosa im Jugendalter beschäftigen. Dabei beziehe ich mich immer auf weibliche Personen im Alter von 14 bis 20 Jahren, weil die Krankheit gehäuft bei Mädchen und jungen Frauen in diesem Alter vorkommt. Es gibt aber auch männliche Personen oder allgemein Personen, jünger als 14 oder älter als 20 Jahre, die Magersucht haben.

Wenn ich in dieser Arbeit das Wort Magersucht verwende handelt es sich immer um Anorexia Nervosa bzw. Pubertätsmagersucht. Mit der zweiten Form der Magersucht, der Bulimie, werde ich mich hier nicht beschäftigen.

2. Was ist Magersucht?

Das Wort `Anorexie´ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „fehlendes Verlangen“1, hier also das fehlende Verlangen nach Essen. Dies wird aber auf keinen Fall der wirklichen Krankheit gerecht. Das eigentliche Problem der Magersüchtigen ist kein fehlender Hunger oder Appetit, sondern seelische Probleme, die sie eben in der Form des Hungerns ausdrücken.

„Die Patientinnen und auch ihre Familien müssen darüber informiert werden, dass es sich bei der Anorexia trotz des äußeren Erscheinungsbildes nicht um eine Krankheit handelt, die sich auf das Gewicht und den Appetit bezieht, sondern das wesentliche Problem besteht vielmehr in inneren Zweifeln und einem Mangel an Selbstvertrauen.“2

Dabei denken sie immerzu an Essen.

Diagnostische Kriterien aus der Medizin nach DSM IV (1994, deutsche Fassung 1996) zur Anorexia Nervosa sind folgende:

„A. Weigerung, das Minimum des für Alter und Körpergröße normalen Körpergewichts zu halten (z.B. der Gewichtsverlust führt dauerhaft zu einem Körpergewicht von weniger als 85% des zu erwartenden Gewichts; oder das Ausbleiben einer während des Wachstumsperiode zu erwartenden Gewichtszunahme führt zu einem Körpergewicht von weniger als 85% des zu erwartenden Gewichts).
B. Ausgeprägte Ängste vor einer Gewichtszunahme oder davor, dick zu werden, trotz bestehenden Untergewichts.
C. Störungen in der Wahrnehmung der eigenen Figur und des Körpergewichts, übertriebener Einfluss des Körpergewichts oder der Figur auf die Selbstbewertung, oder Leugnen des Schweregrades des gegenwärtigen geringen Körpergewichts.
D. Bei postmenarchalen Frauen das Vorliegen einer Amenorrhöe, d.h. das Ausbleiben von mindestens drei aufeinanderfolgenden Menstruationszyklen (Amenorrhöe wird auch dann angenommen, wenn bei einer Frau die Periode nur nach Verabreichung von Hormonen, z.B. Östrogen, eintritt).“3

Die betroffenen Personen sind überwiegend weiblich und zwischen vierzehn und zwanzig Jahren alt. Wobei es auch Fälle bei jüngeren oder älteren Personen und auch Männern gibt. Gründe und Ursachen stelle ich im nächsten Kapitel vor.

3. Ursachen

3.1 Wie es anfängt

Warum sich ein Mensch bis zum Skelett herunterhungert ist für die meisten unverständlich.

Wie kann es der Wunsch eines jungen Mädchens sein, sich zu Tode zu hungern?

Bei manchen fängt es mit einer Diät an. Die wenigsten haben zu diesem Zeitpunkt tatsächlich Übergewicht. Neckereien, wenn sich weibliche Rundungen in der Pubertät bilden, können ein verunsichertes Mädchen zwischen Kindheit und Erwachsensein verletzen.

„Was sie als erstes in ihrer Diät bestärkt, ist die Besorgnis, mit der andere Menschen darauf reagieren. Es schmeichelt ihnen, mit einem Mal die Beachtung zu finden, die sie vorher vermisst haben.“4

Vielleicht erntet das Mädchen auch erst einmal Lob, wie schlank es geworden sei. Darin fühlt es sich bestärkt. Es kann etwas, worin andere kläglich scheitern - abnehmen.

„Der eigentliche Unterschied zwischen vorher und nachher liegt in dem außergewöhnlichen Stolz und der Lust, die Magersüchtige aus ihrer Fähigkeit ziehen, etwas Anstrengendes zu schaffen.“5

Dabei haben sie ständig Angst, wieder zu zunehmen.

Andere Auslöser (nicht Ursachen) neben Neckereien und Hänseleien können auch gewisse Ereignisse, Erlebnisse oder Schicksalsschläge sein. Zum Beispiel kann sich nach der Schulzeit eine unsichere Zukunft auftun, und das Mädchen fühlt sich dem nicht gewachsen.

3.2 Pubertätskrise

Die Pubertät ist eine kritische Phase. Der junge Mensch steht zwischen allen Fronten, ist nicht mehr Kind und auch noch nicht erwachsen. Er beginnt nachzudenken über sein Leben, dessen Bedeutung und seine Identität. Er will Autonomie erlangen.

Manch einer kommt recht gut durch diese Zeit, andere haben die größten Probleme.

Magersüchtige sind schon vorgeprägt durch ihre Kindheit.

[...]


1 Vgl. Palazzoli, 1986, S.37

2 Bruch, Hilde zitiert in Lawrence,1986, S.83

3 Gerlinghoff, Backmund, Mai, 1999, S. 152/153

4 Bruch, 1995, S.94

5 ebd.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Magersucht im Jugendalter
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart  (Sozialwesen)
Veranstaltung
Soziologie der Lebensalter
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V9043
ISBN (eBook)
9783638158541
ISBN (Buch)
9783656524038
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Magersucht bei Mädchen im Jugendalter
Arbeit zitieren
Meike Rank (Autor), 2002, Magersucht im Jugendalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9043

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