Sozialarbeiterische Hilfestellungen für den psychotischen Klienten

Handlungsorientierungen für die helfende Auseinandersetzung mit dem psychotischen Klienten im Rahmen des Rehabilitationsprozesses


Seminararbeit, 2008

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärung:Schizophrenie

3 Die Lebens – und Krankengeschichte des psychotischen Klienten
3.1 Die erhöhte Vulnerabilität des psychotischen Klienten
3.2 Betrachtung der Funktion der Pharmakotherapie

4 Die Rehabilitation
4.1 Betrachtung des Rehabilitationsprozesses des psychotischen Klienten

5 Grundgedanken zur Beziehungsaufnahme mit dem
psychotischen Klienten

6 Mitmenschliche Unterstützung im Rehabilitations- prozess des psychotischen Klienten

7 Schluss

8 Literaturangabe

1 Einleitung

In der hier vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich mit dem Phänomen der Schizophrenie beschäftigen. In dieser Hausarbeit soll weniger die Frage behandelt werden, wie eine schizophrene Psychose entsteht; die in der Fachliteratur vorgestellten und wissenschaftlich unterschiedlich gelagerten Theorien zu Ursache und Entstehungsgeschichte von psychotischen Reaktionsbildungen müssen hinter dem Umstand zurücktreten, daß aus dem Blickwinkel der klinischen Sozialarbeit bedeutungsvoller erscheint, wie mit den gegebenen Problemstellungen professionell umgegangen werden kann. Hierfür ist selbstverständlich auch Basiswissen über die Ätiologie der Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis notwendig; die Auseinandersetzung mit der Ätiologie würde aus meiner Sicht den Rahmen dieser Hausarbeit überschreiten. Ich möchte mich also - in der Hauptsache - mit der rehabilitativen Praxis und den durch die Soziale Arbeit in der sozialen Psychiatrie gegebenen Hilfestellungsmöglichkeiten auseinandersetzen.

Aus der Fachliteratur geht hervor, daß sich kein typischer Ausdruck, kein homogenes Krankheitsbild der Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis festlegen lässt. Der jeweilig eigenartige und individuell abweichende Verlauf von Erkrankung und Rehabilitation wird quer durch die Veröffentlichungslandschaft betont. Ich halte es für sinnvoll, mich um eine einleitende Begriffsklärung zu bemühen und im ersten Kapitel der Hausarbeit die Frage nach dem Gegenstand des Interesses: „ Was ist unter einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis überhaupt zu verstehen?“ zu beantworten. Diese Klärung werde ich mithilfe der von Thomas Bock in seinem Buch „ Basiswissen. Über den Umgang mit psychotischen Patienten“ gegebenen Definitionen einleiten. Ergänzend werde ich die von Dörner, Plog, Teller und Wendt zusammengefassten, für eine schizophrene Psychose charakteristischen Störungen im Denken, Wahrnehmen und Fühlen des betroffenen Menschen nachzeichnen. Zum Abschluß dieses ersten Abschnitts werde ich die systematischen Kategorisierungen der psychotischen Störungsbilder in ihrer durch den ICD-10 der WHO erfassten Vielfalt wiedergeben, um die Annäherung an das schwierig zu erfassende Phänomen Psychose abzurunden.

Für diese Hausarbeit soll – wie eingangs erwähnt - die Frage nach dem geeigneten professionellen Umgang mit schizophren erkrankten Klienten für die Soziale Arbeit leitend sein. Welches ist die geeignete Haltung zum Klienten? Welche Handlungsüberlegungen für die professionelle sozialarbeiterische Intervention sind vorhanden? Diese Fragestellungen rücken den Bereich der Therapiemöglichkeiten und der Rehabilitation des Klienten in den Vordergrund meiner Beschäftigung mit dem Thema.

Ich werde mich im Kernteil meiner Arbeit mit den zur Verfügung stehenden, für die sozialarbeiterische Arbeit bedeutsamen Grundgedanken zur professionellen Auseinandersetzung mit von schizophrenen Psychosen betroffenen Klienten zuwenden. Dies geschieht auf Basis der von Heinz Häfner veröffentlichten Überlegungen zur sozialen Rehabilitation psychotischer Menschen. Die Ziele der gesundheitlichen und damit einhergehend der sozialen Rehabilitation werden von Häfner benannt und erläutert. Ich beziehe mich weiterhin auf Asmus Finzen und dessen Buch:“ Schizophrenie. Die Krankheit behandeln“. Hier habe ich reichhaltige Informationen zur Behandlungsaushandlung und zum dialogischen Verständnis der Erkrankung entdecken können. Die subjektive Sicht des Patienten auf die jeweilig vorhandene psychotische Störung steht im Abschnitt 5.1 dieser Hausarbeit in der Betrachtung. Bosshard und Lazarus.haben sich mit der Wahrnehmung der Erkrankung aus Klientenperspektive zu beschäftigen versucht. Eine gute Orientierung habe ich mir weiterhin durch das Buch „ Beziehung und Psychose“ von Kipp, Unger und Wehmeier verschaffen können. Im Besonderen möchte ich hier das Kapitel „ Einfüh-

lungsformen in das psychotische Geschehen“ hervorheben. Ich habe die in diesem Abschnitt formulierten Gedankengänge gut zur Untermauerung meiner Ausführungen zur Annäherung und Beziehungsaufnahme zu schizophrenen Klienten nutzen können.

Im Schlußteil meiner Hausarbeit werde ich meine gewonnenen Erkenntnisse nochmals in gestraffter Weise zusammenfassen und die eingangs formulierte Fragestellung:

„ Wie muss der professionelle Umgang mit dem psychotisch erkrankten Klienten aus sozialarbeiterischer Perspektive gestaltet werden“ abschließend behandeln.

2 Begriffsklärung: Schizophrenie

Ich möchte eingangs auf die Entstehungsgeschichte des Begriffs Schizophrenie verweisen. Im Jahre 1907 sprach der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler erstmalig von der „ Schizophrenie“. In der wörtlichen Übersetzung bedeutet dies „ Spaltungs-Irresein“. Mit dieser Wortsschöpfung versuchte Bleuler die Beobachtung, daß die menschliche Psyche quasi zersplittern, zerfahren, zerfallen kann, auf den Punkt zu bringen. Die zunehmende Strukturauflösung der Psyche wurde vom deutschen Psychiater Kraepelin im Jahre 1911 mit der Konzeption der „ Dementia Praecox“ (vorzeitige Demenz) begrifflich gefasst. Ich biete nun zum Verständnis des Störungsbildes Schizophrenie verschiedene Erläuterungsversuche aus heutiger Sicht. Ich verwende den Terminus Schizophrenie im Rahmen dieser Hausarbeit der Einfachheit halber synonym zum allgemeineren Begriff Psychose.

Thomas Bock betrachtet die Psychose im Spannungsfeld von pathologischer und anthropologischer Perspektive. Er plädiert für die Interpretation des psychotischen Prozesses als Zeichen einer tiefgehenden seelischen Krise eines im besten Sinne eigenwilligen Menschen und als Ausdruck menschlicher Möglichkeiten generell. Er möchte die Rätselhaftigkeit der schizophrenen Psychose als Ansatzpunkt für eine menschliche Annäherung an den psychotischen Patienten verstanden wissen. Bock differenziert in seiner Definition der Psychose zwischen kognitiver und affektiver Psychose. Er weist zudem auf die Veränderung von Affekten und Antrieb hin. Die von ihm getroffene kurze Begriffsfassung lautet folgendermaßen: „ In einer Psychose können vor allem Wahrnehmung und Denken wesentlich verändert sein; die Sinne gehen dann eigene Wege und das Denken wird sprunghaft ( „ schizophrene“ oder besser: „ kognitive Psychose“ ). Oder aber es werden vorrangig die Stimmung und der Antrieb verändert, und zwar entweder extrem in eine Richtung (unipolar, d.h. manisch oder depressiv) oder in beide Richtungen (bipolar, d.h. manisch und depressiv). Das geht so weit, dass auch die äussere Realität nicht mehr angemessen erfasst wird („affektive Psychosen“). (Bock, „ Basiswissen: Umgang mit psychotischen Patienten“, S. 12)

Zum zweiten greife ich auf die Aussagen der Autoren Dörner, Ploog, Teller und Wendt, welche sich in ihrem Buch „ Irren ist menschlich“ (2004) mit den aus ihrer Sicht charakteristischen Störungsmerkmalen der schizophrenen Psychose beschäftigt haben, zurück. Die genannten Störungmerkmale liegen im Bereich der Denk-, Wahrnehmungs- und Affektstörungen. Ich möchte die Einkreisung der Symptome nach Dörner, Ploog, Teller und Wendt zur Annäherung an das Thema im Folgenden inhaltlich nachvollziehen, bevor ich die diagnostischen Kriterien des ICD-10 zur adäquaten Erfassung des jeweilig beobachtbaren Störungbildes wiedergebe.

Dörner, Ploog, Teller und Wendt beziehen sich zunächst auf das Verschwimmen der Grenzen zwischen dem Ich und der sozialen und materiellen Umwelt. Die Grenzauflösungen seien so massiv, daß der betroffene Mensch sich nicht mehr identifizieren, sich also nicht mehr als eigenständige Person wahrnehmen könne. Es bestehe der Eindruck, daß Gedanken und Gefühle abgezogen würden.

Als zweites Merkmal gehe die Fähigkeit, Wesentliches vom Unwesentlichen zu differenzieren, verloren. Die Wahrnehmungsstrukturen der schizophren erkrankten Person würden beschädigt, in der Folge kann die soziale und materielle Umwelt nicht mehr adäquat rezipiert werden. Es wird berichtet, daß „ .. alles, die Umwelt und die anderen Menschen, aber auch die Zeit und die Luft, fremd, verändert, verzerrt, schemenhaft oder schematisch wahrgenommen wird“. (Dörner, Ploog, Teller und Wendt, Irren ist menschlich, S. 154) Hier werden Phänomende der Derealisation und Depersonalisation beobachtbar. Hinzu kämen Störungen des körperlichen Empfindens (Zönästhesie), diese äusserten sich beispielsweise in akustischen, haptischen, optischen und Geruchshalluzinationen.

Als dritten Störungsbereich nennen Dörner, Ploog, Teller und Wendt die Beeinträchtigung der Denkabläufe. Hier gerät ebenfalls die steigende Unfähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, in den Blick. Zudem werde zusammenhangsloses und unlogisches Denken erkennbar. Es könne zu einer Sperrung des Denkens und wirren Gedankensprüngen kommen. Dörner, Ploog, Teller und Wendt unterscheiden weiterhin zwischen inhaltlichen und formalen Denkstörungen. Inhaltliche Denkstörungen schliessen Wahnvorstellungen, Wahnbildungen wie etwa Verfolgungswahn oder Beeinflussungswahn mit ein. Zu den formalen Denkstörungen zählen Wortkontaminationen (Ein Wort wird mit zwei oder mehr Bedeutungen aufgeladen) und die Bildung von sog. Neologismen (Wortschöpfungen).

Der vierte Störungsbereich betrifft die Beeinträchtigung der Affekte. Gefühlsverflachung und die Verarmung der Gefühlswelt seien symptomatisch. Dörner, Ploog, Teller und Wendt berichten ebenfalls von der Inkohärenz der Gefühlsexpression. „ Gelegentlich stimmen die Gefühlsäußerungen in Mimik und Gestik auch nicht mit dem überein, was gesagt wird, oder sie passen nicht zur Situation“. (Dörner, Ploog, Teller und Wendt, Irren ist menschlich, S. 155) Die Autoren nennen weiterhin autistischen Rückzug, Stupor und apathisches Verhalten als charakteristisch.

Bezüglich der Einteilung der psychosebezogenen Störungsbilder in diagnostischen Manualen wie dem ICD-10 der WHO oder dem DSM-IV sei vorausgeschickt, daß es sich bei diesen um Expertenübereinkünfte rein beschreibender Natur handelt. Diese Einteilungen - wie etwa vom ICD-10 vorgenommen – beziehen sich nicht auf Ursache oder Entstehung der Störung im Einzelfall, sondern versuchen, die Symptome der jeweiligen psychotischen Erkrankung im Sinne eines erkennbaren Störungsbild grundsätzlich diagnostizierbar zu machen. Die voneinander verschiedenen psychotischen Symptome im ICD-10 werden einerseits unter dem Begriff „psychotische Störungen“ andererseits mit dem Oberbegriff „ Schizophrenie“, unterteilt in mehrere voneinander abgrenzbare Unterformen, systematisiert. Die Haupttypen der diagnostischen Einteilung der Schizophrenie sind dem zufolge:

- die paranoide Schizophrenie,
- die hebephrene Schizophrenie,
- die katatone Schizophrenie und
- die undifferenzierte Schizophrenie.

Weiterhin ist die Rede von der postschizophrenen Depression, dem schizophrenen Residuum, der Schizophrenia simplex, dem Typus: andere Schizophrenie und der nicht näher bezeichneten Schizophrenie. Diese recht kompliziert anmutende Kategorisierung möchte ich zum besseren Verständnis des Störungsbildes Psychose kurz darstellen. Im ICD-10 werden folgende vier Hauptmerkmale für die Diagnose“ Schizophrenie“ unter der Kodifizierung F 20.0 bis F20.3 bestimmt:

1.Ich-Störung (Gedankenlautwerden, -eingebung, -entzug)
2.Wahn (Kontroll-,Beeinflussungswahn)
3.Akustische Halluzinationen (Kommentioerende; dialogische Stimmen)
4.Anhaltender, kulturell inadäquater und bizarrer Wahn

Sind ein oder mehrere dieser genannten Symptome über einen Zeitraum von mindestens einem Monat eindeutig nachgewiesen, so kann von einer diagnostizierten Schizophrenie gesprochen werden.

Im ICD-10 wird eine darüberhinaus gehende Verfeinerung der Diagnosekriterien vorgeschlagen. Es werden vier weitere Merkmale zur Erfassung des Störungsbildes Schizophrenie genannt. Von diesen Kriterien müssen mindestens zwei belegt sein, um von einer schizophrenen Episode sprechen zu können.

1. täglich wiederkehrende anhaltende Hallutinazion jeder Sinnesmodalität
2. Bildung von Neologismen, Gedankenabreissen
3. katatone Symptome (Erregung, Haltungsstereotypien, Mutismus, Stupor)
4. Apathie, Sprachverarmung, Affektverflachung

Der ICD-10 legt zwei diagnostische Ausschlussklauseln fest. Sollten Patienten die Kriterien für eine manische oder eine depressive Episode erfüllen,müseen die oben beschriebenen Kriterien, welche für eine Schizophrenie sprächen, vor den affektiven Störungen evident geworden sein. Zum Zweiten darf die beobachtete und zu diagnostizierende Störung nicht einer organischen Hirnerkrankung, einer Alkohol- oder Substanzindikation, einem Abhängigkeits- oder Entzugssyndrom zugeordnet werden. Diese Einteilung bezieht sich auf die allgemeinen Kriterien für die vier oben angesprochenen Haupttypen der Schizophrenie.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Sozialarbeiterische Hilfestellungen für den psychotischen Klienten
Untertitel
Handlungsorientierungen für die helfende Auseinandersetzung mit dem psychotischen Klienten im Rahmen des Rehabilitationsprozesses
Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Veranstaltung
Klinische Psychologie II
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
25
Katalognummer
V90435
ISBN (eBook)
9783638046701
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Sozialarbeiterische, Hilfestellungen, Klienten, Klinische, Psychologie
Arbeit zitieren
Christian Dreker (Autor), 2008, Sozialarbeiterische Hilfestellungen für den psychotischen Klienten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90435

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