In der hier vorliegenden Hausarbeit werde ich mich aus sozialwissenschaftlicher Sicht mit dem Phänomen der rassistischen Ausgrenzung beschäftigen. Die Auseinandersetzung untergliedert sich hierbei in die folgenden drei Hauptthemen: die Gegenstandsdefinition und Klärung des Begriffs „ Rassismus“, die Erklärung des Rassismus aus psychoanalytischer Auffassung und die Annäherung an die rassistische Ausgrenzung aus der sozialpsychologischen Theorie.
Ich möchte zunächst eine Begriffsklärung leisten: Der Terminus „ Rassismus“ stellt eine umgangssprachlich undifferenzierte und in der sozialwissenschaftlichen Fachliterartur recht weitgefasste und umstrittene Bezeichnung dar. Es werden parallel zum Terminus „ Rassismus“ Begriffe wie Vorurteil, Ausländerfeindlichkeit, Xenophobie, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (Wilhelm Heitmeyer) und weitere verwandt.
Eine überzeugende und schlüssige Festlegung des Begriffs „ Rassismus“ möchte ich dieser Arbeit voranstellen. Diesem Gedanken werde ich im Abschnitt 2.4 - entlang der Betrachtungen von Albert Memmi - nachgehen. Ich folge seiner Darstellung in verkürzter Weise und behandle neben der erwähnten Schwierigkeit der Definition und der terminologischen Präzision zur Erfassung des sozialen Phänomens Rassismus auch die damit in engem Zusammenhang stehenden Aspekte der Unterscheidung, der Wertung, der Verallgemeinerung, und der Funktionalität, des Nutzens der rassistischen Ausgrenzung. Die Nachzeichnung der Gedanken Memmi`s münden in der abschliessenden Vorstellung einer weitgefassten und einer enggefassten Definition des sozialen Phänomens Rassismus.
Im darauffolgenden Abschnitt 3 möchte ich dann den individualpsychologischen Erklärungsansatz der rassistisch motivierten Ausgrenzung aus Sicht der psychoanalytisch fundierten Betrachtung vorstellen. Auf Grundlage des Instanzenmodells nach Sigmund Freud und seines psychosexuellen Phasenmodells individueller Persönlichkeitsentwicklung werde ich die intrapsychischen Konflikte des Einzelnen in Bezug auf „ das Fremde“ nachzeichnen und erläutern. Ich beziehe mich hier in der Hauptsache auf die Veröffentlichung Klaus Ottomeyers: „ Psychoanaly-tische Erklärungsansätze zum Rassismus. Möglichkeiten und Grenzen“ aus dem Buch
„ Psychologie des Rassismus“. Die geäusserten Grundgedanken werde ich durch entsprechende zentrale Aussagen Freud´s aus dessen Aufsatz „ Vom Unbehagen in der Kultur“ aus dem Jahre 1930 ergänzen.
Inhaltsverzeichnis
1.1 Einleitung
1.2 Rassismus:Begriffsklärung
2.1 Die Philosophie des Rassismus
2.2 Verschiedene Definitionsversuche des Rassismus
2.3 Elemente des Rassismus nach Albert Memmi
2.3.1 Die eng- und weitgefasste Definition des Rassismus nach Albert Memmi
3.1 Der Erklärungsansatz rassistischer Ausgrenzung aus psychoanalytischer Sicht
3.2 Die psychische Disposition des Rassisten aus psychoanalytischer Sicht
3.3 Die Auswirkungen der Realität
3.4 Die Auswirkungen des Über-Ichs
3.5 Die Auswirkungen des Es
4.1 Der sozialpsychologische Erklärungsansatz rassistischer Ausgrenzung
4.2 Die Theorie der sozialen Identität
4.3 Die Leitgedanken der Theorie der sozialen Identität
4.4 Die Elemente der Theorie der sozialen Identität
5.1 Schlussbetrachtung
6.1 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der rassistischen Ausgrenzung aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive. Dabei wird das Ziel verfolgt, durch eine mehrperspektivische Annäherung, die sowohl psychoanalytische als auch sozialpsychologische Erklärungsansätze umfasst, ein tiefergehendes Verständnis für die Mechanismen und Funktionen rassistisch motivierter Diskriminierung in modernen Gesellschaften zu schaffen.
- Begriffsbestimmung und theoretische Definitionen von Rassismus
- Psychoanalytische Betrachtung intrapsychischer Konflikte und der psychischen Disposition des Rassisten
- Anwendung des Instanzenmodells nach Freud und des psychosexuellen Phasenmodells
- Sozialpsychologische Analyse von Gruppenprozessen und Identitätsbildung
- Untersuchung der Theorie der sozialen Identität nach Henri Tajfel
Auszug aus dem Buch
2.2 Die Philosophie des Rassismus
Um einzukreisen, was der Gegenstand derAuseinandersetzung mit dem Phänomen Rassismus eigentlich ist, hat der französiche Soziologe Albert Memmi eine Art unwissenschaftliche „ Philosophie des Rassismus“ , - gedacht aus der Perspektive des Rassisten - auf den Punkt gebracht. Rassismus bestünde demnach aus drei Hauptargumenten. Diese bestehen aus den folgenden drei Behauptungen:
- Es gäbe reine und also von anderen unterscheidbare menschliche Rassen im Sinne bedeutsamer biologischer Unterscheidungsmerkmale.
- Daraus liesse sich eine biologische Überlegenheit reiner Rassenin psychologischer, sozialer, kultureller und geistiger Hinsicht ableiten.
- Aus dieser Überlegenheit heraus lasse sich die Dominanz der höherstehenden Rasse gegenüber der niedrigstehenderen Rasse begründen und rechtfertigen.
Memmi disqualifiziert diese Argumente unter Verweis auf deren Pseudowissenschaftlichkeit. Versatzstücke aus der Evolutionsbiologie und den Naturwissenschaften werden durch den Rassisten in wissenschaftlich unzulässiger Weise auf menschliche Kulturgemeinschaften angewandt. Beispielsweise werde das Konzept der Reinheit aus der Chemie auf die vom Rassisten behauptete Rassenvermischung übertragen. Memmi betont demgegenüber, dass es unmöglich sei, eine soziale Gruppe mit einer biologischen Konstellation zur Deckung zu bringen. Die biologische Natur des Menschen bilde sich im Rahmen fortwährender Vermischungsprozesse heraus. Straffend lässt sich mit Memmi sagen: Es gibt keine biologisch homogenen Gruppen und selbst dann, wenn diese existierten, wären sie nicht zwangsläufig biologisch, geistig, kulturell überlegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.1 Einleitung: Die Einleitung umreißt das Forschungsthema der rassistischen Ausgrenzung und definiert die methodische Vorgehensweise durch den Einsatz psychoanalytischer und sozialpsychologischer Theorien.
1.2 Rassismus:Begriffsklärung: Dieses Kapitel widmet sich der begrifflichen Einordnung von Rassismus und stellt die Relevanz einer präzisen Definition für die nachfolgende Analyse dar.
2.1 Die Philosophie des Rassismus: Hier wird die von Albert Memmi beschriebene pseudowissenschaftliche „Philosophie“ des Rassisten analysiert, die auf falschen Annahmen über biologische Reinheit und Überlegenheit basiert.
2.2 Verschiedene Definitionsversuche des Rassismus: Es werden verschiedene sozialwissenschaftliche Ansätze, unter anderem von Christoph Butterwegge und Philomena Essed, zur Bestimmung des Rassismusbegriffs gegenübergestellt.
2.3 Elemente des Rassismus nach Albert Memmi: Die vier zentralen Kriterien von Rassismus nach Memmi – Differenz, Wertung, Verallgemeinerung und Funktion – werden detailliert erläutert.
2.3.1 Die eng- und weitgefasste Definition des Rassismus nach Albert Memmi: Dieses Unterkapitel differenziert zwischen einer biologisch fokussierten und einer allgemeinen soziologischen Definition von Rassismus.
3.1 Der Erklärungsansatz rassistischer Ausgrenzung aus psychoanalytischer Sicht: Die Verbindung zwischen intrapsychischen Prozessen und der Neigung zu rassistischer Ausgrenzung bildet den Kern dieses Abschnitts.
3.2 Die psychische Disposition des Rassisten aus psychoanalytischer Sicht: Unter Rückgriff auf Freuds Instanzenmodell wird die psychische Anfälligkeit von Personen für rassistische Ideologien untersucht.
3.3 Die Auswirkungen der Realität: Dieser Teil beleuchtet, wie reale gesellschaftliche Bedrohungsszenarien wie Arbeitslosigkeit und Konkurrenzdruck in rassistische Erklärungsmuster transformiert werden.
3.4 Die Auswirkungen des Über-Ichs: Hier wird analysiert, wie Aggressionen gegen Fremde als Ventil für innere Spannungen des eigenen Über-Ichs dienen.
3.5 Die Auswirkungen des Es: Unter Anwendung des psychosexuellen Phasenmodells werden projektive Mechanismen und Abwehrtendenzen im Kontext rassistischer Einstellungen dargelegt.
4.1 Der sozialpsychologische Erklärungsansatz rassistischer Ausgrenzung: Die Arbeit führt hier die Theorie der sozialen Identität von Henri Tajfel ein, um Gruppenprozesse und Diskriminierung zu erklären.
4.2 Die Theorie der Sozialen Identität: Die grundlegenden Charakteristika und der theoretische Ansatz von Tajfel zur Erklärung von Intergruppen-Beziehungen werden erläutert.
4.3 Die Leitgedanken der Theorie der Sozialen Identität: Dieses Kapitel spezifiziert die Mechanismen von Ingroup-Begünstigung und Outgroup-Diskriminierung im Rahmen eines sozialen Kontinuums.
4.4 Die Elemente der Theorie der Sozialen Identität: Die zentralen Konzepte der sozialen Kategorisierung, Identität, des Vergleichs und der Distinktion werden funktional zusammengeführt.
5.1 Schlussbetrachtung: Die gewonnenen Erkenntnisse aus den verschiedenen theoretischen Perspektiven werden zusammengefasst und kritisch reflektiert.
6.1 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Fachliteratur und Quellen für diese wissenschaftliche Arbeit.
Schlüsselwörter
Rassismus, soziale Ausgrenzung, Psychoanalyse, Instanzenmodell, soziale Identität, Ingroup, Outgroup, Diskriminierung, Albert Memmi, Henri Tajfel, Gruppenbildung, Vorurteil, Stereotypisierung, Ideologie, Identitätsentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich aus einer sozialwissenschaftlichen Sicht mit dem Phänomen der rassistischen Ausgrenzung und untersucht deren Hintergründe und Mechanismen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Definition des Rassismusbegriffs, die psychoanalytische Deutung von rassistischer Aggression sowie die sozialpsychologische Theorie der sozialen Identität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist eine mehrperspektivische Auseinandersetzung, um rassistisch motivierte Diskriminierung durch psychologische und gruppenpsychologische Erklärungsansätze besser verständlich zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, indem sie Theorien von Albert Memmi, Sigmund Freud, Klaus Ottomeyer und Henri Tajfel auf das Phänomen des Rassismus anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, die psychoanalytische Untersuchung intrapsychischer Konflikte nach Freud sowie die Analyse sozialpsychologischer Gruppenprozesse nach Tajfel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rassismus, soziale Identität, Projektion, psychoanalytische Theorie, Diskriminierung und Gruppenprozesse.
Warum bezieht die Arbeit sowohl die Psychoanalyse als auch die Sozialpsychologie ein?
Die Kombination beider Ansätze erlaubt eine ganzheitliche Betrachtung, die sowohl die individuellen intrapsychischen Beweggründe als auch die strukturellen gruppendynamischen Prozesse umfasst.
Wie erklärt die Arbeit die Rolle von Albert Memmi?
Memmi dient als zentrale Quelle für die Definition und die vier Elemente des Rassismus (Differenz, Wertung, Verallgemeinerung, Funktion), die das Fundament für die weitere Analyse bilden.
Was bedeutet das Konzept der „sozialen Identität“ in diesem Kontext?
Das Konzept beschreibt, wie Individuen ihre Identität durch die Zugehörigkeit zu Gruppen definieren und dabei zur Aufwertung der eigenen Gruppe („Ingroup“) andere Gruppen („Outgroup“) abwerten können.
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- Christian Dreker (Author), 2008, Sozialwissenschaftliche Betrachtung der rassistischen Ausgrenzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90436