Ist "Les Aventures de Tintin, reporter du 'Petit Vingtième', au Congo" Kulturgut oder sollte es verboten werden? Kolonialismus und Rassismus in "Tim und Struppi"


Referat (Handout), 2020

5 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

1. POSTCOLONIAL STUDIES

- “Kolonialismus ist eine Herrschaftsbeziehung zwischen Kollektiven, bei welcher die fundamentalen Entscheidungen über die Lebensführung der Kolonisierten durch eine kulturell andersartige und kaum anpassungswillige Minderheit von Kolonialherren unter vorrangiger Berücksichtigung externer Interessen getroffen werden und tatsächlich durchgesetzt werden. Damit verbinden sich in der Regelsendungsideologische Rechtfertigungsdoktrinen, die auf der Überzeugung der Kolonialherren von ihrer eigenen kulturellen Höherwertigkeit beruhen.“ (Jürgen Osterhammel)1
- seit den 1980er Jahre
- Untersuchen vor allem westliche koloniale Diskurse und Stereotypen in Kultur und Literatur
- Untersuchen die Literaturen und Schreibweisen der ehemals Kolonisierten (Mimikry)2
- Untersuchen Mechanismen der Konstruktion von Eigenem und Fremdem, sowie den Umgang mit und die Wahrnehmung kultureller Differenz
- Edward Said: Orientalism 3

2. HISTORISCHER KONTEXT

2.1. Kongo Freistaat

- 1877-1908: Kongo ist das Privateigentum des belgischen Königs Leopold II.
- „Matafi pilamoko akufi – Kautschuk, das ist der Tod“4
- rücksichtslose Ausbeutung, Sklaverei und Zwangsarbeit waren auf der Tagesordnung
- Überwachung durch Force Publique, einer Art Armee aus Ureinwohnern und weißer Offiziere
- Kongogräuel à auf jede verschossene Patrone folgt eine rechte abgehackte Hand
- in 23 Jahren Herrschaft 25 Millionen tote KongolesInnen5

2.2. Belgisch-Kongo

- andauernde Ausbeutung der Rohstoffe
- Verweigerung einer schulischen Ausbildung à Niveau vergleichbar mit der Grundschule
- Menschenzoos: Ureinwohner wurden aus dem Kongo nach Belgien verschleppt, damit man sie als Völkerschau präsentieren konnte6
- damit wurden bereits verankerte Klischees gefestigt
- 1958: letzte kongolesische Menschenschau in Brüssel7
- Apartheidsystem

2.3. Koloniale Propaganda in Belgien

- Kongo schlechter Status in der Bevölkerung
- Verklärung des Kolonialismus als exotische, harmonische, abenteuerliche Unternehmung
- Eurozentrismus: die Beurteilung nicht-europäischer Kulturen aus der Perspektive europäischer Werte und Normen8
- Rechtfertigung der angeblichen Rückständigkeit und das barbarische Wesen der KongolesInnen
- Zivilisierungsmission: in Medien als ‚native Wilde‘ mit ‚kindlicher Seele‘ inszeniert, die einer erzieherischen Hand der BelgierInnen bedürfen9

3. BIOGRAPHIE HERGÉ

- Georges Prosper Remi à R.G. (umgedrehte Initialen)
- 22.05.1907 - 03.03.1987
- 1921: Veröffentlichung seiner ersten Zeichnung
- sehr katholisch
- tritt den Pfadfindern bei, wo seine Zeichnungen das erste Mal in einer Zeitung veröffentlicht werden
- Abbé Norbet Wallez entdeckt das Talent des jungen Zeichners à seine Idee Tim in den Kongo zu schicken
- mit seiner klaren Linienführung (ligne claire) wurde Hergé zum einflussreichsten Comic-Künstler Europas10
- hat insgesamt 24 Comicstrips veröffentlich

4. TINTIN AU CONGO

- erschien vom11 05.06.1930-11.06.1931 in schwarz-weiß in der Zeitschrift „Le Petit Vingtième“ à für Kinder als Beilage der belgischen Zeitung „Le Vingtième Siècle“
- 1946 koloriert, als Album herausgegeben
- 2. Band der Tim und Struppi – Reihe

4.1. Inhalt

- Tim hat den Auftrag für verschiedene Zeitungen in den Kongo zu reisen12
- einige Gangster aus Chicago gefällt das nicht à sie wollen Diamanten illegal aus dem Kongo fördern und haben Angst, aufzufliegen
- Scheitern des Bösewichts, Tim umzubringen

4.2. Rassismus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Conrad, Sebastian: „Kolonialismus und Postkolonialismus: Schlüsselbegiffe der aktuellen Debatte.“ In: APuZ 44-45 (2012), 4.

2 cf. ibid., 7

3 cf.ibid., 6

4 cf. Nasab, Kurosch Sadjadi: „Tim und Struppi am Kongo. Rassistische Stereotype in Hergés Afrika“, in: Blätter 1 (1998), 102.

5 https://www.spiegel.de/geschichte/kolonialherr-leopold-ii-das-belgische-monster-a-951236.html (17.04.2020)

6 https://www.peta.de/menschenzoos (20.04.2020)

7 ibid

8 https://www.spiegel.de/geschichte/kolonialherr-leopold-ii-das-belgische-monster-a-951236.html (17.04.2020)

9 cf.ibid.

10 Smith, Matthew J.: Ideology: The Construction of Race and History in Tintin in the Congo, Routledge, 2012.

11 Hergé: Tim und Struppi. Tim im Kong o, Hamburg, Carlsen Verlag GmbH, 1997

12 cf. ibid.

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Ist "Les Aventures de Tintin, reporter du 'Petit Vingtième', au Congo" Kulturgut oder sollte es verboten werden? Kolonialismus und Rassismus in "Tim und Struppi"
Hochschule
Universität Mannheim
Veranstaltung
PS Einführung in die Literatur- und Medienwissenschaften der Romania
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
5
Katalognummer
V904624
ISBN (eBook)
9783346214874
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aventures, congo, kolonialismus, kulturgut, petit, rassismus, struppi, tintin, vingtième
Arbeit zitieren
Alisia Wenzel (Autor), 2020, Ist "Les Aventures de Tintin, reporter du 'Petit Vingtième', au Congo" Kulturgut oder sollte es verboten werden? Kolonialismus und Rassismus in "Tim und Struppi", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/904624

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