Thomas Mortons "New English Canaan" als kolonialwirtschaftliche Werbemaßnahme


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
17 Seiten, Note: 2+

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Der historische Kontext von New English Canaan
2.1 Kolonialliteratur in Nordamerika
2.2 Thomas Morton

3. New English Canaan als kolonialwirtschaftliche Werbemaßnahme
3.1 Die Beschreibung Neuenglands und seiner natürlichen Ressourcen
3.2 Die Darstellung der Indianer
3.3 Mortons Zielgruppe

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Sekundärliteratur

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit soll untersucht werden, inwiefern Thomas Mortons New English Canaan als kolonialwirtschaftliche Werbemaßnahme zu interpretieren ist. Dieser Ansatz bietet eine alternative Sichtweise auf Mortons Werk, das bisher selten im Kontext von transatlantischen ökonomischen Interessen gedeutet wurde. Stattdessen wurde es im literaturwissenschaftlichen Diskurs vorwiegend reduziert auf die satirische Kritik an der puritanischen Ablehnung von Vergnügen, was der Vielschichtigkeit des Buches nicht gerecht wird (vgl. Burnham 2006: 2).

Da die in New English Canaan beschriebenen wirtschaftlichen Möglichkeiten des kolonialen Handels den Schwerpunkt dieser Arbeit darstellen, sollen vornehmlich die ersten zwei Bücher von Mortons Werk, die sich mit Neuengland, seinen natürlichen Ressourcen und den amerikanischen Ureinwohnern beschäftigen, analysiert werden. Wichtig sind hierbei die Motive des Autors, ihre Umsetzung und die angesprochene Zielgruppe. Zu erörtern ist, worin laut Morton die wirtschaftliche Attraktivität des Standorts Neuengland besteht. In diesem Kontext gilt die besondere Aufmerksamkeit der Darstellung der Ureinwohner Amerikas im Hinblick auf ihre Eignung als Arbeitskräfte und Handelspartner. Als Einstieg werden sowohl relevante Aspekte von Mortons Biografie als auch der historische Kontext umrissen.

2. Der historische Kontext von New English Canaan

2.1 Kolonialliteratur in Nordamerika

New English Canaan, erschienen 1637, gehört zu den ersten Dokumenten der frühen amerikanischen Literatur. Zu verorten sind ihre Anfänge im 17. Jahrhundert; über den genauen Zeitpunkt ist sich die Literaturwissenschaft uneins. Die traditionellen amerikanischen Literaturtheoretiker setzen den Beginn der literarischen Produktion mit der Ankunft der Mayflower, 1620, in Provincetown gleich. Spanische und französische Reiseberichte vor 1620 werden meist nur parenthetisch angeführt. Obwohl dies für das kulturelle amerikanische Gedächtnis einen „klaren Orientierungspunkt“ schafft, werden in weniger nationalistischen Anthologien auch frühere Werke miteinbezogen, z.B. Berichte über Virginia aus dem Jahre 1608 von Captain John Smith (Göbel 2001: 1). Meist wird außerdem die Erzählkunst der Ureinwohner aufgrund ihrer mündlichen Tradierung im literarischen Diskurs ausgespart, so dass weiterhin in der kollektiven Wahrnehmung Amerikas die Pilgerväter als Initiatoren früher nordamerikanischer Literatur gelten (ebd.).

Nicht nur die Anfänge der Kolonialliteratur sind diffus, auch eine eindeutige Definition ist schwer zu formulieren. Vor allem Reiseberichte, Geschichtsschreibung und religiöse Schriften dominieren im 17. Jahrhundert, es finden sich aber auch Tagebücher, Autobiographien, Gedichtsammlungen und politische Publikationen. Nur mit einem erweiterten Literaturbegriff sind daher die Ausprägungen der frühen nordamerikanischen Literatur vollständig erfassbar (Göbel 2001:2). Als Mischung aus Reisebericht, Hirtengedicht, Reklame, Prosa und Satire mit Bezügen sowohl zur Antike als zur Bibel, veranschaulicht New English Canaan die Bandbreite der damaligen literarischen Formen (Arner 1974: 217).

Die prominenteste Gruppe der neuenglischen Kolonien sind die Puritaner. Ihr Einfluss und die Abhängigkeit vom Mutterland prägen das literarische Schaffen. Der hohe Stellenwert von Reiseberichten und religiösen Schriften ist auf die emigrierten Puritaner und radikaleren Separatisten zurückzuführen, die ihr Dasein in den Kolonien, ihre „spirituelle Utopie“, einem englischen Publikum vermitteln wollen (ebd.). Während die Pflanzer der Südstaaten, denen auch fiktionale Texte zusagen, sich an der englischen Kultur orientieren, lehnen die Puritaner jegliche Fiktion ab. Nicht-religiöse Literatur, die kein Ziel außer dem zu unterhalten verfolgt, ist nach der puritanischen Ideologie des 17. und 18. Jahrhunderts „potentielles Teufelswerk“ (ebd.).

Einer der wichtigsten puritanischen Autoren ist William Bradford, dessen History of Plimmoth Plantation die Geschichte der Pilger und ihr Leben in Plymouth dokumentiert. Die von ihm beschriebenen Konflikte mit Thomas Morton, die letzterer in seinem Werk New English Canaan thematisiert, sind oftmals Gegenstand literaturwissenschaftlicher Debatten (ebd.).

2.2 Thomas Morton

Thomas Morton ist einer der kontroversesten Autoren der frühen amerikanischen Kolonialliteratur. Über sein Leben in England ist wenig bekannt. Vieles weist darauf hin, dass Morton einer Familie des niederen Adels entstammt. Er verfügt über einen Abschluss in Rechtswissenschaften und ist schon Mitte vierzig als er 1624 im heutigen Quincy Bay, Massachusetts, ankommt. 40 Kilometer entfernt von Plymouth baut er mit Captain Wollaston und seinem Gefolge einen Handelsposten für Pelz auf. Dieser auf den Namen Ma-re Mount oder Merry Mount getaufte Ort ist schon bald bekannt für ausgelassene Feste und Triebhaftigkeit. An den Tänzen um den Maibaum nehmen auch Indianer teil. Zusätzlich floriert der Pelzhandel in Merry Mount dank der engen wirtschaftlichen Beziehungen zu den amerikanischen Ureinwohnern (vgl. Schoenberg 2002 und Dempsey 2000).

Laut Morton sind die Puritaner der Plymouth Plantation neidisch auf den wirtschaftlichen Erfolg im Pelzhandel, welchem auch sie nachgehen. Außerdem missbilligen sie das „gottlose“ Treiben in Merry Mount: Thomas Morton ist den Puritanern ein Dorn im Auge: Ihnen zufolge ist er ein schlechter Führer und Atheist. Im Jahre 1628 wird er von ihnen und weiteren Siedlergruppen angeklagt, den Indianern Waffen verkauft zu haben, und nach England verbannt. Daraufhin wird auch der Maibaum, nach puritanischer Ansicht ein Symbol der Gottlosigkeit, gefällt (ebd.).

1629 kommt Morton nach Neuengland zurück und legt sich mit der Massachusetts Bay Company an, die die Patente für den dortigen Handel für sich beansprucht. Weil er für die Rechte der Siedler, unabhängig Geschäfte zu machen, eintritt, muss er noch im selben Jahr zurück ins englische Mutterland. Die Massachusetts Bay Company, die Morton beschuldigt, den Indianern Schaden beigefügt zu haben, konfisziert seinen Besitz und brennt sein Haus ab. In England versucht Morton das Patent der Massachusetts Behörden für ungültig erklären zu lassen, was ihm nicht gelingt. Gewissermaßen als Teil seiner Kampagne gegen die Massachusetts Bay Company schreibt er um 1634 New English Canaan (Schoenberg 2002:2).

3. New English Canaan als kolonialwirtschaftliche Werbemaßnahme

In der Literaturkritik wird Thomas Mortons Werk, welches sich in drei Bücher gliedert, oft einseitig als literarischer Angriff auf die Puritaner gedeutet, obwohl dieser nur im dritten Buch stattfindet, also weniger als ein Drittel von New English Canaan ausmacht. Verkannt werden dabei die primär ökonomischen Anliegen Mortons (Burnham 2006:1). Bei der Darstellung der Indianer im ersten Buch sowie bei der Beschreibung des Landes und seiner natürlichen Ressourcen im zweiten stehen nicht die Kritik an den Puritanern im Vordergrund, sondern die wirtschaftlichen Möglichkeiten des kolonialen Handels.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Thomas Mortons "New English Canaan" als kolonialwirtschaftliche Werbemaßnahme
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Anglistik)
Veranstaltung
"Amerikanische Kolonialliteratur"
Note
2+
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V90488
ISBN (eBook)
9783638047739
ISBN (Buch)
9783638944182
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Dozenten: "Dem Verfasser gelingt der Nachweis, in welch vielfältiger und überzeugender Weise sich der Text einer unkonventionellen Lesart öffnet.(...) voll gut (2+)"
Schlagworte
Thomas, Mortons, English, Canaan, Werbemaßnahme, Amerikanische, Kolonialliteratur
Arbeit zitieren
Yann Martin (Autor), 2008, Thomas Mortons "New English Canaan" als kolonialwirtschaftliche Werbemaßnahme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90488

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