Willy Brandt und sein politischer Werdegang in den 1960er Jahren

Der lange Weg zur Kanzlerschaft


Hausarbeit, 2004

16 Seiten


Leseprobe

Gliederung

1) Einleitung

2) 1913 bis 1957
2.1) Jugend und Exil
2.2) Rückkehr nach Deutschland

3) 1957 bis 1966
3.1) Das Chruschtschow-Ultimatum
3.2) Mauerbau
3.3) Tutzing 1963 und die Passierscheinabkommen
3.4) Brandts Kanzlerkandidaturen 1961 und 1965

4) 1966 bis 1969
4.1) Das Ende der Regierung Erhard
4.2) Bildung der Großen Koalition (CDU/CSU und SPD)
4.3) Außenminister Brandt

5) Schluss

6) Bibliographie

1) Einleitung

Willy Brandt – Sein Aufstieg in Berlin und in der SPD war durchaus ungewöhnlich und einigen suspekt. In meiner Arbeit versuche ich, den mitunter steinigen Weg Brandts hin zur Kanzlerschaft darzulegen. Aus der Anfangszeit seiner politischen Karriere in Deutschland während der aufgewühlten Nachkriegszeit und seiner Zeit als Regierender Bürgermeister von Berlin, habe ich für diese Arbeit nur einige markante Punkte herausgenommen. Stark verkürzt stelle ich Brandts Rolle und Verhalten in den auch kritischen Situationen dar.

Zuerst blicke ich kurz auf seine Jugend, die Jahre im Exil in Skandinavien und seine Rückkehr ins Nachkriegsdeutschland. Seine Gegner nutzten später diesen Lebensabschnitt, um Brandt bei den Deutschen schlecht darzustellen. Die erste von mehreren Bewährungsproben, die ich in dieser Arbeit behandle, meisterte Brandt schon kurz nach seinem Amtsantritt als Bürgermeister, nämlich mit dem Chruschtschow-Ultimatum. Zwei Jahre später waren Brandt und die Alliierten mit dem Mauerbau konfrontiert, der ihn und Egon Bahr zu den Gedanken brachte, die Bahr 1963 in Tutzing äußerte. Auch eine Konsequenz aus Tutzing, die Passierscheinabkommen stelle ich hier kurz dar. Der nächste Punkt sind Brandts gescheiterte Kanzlerkandidaturen 1961 und 1965, die sein Leben veränderten. Im nächsten Kapitel dann ein kurzer Blick auf das Ende der Regierung Erhard, das Brandt die Vizekanzlerschaft in der Großen Koalition einbrachte. Seine Rolle als Außenminister bildet den letzten Punkt meiner Arbeit.

2) 1913 bis 1957

2.1) Jugend und Exil

Geboren wird Willy Brandt am 18. Dezember 1913 als Herbert Ernst Karl Frahm in Lübeck, der damaligen Hochburg der Sozialdemokraten. Sein Vater, John Möller aus Hamburg, wird ihm lange Zeit unbekannt sein. Als Ersatzvater fungierte der nichtleibliche Großvater Ludwig Frahm, ein engagierter Sozialdemokrat. So begann auch Brandt sich schon früh politisch zu engagieren. Er schrieb als Schüler für den Lübecker ´Volksboten`, eine SPD-nahe Zeitung, war Mitglied in der sozialistischen Arbeiterjugend und trat schon mit etwa 17 Jahren der SPD bei, der Partei seines Vorbilds und Förderers Julius Leber. 1932 machte der begabte Schüler Frahm sein Abitur am Lübecker Johanneum[1]. Wenige Monate zuvor war er allerdings der neugegründeten SAP (Sozialistische Arbeiterpartei) beigetreten und hatte sich sowohl mit der SPD als auch mit Leber überworfen, da Brandt nicht mit der Haltung der SPD zur NSDAP einverstanden war. Womit für ihn auch die Aussicht auf ein Stipendium für ein Studium zerbrach[2].

Anfang 1933 verschlechterte sich mit der Machtübernahme Hitlers die Situation für die Linken in Deutschland und Brandt entschloss sich, unter Verwendung des Pseudonyms ´Willy Brand` zur Flucht nach Norwegen. Dort arbeitete er, auch journalistisch, für das Büro der norwegischen SAP und nahm die norwegische Staatsbürgerschaft an. Weiter unternahm Brandt für die Partei einige Auslandsreisen, so war er 1936 für drei Monate inkognito in Berlin und ging 1937, im spanischen Bürgerkrieg, als SAP-Vertreter für etwa drei Monate nach Barcelona[3]. 1940 wurde Norwegen allerdings von den Deutschen besetzt und Brandt musste nach einer kurzen Verhaftung weiter nach Schweden fliehen, wo er zunächst wieder festgenommen wurde, dort arbeitete er für verschiedene Tageszeitungen. 1942 übernahm Brandt die Leitung des ´Schwedisch/Norwegischen Pressebüros` und trat der ´Internationalen Gruppe demokratischer Sozialisten` bei, in der er mit Widerständlern gegen Hitler zusammentraf und sich Gedanken über eine politische Nachkriegsordnung in Deutschland machte[4].

2.2) Rückkehr nach Deutschland

Mit Ende des Krieges 1945 kehrte Brandt als Korrespondent der skandinavischen Arbeiterpresse zu den Nürnberger Prozessen nach Deutschland zurück. Während dieser Zeit knüpfte er Kontakte zu Mitgliedern der SPD und dabei reifte in ihm der Wunsch beim Neuaufbau zu helfen, sowohl in Deutschland als auch in der SPD. Dennoch blieb er zunächst norwegischer Staatsbürger. Mitte 1946 wurde die SPD offiziell wiedergegründet und Brandt besuchte den 1. Parteitag in Hannover. Er galt noch immer als Mitglied der SPD, sein Ausflug zur SAP wurde nicht als Austritt bewertet[5]. Im selben Jahr traf Brandt in Hamburg auch zum ersten Mal auf Herbert Wehner. Gegen Ende des Jahres kehrte Brandt nach Norwegen zurück, machte sich an Weihnachten 1946 jedoch schon wieder nach Berlin auf, wo er den Posten des norwegischen Presseattachés übernahm[6]. Zur ersten Begegnung mit Ernst Reuter, seinem späteren politischen Ziehvater und Mentor, kam es 1947. Sie hinterließ bei Brandt einen bleibenden Eindruck. Sein Interesse für Deutschland und speziell Berlin wurde durch seine Tätigkeit immer stärker. Im Herbst 1947 wurde ihm von Erich Brost der Posten des Vertreters des Parteivorstands angeboten und in Brandt reifte der Entschluss, die Wiedereinbürgerung und nach Deutschland und die Legalisierung des Namens ´Brandt` zu beantragen[7], was er dann auch am 1. Juli 1948 tat[8]. Schon ein gutes Jahr später war Brandt Mitglied des ersten Deutschen Bundestages für Berlin, das acht Vertreter entsenden durfte, und blieb bis zu seiner Wahl zum Regierenden Bürgermeister von Berlin Abgeordneter in Bonn. 1950 wurde er zusätzlich noch in das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt, weshalb Brandt ständig zwischen Bonn und Berlin pendelte[9]. Brandt galt als „fleißiger Parlamentarier“ und trat mit vollem Einsatz für die Belange Berlins ein[10]. 1953 wurde Brandt in den SPD-Fraktionsvorstand gewählt, allerdings starb im September auch sein Freund, der Regierende Bürgermeister Berlins Ernst Reuter, was für Brandt einen großen Verlust bedeutete[11]. Nächster Bürgermeister wurde 1954 Otto Suhr, der zwei Jahre später aber auch erkrankte und im August 1957 starb[12].

3) 1957 bis 1966

Nach dem Tode Suhrs wurde Brandt Regierender Bürgermeister von Berlin und er hatte dort einige Prüfungen zu bestehen, von denen hier einige exemplarisch aufgezeigt werden. Denn gegen Ende der 1950er Jahre änderte sich nicht nur die politische Lage in Deutschland rasant, sondern die ganze weltpolitische Situation geriet in Wallung. Als am 4.11.1956 der Ungarnaufstand von der SU niedergeschlagen wurde, kam es in Berlin zu heftigen Demonstrationen. Die aufgebrachten Menschen hatten die Absicht in den Ostsektor vorzudringen. Brandt gelang es, die Massen von ihrem Vorhaben abzubringen und sie in eine andere Richtung zu lenken. Es kam nur zu kleineren Zusammenstößen mit der Polizei. Mit dieser punktgenauen Reaktion auf die Erfordernisse, machte Brandt sich in Berlin einen Namen und empfahl sich für das Bürgermeisteramt[13].

[...]


[1]Vgl. Goyke, Ernst: Willy Brandt der Bundeskanzler; Hrsg.: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung; Bonn 1971; S. 29.

[2]Vgl. Lenz, Gertrud: Willy Brandt 1913-1992, Eine Ausstellung der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung im Rathaus Schöneberg zu Berlin, Berlin 1996; S. 12.

[3]Vgl. ebd. S. 14f.

[4]Vgl. Berkandt, Jan Peter: Willy Brandt, Schicksalsweg eines deutschen Politikers; Hefte zum Zeitgeschehen, Verlag für Literatur und Zeitgeschehen GmbH, Hannover 1961; S. 21f.

[5]Vgl. Brandt, Willy: Erinnerungen; Propyläen, Frankfurt a. M., 19894; S. 147.

[6]Vgl. ebd. S. 148.

[7]Vgl. ebd. S. 150f.

[8]Vgl. Lenz: Eine Ausstellung; S. 19.

[9]Vgl. ebd. S. 22.

[10]Berkandt: Willy Brandt; S. 44.

[11]Vgl. ebd. S. 46f.

[12]Vgl. ebd. S. 51.

[13]Vgl. Berkandt: Willy Brandt; S. 50f.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Willy Brandt und sein politischer Werdegang in den 1960er Jahren
Untertitel
Der lange Weg zur Kanzlerschaft
Hochschule
Universität Regensburg
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V90507
ISBN (eBook)
9783638045407
ISBN (Buch)
9783638941334
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Willy, Brandt, Werdegang, Jahren
Arbeit zitieren
Petra Dutt (Autor), 2004, Willy Brandt und sein politischer Werdegang in den 1960er Jahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90507

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