Platon (427 v. Chr. - 347 v. Chr.) und Aristoteles (384 v. Chr. - 322 v. Chr.), bedeutende Philosophen des Altertums, haben sich beide sehr intensiv mit den Problemen des Staatswesens befaßt. Aristoteles war bereits mit 17 Jahren Schüler an Platons Akademie in Athen. Er lernte dort Platon und dessen Theorie der idealen Polis kennen, und entwickelte seinen eigenen eher praxisorientierten Ansatz über die unterschiedlichen Formen politischer Gemeinschaft.
Sich mit beiden Philosophen und ihren Gedanken zu beschäftigen, ist sinnvoll, da letztere vielen nachfolgenden politischen Denkern als Grundlage für ihre eigenen Theorien dienten. Dadurch erhalten Werke wie “Der Staat” oder “Politik” ihre Bedeutung für die Gegenwart. Ohne die “Gründerväter der politischen Theorie” Platon und Aristoteles zu verstanden zu haben, fehlt einem wohl auch ein umfassendes Verständnis für ihre Nachfolger. Ein Vergleich zwischen Aristoteles und Platon bietet sich zum einen deshalb an, weil beide sich intensiv mit ähnlichen Fragestellungen auseinandergesetzt haben. Beispielsweise wie sollte die Stadtgemeinschaft gegliedert sein? Welche Einrichtungen und Strukturen sind notwendig, um Sicherheit, Überleben und ein gutes Leben der Bürger zu gewährleisten? Zum anderen ist es interessant zu sehen, inwiefern Aristoteles Platons Gedanken aufgreift, aber auch kritisiert, verbessert und seine eigene Theorie entwickelt. Theorien zu verwerfen, zu modifizieren und neue zu entwickeln ist ein auch heute wichtiger Vorgang, um die politische Wissenschaft voranzutreiben. Ziel meiner Arbeit ist es, zu zeigen, worin die Unterschiede, worin die Gemeinsamkeiten bei Entstehung, Struktur, Leistung und Zielsetzung der Polis des Lehrers im Vergleich zur Polis seines Schülers liegen. Den Schwerpunkt habe ich auf den Vergleich der Entstehung gelegt, da diese von beiden Philosophen ausführlich und detailliert beschrieben wird und sich deshalb Gemeinsamkeiten und Unterschiede gut aufzeigen lassen. Zudem läßt sich das jeweilige Menschenbild und die Vorstellung von politischem Leben und politischer Ordnung beider Philosophen exemplarisch anhand dieses Vergleichs herausarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNGSGEDANKE
2 ENTSTEHUNG DER POLIS BEI PLATON
2.1 DEBATTE UM DIE GERECHTIGKEIT
2.2 VIER ENTWICKLUNGSSTUFEN
2.2.1 Gesunder Stadtstaat
2.2.2 Üppiger Stadtstaat
2.2.3 Gereinigter Stadtstaat
2.2.4 Schöner Stadtstaat
2.3 ZIELE UND LEISTUNGEN DER IDEALEN POLIS
3 ENTSTEHUNG DER POLIS BEI ARISTOTELES
3.1 DEBATTE UM DAS HÖCHSTE GUT
3.2 DREI FORMEN DER GEMEINSCHAFT
3.2.1 Haus
3.2.2 Dorf
3.2.3 Stadtstaat
3.3 ZIELE UND LEISTUNGEN DER IDEALEN POLIS
4 SCHLUßBEMERKUNG
5 QUELLEN
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Entstehung, Struktur, Leistung und Zielsetzung des idealen Stadtstaates (Polis) bei Platon und Aristoteles zu analysieren und kritisch gegenüberzustellen, wobei der Schwerpunkt auf den Entstehungsprozessen liegt.
- Vergleichende Analyse der politischen Theorien von Platon und Aristoteles
- Untersuchung der Entstehungsbedingungen und Entwicklungsstufen des Stadtstaates
- Gegenüberstellung des jeweiligen Menschenbildes und der Vorstellung von Gerechtigkeit
- Evaluierung der staatlichen Strukturen, Hierarchien und Erziehungsideale
- Diskussion der praktischen Umsetzbarkeit versus theoretischer Konstruktion
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Gesunder Stadtstaat
Warum Menschen sich überhaupt zu einem Stadtstaat zusammenschließen, begründet Platon schlicht mit der Aussage, daß ”keiner von uns sich selbst genügen kann, sondern jeder viele andere nötig hat”.12 Eben dieser Aspekt des gegenseitigen materiellen Nutzens führt zur Gründung der ersten Form, dem gesunden Stadtstaat. Platon argumentiert rein pragmatisch, der Stadtstaat entsteht aus logischer und wirtschaftlich berechnender Überlegung der Menschen, als Folge einer Kosten-Nutzen-Rechnung. Daß Menschen sich aber vor allem oder zumindest auch aus emotionalen Gründen, aus Angst vor Vereinsamung, dem Wunsch nach Liebe, Sex, Familie, etc. zusammenschließen, bezieht der Philosoph nicht in seine Überlegung mit ein.
Jeder Mensch hat laut Platon drei Grundbedürfnisse, die zum Überleben zwingend notwendig sind, nämlich das Bedürfnis nach Nahrung, Wohnung und Kleidung. Diese Bedürfnisse schaffen automatisch die kleine Stadtstaatgesellschaft, die den Bedürfnissen entsprechend mindestens aus Bauer, Baumeister, Weber und Schuster bestehen muß. Jeder dieser Bewohner der Polis trägt seiner Fähigkeit gemäß etwas zum Gemeinwohl aller und zur Lebenssicherung bei. Durch die von Platon propagierte Arbeitsteilung werden eine bessere Qualität und höhere Erträge erreicht, der Kreis der Bewohner muß von den vier oben genannten Berufen um Handwerker, Gehilfen und Händler erweitert werden.13 Letztere sind notwendig, um begehrte
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNGSGEDANKE: Einführung in die Thematik der antiken politischen Philosophie und die Relevanz des Vergleichs von Platons und Aristoteles' Theorien für die moderne Wissenschaft.
2 ENTSTEHUNG DER POLIS BEI PLATON: Detaillierte Analyse von Platons Idealstaat, unterteilt in vier Entwicklungsstufen, basierend auf menschlichen Bedürfnissen und Gerechtigkeitsvorstellungen.
3 ENTSTEHUNG DER POLIS BEI ARISTOTELES: Erläuterung der aristotelischen Sichtweise, die den Menschen als soziales Wesen betrachtet und die Polis als natürliche Gemeinschaft zur Erreichung des höchsten Gutes definiert.
4 SCHLUßBEMERKUNG: Abschließender Vergleich beider Ansätze und Reflexion über deren Bedeutung und Gültigkeit für moderne gesellschaftliche Strukturen.
5 QUELLEN: Auflistung der im Rahmen der Arbeit verwendeten Primärliteratur von Platon und Aristoteles.
Schlüsselwörter
Platon, Aristoteles, Polis, Stadtstaat, politische Theorie, Gerechtigkeit, Staatsform, Gemeinwohl, Menschenbild, Philosophie, Eudaimonia, Tugend, Gesellschaftsstruktur, Arbeitsteilung, Herrschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die antike politische Theorie anhand eines systematischen Vergleichs der Polis-Modelle von Platon und Aristoteles.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entstehung der Polis, den staatlichen Strukturen, den Erziehungskonzepten sowie den unterschiedlichen Auffassungen von Gerechtigkeit und Glück.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Konzeption des Staates bei Lehrer und Schüler aufzuzeigen, mit einem Fokus auf den Entstehungsprozess der Gemeinschaft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende textanalytische Untersuchung der zentralen Werke "Der Staat" von Platon und "Politik" von Aristoteles.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die vier Entwicklungsstufen des platonischen Stadtstaates sowie die drei Stufen der Gemeinschaft bei Aristoteles und stellt die jeweiligen Ziele und Leistungen gegenüber.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Platon, Aristoteles, Polis, Gerechtigkeit, Gemeinwohl, Staatsform und politische Theorie.
Inwiefern unterscheidet sich Platons Motivation zur Staatsgründung von der des Aristoteles?
Platon begründet die Entstehung primär durch materielle Bedürfnisse und Arbeitsteilung, während Aristoteles den Menschen als von Natur aus soziales Wesen sieht, das nach Gemeinschaft und dem "guten Leben" strebt.
Wie bewerten die beiden Philosophen die Rolle des Einzelnen im Staat?
Beide ordnen das Wohl des Einzelnen dem Wohl der Gemeinschaft unter; allerdings unterscheidet sich ihr Verständnis des Glücks, welches für Platon eher ein Nebenprodukt und für Aristoteles das eigentliche Ziel menschlicher Existenz ist.
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- Elisabeth Falgner (Author), 2000, Vergleich der platonschen Polis mit der aristotelischen Polis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9054