Die Siedlungspolitik Portugals im 15. und 16 Jahrhundert


Seminararbeit, 2008
19 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Gliederung

1) Einleitung – Portugal damals

2) Vorraussetzungen für die Besiedlung
2.1) Politische Entwicklungen im 15. und 16. Jahrhundert
2.2 ) Demographische Vorraussetzungen und Merkmale der Migrationspolitik
2.3) Die Wirtschaftlichen Verflechtungen
2.4) Portugals Handelssituation
2.5) Motive und Voraussetzungen der Entdeckungsfahrten

3) Eroberungs- und Siedlungspolitik
3.1) Portugal und Brasilien
3.2) Die Eroberungspolitik Portugals
3.3) Portugal und Spanien auf dem Vormarsch im 15. und 16. Jahrhundert

4) Zusammenfassung und Schlussfolgerung

5) Literatur

1) Einleitung – Portugal damals

Portugal war eine Seefahrernation, prädestiniert wie kaum ein andere in der Zeit des beginnenden 15. Jahrhunderts. Eine knappe Million Einwohner waren nicht viel, um eine große Kolonisierung durchzuführen. Dazu waren die Seefahrten meist privat finanziert (Genuesen und Fugger) und da diese nur an der kurzfristigen Erkundung Interesse hatten, stellt sich die Frage, inwieweit dies Einfluss auf die generelle portugiesische Siedlungspolitik hatte. Des weiteren interessiert uns die Frage, welche Motive hinter der Siedlungspolitik Portugals standen bzw. welche Unterschiede es in der Kolonial- und Siedlungspolitik in Brasilien und Asien gab.

Ziel der portugiesischen Expeditionen war es nicht, unbekannte Teile der Welt zu entdecken, sondern „neue Wege zu längst entdeckten Teilen der Welt zu finden. Der Weg war das Ziel“ (vgl. Brühne, Wolfgang, Kreuzzug und Asienhandel. Genua, Portugal und die europäische Expansion 1290 – 1520, in: Jahrbuch für Außereuropäische Geschichte).

Ausgehend von den dafür notwendigen Vorraussetzungen, die wir im ersten Kapitel erörtern werden, werden wir im weiteren Verlauf dieser Arbeit auf die eingangs gestellten Fragen eingehen. Zu diesem Zweck werden wir die politischen und demographischen Bedingungen sowie die wirtschaftlichen Verflechtungen und die Handelssituation Portugals im 15. und 16. Jahrhundert untersuchen. Danach wird die Eroberungs- und Siedlungspolitik Portugals, auch in einem kurzen Vergleich zur spanischen Kolonialpolitik, betrachtet. Im letzen Kapitel werden die wichtigsten Punkte zusammengefasst und mögliche Schlussfolgerungen erörtert.

2) Vorraussetzungen für die Besiedlung

Um die Expansions-, Kolonisierungs- und Siedlungsstrategie der Portugiesen besser verstehen zu können, ist es notwendig die Vorraussetzungen Portugals für diese Vorhaben zu untersuchen. Zu diesem Zwecke werden zunächst die politischen und demographischen Bedingungen sowie die wirtschaftlichen Verflechtungen und die Handelsposition Portugals im 15. und 16. Jahrhundert beleuchtet.

2.1) Politische Entwicklungen im 15. und 16. Jahrhundert

Portugals innenpolitische Entwicklung im 15. Jahrhundert zielte darauf ab, die königliche Macht und Autorität zu stärken. Dafür versuchte man einerseits den Wunsch der Bevölkerung nach wirtschaftlicher Stabilität und Prosperität durch die beginnende atlantische Expansion zu befriedigen und andererseits den Einfluss des Adels zu beschränken. Außenpolitisch suchte Portugal die Anerkennung der Staatlichkeit innerhalb Europas. Darüber hinaus war Portugal auf friedliche Beziehungen und Verhältnisse, vor allem mit seinem ewigen Konkurrenten Kastilien, bedacht, um sich auf die Expansionsaktivitäten konzentrieren zu können.

Mit dem Tod des letzten Burgunderherrschers, König Ferdinand I., gegen Ende des 14. Jahrhunderts begann die Ära des Königshauses der Avis. Nachdem die Wehen des kastilischen Erbfolgekrieges überwunden und die kastilische Invasion Portugals 1384/85 abgewehrt werden konnte, wurde Johann von Avis, der die Portugiesen in der Schlacht von Aljubarrota zum Sieg führte, als König Johann I. anerkannt. Im darauffolgenden Vertrag von Windsor garantierte England die Unabhängigkeit Portugals gegen kastilische Ansprüche. Anfang des 15. Jahrhunderts schlossen Portugal und Kastilien einen „ewigen Friedens- und Bündnisvertrag“[1], wodurch die neue Dynastie von Avis den Wunsch friedlicher Verhältnisse vorläufig erreichte. Innenpolitisch sah sich die Krone gezwungen, jene Kräfte zu begünstigen, die den neuen König im Erbfolgekrieg unterstützt hatte, zugleich aber einen Ausgleich mit dem Adel zu finden, der im Krieg mehrheitlich hinter dem gegnerischen Lager stand. Ein geeignetes Mittel um einerseits den Adel militärisch zu besänftigen sowie die städtischen Wirtschaftsinteressen zu befriedigen, sah Johann I. im Angriff auf die nordafrikanische Stadt Ceuta. Mit der Eroberung von Ceuta 1415 begann die erste Phase der portugiesischen Expansion2. Da sich der wirtschaftliche Erfolg, den man sich durch die Eroberung Ceutas erhofft hatte, nicht verwirklichen ließ, wurden als Alternative maritime Vorstöße entlang der afrikanischen Westküste verfolgt, um einen direkten Zugang zu den schwarzafrikanischen Waren zu finden. Prinz Heinrich „der Seefahrer“, welcher selbst kaum zur See fuhr, trieb als Organisator des portugiesischen Ausgreifens in den Atlantik die darauffolgenden Erkundungsfahrten entlang der afrikanischen Westküste Richtung Süden voran.

Nach dem Tod Johann I. bestieg sein Nachfolger Eduard den Thron. Seine kurze Regierungszeit (1433-1438), in der er die Expeditionen seines Bruders Heinrich nachdrücklich förderte, verlief jedoch eher glücklos. Er verabschiedete ein Dekret, mit welchem die Krone Länderein des Adels zurückgewinnen suchte, wodurch er sich beim Landadel in Misskredit brachte. König Alfons V. mit dem interessanten Beinamen „der Afrikaner“ verfolgte später den Plan, im Norden Afrikas dauerhaft und in größerem Stil Fuß zu fassen. In Europa kam es zum westeuropäischen Bündnissystem, das König Alfons V. maßgeblich mitbetrieben hatte. Dieses zielte darauf ab, zusammen mit Aragonien, dem Burgund Karls des Kühnen und England eine gemeinsame Front gegen Kastilien und dem mit ihm verbündeten Frankreich aufzubauen. Portugal war auch, aufgrund der dynastischen Verbindungen zwischen den Königshäusern von Avis und Trastamara, tief in die inneren Konflikte Kastiliens verstrickt. Neben dieser weitgespannten Außenpolitik war König Alfons V. auch innenpolitisch sehr ambitioniert. So wurde während seiner Regierungszeit die erste große Gesetzessammlung Portugals, die Ordenacoes Afonsinas, erstellt und in Kraft gesetzt3. Portugal verfügte damit als einer der ersten Staaten Europas über eine einheitliche, römisch-rechtlich inspirierte Gesetzgebung. Diese war nicht nur Ausdruck der Konsolidierung einer einheitlichen Gesetzgebung und damit Ausdruck von Staatlichkeit, sondern auch ein Instrument, das nicht zuletzt der Ausweitung der portugiesischen Herrschaft in außereuropäische Gebiete diente4. Nach dem Tod Heinrich des Seefahrers wurde die Krone zur Trägerin der Entdeckungen und vergab Handelsmonopole mit der Verpflichtung, jährlich weiter Richtung Süden entlang der afrikanischen Küste vorzudringen. Nach dem Tod des kastilischen Königs Heinrich IV. kam es zum Erbfolgekrieg, in welchen auch Alfons V. verwickelt war. 1479 kam es zur Unterzeichnung des Vertrages von Alcacovas zwischen Portugal und Kastilien. Neben dynastischen Fragen enthielt das Vertragswerk wirtschaftliche Zugeständnisse Kastiliens im Atlantik, um Portugal zum Verzicht auf seine Erbansprüche auf Kastilien zu veranlassen. Dadurch konnte sich Portugal das Monopol auf den Schwarzafrikahandel sichern.

Nach dem Tod König Alfons V. folgte sein Sohn Johann II. (1481-1495). Er begann eine energische Zentralisierung und Stärkung der königlichen Macht, gestützt auf die städtische Bevölkerung, was bald eine Opposition des Adels herausfordern sollte. Außenpolitisch trieb er den Expansionskurs mit dem Ziel, einen Seeweg nach Asien sowie den sagenumwobenen Priesterkönig Johannes in Äthiopien zu finden, voran. In Spanien kam es zum Krieg gegen das letzte Maurenreich auf iberischem Boden – Granada – und gleich nach Abschluss desselben wurde die Vertreibung der Juden dekretiert, was auch Portugal betraf, da es große Teile der Vertriebenen aufnahm.

1494 kam es zum Vertrag von Tordesillas, der als „Teilung der Welt“ zwischen den beiden iberischen Mächten bezeichnet wird5 und als Ersatz für die 1479 vereinbarte Ost-West-Linie nun eine Trennungslinie in Nord-Süd Richtung festlegte. Ende des 15. Jahrhunderts sieht sich König Emanuel nach seiner Heirat mit Isabella von Kastilien gezwungen, auch seinerseits die Vertreibung der Juden anzuordnen, was eine erste Auswanderungswelle in Gang setzt.

Im 16. Jahrhundert veränderte Portugal seine innenpolitische Strategie und begann, im Unterschied zum vorigen Jahrhundert, den Adel zu bevorzugen. Portugals Bemühungen um ein friedliches Verhältnis zu seinem iberischen Nachbarn führte in der Folge zu Problemen und Konflikten mit anderen europäischen Staaten.

Mit der Ernennung König Emanuels I., der den Beinamen „der Glückliche“ erhielt begann Portugals sogenanntes „Goldenes Zeitalter“6. Während seiner Regierungszeit wurde die portugiesische Expansion weitgehend vollendet und Portugal konnte die hohen Einkünfte aus dem Gewürzmonopol erwerben. Die bald darauffolgende Eheschließung Emanuels mit Isabella, der ältesten Tochter der Katholischen Könige Spaniens, war ein weiterer Versuch den Wunsch der Dynastie nach einem harmonischem Verhältnis zu seinem iberischen Nachbarn aufzubauen. 1505 wurde der Estado da India als eigene Verwaltungseinheit gegründet und dem neuen Vizekönig, Franzisco da Almeida unterstellt. 1529 kam es zur Unterzeichnung des Vertrages von Zaragoza, in welchem die beiden Kronen auch in Asien ihre Einflusszonen durch eine Nord-Süd-Linie zwischen den Philippinen und Indonesien aufteilten. Die nun enge Beziehung Portugals zu Spanien komplizierte die Beziehungen zu Frankreich. So verschärfte sich seit etwa 1510 der Kaperkrieg der Franzosen gegen Portugal im Atlantik. Erst 1536 kamen die beiden Mächte im Vertrag von Lyon zu einer friedlichen Einigung. Durch die stärkere Annäherung Portugals an Spanien und dem habsburgischen Reich zeichnete sich in Europa immer mehr ein „Blockdenken“ ab, das Portugals außenpolitische Alternativen zunehmend schrumpfen ließ7. Zudem führten die dynastischen Probleme des Hauses Avis zu noch mehr Komplikationen, da der kinderlose König Sebastian III. in Marokko in der Schlacht von Alcazarquvir 1578 ums Leben kam, was das Ende der Dynastie des Hauses Avis bedeutete. Auf Sebastian folgte der betagte Kardinal Henrique als König Heinrich, der ebenso als kinderloser Herrscher keine Schritte zur Regelung der Thronfolge unternahm. So wurde nach dem Tode Heinrichs 1581 der spanische Philipp II. zum neuen König Portugals gewählt und es kam zur Personalunion mit Spanien. Die englische Krone unter Königin Elisabeth unternahm daraufhin einen wenig erfolgreichen Versuch, die Kronen Portugals und Spaniens zu trennen. Die weiteren Entwicklungen zeigen, dass die Lage des iberischen Weltreiches langsam kritischer wurde. 1596 kam es zwischen Frankreich, England und Holland zum Vertrag von Greenwich, der nicht nur die internationale Anerkennung Hollands, sondern auch eine klar antispanische Stoßrichtung bedeutete. Spätestens zu dieser Zeit kamen in Portugal Zweifel an der Verbindung mit Spanien auf. Während Frankreich und England aufgrund innerer Probleme vorübergehend kaum mehr eine Bedrohung darstellten, entpuppte sich die Niederlande immer mehr als neuer Herausforderer, was ab 1621 zum Dreißigjährigen Krieg zwischen Spanien und Holland führte. Der spanische König Philipp IV. leitete eine finanzielle Konsolidierungspolitik ein, wodurch die Steuerlast auch für Portugal anstieg. In Asien erzielte die holländische Ostindienkompanie schwere Einbrüche in den Estado da India. Damit begann die Niedergangsphase der portugiesischen Seeherrschaft. In Portugal herrschte als Folge der Steuererhöhungen und der Einbrüche der Handels- und Wirtschaftsinteressen in Übersee längst eine antispanische Stimmung, die aber erst 1640 zur Trennung von Spanien und Proklamierung des Herzogs Johann von Braganza als König Johann IV. führte.

[...]


[1] Vgl. Bernecker, Walther, Pietschmann, Horst, Geschichte Portugals: vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, Verlag C. H. Beck oHG, München 2001, S 21

2 vgl. Feldbauer, Peter, Portugal als Vorreiter der europäischen Expansion, in: Beiträge zur historischen Sozialkunde, 2/92, VGS, 1992, S52

3 Vgl. Bernecker, Walther, Pietschmann, Horst, Geschichte Portugals: vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, Verlag C. H. Beck oHG, München 2001, S 28

4 Vgl. Bernecker und Pietschmann, 2001, S 28

5 Vgl. Bernecker, Walther, Pietschmann, Horst, Geschichte Portugals: vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, Verlag C. H. Beck oHG, München, 2001, S 35

6 Vgl. Bernecker et al

7 vgl. Bernecker, Walther, Pietschmann, Horst, Geschichte Portugals: vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, Verlag C. H. Beck oHG, München ,2001, S 47

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Siedlungspolitik Portugals im 15. und 16 Jahrhundert
Hochschule
Universität Wien  (Geschichte)
Veranstaltung
Estado da India
Note
1
Autoren
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V90541
ISBN (eBook)
9783638047920
ISBN (Buch)
9783638944014
Dateigröße
636 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit beinhaltet die Siedlungspolitik der Portugiesen während ihrer exzessiven Seefahrerpolitik im 15. und 16 Jhd. Und die Portugiesen waren dafür bekannt, dass sie eigentlich nur gewissen Hafenstädten siedelten und nicht weitere Eroberungszüge ins Innere machten. Das unterschied sie von den Briten und von den Holländern. Die Ausnahme stellen Brasilien dar, das aber hier nicht weiter untersuch wurde.
Schlagworte
Siedlungspolitik, Portugals, Jahrhundert, Estado, India
Arbeit zitieren
Mag. Hannes Naderhirn (Autor)Dominik Spitz (Autor), 2008, Die Siedlungspolitik Portugals im 15. und 16 Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90541

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