Gegenstand dieser Arbeit ist das Element ideologischer Macht in grüner Ideologie am Beispiel der Windenergie. Die Frage richtet sich auf die Antriebskräfte der Verbreitung ökologischer Weltanschauung und auf deren Wirkung auf das Handeln. Der theoretische Zugriff erfolgt mit Hilfe von Michael Manns Theorie der Macht.
Kapitel 2 beginnt die Untersuchung mit dem theoretischen Zugriff auf den Gegenstandsbereich mit Michael Manns Theorie der Macht. Es werden die Formen der Macht und die Quellen der Macht kenntnisreich unterschieden. Im nachfolgenden 3. Kapitel geht es um die Ausarbeitung der ideologischen Macht im Blick auf Trägergruppen, Netzwerke, Medien, Akteure und Institutionen. Das Kapitel endet mit den Fragestellungen für die empirische Studie. Das 4. Kapitel zeichnet rekonstruktiv die grüne Ideologie nach ausgehend von der Frage, ob es sich hier um eine Ideologie handele über die Unterscheidung anthropozentrischer und physiozentrischer, holistisch-spiritueller Elemente ergänzt um Normen partizipativer Demokratie, sozialer Gerechtigkeit und Dezentralisation. Im Kapitel 5 geht es dann um ein besonderes Element der Ideologie, nämlich um die Ableitung des Sollens aus dem Sein, dargestellt an der Geschichte der Naturschutzthemen und des Risikodiskurses. Kapitel 6 ergänzt um Elemente sinnlicher und übersinnlicher Wahrnehmung, ritualistischer und ästhetischer Praktiken, sozialräumlicher Organisation und des Verhältnisses zur Wissenschaft. Eine Rolle spielt hier die Umsetzung der makroskopischen Betrachtungsweise in die Mikroanalyse der Strukturierung individuellen Handelns. Kapitel 7 beendet die Studie mit der Sekundärauswertung zweier Untersuchungen des soziologischen Forschungsinstitutes Göttingen zur Ausbreitung von Windenergieanlagen und Windenergieleistung,zu normativen, idealistischen, funktionalen, pragmatischen Motiven der Akteure, zu Organisationsformen und deren Veränderung über Zeit von sozialen Initiativen zu professionellen Branchen mit hohen technischen Anforderungen gestützt durch staatliche Förderinstrumente und Lobbyismus. Den Abschluss bildet der Übergang vom Umweltschutz zur Pluralität von Schutzprovinzen und deren Akteuren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Michael Manns Theorie der Macht
2.1 Die zentralen Thesen
2.2 Die menschliche Natur
2.3 Formen der Macht
2.4 Interstitielle Emergenzen oder das Aufkommen neuer Institutionen
2.5 Die vier Quellen der Macht und ihre Funktionen und Organisationen
2.5.1 Ideologische Macht
2.5.2 Ökonomische Macht
2.5.3 Militärische Macht
2.5.4 Politische Macht
2.6 Das Verhältnis der Machtquellen zueinander und die Geschichte der Macht
3. Vertiefung zu Michael Manns Theorie ideologischer Macht
3.1 Vorbedingungen ideologischer Macht
3.2 Warum werden Ideologien mächtig?
3.3 Wissenschaft und ideologische Macht
3.4 In welcher Form ist Ideologie heutzutage bedeutsam?
3.5 Fazit und Fragestellung
4. Kritiken, Alternativen und Strategien grüner Ideologien
4.1 Was ist „grüne Ideologie“?
4.2 Individuum und Natur
4.2.1 Die Beziehung des Menschen zur Natur: Naturethik
4.2.2 Die Beziehung des Menschen zur Natur: Der holistisch-spirituelle Ansatz
4.2.3 Gemäßigter Anthropozentrismus als mittlere Position
4.2.4 Individueller Verzicht
4.3 Grüne politische Ideale
4.3.1 Partizipative Demokratie
4.3.2 Dezentralisierung
4.3.3 Soziale Gerechtigkeit
4.3.4 Versuch der Einordnung grüner politischer Ideologie
4.4 Technische Strategien zur Lösung der Umweltkrise
4.4.1 Effizienzstrategie
4.4.2 Konsistenzstrategie
4.4.3 Ist der technische Ansatz pragmatisch oder utopisch?
5. Die Beziehung zwischen Sein und Sollen in grüner Ideologie
5.1 Die Bedeutung von Wissenschaft für grüne Ideologie
5.2 Der logische Fehlschluss vom Sein aufs Sollen
5.3 Der Einfluss von Werturteilen auf die Realitätsdeutung
5.4 Ökologischer Diskurs und Umweltbewegung
5.4.1 Wandel des ökologischen Diskurses und der Umweltbewegung in Deutschland
6. Zwischenfazit: Grüne Ideologie und Manns ideologische Macht
6.1 Funktionen der grünen Ideologie
6.1.1 Sinnstiftung
6.1.2 Normgebung
6.1.3 Ästhetische bzw. rituelle Praktiken
6.2 Zur sozialräumlichen Organisationsform grüner Ideologie
6.3 Warum ist grüne Ideologie mächtig geworden?
6.4 Die Bedeutung der Mikroebene grüner Ideologie
7. Ideologische Macht und die Entwicklung der Windenergie
7.1 Einleitung
7.1.1 Das Untersuchungsmaterial
7.1.2 Zahlen zur Windenergie in Deutschland
7.2 Die Phase vor Beginn des Handelns (Mitte der 70er bis Mitte der 80er Jahre)
7.2.1 Gesellschaftlicher Kontext und grüne Ideale
7.2.2 Die nicht vorhandene Organisation bzw. die fehlende Relevanz idealistischer Motive
7.3 Der Beginn des Handelns (ab Mitte der 80er Jahre)
7.3.1 Gesellschaftlicher Kontext und Windenergie als pragmatischer Idealismus
7.3.2 Die Organisationsform: Normen und Handeln
7.3.3 Idealistische Motive als Antrieb
7.4 Die Entwicklung gewinnt an Fahrt (ab Anfang der 90er Jahre)
7.4.1 Der Wandel des gesellschaftlichen Kontextes
7.4.2 Veränderungen in der Organisationsform
7.4.3 Die sinkende Relevanz idealistischer Motive
7.5 Die endgültige Kommerzialisierung (ab Mitte der 90er Jahre)
7.5.1 Der gesellschaftliche Kontext
7.5.2 Die kommerzielle Organisationsform
7.5.3 Die Bedeutung idealistischer Motive
7.6 Fazit zu Windenergie und ideologischer Macht
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Zustandekommen und die Wirkmacht grüner Ideologie, wobei Michael Manns Theorie der ideologischen Macht als Analyseinstrument dient. Ziel ist es, zu ergründen, warum diese Weltanschauung an Einfluss gewann und wie sie menschliches Handeln – konkret am Beispiel der Entwicklung der Windenergie in Deutschland – beeinflusst hat.
- Analyse der ideologischen Macht nach Michael Mann
- Inhaltliche Untersuchung grüner Ideologien
- Die Rolle der Wissenschaft und des ökologischen Diskurses
- Verhältnis von Sein und Sollen innerhalb grüner Ideologie
- Fallbeispiel: Entwicklung der Windenergie in Deutschland
Auszug aus dem Buch
2.1 Die zentralen Thesen
MANNS erste zentrale These lautet, dass Gesellschaften aus „vielfältigen, sich überlagernden und überschneidenden sozialräumlichen Machtgeflechten“ (MANN 1990, 14) bestehen. Gesellschaften sind keine einheitlichen sozialen Systeme und keine Gesamtheiten. Soziale Beziehungen können somit nicht auf ein Merkmal reduziert werden, wie etwa die „materielle Produktionsweise“, „Kultur“ oder das „Normensystem“.
Gesellschaft stellt keine unproblematische, einheitliche Totalität dar, wovon die soziologischen Orthodoxien wie Marxismus, Funktionalismus oder Theorie des Handelns ausgehen. Staat, Kultur und Wirtschaft sind nicht deckungsgleich. In dieser Hinsicht widerspricht MANN dem Strukturfunktionalismus PARSONS: „Societies are less ‚systems’ than places where different sources of social power interact“ (HALL, 468).
MANNS zweite Hauptthese ergibt sich aus dieser Annahme, dass Gesellschaften komplex sind und es keine Grundeinheit (wie etwa den Nationalstaat) gibt, die alle Aspekte umfasst. MANN definiert vier Hauptquellen von sozialer Macht: ideologische, ökonomische, militärische und politische Macht (IEMP: ideology, economy, military, politics). Im Gegensatz zu WEBER und MARX (und anderen Theoretikern) führt MANN das Militär als eigenständige Machtquelle an. Er analysiert die Wechselbeziehungen zwischen diesen Quellen, um Gesellschaften, ihre Struktur und ihre Geschichte zu beschreiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die rasante Entwicklung der Windenergie in Deutschland und fragt nach den zugrunde liegenden idealistischen Motiven sowie der Verbreitung der grünen Weltanschauung.
2. Michael Manns Theorie der Macht: Dieses Kapitel stellt Manns theoretisches Modell der vier Machtquellen (IEMP) vor, das als Analysewerkzeug für die gesamte Arbeit dient.
3. Vertiefung zu Michael Manns Theorie ideologischer Macht: Hier wird Manns Theorie durch kritische Auseinandersetzungen mit weiteren Autoren vertieft, wobei besonders das Aufkommen und die Wirkmacht von Ideologien im Fokus stehen.
4. Kritiken, Alternativen und Strategien grüner Ideologien: Dieses Kapitel analysiert Inhalte und Ziele grüner Ideologie, von Naturethik bis hin zu technischen Strategien zur Lösung der Umweltkrise.
5. Die Beziehung zwischen Sein und Sollen in grüner Ideologie: Es wird untersucht, wie wissenschaftliche Erkenntnisse und normative Vorstellungen innerhalb der grünen Bewegung miteinander verknüpft werden.
6. Zwischenfazit: Grüne Ideologie und Manns ideologische Macht: Das Kapitel wendet die theoretischen Erkenntnisse auf die untersuchten Inhalte grüner Ideologie an und hinterfragt die Bedeutung der Mikro- und Makroebene.
7. Ideologische Macht und die Entwicklung der Windenergie: Anhand des Fallbeispiels der Windenergie in Deutschland wird die Rolle ideologischer Macht im historischen Prozess nachgezeichnet.
Schlüsselwörter
Ideologische Macht, Michael Mann, Grüne Ideologie, Windenergie, Umweltbewegung, Ökologischer Diskurs, Soziale Machtquellen, Nachhaltigkeit, Partizipative Demokratie, Sinnstiftung, Normgebung, Konsistenzstrategie, Effizienzstrategie, Soziologie, Politische Ideale.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der grünen Ideologie im Kontext von Machtstrukturen und analysiert, warum diese Weltanschauung mächtig geworden ist und wie sie sich auf gesellschaftliches Handeln auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Machttheorie nach Michael Mann, grüne Ideologien, das Verhältnis von Mensch und Natur sowie die praktische Umsetzung von Umweltzielen in politischen und gesellschaftlichen Institutionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erforschung der Verbreitung grüner Weltanschauungen und deren Einfluss auf das Handeln, konkretisiert an der Entwicklung der Windenergie in Deutschland.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Michael Manns Theorie der ideologischen Macht als theoretisches Instrumentarium und wendet dieses auf die historische Entwicklung der Windenergie an, ergänzt durch die Auswertung soziologischer Studien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den theoretischen Grundlagen ideologischer Macht, einer inhaltlichen Kritik grüner Ansätze, der Rolle von Wissenschaft und Diskursen sowie dem Fallbeispiel der Windenergie in Deutschland.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Ideologische Macht, grüne Ideologie, Windenergie, IEMP-Modell, Umweltsoziologie, kollektives Handeln, ökologischer Diskurs und soziale Transformation.
Warum ist das Fallbeispiel der Windenergie besonders relevant?
Die Windenergie eignet sich als Fallbeispiel, da sie als konkretes Teilgebiet grüner Ideologie den Übergang von utopischen Idealen zu praktischer, kommerzialisierter Umsetzung und die damit verbundenen Zielkonflikte verdeutlicht.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Entwicklung der Windenergie?
Der Autor zeigt auf, dass der Erfolg der Windenergie durch eine zunehmende Institutionalisierung und Anpassung an ökonomische Notwendigkeiten erkauft wurde, was zu einer Abnahme der ursprünglichen idealistischen Intensität führte.
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- Oskar Marg (Author), 2008, Windenergie, grüne Ideologie und ideologische Macht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90545