In einer Zeit, in der Schlagwörter wie Globalisierung, Erhöhung der Wirtschaftlichkeit, zusammenwachsendes Europa, Migration und vieles mehr Teil des Alltags sind und in zunehmendem Maße unsere Sprachgewohnheiten und den Sprachgebrauch verändern, wandeln sich auch die Anforderungen an eine Sprachausbildung. Während die fremdsprachliche Ausbildung über weite Zeiträume hinweg ein mehr oder minder obligatorisches Schulfach bedeutete, und zwar zumeist in Form von Textarbeit und wenigen Sprechübungen, so ist sie heute Voraussetzung, um mithalten und überhaupt teilhaben zu können an den Neuerungen und Errungenschaften für das tägliche Leben und des immer rascheren technischen Fortschritts: Globalisierung, Migration, Tourismus, Bedarf an Sprachausbildung, Vereinigtes Europa, Schule, individuelle Interessen, Wirtschaft, Politik.
Gerade im Fremdsprachenunterricht sollen den Lernern Sprachstrukturen neben Bildern des Landes, in dem die zu lernende Sprache gesprochen wird, vermittelt werden, so aktuell und wirklichkeitsgetreu wie möglich. Anders kann dem Anspruch an umfangreiche und ad hoc verfügbare Sprachkenntnisse nicht genügt werden.
Eine Möglichkeit dafür bietet der Film, mit dessen Einsatz im Sprachunterricht sich diese Arbeit beschäftigen wird. Erste Begegnungen mit Sprachfilmen in der Schule werden – das läßt sich aus eigener Erfahrung sagen – recht unterschiedlich verarbeitet. So achten die Lernenden nicht unmittelbar nur auf den Inhalt des Films. In Bezug auf heutige Ansprüche an Outfit, Gestik und Mimik und geschuldet der Tatsache, daß wir in einer fernsehverwöhnten Gesellschaft leben, in der Moden und Stile via Bildschirm in horrendem Tempo präsentiert werden, hat folglich der Einsatz von Filmen im Fremdsprachenunterricht aktuell, zeit- und trendgemäß zu sein, damit der Lernstoff von den Lernenden angenommen und umgesetzt zu werden überhaupt eine Chance hat. Um am Puls der Zeit zu bleiben, wären immer wieder neue Filme zu erstellen, nicht nur für die Schule, sondern auch für alle anderen Institutionen der Sprachausbildung einschließlich individueller Angebote. Wie der Film eingesetzt werden kann, welche Voraussetzungen didaktischer u. materieller Art gegeben sein müssen, ob er Merkfähigkeit unterstützen, fördern und erhöhen kann, um damit letztlich dem Lerner AHA-Erlebnisse, die zum Sprachenlernen motivieren und Freude bringen, zu verschaffen, ist ebenso Teil der vorliegenden Arbeit wie eine kleine verbale Expedition in die Welt von Multimedia.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
I. Lerner im Fremdsprachenunterricht
1. Das Lernen – was es ist und wie es funktioniert
1.1. Lernen in der Informationsgesellschaft
1.2. Lerntheorien
1.2.1. Behaviorismus,
1.2.2. Kognition
1.2.3. konstruktivistische Lerntheorie
1.3. Lernertyp
1.4. Lernstrategien
1.5. Lernformen
1.5.1. e-learning,
1.5.2. blended learning.
II. Lehrmethoden im Fremdsprachenunterricht – Entwicklung und Perspektive
2. Allgemeines und Übersicht
2.1. Fertigkeiten,
III. Lehrer im Fremdsprachenunterricht
3. Didaktik - Modelle, Theorien, Konzepte
3.1. Modelle und Theorien.
3.1.1. konstruktivistische Didaktik.
3.1.2. Interdependenzthese
3.1.3. Prinzip der Variabilität
3.2. Lernumgebung
3.3. Gestaltung des Unterrichts
IV. Multimedia
4. Medien – Historie, Definition und Aufgabe
4.1. Didaktische Medien
4.1.1 Visuelle Medien
4.1.2. Auditive Medien
4.1.3. Audiovisuelle Medien
4.2. Lernen mit Multimedia
4.3. Medientaxonomie
4.4. Medienkompetenz
V. Video im Fremdsprachenunterricht
5. Historie und Allgemeines
5.1. Die Diskussion um den Einsatz von Video im FSU
5.1.1. Was der Einsatz von Film/Video im FSU fördern kann - Vorteile
5.1.2. Kritisches zum Filmeinsatz
5.2. Seh-Verstehen
5.3. Filmwahrnehmung
5.3.1. Audiovisuell – Verhältnis visueller Wahrnehmung zum Verbalen in Film/Video
5.3.2. Wahrnehmung, Emotion, Kognition
5.4. Kleines filmtechnisches Lexikon
5.4.1. Bildtechnik
5.4.2. Tontechnik
5.5. Filmkompetenz
5.6. Drehbuch eines Films
5.7. Filmsprache
5.8. Mediendidaktische Reflexionen für den Unterricht mit Film/Video
5.8.1. Motivations- und Durchführungskompetenz
5.8.2. Arbeit mit Filmen im Fremdsprachenunterricht – Übungen
5.9. Beschreibungs- und Beurteilungskriterien für Video-Lehrmaterialien
5.9.1. Untersuchung einer Videosequenz innerhalb des Deutsch als Fremdsprache Kurses „Studio D“
VI. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einsatz von Film und Video als spezielles Multimedia-Teilgebiet im Fremdsprachenunterricht. Dabei wird das Spannungsfeld zwischen traditioneller, lehrerfixierter Vermittlung und modernen, konstruktivistischen Lernanforderungen analysiert, mit dem Ziel, praktische Ansätze für einen didaktisch sinnvollen Medieneinsatz zu definieren.
- Analyse aktueller Lerntheorien und deren Bedeutung für den modernen Fremdsprachenunterricht.
- Untersuchung der Rolle des Lehrers und der didaktischen Gestaltung von Lernumgebungen.
- Einführung in die Medientaxonomie und die Entwicklung von Medienkompetenz bei Lehrenden und Lernenden.
- Kritische Reflexion des Einsatzes von Film und Video unter Berücksichtigung von Sehverstehen und Filmwahrnehmung.
- Praktische Kriterien zur Auswahl und Beurteilung von Video-Lehrmaterialien für den Fremdsprachenunterricht.
Auszug aus dem Buch
5.1.1. Was der Einsatz von Film/Video im FSU fördern kann - Vorteile
„Eine Sprache lernen bedeutet, ihr so oft wie möglich zu begegnen, und wenn nur eben möglich in authentischen Situationen. Die Betrachtung und Analyse eines [….] Films fördert die Verlebendigung des Sprachenlernens durch die Veränderung der traditionellen Lernsituationen und fügt einen weiteren Legostein in Richtung auf die in der heutigen Didaktik geforderte Öffnung des Klassenzimmers hinzu. Die authentischen und aktuellen Materialien aktivieren [….] nicht nur die Ganzheitlichkeit der Wahrnehmung mit allen Sinnen, sondern durch vielfältige und lernerorientierte Sprechanlässe auch einen produkt- und handlungsorientierten Unterricht.“ Im Gegensatz zum Lehr- oder gar Wörterbuch können Filme und Videos kommunikative Situationen vollständig und im Zusammenhang darstellen. Sie verzahnen verschiedene sprachliche Fertigkeiten (siehe unter Kapitel Fertigkeiten). Der Konsument hört u n d sieht, mehrere Sinne sprechen zugleich an. Sogenannte suprasegmentale Faktoren wie Alter, Geschlecht, Kleidung, Beziehung zu anderen Kommunikationspartnern etc. sowie Stimmungen und Gefühle werden dem Zuschauer(-hörer) neben der Haupthandlung in gleichem Maße vermittelt, wie paralinguistische Faktoren, z. B. Gestik und Mimik, das Verständnis verbaler Äußerungen erleichtern. „Das Fernsehen kann Personen in typischen und für die Sprachformen bedeutsamen Situationen zeigen und das Augenmerk der Lernenden auf die spezifischen Faktoren des Redens und Agierens lenken, die weder vom Buch noch in aller Regel von der Sprechweise des Lehrers abzulesen sind: Gesten, Mimik, außersprachliches Gesamtverhalten, Rituale usw.“
Zusammenfassung der Kapitel
I. Lerner im Fremdsprachenunterricht: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Grundlagen des Lernens in der modernen Informationsgesellschaft, betrachtet verschiedene Lerntheorien wie den Konstruktivismus und analysiert unterschiedliche Lernertypen und -strategien.
II. Lehrmethoden im Fremdsprachenunterricht – Entwicklung und Perspektive: Das Kapitel gibt einen Überblick über die historische Entwicklung von Sprachlehrmethoden und stellt die zentralen, im Unterricht zu fördernden Fertigkeiten in den Mittelpunkt.
III. Lehrer im Fremdsprachenunterricht: Hier werden didaktische Modelle, wie das Prinzip der Interdependenz und der Variabilität, erläutert, um die Gestaltung von Lernumgebungen und die Rolle des Lehrenden im konstruktivistischen Kontext zu beleuchten.
IV. Multimedia: Das Kapitel definiert Medien und Multimedia, erläutert deren Aufgaben im Bildungskontext und führt in die theoretischen Grundlagen der Medienkompetenz und Medientaxonomie ein.
V. Video im Fremdsprachenunterricht: Dieses umfangreiche Kapitel widmet sich der Geschichte, dem Nutzen und der Kritik des Filmeinsatzes im Unterricht. Es deckt Themen wie Seh-Verstehen, Filmwahrnehmung, technische Grundlagen, Drehbucherstellung und spezifische didaktische Reflexionen ab.
VI. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass der gezielte, didaktisch reflektierte Einsatz von Film und Video einen wesentlichen Beitrag zu einem abwechslungsreichen und motivierenden Fremdsprachenunterricht leistet.
Schlüsselwörter
Fremdsprachenunterricht, Multimedia, Konstruktivismus, Medienkompetenz, Filmlesefähigkeit, Audiovisuelle Medien, Sehverstehen, Didaktik, Sprachvermittlung, Lernerautonomie, Lernstrategien, Filmanalyse, Filmwahrnehmung, Bild-Ton-Schere, Blended Learning.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration von Filmen und Videos in den Fremdsprachenunterricht und untersucht, wie dieses Medium den Lernprozess unter didaktischen Gesichtspunkten bereichern kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Lerntheorien, die Rolle des Lehrers, der Einsatz von Multimedia im Unterricht, die spezifische Didaktik des Filmsehens sowie die methodische Aufbereitung von Videomaterial.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ein konstruktivistischer und authentischer Medieneinsatz das Interesse und die Motivation der Lernenden steigern und den Spracherwerb nachhaltiger gestalten kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse, die Integration didaktischer Modelle und eine beispielhafte Untersuchung von Lehrmaterialien (z.B. "Studio D").
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zum Lernen und zur Didaktik, einen umfassenden Medienteil und einen detaillierten Abschnitt zum Filmeinsatz, inklusive praktischer Tipps für die Unterrichtsgestaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Medienkompetenz", "Konstruktivismus", "Audiovisuelle Medien", "Filmlesefähigkeit" und "Sprachvermittlung" charakterisiert.
Warum ist die "Bild-Ton-Schere" für den Fremdsprachenlehrer relevant?
Sie ist relevant, da eine Diskrepanz zwischen Bild und Ton den Rezipienten kognitiv überfordern kann, weshalb der Lehrer bei der Planung darauf achten muss, dass sich Bild und Ton gegenseitig unterstützen statt zu verwirren.
Welche Anforderungen stellt ein "didaktisches Drehbuch" an den Lehrenden?
Es erfordert, dass der Lehrer nicht nur konsumiert, sondern das Filmmaterial detailliert analysiert, didaktisch einbettet und spezifische Aufgaben entwickelt, die über die reine Filmvorführung hinausgehen.
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- Diplomgermanistin Dorothee Noras (Autor), 2006, Film und Video im Fremdsprachenunterricht im Spannungsfeld didaktischer Gestaltung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90549