Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Psychologie - Beratung und Therapie

Sensibilisierung für typische Aspekte von transgenerationaler Kriegstraumatisierung im Rahmen von Traumatherapie bei Flüchtlingen

Titel: Sensibilisierung für typische Aspekte von transgenerationaler Kriegstraumatisierung im Rahmen von Traumatherapie bei Flüchtlingen

Wissenschaftliche Studie , 2020 , 56 Seiten , Note: 250 von 250 Punkten

Autor:in: Dr. Ilona Hündgen (Autor:in)

Psychologie - Beratung und Therapie
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Gegenstand der vorliegenden Facharbeit (Abschlussarbeit) ist der Fall der heute volljährigen Frau A. (Name geändert), die im Kindesalter mit ihrer kriegstraumatisierten Mutter und mit Geschwistern aus einem Kriegsland nach Deutschland geflohen war. Frau A. hatte die Bedrohungen des Krieges im Heimatland tagtäglich direkt, aber im Schutz der Mutter und der Familie - bei oft abwesendem Vater - miterlebt. In der vorliegenden Arbeit wird zu ermitteln versucht, ob die zahlreichen Symptome von Frau A. durch die Annahme von indirekt-transgenerationaler Kriegstraumatisierung erklärbar oder zumindest miterklärbar sind.

Die vorliegende Facharbeit ist als wissenschaftliche Studie angelegt. Es handelt sich um eine qualitative literaturanalytische Arbeit mit empirisch-investigativer deduktiver Komponente. Auf der Grundlage von typischen Aspekten transgenerationaler Kriegstraumatisierung, die exemplarisch auf der Grundlage von Forschungsliteratur erarbeitet wurden, wird geprüft, ob sich Symptome und auffällige Verhaltensmerkmale der Probandin, die durch transgenerationale Kriegstraumatisierung verursacht oder mitverursacht sein könnten, diesen typischen Aspekten zuordnen lassen (Deduktion).
Die empirischen Daten stammen aus einem ausführlichen initialen Interview mit der Probandin, aus weiteren Gesprächen, aus Beobachtungen im Rahmen eines beruflichen Coachings sowie aus einer Befragung der Eltern von Frau A. Auf dieser Grundlage werden Hypothesen darüber aufgestellt, ob und in welcher Hinsicht bei meiner Probandin transgenerationale Kriegstraumatisierung vorliegen könnte.

Zahlreiche Kriegsenkel und deren Nachfahren leiden darunter, dass sie selbst nicht wissen, dass sie transgenerational kriegstraumatisiert sind, und/oder dass Therapeuten transgenerationales Kriegstrauma oft nicht als Krankheitsursache erkennen und anerkennen. Ohne therapeutische Bearbeitung der Kriegstraumatisierungen kann jedoch oft keine nachhaltige Besserung erzielt werden. Gerade bei Flüchtlingen können TraumaberaterInnen und -therapeutInnen mit hochkomplexen Situationen konfrontiert sein, für die sie oft nicht ausreichend sensibilisiert und ausgebildet sind. Um das Leid der Betroffenen zu lindern, tut vor allem Aufklärung durch Psychoedukation Not.

Das Buch führt leicht verständlich in das komplexe Thema der transgenerationalen Kriegstraumatisierung ein.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen

2.1 Ziel der Arbeit, Leitfragen, Themeneingrenzung

2.2 Methodik, Forschungsdesign, Durchführung

2.3 Probandenauswahl

2.4 Definitionen

3. Grundlagen transgenerationaler Kriegstraumatisierung

3.1 Transgenerationales Kriegstrauma als Entwicklungs- und Bindungstrauma

3.2 Kulturelle Vorüberlegungen

4. Fallanalyse

4.1 Fallbeschreibung

4.2 Transgenerationales Kriegstrauma und Bindungsdynamik

4.3 Verdachtsdiagnose

5. Typische Merkmale transgenerationaler Kriegstraumatisierung

5.1 Kinder als Container für Traumaerleben der Eltern, indirekt-stellvertretendes Erleben

5.2 Anwesenheit von Unfassbar-Fremdem durch Schweigen der Eltern

5.3 Selbstopferung: Schutz der Eltern, Parentifizierung, Überholverbot

5.4 Konfluenz, unklare Grenzen

5.5 Vermeidungsverhalten, Selbstsabotage

6. Reflexion und Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer qualitativen Einzelfallanalyse, ob und wie bei einer in den Krieg hineingeborenen Probandin Anzeichen für eine indirekt-transgenerationale Kriegstraumatisierung vorliegen und welche Implikationen sich daraus für eine psychologische Begleitung ergeben.

  • Transgenerationale Weitergabe von Kriegstraumata
  • Bindungsdynamiken zwischen traumatisierten Eltern und ihren Nachkommen
  • Psychosomatische Auswirkungen und Symptompräsentation
  • Rolle von Kultur und Erziehung bei der Traumaübertragung
  • Ansätze für Traumaberatung und -therapie

Auszug aus dem Buch

3.1 Transgenerationales Kriegstrauma als Entwicklungs- und Bindungstrauma

Ein „Trauma“ ist ein „vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltbild“ verursacht (FISCHER 2009, S. 84).

Üblicherweise denkt man bei „Kriegstrauma“ zuerst an im Krieg erlebte Schocktraumen (vgl. SAUTTER, S. 133 ff.). Meine Probandin war jedoch nach Angaben ihrer Eltern weder direkt mit einem einzelnen drastischen Kriegsereignis konfrontiert (s. Kap. 4.3) noch traten bei ihr bisher direkte Traumafolgestörungen (vgl. Abb. 3 in Kap. 8.1) auf. Deshalb hält sich Frau A. für „nicht kriegstraumatisiert“. PTBS bricht jedoch nicht selten erst im Alter aus (vgl. SCHRADER 2013), wenn mehr Ruhe ins Leben eingetreten ist und Unterdrückungsmechanismen des Verstandes schlechter funktionieren. Da PTBS zudem chronifizieren kann, sollte im Fall einer PTBS-Diagnose schnellstmöglich mit Traumatherapie begonnen werden. Kindheitstraumata wirken lebenslänglich, und Zeit allein heilt die entstandenen Wunden nicht (SCHICKEDANZ 2012, S. 71).

Auch objektiv harmlose Ereignisse können von Kindern subjektiv als lebensgefährlich erlebt werden und schwere Traumata auslösen (s. Seite 1; vgl. CHARF 2019). Ob und wie ein Ereignis traumatisiert, entscheidet sich in der Person (Vulnerabilitäten, Resilienzen, Ressourcen) und nur sekundär durch die Ereignisfaktoren. Sicher ist jedoch, dass Frau A. zahlreichen objektiv gefährlichen direkten täglichen Kriegsbedrohungen ausgesetzt war (Sirenengeheul, Detonationen, Flucht). Jedoch war die Mutter von Frau A., was bindungstechnisch entscheidend ist, bei Gefahren angeblich immer verfügbar (vgl. Kap. 4). Kriegstraumata können die Vulnerabilität erhöhen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Traumaforschung und führt in die Fragestellung der Arbeit ein, ob Symptome der Probandin auf eine indirekt-transgenerationale Kriegstraumatisierung zurückzuführen sind.

2. Grundlagen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe, beschreibt das qualitative Forschungsdesign der Einzelfallanalyse und erläutert die Methoden der Datenerhebung.

3. Grundlagen transgenerationaler Kriegstraumatisierung: Es werden theoretische Ansätze zur Entstehung von Traumata sowie die Mechanismen der generationsübergreifenden Übertragung durch Bindung und Interaktion beleuchtet.

4. Fallanalyse: Hier wird der Einzelfall der Probandin dargestellt, ihre Familiengeschichte analysiert und die Hypothese einer sequenziell-kumulativen Traumatisierung formuliert.

5. Typische Merkmale transgenerationaler Kriegstraumatisierung: Anhand ausgewählter Aspekte wie Parentifizierung, Konfluenz und Vermeidungsverhalten werden die Symptome der Probandin mit wissenschaftlichen Erkenntnissen in Beziehung gesetzt.

6. Reflexion und Schlussbemerkungen: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion der Ergebnisse und plädiert für eine stärkere Sensibilisierung im Gesundheitswesen sowie für spezifische therapeutische Ansätze.

Schlüsselwörter

Transgenerationale Traumatisierung, Kriegstrauma, Bindungstrauma, Entwicklungspsychologie, Epigenetik, Fallanalyse, Trauma-Introjekte, Parentifizierung, Psychosomatik, Vermeidungsverhalten, Selbstsabotage, Traumatherapie, Flucht, Kriegsenkel, Psychoedukation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Kriegstraumata von Eltern indirekt an nachfolgende Generationen weitergegeben werden und welche Auswirkungen dies auf deren psychische und physische Gesundheit hat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen transgenerationale Traumaübertragung, Bindungsdynamiken, die Rolle der Epigenetik bei Stress sowie Auswirkungen von Kindheitstraumata auf das Erwachsenenleben.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Untersuchung, ob die Symptomatik einer volljährigen Probandin durch eine indirekt-transgenerationale Kriegstraumatisierung erklärbar ist, die sie trotz einer Geburt in sichereren Verhältnissen durch ihre kriegstraumatisierten Eltern erworben hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine qualitative literaturanalytische Arbeit mit einer empirisch-investigativen, deduktiven Komponente in Form einer Einzelfallanalyse.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert theoretische Grundlagen, führt eine detaillierte Fallanalyse durch und stellt typische Merkmale wie Parentifizierung und Vermeidungsverhalten den Beobachtungen bei der Probandin gegenüber.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie transgenerationale Traumatisierung, Bindungstrauma, Trauma-Introjekte, Selbstsabotage und Traumatherapie charakterisieren.

Welche Rolle spielt die Probandin in dieser Untersuchung?

Die Probandin dient als Fallbeispiel, anhand dessen die Auswirkungen transgenerationaler Traumatisierung konkretisiert und mit theoretischen Modellen aus der psychologischen Forschung abgeglichen werden.

Warum ist die Abgrenzung von "direkter" und "indirekter" Traumatisierung so wichtig?

Die Unterscheidung ist für die therapeutische Arbeit entscheidend, da sich die Entstehungsweise des Traumas – entweder durch eigenes Erleben von Gewalt oder durch die Übernahme von Belastungen der Eltern – auf die therapeutischen Interventionsansätze auswirkt.

Welche Bedeutung kommt der "Parentifizierung" im vorliegenden Fall zu?

Parentifizierung beschreibt hierbei die Rollenumkehr, bei der das Kind Aufgaben und Verantwortung für die emotional überlasteten oder traumatisierten Eltern übernimmt, was zu einer Vernachlässigung der eigenen kindlichen Bedürfnisse führt.

Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Therapie?

Die Autorin betont die Notwendigkeit einer systemisch-transgenerationalen Traumatherapie, die den Fokus auf die Ablösung von elterlichen Introjekten und die Aktivierung eigener Ressourcen legt.

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Sensibilisierung für typische Aspekte von transgenerationaler Kriegstraumatisierung im Rahmen von Traumatherapie bei Flüchtlingen
Veranstaltung
Integrale Traumatherapie
Note
250 von 250 Punkten
Autor
Dr. Ilona Hündgen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
56
Katalognummer
V905594
ISBN (eBook)
9783346214744
ISBN (Buch)
9783346214751
Sprache
Deutsch
Schlagworte
trauma traumatherapie kriegstrauma transgenerational kriegstraumatisierung ererbtes trauma ilona hündgen hündgen hypnosis center münchen coaching studie wissenschaftliche studie wissenschaft hypnose hypnotherapie hypnosetherapie therapie flucht flüchtlinge migration psychotrauma transgenerationales kriegstrauma geerbtes trauma vererbtes trauma trauma geerbt trauma vererbt psychotherapie systemisch systemische therapie hypnosis center münchen heilpraktiker heilpraxis sabine bode marianne rauwald luise reddemann bode rauwald reddemann transgeneratinale kriegstraumatisierung kriegskinder kriegsenkel transgenerationales trauma vererbtes kriegstrauma ererbtes kriegstrauma geerbtes kriegstrauma generationsübergreifend transgenerationale therapie therapie transgenerational therapieverfahren trauma ererbt integrale traumatherapie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dr. Ilona Hündgen (Autor:in), 2020, Sensibilisierung für typische Aspekte von transgenerationaler Kriegstraumatisierung im Rahmen von Traumatherapie bei Flüchtlingen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/905594
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  56  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum