Alfons der Weise und die Juden


Seminararbeit, 2008

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 „El concepto cultural alfonsí“
2.1 Alfons X
2.2 Die Stellung der Juden in der christlichen Gesellschaft
2.3 Toledo – Brücke zwischen Orient und Okzident
2.3.1 Die Geschichte der Übersetzerschulen
2.3.2 Die Übersetzerschule von Toledo
2.4 Die Sepharden als Wissensträger und Forscher
2.5 Alfons der Weise – Förderer der Wissenschaften
2.5.1 Die Alfonsinischen Tafeln
2.5.2 „El castellano drecho“
2.6 „Las siete partidas“
2.6.1 „De los judíos“
2.6.2 Alfons X und die Juden – eine Zweckbeziehung?

3 Resümee

4 Bibliographie

1 Einleitung

Mit der Tempelzerstörung begann die Emigration der Juden aus Babylonien, die so genannte Diaspora. Viele der Juden siedelten sich auf der iberischen Halbinsel, welche als Heimat der Juden in der Diaspora unter dem Namen Sephardim bekannt wurde, an. Keller (1967: 135) bezeichnet die sephardischen Juden als die gebildetsten und kultiviertesten ihrer Glaubensgemeinschaft in der ganzen Welt. Daher verwundert es nicht, dass sie eine einmalige Rolle als Wissensträger in der Kultivierung der Pyrenäenhalbinsel und insbesondere im Königreich Kastilien-Leon unter Alfons X, der sich dank seiner Tätigkeit als Mäzen der Wissenschaften das Attribut „der Weise“ verdiente, einnahmen. Mit der vorliegenden Arbeit möchte ich das Wirken der Juden unter Alfons X und die Motivation für dessen Förderung näher beleuchten. Dabei werde ich insbesondere auf die Bedeutung der Übersetzerschule von Toledo als vermittelnde Instanz zwischen der arabischen und christlichen Kultur und die gesellschaftliche und juristische Stellung der Sepharden unter dem weisen König eingehen und dessen Haltung gegenüber seinen jüdischen Untertanen diskutieren.

Ich habe mich dazu entschieden, die fremdsprachlichen Zitate nicht zu übersetzen, da dies zur Verfälschung der Intensionen der Autoren führen hätte können.

2 „El concepto cultural alfonsí“

2.1 Alfons X

Als Alfons X (1221-1284) im Jahre 1252 den kastilischen Thron bestieg, setzte er damit die Arbeit seines Vaters Ferdinand III fort und ließ dank seiner umfangreichen kulturellen Förderungen sein Königreich zum mächtigsten der iberischen Halbinsel und zum Mittelpunkt der europäischen Gelehrtenwelt avancieren.

Darüber hinaus war er ein großer Eroberer in der Reconquista gewesen und hatte im Laufe seiner Regentschaft als König von Kastilien und Leon, auch die Obermacht über Galicien, Sevilla, Córdoba, Murcia, Jaén und die Algarve erlangt. (Keller 1967: 143)

Mit der Annexion dieser Gebiete, die daraufhin gezwungenermaßen von den Mudejaren verlassen werden mussten, begann Alfons deren Wiederbesiedlung. Damit einher ging die Einführung des kastilischen Rechtssystems, die Verbreitung des castellano drecho und der kastilischen Kultur. (Cano 2004: 367)

Cano (2004: 368) beschreibt die Herrschaftsstrukturen unter dem weisen König wie folgt:

„En la concepción alfonsina del poder real, se asumen todas las competencias

de la monarquía feudal; pero se añaden otras de gran importancia: el

monopolio de fazer leyes y el monopolio de la administración de justicia.“

Dies verdeutlicht, dass Alfons der Weise mit seiner Machtkonzentration für die damalige Zeit neue Wege einschlug, indem er so die schleichende Entmachtung des Adels und die Beschneidung ihrer bisherigen Privilegien iniziierte:

„[...] los nobles consideraban que sus fueros y privilegios habían sido conculcados sistemáticamente por el rey y de muchas maneras: «congelando» las consignaciones o soldadas vasalláticas [...] que percibían anualmente del rey; recuperando para la corona propriedades o realengos de los que anteriormente se beneficiaba la nobleza; reduciendo prácticamente a la nada creación de nuevos señoríos nobiliarios o la cesión a la nobleza de rentas de la corona.“ (ebd.: 368-389)

Mit diesen Maßnahmen provozierte Alfons X wachsenden Unmut unter seinen adligen Untertanen. Die mit der Vereinheitlichung der Gewichte, Maßeinheiten und des Geldes verbundenen Probleme ließen darüber hinaus das Ansehen des Königs in der restlichen Bevölkerung sinken. (ebd.: 368)

Die Machtkämpfe zwischen Alfons dem Weisen und seinem Sohn gegen Ende seiner Regentschaft brachten das Königreich in eine politisch instabile Lage, welche in dessen Amtsenthebung im Jahre 1282 uferte. (ebd.: 371)

Mit seiner Toleranz gegenüber den Juden und Mauren und der Förderung des interkulturellen wissenschaftlichen Austausches legte er einen für das Mittelalter einmaligen Grundstein für die Gelehrten Europas in Toledo und verdiente sich so zu Recht das Attribut „der Weise“.

„[…] la vida española venía haciendo posibles en determinados ambientes

unas condiciones únicas para la colaboración intelectual entre gentes de

diversas religiones. El intercambio científico en que asienta la tarea alfonsí

era en España un fenómeno decididamente urbano y centrado

mayoritariamente sobre Toledo. Una tradición única y autóctona para la cual

moros y judíos, y no ya clérigos, encarnaban el ideal de la más alta cultura

profana.” (Márquez Villanueva 1995²: 69)

Die Bedeutung der unter seiner Schirmherrschaft entstandenen Werke und die Bedingungen, die diese erst ermöglichten, sollen in den nächsten Kapiteln detaillierter dargestellt werden.

Alfons Wirken kann als die Schaffung der grundlegenden Voraussetzungen für einen modernen Staat zusammengefasst werden. (Cano 2004: 386)

2.2 Die Stellung der Juden in der christlichen Gesellschaft

Da die Verbundenheit mit dem Christentum im Mittelalter noch stark in der morgenländischen Bevölkerung verankert war, möchte ich an dieser Stelle zwei damals zeitgenössische Sichten der Kirche auf die Juden vorstellen: Die gemäßigte wurde bereits von Augustin, welcher von 354 bis 430 lebte, formuliert:

„[…] Jews should be tolerated in the Christian countries, but only as proof of

the truth of Christian doctrine, as witnessed by the Jewish scriptures themselves.

The Jews were only to maintain their communities so that they could be

converted en bloc to the true Christian faith in the fullness of time.”

(Trauter-Kromann 1993: 32-33)

Vertreter dieser Sichtweise tolerierten die jüdischen Mitbürger in Erwartung auf deren Erleuchtung und freiwilligen Übertritt zum Christentum. Daher hinderten sie die jüdischen Gemeinden auch nicht an der Ausübung ihrer Religion. (ebd.: 33)

Die Anhänger des zweiten Standpunktes, vertraten eine extremere Haltung:

“The extremists, including the two mendicant orders, believed that there was

nothing to justify the existence of the Jews, and that the only alternatives were conversion to Cristianity and expulsion or death.” (ebd.: 33)

Ebenso wie die Gemäßigten sahen sie die Juden als Gottesmörder an, die auf Grund dessen ärmste Lebensbedingungen zu ertragen hätten und das Eigentum des Herrschers sein sollten. Sie forderten jedoch darüber hinaus die Zwangskonversion der jüdischen Bevölkerung.

Die Extremen erlangten aber nur langsam und endgültig nach dem Tod Alfons des Weisen die Oberhand in Spanien, da die Herrscher die Juden für die Finanzierung der Reconquista durch Steuereinnahmen benötigten. (ebd.: 33)

Die Zahl der Juden in Aragon und Kastilien des 13.Jahrhunderts wurde bisher auf 234.000 geschätzt. Ben-Chanan (1999: 17) geht aber davon aus, dass diese Zahl zu hoch angesetzt sei. Sicher sei nur, dass im 14.Jahrhundert 120 jüdische Gemeinden existiert haben.

Entgegen der weit verbreiteten Behauptung Juden wären hauptsächlich im Geldwesen tätig gewesen, betrieben sie in den spanischen Königreichen vornehmlich Ackerbau und Viehzucht oder führten handwerkliche Berufe aus. Eine Minderheit arbeitete als Verwalter, Kaufleute oder Finanziers. (Rehrmann 2002: 68)

2.3 Toledo – Brücke zwischen Orient und Okzident

2.3.1 Die Geschichte der Übersetzerschulen

Die Wurzeln der spanischen kulturellen wie auch intellektuellen Blüte liegen im Orient. Dort gründete der Kalif al-Ma’mun, welcher in der Zeit von 813 bis 833 lebte, die erste Übersetzerschule. Diese sollte den Namen Bayt al-Hikma, das Haus des Wissens, erhalten. Dort wurden Texte aus dem Griechischen ins Arabische übertragen und auf diese Weise das Wissen der griechischen Antike konserviert und im Morgenland in arabischer Sprache gelehrt. (Márquez Villanueva 1995²: 74)

Mit der rasanten Verbreitung des Islams über Nordafrika bis nach Spanien, hielt hier auch das Zeitalter des Wissens Einzug. Nach dem Bagdader Vorbild wurden zahlreiche weitere Schulen erst im Al-Andalús, so zum Beispiel die in Córdoba von mozarabischen Mönchen, und später auch im christlichen Spanien gegründet. (ebd.: 75)

Márquez Villanueva (ebd.: 76) geht davon aus, dass derartigen Einrichtungen eine nicht unwesentlich ausgebaute Infrastruktur zu Grunde liegen muss um die Bereitstellung von für Übersetzertätigkeiten unabdinglichen Hilfsmitteln gewährleisten zu können. In erster Linie handelt es sich dabei natürlich um Schreibutensilien und Papier, welche in der damaligen Zeit sehr teuer waren und auf Grund dessen nur Privilegierten zur Verfügung gestanden haben.

Die Araber hatten zuvor die Fertigkeit Papier herzustellen, von den Chinesen abgeschaut und in den Süden der iberischen Halbinsel gebracht. Dabei ist in erster Linie Valencia hervorzuheben, wo selbst Papier hergestellt wurde. Inwieweit die Kastilier dazu ebenfalls befähigt waren, wäre in einer eigenständigen Hausarbeit zu diskutieren. Waren sie es jedoch nicht, so ist anzunehmen, dass sie noch auf Leder schrieben.

Den Übersetzerschulen waren Bibliotheken angegliedert, in denen das kostbare Wissen verwahrt wurde. (ebd.: 76)

2.3.2 Die Übersetzerschule von Toledo

Wurde das Gedankengut der griechischen Antike schon lang im Al-Andalus von den Arabern rezipiert, so bekam das Wissen der arabischen Welt 1150 mit der Gründung der Übersetzerschule von Toledo durch Erzbischof Raimund seinen ersten Förderer im christlichen Spanien. Zu keiner Zeit jedoch fand die toledaner Übersetzerschule als Institution Erwähnung:

„[...] no hubo un edificio o establecimiento público en el que se impatiera una instrucción, no hubo un maestros que enseñaran la teoría o la práctica de este

saber a unos discípulos concretos; ni tampoco existió [...]un modo de hacer

común, compartido por un grupo de expertos con una misma orientación,

dirigidos o impulsados por las instrucciones emanadas de don Raimundo o

sus sucesores.” (Sáenz-Badillos 1996: 66)

Fest steht, dass die Übersetzer finanzielle Unterstützung erhielten (ebd.: 66), sei es während der ersten Hochphase der Schule unter Raimund (1130-1187) oder während der zweiten unter Alfons dem Weisen (1152-1284). (Rehrmann 2002: 63) In welchem Ausmaß die Tätigkeiten jedoch zentralisiert waren, bleibt zumindest unter Raimund nur zu erahnen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Alfons der Weise und die Juden
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
PS Das Jüdische in der spanischen Kultur
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V90567
ISBN (eBook)
9783638046879
ISBN (Buch)
9783638953665
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alfons, Weise, Juden, Jüdische, Kultur
Arbeit zitieren
Stefanie Schumann (Autor:in), 2008, Alfons der Weise und die Juden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90567

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