Hinter dem für diese Diplomarbeit gewähltem Thema „Humor als Kommunikationsmedium in der Sozialen Arbeit“ verbirgt sich eine Auseinandersetzung mit alternativen Interaktionsschemata zum Umgang zwischen Professionellen untereinander und zwischen diesen und der Klientel. Aber auch der Bereich der Klientel im Bezug zu ihrer Umwelt kann und soll dabei abgedeckt werden.
Aufgebaut wird auf Erlebnissen aus der Praxis, in denen Kommunikation durch verschiedene störende Elemente erschwert wurde und zu unerwünschten bis hin zu falschen Ergebnissen führte.
In der vorliegenden Arbeit soll aufgezeigt werden, ob und wie die Verwendung von Humor als kommunikatives Medium diesen Problemen entgegengesetzt werden kann und welche Auswirkungen zu erwarten sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einführung
3. Kommunikation
3.1 Ebenen der Kommunikation
3.1.1 Digitale und Analoge Ebene
3.1.2 Verbale und nonverbale Kommunikation
3.1.3 Inhalts- und Beziehungsebene
3.2 Kommunikationsprobleme
3.2.1 Kommunikation als Indikator gesellschaftlicher Rangordnung
3.3 Zusammenfassung
4. Humor – Eine Gegenstandsanalyse
4.1 „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“
4.2 Verwandte Begriffe und deren Bezug zum Humor
4.2.1 Die Komik
4.2.2 Der Witz
4.2.3 Lachen und Lächeln
4.3 Humorkultur
4.4 Humor im Alltag
4.4.1 Humor in der Gesellschaft
4.4.2 Humor im individuellen Alltag
5 Humortheorien
5.1 Überlegenheits- / Degrationstheorie
5.2 Inkongruenztheorie / Diskrepanztheorie
5.3 Psychoanalytische Theorien
5.4 Soziologische Theorien
5.4.1 Konstruktivistischer Ansatz
5.4.1.1 Konstruktivismus und Kommunikation
5.4.1.2. Konstruktivismus und Humor
5.4.2 Systemtheoretischer Ansatz
5.4.2.1 Funktional-strukturelle Theorie und Kommunikation
5.4.2.2 Humor als Kommunikationsmedium
6. Humor und seine Funktionen
6.1 Humor als Ventil
6.2 Humor als Kommunikationsmittel
6.3 Soziale Funktion
7 Einsatzgebiete der Humorintervention
7.1 Humor im Gesundheitswesen
7.1.1 Das Bewusstwerden der eigenen Erkrankung
7.1.2 Bewältigung von Krankheit
7.1.2.1 Abwehrmechanismen
7.1.2.2 Copingprozesse
7.1.2.3 Social Support
7.1.3 Der Einsatz von Humor im Pflegealltag
7.2 Humor in der Sozialen Arbeit
7.2.1 Erkenntnis der Hilfebedürftigkeit
7.2.2 Hilfegesuch bei der Sozialen Arbeit
7.2.3 Methoden der Sozialen Arbeit
7.2.3.1 Der biografische Ansatz
7.2.3.2 Familientherapie / Systemische Beratung
7.2.3.3 Provokanter Stil
8 Humorintervention konkret
8.1 Den eigenen Humor kultivieren
8.2 Vorbereitung zur Humorintervention
8.3 Kommunikative Humorintervention
8.4 Gefahren der Humorintervention
9 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial von Humor als Kommunikationsmedium in der Sozialen Arbeit, um Interaktionsschwierigkeiten zwischen Professionellen und Klienten konstruktiv zu bewältigen und die professionelle Kommunikation zu verbessern.
- Grundlagen der Kommunikation und Ursachen für Kommunikationsprobleme in helfenden Berufen.
- Gegenstandsanalyse des Humorbegriffs und Abgrenzung zu verwandten Phänomenen wie Komik und Witz.
- Theoretische Fundierung durch Humortheorien (psychoanalytisch, konstruktivistisch, systemtheoretisch).
- Anwendungsgebiete und Funktionen von Humor (z.B. als Ventil, Kommunikationsmittel, soziale Funktion).
- Konkrete Interventionsmöglichkeiten und der Umgang mit den potenziellen Gefahren von Humor in der Praxis.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Kommunikation als Indikator gesellschaftlicher Rangordnung
Neben diesen in der Kommunikation selbst verankerten Problemen steht ein weiteres, das insbesondere auch für soziale Berufe von enormer Bedeutung ist: Kommunikation macht Position und Rang deutlich. Umgekehrt beeinflussen die Positionen innerhalb der Gesellschaft die Kommunikation. Wächst jemand z.B. in einem Umfeld auf, in dem Kraftausdrücke und Fäkalsprache zum normalen Umgangston gehören, so wird sich diese Person bei der Verwendung solcher Ausdrücke nichts Weiteres denken; für sie ist das normal und nicht geächtet. Wendet diese Person aber ihre Art zu kommunizieren außerhalb ihrer gewohnten Umgebung an, kann das verstören, Mitleid erregen oder Verärgerung erzeugen. Schnell wird sie geächtet und verliert an gesellschaftlichem Rang. Aber auch eine Kommunikation auf zu hohem Niveau vermag zu positionieren, sogar zu distanzieren und auszugrenzen.
Der Pschyrembel vermerkt für die Arzt-Patienten-Kommunikation, dass häufig Kommunikationsbarrieren festgestellt werden können, die „z.T. durch soziale Distanz u. Unterschiede des jeweiligen Herkunftsmilieus begründet sind.“ Auch die Beziehung zwischen Arzt und Patient verstärkt die Problematik der Kommunikation: Der Patient tritt in diese als jemand ein, der auf den Arzt und dessen Fachwissen angewiesen ist, während der Arzt dadurch seine Position als Fachmann ausnutzen kann. In seinem Langenscheidt-Wörterbuch Arzt – Deutsch / Deutsch – Arzt fragt Dr. Eckart von Hirschhausen, warum die meisten Ärzte wie die meisten Ärzte reden und gibt als Antwort:
„Die Terminologie dient eigentlich dazu, sich mit anderen Ärzten zu unterhalten, in Gegenwart von Menschen, die nicht wissen sollen, was mit ihnen los ist. Und das funktioniert wunderbar, weltweit.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der persönlichen Motivation und der Fragestellung zur Rolle von Humor als Kommunikationsmedium in der Sozialen Arbeit.
2. Einführung: Analyse der globalen Kommunikationsbedingungen und der wachsenden Bedeutung von Kommunikation in der modernen Gesellschaft sowie in der Sozialen Arbeit.
3. Kommunikation: Erläuterung der verschiedenen Ebenen der Kommunikation und der Entstehung von Kommunikationsproblemen als gesellschaftlichem Indikator.
4. Humor – Eine Gegenstandsanalyse: Differenzierung des Humorbegriffs von Begriffen wie Witz, Komik und Lachen sowie Betrachtung der Humorkultur im Alltag.
5 Humortheorien: Vorstellung psychologischer, soziologischer und systemtheoretischer Ansätze zur wissenschaftlichen Erklärung von Humor.
6. Humor und seine Funktionen: Untersuchung der praktischen Funktionen von Humor als Ventil, Kommunikationsmittel und soziale Kraft.
7 Einsatzgebiete der Humorintervention: Darstellung der Einsatzmöglichkeiten von Humor im Gesundheitswesen und spezifisch in der Sozialen Arbeit.
8 Humorintervention konkret: Praxisorientierte Anleitung zur Kultivierung des Humors, Vorbereitung von Interventionen und Reflexion der Risiken.
9 Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Plädoyer für den Einsatz von Humor in der Sozialen Arbeit.
Schlüsselwörter
Humor, Sozialarbeit, Kommunikation, Humorintervention, Kommunikationstheorie, Systemtheorie, Konstruktivismus, Salutogenese, Klinikclowns, Interaktion, Vertrauen, Patientenrolle, Soziale Kompetenz, Provokanter Stil, Coping
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Nutzung von Humor als gezieltes Kommunikationsmedium innerhalb der Sozialen Arbeit, um zwischenmenschliche Interaktionen zu verbessern und Probleme professioneller zu bearbeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die theoretische Herleitung von Humor, die Analyse von Kommunikationsstrukturen, die Soziologie des Humors sowie praktische Anwendungsmöglichkeiten und Gefahren bei der Humorintervention.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Verständnis von Humor zu erweitern, die Wirkungsweise wissenschaftlich zu fundieren und dazu anzuregen, Humor als wirksames Instrument zur Beziehungsgestaltung und Problemlösung in der Sozialen Arbeit zu etablieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Gegenstandsanalyse, Literaturarbeit sowie die Einbindung soziologischer (Konstruktivismus, Systemtheorie) und psychoanalytischer Erklärungsmodelle.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil deckt ein breites Spektrum ab, von der Definition und den Theorien über Humor über dessen Funktionen (Ventil, Kommunikationsmittel) bis hin zu konkreten Einsatzfeldern in der Pflege und Sozialen Arbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Kernbegriff „Humor“ sind Begriffe wie „Kommunikationsmedium“, „Soziale Arbeit“, „Humorintervention“, „Salutogenese“ und „Interaktion“ für das Verständnis der Arbeit maßgeblich.
Welche Rolle spielt die Salutogenese in der Arbeit?
Die Salutogenese dient als theoretischer Ankerpunkt, da sie den Fokus auf die Ressourcen und die Selbstheilungskräfte des Menschen legt, was die Einbindung von Humor als gesundheitsförderndes Element unterstützt.
Warum ist der „Provokante Stil“ nach Frank Farelly für die Arbeit relevant?
Der Autor sieht im provokanten Stil eine Möglichkeit, durch verzerrte Spiegelung und Übertreibung Klienten aus verhärteten Mustern zu lösen und ihre eigenen Ressourcen zu aktivieren.
Welche Gefahren sieht der Autor bei der Humorintervention?
Es besteht die Gefahr von Ausgrenzung, Diskriminierung oder der Verletzung der Würde, wenn Humor unsensibel eingesetzt wird oder wenn der Humorintervenist nicht über ausreichende Selbstreflexion verfügt.
- Quote paper
- Manfred Maruhn (Author), 2007, Humor als Kommunikationsmedium in der Sozialen Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90582