Mythologische Bezüge in Kate Chopins Roman 'The Awakening'


Examensarbeit, 2007
71 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Gliederung

1 Einleitung

23 Das Gesellschaftsbild in den Südstaaten der USA des ausgehenden 19 Jahrhunderts
2.1 Das Bild der true woman
2.2 Die Entwicklung zur new woman
2. Handlung und Rezeption des Romans

3 Zwischen passiver Prinzessin und autonomer Göttin - die Frauenfiguren in T he Awakening
3.1 Weibliche Attribute aus Grimms Märchen in Bezug auf The Awakening
3.1.1 Schlafende Schönheiten
3.1.2 Hexe und weise Frau
3.2 Ausgewählte Frauenfiguren aus der griechischen Mythologie und ihre mögliche Bedeutung für den Roman
3.2.1 Analogien zu Göttinen
3.2.1.1 Aphrodite
3.2.1.2 Athene
3.2.1.3 Artemis
3.2.2 Die Furcht vor der Zauberin
3.2.2.1 Hekate
3.2.2.2 Medea
3.2.2.3 Circe
3.2.2.4 Medusa
3.2.3 Ungehorsame Frauen
3.2.3.1 Philomel
3.2.3.2 Psyche
3.2.4 Das Bild der guten und schlechten Ehefrau in der griechischen Mythologie und in The Awakening
3.2.4.1 Edna und der Ehebruch in der griechischen Mythologie
3.2.4.2 Adèle, die brave Ehefrau

4 Eine Umkehr der Geschlechter in The Awakening - Vermännlichung und Verweiblichung
4.1 Dornröschen
4.2 Ikarus

5 Ein weiblicher Kosmos in The Awakening
5.1 Die Insel
5.2 Das Meer
5.3 Der Mond
5.4 Die Sonne

6 Schlussbetrachtung

II. Bibliographie

1 Einleitung

Der Roman The Awakening1 von Kate Chopin handelt von der jungen Ehefrau und Mutter Edna Pontellier, die sich gegen die Zwänge der viktorianischen Gesellschaft auflehnt und ihr eigenes Glück und ihre Individualität in den Vordergrund stellt. Für die Leserschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts war der Inhalt ein Skandal. Das Buch wurde von Kritikern zerrissen und von der breiten Öffentlichkeit geschmäht. Die Protagonistin, offenkundig mehr vom Leben erwartend, als die ihr zugedachte Rolle es erlaubte, wurde als dumm und einfältig hingestellt, und Kate Chopin als ihre Schöpferin nicht minder Zielscheibe der Kritik. Mit der Tollkühnheit ihrer Protagonistin hatte Kate Chopin eine Grenze überschritten, die viele ihrer Zeitgenossen noch nicht zu überqueren bereit waren.

Die Brisanz des Werkes liegt meiner Meinung nach in der Tatsache, dass Kate Chopin neben der offensichtlich damals gesellschaftlich nicht vereinbaren Handlung der Protagonistin des Romans eine weitere, subtilere Kritik am bestehenden System übte, die nur bei genauerer Betrachtung einzelner Aspekte zu Tage tritt: Sie verwendete sowohl Bilder aus Grimms Märchen als auch aus der griechischen Mythologie, um die Aussage ihres Buches zu stützen. Diese Aussage gilt es zu definieren. Von der damaligen Leserschaft konnte Chopin sicher erwarten, dass sie die Anspielungen auf sowohl Märchen als auch Mythen verstehen würde, denn eine klassische Ausbildung war in bürgerlichen Kreisen üblich. Die vorliegende Arbeit stellt eine Untersuchung des Romans The Awakening auf mögliche Bezüge zu Grimms Märchen und griechischer Mythologie dar.

Im Vorhinein wäre zu bemerken, dass die Überschrift „Mythologische Bezüge“ für diese Arbeit als Sammelbegriff für sowohl Grimms Märchen als auch die griechische Mythologie zu verstehen ist. Auf eine Genre-Zuordnung und die Besonderheiten der beiden Richtungen Märchen und Mythen soll hier nicht weiter eingegangen werden. Auch kann diese Arbeit sich nur einem Teilaspekt des Themas Märchen und Mythen widmen, da bei der Auswahl der Quellen eine Fülle von Märchen und Mythen auftrat, die sämtlich einzubeziehen den Rahmen der Arbeit sprengen würde.

Sicherlich sind Märchen nicht gleichzusetzen mit der griechischen Mythologie, weder in der Entstehungsgeschichte noch in ihrer Bedeutung. Der Grund, warum die folgenden Kapitel sowohl das eine als auch das andere zu Rate ziehen und den Roman auf seinen Märchen- bzw. Mythengehalt überprüfen sollen, ist folgender: Erstens klingen sowohl Bezüge zu Märchen als auch zur griechischen Mythologie im Roman an, so dass es sich anbietet eben diese beiden Stränge zu verfolgen und auf ähnlichen Gehalt für Chopins Gesellschaftskritik zu überprüfen2. Des Weiteren sind beides fiktive Welten, die menschliche Handlungen widerspiegeln. So haben die griechischen Götter etwa menschliche Charakterzüge wie Eifersucht, Liebe oder Rachsucht. Gleichzeitig weisen beide Welten eine patriarchalische Struktur auf, auf die sich ihre Moral gründet. Damit lassen sie sich mit dem viktorianischen Gesellschaftsbild in The Awakening vergleichen.

Hinweise auf die Verwendung mythologischer Bilder finden sich an vielerlei Stellen, namentlich erwähnt werden allerdings nur Philomel (187) und Aphrodite ((186), hier mit ihrem römischen Namen „Venus“). Also liegt es nahe, sich auf die Suche nach weiteren Figuren aus der griechischen Sagenwelt zu machen. Von Kate Chopins Kindheitsfreundin Kitty Garesché weiß man um die Affinität Chopins zu Grimms Märchen, sie nennt sie an erster Stelle der Liste ihrer beider Lieblingsbücher.3 Auch die Einflechtung von Märchenbildern in The Awakening ist daher plausibel.

Beim Herangehen an diese Arbeit habe ich überlegt, ob ich im Aufbau der Arbeit die zu untersuchenden Romanfiguren in den Vordergrund stellen soll, oder ob es für die Erarbeitung des Themas besser ist, die mythologischen Figuren voranzustellen, und anhand ihrer Eigenschaften und Charaktere Rückschlüsse auf die Romanfiguren zu ziehen. Ich habe mich für Letzteres entschieden, da ich meine, dass dies der Darstellung der Bezüge zwischen dem Roman und der Mythologie zuträglicher ist und der Vermischung der Bezüge der einzelnen Figuren eher gerecht wird. Meine Herangehensweise an das Thema mag daher etwas ungewohnt anmuten; nichts desto trotz stehen aber die Romanfiguren Edna, Adèle und Mlle. Reisz explizit im Vordergrund der Untersuchung.

Der erste Teil der Arbeit wird den sozialhistorischen Hintergrund beleuchten, um herauszustellen, dass klare Parallelen von The Awakening zu Kate Chopins eigener Gesellschaft gezogen werden können. Es folgt der Hauptteil, der sich einigen Märchen im Besonderen und der Rolle der weiblichen Märchenheldin im Allgemeinen zuwendet. Dabei werden Analogien zu den weiblichen Romanfiguren hergestellt. Im weiteren Verlauf der Arbeit sollen ausgewählte weibliche Figuren aus der griechischen Mythologie auf ihre mögliche Bedeutung für die Aussage des Romans untersucht werden. Dabei liegt der Fokus auf denjenigen Figuren, die sich der herrschenden Männerwelt entziehen oder gar widersetzen. Darüber hinaus wird die Umkehr der Geschlechterrollen in ausgewählten Märchen bzw. Sagen, auf die der Roman Bezug nimmt, thematisiert. Den Schlussteil der Arbeit bildet eine Untersuchung der Symbolik, die sich in Ednas Umgebung finden lässt, und durch die die Autorin einen weiblichen Kosmos zu kreieren scheint.

Um den Roman The Awakening von Kate Chopin hinsichtlich seiner Bezüge zu Grimms Märchen und griechischer Mythologien analysieren und interpretieren zu können, ist es unumgänglich, die Gesellschaft zur Zeit der Veröffentlichung, also des ausgehenden 19. Jahrhunderts, kurz zu beleuchten. Nur indem der historische Rahmen des Buches, die Repression der bürgerlichen Frau unter dem Deckmantel des Cult of True Womanhood und die gegen Ende des Jahrhunderts aufkommende Gegendarstellung der new woman zum Verständnis des Romans miteinbezogen werden, offenbart sich die Brisanz von Ednas Handlungen und somit die unglaubliche Progressivität Kate Chopins, die dem Verständnis ihrer eigenen Leserschaft um einige Jahre vorgreift.

2.1 Das Bild dertrue woman

Die kreolische Kultur in den Südstaaten der USA war geprägt von dem schillernden Bild, das von den kreolischen Frauen nach außen getragen wurde. Sie konnten zwar musizieren, malen und singen, um so das Bild der charmanten, temperamentvollen Südstaatendame zu unterstreichen, hatten aber ansonsten den Erwartungen der Männer zu entsprechen: Sie durften in der Öffentlichkeit keinerlei eigenständige Gedanken entfalten, sich nicht selbständig in Aktivitäten üben und keine politische Meinung haben. Ihr Aufgabenbereich beschränkte sich ausschließlich auf die häusliche Umgebung, in der sie den Haushalt führten, die Sklaven überwachten und die Kinder gebaren. Es wurde erwartet, dass sie als charmante Gastgeberinnen die Karrieren ihrer Ehemänner günstig beeinflussten und sich ansonsten in allen Dingen rein, tugendhaft und angenehm anzusehen gaben.

Nachdem die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts eine zunehmende Proletarisierung der Unterschicht gebracht hatte und die damit verbundene fabrikmäßige Herstellung von Haushaltswaren die mittelständische Hausfrau entlastete, veränderte sich ihr Aufgabengebiet zunehmend. Sie nahm nun nicht mehr direkt am Arbeitsprozess teil sondern war vornehmlich für die Aufsicht über die verbleibenden Tätigkeiten des Haushalts verantwortlich. Mit wachsendem Wohlstand der Mittelschicht waren die Ehefrauen nun auch Repräsentantinnen dieses Reichtums und wurden ab den dreißiger und vierziger Jahren in dem Bild der „Southern Lady“4 zunehmend stilisiert. Dieses Ideal der Frau, die sich ausschließlich ihren häuslichen Pflichten widmete, entfaltete sich als Cult of True Womanhood, der sich in vier Kardinaltugenden offenbarte: Frömmigkeit, Reinheit, Unterwürfigkeit und Häuslichkeit.

Die Stilisierung der Frau zum „Angel of the house“ gab den Frauen der Mittelschicht auf der einen Seite ein neues Aufgabenfeld, sozusagen eine Identität, die sie annehmen konnten, um in der Gesellschaft ein Ansehen zu haben und die Leere auszufüllen, die der Verlust der körperlichen Arbeit mit sich brachte. Auf der anderen Seite verschleierte diese Hochhaltung der Tugendhaftigkeit aber auch die Tatsache, dass die Frauen gesellschaftlich und finanziell zutiefst abhängig von ihren Männern waren. Bildung war ihnen nur in begrenztem Rahmen zugänglich. Zwar durften sie zur Schule gehen, wurden aber hauptsächlich in „frauenrelevanten“ Themen unterrichtet. Frances B. Cogan führt in diesem Zusammenhang Dr. Edward Clark an, einen Schriftsteller der späten siebziger Jahre des 18. Jahrhunderts, der sich in Fachartikeln gegen eine höhere weibliche Erziehung aussprach, da Frauen aufgrund ihres Menstruationszyklusses die nötige Konzentration für Latein oder Griechisch fehle.5 Kate Chopin selbst besuchte ein angesehenes Internat in St. Louis, dessen Schwerpunkt die Erziehung zu einer standesgemäßen Hausfrau war.6 Das Modell des Cult of True Womanhood des 19. Jahrhunderts war noch weit entfernt von akademischer Bildung für Frauen; so übersteigert der moralische Anspruch an sie war, so wenig gestand man den Frauen eigene geistige Entwicklung und eine freie Meinung zu.

Die herrschende Sexualmoral unterdrückte die weibliche Sexualität und sprach den Frauen jedes sexuelle Bedürfnis gemeinhin ab, während sie ihr Ideal in einer lebenslangen wahren Liebe fand, die sich in der Ehe manifestierte.7

2.2 Die Entwicklung zur new woman

In gewisser Hinsicht stärkte das Bild der true woman jedoch auch das Selbstbewusstsein der Frauen. Sie galten als das von Gott moralisch höher eingestufte Wesen als der Mann, dessen Triebhaftigkeit allseits anerkannt und toleriert wurde - auf diese Weise wurden auch Liebschaften der Männer außerhalb der Ehe geduldet, damit man die eigenen Ehefrauen nicht mit „niederen“ Trieben belästigen musste. Aufgrund dieser sittlichen Überlegenheit der Frau fiel ihnen die Aufgabe zu, ihre Moral dafür einzusetzen, die Männer, und damit im weiteren Sinne das Weltgeschehen, positiv zu beeinflussen. Natürlich durfte das nur innerhalb der Familie und der eigenen vier Wände passieren, in der die Frauen auf Ehemänner, Brüder und Söhne einwirken konnten. Der Einfluss der Frau blieb somit auf den privaten Rahmen beschränkt. Der überhöhte Anspruch auf Sittlichkeit bei den Frauen beschnitt sie zwar in Bereichen der Sexualität und der freien Entfaltung, war aber dennoch ein Argument der amerikanischen Frauenbewegung, um ihre Forderung nach dem Frauenwahlrecht zu stützen.

Es gab zunehmend Frauen der Mittelschicht, die sich auch ohne den Deckmantel einer organisierten Frauenbewegung ein unabhängiges und selbst bestimmtes Leben wünschten. In den 1890er Jahren wurden solche Vorstellungen in der Presse unter dem Begriff der new woman thematisiert. Carolyn Forrey beschreibt die new woman als gebildete, energische Frau, die Kontakte außerhalb ihres Haushalts pflegte und nach finanzieller Unabhängigkeit strebte, während sie ihren Mann eher als Kameraden sah, als sich ihm unterzuordnen.8

Während sich also langsam ein neues Selbstbewusstsein innerhalb der häuslichen Grenzen entwickelte und es sogar einigen Frauen gelang, sich eine eigene Existenz aufzubauen - so auch Kate Chopin, die mit ihrem literarischen Talent als ehrbare Witwe und Mutter von sechs Kindern allerdings vorerst keinen Anstoß erregte - war die öffentliche Meinung, die nach wie vor von Männern dominiert wurde, nicht bereit, derartige Zugeständnisse an die Emanzipation der Frauen zu machen.

2.3 Handlung und Rezeption des Romans

Der Roman The Awakening beschreibt das Schicksal von Edna, einer jungen Ehefrau und Mutter, die in der kreolischen Gesellschaft New Orleans’ aufgrund ihrer presbyterianischen Abstammung eine Außenseiterin ist. Den Sommer verbringt sie mit anderen Frauen und deren Kindern auf der Ferieninsel Grand Isle, wo sie sich in Robert Lebrun, den Sohn ihrer Vermieterin verliebt. Ihr zur Seite stehen zwei gegenpolige Frauenfiguren, Adèle, die „motherwoman“ (16) und Mlle. Reisz, die eigenbrötlerische Pianistin. Edna selbst ist weder das eine noch das andere und begibt sich auf die Suche nach ihrer Rolle in der Gesellschaft.

Auf der Insel beginnt Ednas „Erwachen“ aus dem unwissenden Zustand, den sie vor dem Beginn ihrer Suche nach Identität innehatte. Sie erfährt sich selbst sinnlich und geistig im Malen, Schwimmen und der Liebe zu Robert. Dieser entflieht der Liaison, die er als aussichtslos empfindet, und geht nach Mexiko, während sich Edna, zurück in New Orleans, immer mehr aus den Konventionen der Gesellschaft löst und ihren eigenen Weg sucht. Dabei schickt sie ihre Kinder fort, verlässt das eheliche Haus, knüpft engeren Kontakt zu der freiheitsliebenden Mlle. Reisz und widmet sich ganz ihrer Malerei. Ihre Suche findet ein Ende, als ihr bewusst wird, dass sie dem Joch der Ehe und den fehlenden Rechten für Frauen nur entfliehen kann, wenn sie dafür alles andere - auch ihre Kinder - aufgibt. Zeitgleich sieht sie die Niederkunft ihrer braven Freundin Adèle mit an, die sie schmerzlich an die Ausweglosigkeit der Bestimmtheit der Frau zur Mutter erinnert, und trifft Robert wieder, mit dem in der Stadt keine Romantik mehr aufkommt. Schließlich verabschiedet er sich mit einem Brief von ihr, da er nicht die Stärke aufbringen kann und will, sich für sie von der Gesellschaft abzuwenden. Die Handlung findet ihr Ende im Meer von Grand Isle, in dem Edna am Anfang des Romans ihre ersten Erfahrungen mit der Freiheit gemacht hatte, und in dem sie sich nun ertränkt.

The Awakening wurde am 22. April 1899 durch Herbert S. Stone & Co veröffentlicht. Bereits zwölf Tage später schrieb die Kritikerin Frances Porcher eine vernichtende Rezension im Mirror 9, die nur den Auftakt zu einer generellen Ablehnung des Buches einleitete, dass nach Ansicht des Republic sogar „too strong a drink for moral babes“10 war und als Gift gekennzeichnet werden sollte. Entgegen einiger Aussagen, Kate Chopin hätte aus Verletztheit über die bösen Kritiken nie wieder geschrieben, und ihre Freunde hätten sich von ihr abgewandt, existieren Briefe einiger Freunde, die ihren Roman bewundern, und sie wurde sogar in den Wednesday Club für Frauen eingeladen, um aus ihrem Werk vorzulesen. Außerdem veröffentlichte sie mehrere Geschichten in Zeitungen nach The Awakening, unter anderem The White Eagle (1900) in der Vogue und A Vocation and a Voice (1902) in Reedy ’ s Mirror. Kate Chopin scheint also nicht wirklich ihr literarisches Ende erreicht, zumindest aber einen entscheidenden Einschnitt in ihrer Popularität erlitten zu haben. Es erschien jedenfalls kein weiteres großes Werk, und Chopins Roman The Awakening verschwand vorerst in der Versenkung - bis er Mitte des 20. Jahrhunderts von Per Seyersted wieder hervorgeholt wird. Emily Toth beschließt ihre Biographie Kate Chopins mit der Feststellung, dass die Legende der Verbannung dem Roman zumindest eine großartige Renaissance verschaff hat. „And so, long after her death, gossip has, at last, been good to Kate Chopin.”11

3 Zwischen passiver Prinzessin und autonomer Göttin - die Frauenfiguren in The Awakening

Das folgende Kapitel wird die drei Frauenfiguren Edna Pontellier, Adèle Ratignolle und Mlle. Reisz beleuchten, um Verbindungen zu Märchenfiguren und Figuren aus der griechischen Mythologie aufzuzeigen. Aufgrund ihrer starken Symbolträchtigkeit werden die weiblichen Romanfiguren in dieser Arbeit im Vordergrund stehen, da es im Wesentlichen darum geht, die weibliche Struktur des Romans in einer männlichen Welt zu entschlüsseln.

Natürlich sind auch die männlichen Figuren auf ihren mythologischen Wert hin untersucht worden, so nennt Rosemary F. Franklin als wichtigste Figur Robert Lebrun; er und Alcée Arobin stellen gemeinsam zwei Gesichter des Eros dar. „Significantly, all these men revolve around the matriarchs, who keep them more or less under control.”12 Sie bezieht sich dabei auf die Eigenschaft von Eros als Liebesgott, es gibt aber noch weitere Lesarten des Gottes, die eng an Edna gebunden sind. Darauf wird in Abschnitt 4 näher eingegangen. Vorläufig will ich mich also auf die weiblichen Hauptfiguren beschränken.

3.1 Weibliche Attribute aus Grimms Märchen in Bezug auf The Awakenin

Man weiß, dass Kate Chopin als Kind gerne Märchen der Brüder Grimm gelesen hat. Es ist aber nicht klar, welche Fassung der Kinder- und Hausmärchen ihr bekannt war. Von der ersten Ausgabe von 1812 bis zur letzten von 1857 erkennt man deutliche Bearbeitungsspuren in der Märchensammlung. So wurden z.B. die böse Mutter von Schneewittchen oder Hänsel und Gretel zur Stiefmutter umfunktioniert oder den Eltern von Dornröschen nachträglich ein inniger Kinderwunsch unterstellt. Damit änderte sich die angestrebte Moral der Geschichten nur unwesentlich, die Veränderungen spiegeln jedoch einen Wandel in der Gesellschaft des

19. Jahrhunderts. Zwar waren Ammen noch weit verbreitet, die bürgerlichen und adligen Frauen begannen aber zunehmend sich als liebevolle Mütter direkt um ihre Kinder zu kümmern. Mutterschaft wurde zur wichtigsten Aufgabe der Frau - anders als in früheren Zeiten, als die Kinder vornehmlich als Arbeitskräfte und Altersversorgung erzogen wurden, diesem Zusammenhang ein zeitgenössisches deutsches Sprichwort, das die Rolle der Frau als Mutter unterstreicht: „Wie viele Kinder ein Weib gebärt, um so viele Stufen kommt sie dem Himmel näher“.13

Die Brüder Grimm übertrugen diesen gesellschaftlichen Tenor auf ihre Märchen, indem sie den weiblichen Figuren die Bereitschaft zu Ehe und Schwangerschaft gaben. Elke Feustel zufolge entbehren die weiblichen Märchenfiguren ohne den Status der Mutterschaft ein grundlegendes Attribut, da viele Texte mit dem Wunsch nach Schwangerschaft beginnen.14 Der Prototyp der Märchenheldin zeichnet sich durch Schicksalsergebenheit und Passivität aus. Oft kommt es vor, dass sich der Held nach Bewältigung seiner Abenteuer ohne deren ausdrückliche Zustimmung eine Braut aussuchen darf, meist die jüngste und schönste Prinzessin, oder dass ihm als Lohn die Königstochter seines Auftraggebers versprochen wird. Normalerweise fügt sich das Mädchen und scheint mit der Regelung zufrieden. Aber selbst wenn sie sich sträubt, so z.B. in König Drosselbart, lernt sie am Ende, dass der vom Vater ausgesuchte Mann die beste Wahl ist.

Des Weiteren lassen sich bei den weiblichen Märchenfiguren Fertigkeiten wie Nähen oder Spinnen finden, die die Stereotypen „Ehefrau“ und „Hausfrau“ untermauern.15 Wir finden die Spindel als Schlüsselsymbol in Dornröschen, die Flachs spinnende Königstochter in Rumpelstilzchen, das putzende Aschenputtel oder das Haushalt führende Schneewittchen. Auch die Prinzessin in König Drosselbart muss lernen, den Haushalt zu führen. Im Großen und Ganzen kann man also die prototypische weibliche Märchenfigur (ausgenommen die Hexen und weisen Frauen, auf die in Abschnitt 3.1.2 noch genauer eingegangen wird) als gutes Beispiel für eine Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft, nicht unähnlich der Edna Pontelliers, sehen. Auch finden sich Parallelen zu ihrer Umgebung: Sie selbst befindet sich in einer Art Schlaf, der die gesellschaftliche Unmündigkeit verdeutlicht, und somit ihre Passivität in einer von Männern dominierten Welt und ihre sexuelle Gefühllosigkeit symbolisiert.

In ihrer Welt gibt es noch andere Schlafende, z.B. Adèle Ratignolle und Madame Lebrun. „There are no words to describe her [Adèle] save the old ones that have served so often to picture the bygone heroine of romance and the fair lady of our dreams.“(17) Nach dieser Beschreibung Adèles in The Awakening lässt sich ohne Weiteres die Verbindung zur Märchenschönheit ziehen. In den Kinder- und Hausmärchen ist die Rede vom „zauberhafte[n] Liebreiz der ruhenden Mädchen, die so schön [waren], dass es nicht zu sagen ist“16. Bekräftigt wird ihre Verbindung zu Märchen noch durch den Umstand, dass sie - genau wie Madame Lebrun - den gesamten Verlauf des Buches über Kleidung produziert. Schon im Sommer sorgt Adèle vor, indem sie Winterkleidung für die Kinder strickt, eine Fürsorge, die sich bei Edna nicht erkennen lässt.

In Kapitel V wird die Verbindung von Handarbeit und symbolischem Schlaf deutlich: „Madame Ratignolle folded her sewing, placing thimble, scissors, and thread all neatly together in the roll, which she pinned securely. She complained of faintness” (23). Nachdem Edna ihr Riechsalz geholt hat, geht es ihr erstaunlicherweise schnell wieder so gut wie zuvor, und die Autorin bemerkt: “The spell was soon over, and Mrs. Pontellier could not help wondering if there were not a little imagination responsible for its origin, for the rose tint had never faded from her friend’s face“ (23). Der „spell“ ist hier nichts anderes als die Verzauberung Adèles, die durch das offenbar gespielte Ohnmachtsgefühl noch betont wird. Es mag sich an dieser Stelle die Frage aufdrängen, inwieweit sich Adèle ihres eigenen Schlafes bewusst ist und ob sie mit ihrem Wissen um den Zauber nicht sogar noch kokettiert. Auf jeden Fall stellt die Situation eine Verbindung zwischen dem Märchenattribut des Nähens und dem verzauberten Schlaf der Mädchen im Märchen da.

3.1.1 Schlafende Schönheiten

In mehreren Märchen kommt es vor, dass das Mädchen in einen Schlaf versetzt wird. Das kann ganz explizit sein wie bei Dornröschen, die nach dem Stich an der Spindel hundert Jahre lang schläft, oder durch den vermeintlichen Tod von Schneewittchen, die - schon im Sarg - von ihrem Prinzen wach geküsst wird. Rapunzel ist in einem Turm eingesperrt, der sie von der Außenwelt trennt, Schneeweißchen und Rosenrot werden zu Rosenbüschen. Hierbei handelt es sich um einen implizierten Schlaf, der aber nicht offen als solcher ausgesprochen wird. Der Schlaf im Märchen kann also als eine Art Verzauberung gesehen werden, die das Mädchen für eine bestimmte Zeit isoliert.

Tiefenpsychologisch betrachtet kann man diese Phase als Reifungsprozess verstehen, in dem das Mädchen seine Adoleszenz hinter sich lässt und als junge Erwachsene erwacht. Damit steht es in Verbindung mit dem Erlangen der sexuellen Reife - es verschläft sozusagen die Zeit seiner ersten Menstruation und erwacht im biologischen Sinne als Frau. In dem Märchen Dornröschen wird diese Verbindung ganz deutlich, da sie sich an der Spindel sticht und ein symbolischer Blutstropfen aus ihrem Finger quillt, bevor sie in Schlaf versinkt. Dieser Blutstropfen dürfte somit das Blut ihrer ersten Menstruation darstellen.17 Diann Rasch-Feja nennt zwei Formen der Reifung im Märchen: Die physisch-sexuelle Reife und die emotionale Reife, die zur Individualität führt.18 Damit liefert sie einen Anhaltspunkt, der sich mit Ednas Schlaf vergleichen lässt: Auch sie durchlebt eine Phase der inneren Wandlung zu einem anderen Selbstverständnis, allerdings passt ihr Erwachen nicht ganz mit dem Erwachen im Märchen zusammen, denn „das Erlangen der physischen und psychischen Reife nach der vollendeten Ablösung von den Eltern drückt sich bei den adoleszenten Mädchen [...] stets [in der] Berder] Bereitschaft zur Ehe aus.“19 Davon kann in Ednas Fall keine Rede sein, eher entfernt sie sich noch von dem obligatorischen „wedlock“.

Das Erwachen aus einem Schlaf findet sich, wie bereits im Titel angekündigt, auch in The Awakening. Und wie im Märchen handelt es sich auch hier um ein symbolisches Erwachen. Ednas Schlaf lässt sich auf verschiedenen Ebenen betrachten. Zum einen ist sie in einem symbolischen Schlaf gefangen, ähnlich dem methamorphischen Schlaf der Märchenprinzessinnen. Dieser Schlaf drückt sich in ihrer Unkenntnis möglicher weiblicher Freiheit und Selbstbestimmung aus. Edna schläft einen Schlaf, der ihr Eigenverantwortung, eigene Entscheidungen und eigenes Denken verwehrt und ist sich anderer Lebensentwürfe für sich selbst bis dato nicht bewusst. Wie ihre Pendants im Märchen leidet Edna an einer Art Verzauberung, die sie lähmt und ihre Sicht trübt. Sie muss also sprichwörtlich „den Bann brechen“ um ihre eigene Identität zu finden. Im übertragenen Sinne heißt das, Edna muss mit den männlich dominierten Konventionen brechen, um ihre eigene Metamorphose einzuleiten. Ihr Erwachen beginnt in jenem Sommer auf Grand Isle, wo in Kapitel VI das erste Mal die Rede davon ist, nachdem Robert mit ihr zum Strand gegangen ist: „A certain lig„A certain light was beginning to dawn dimly within her,--the light which, showing the way, forbids it. At that early period it served but to bewilder her. It moved her to dreams, to thoughtfulness, to the shadowy anguish which had overcome her the midnight when she had abandoned herself to tears. In short, Mrs. Pontellier was beginning to realize her position in the universe as a human being, and to recognize her relations as an individual to the world within and about her.” (25)

Die symbolische Verzauberung, die sich an dieser Stelle bereits begonnen hat zu lösen, spiegelt sich auch in Ednas „Wach-Schlaf-Rythmus“ wieder. An einigen Stellen des Buches schläft sie tatsächlich. Hier vermischen sich Handlung und Symbolik. Robert Levine nennt The Awakening „the sleepiest novel in the American literary canon“20. Und in der Tat ist in dem Roman vierundfünfzig Mal vom Schlafen die Rede21. Kate Chopin richtet den Fokus auf die Schläfrigkeit ihrer Figuren, die sie häufig dokumentiert und von denen sie ausführlich berichtet, wer wann, wie und wo schläft: „See if the baby sleeps “ (21), „tell [...] of sleepless nights [...]“ (21), „the white light of the moon had fallen upon the world like the mystery and the softness of sleep” (47), „her eyes gleamed bright and intense, with no sleepy shadow [...]” (52) und so fort.22

Einige sehr symbolträchtige Szenen werden mit Schlaf in Verbindung gebracht. So erwacht Edna auf der Insel Chênière Caminada, wo sie nach einem märchenhaften Tag mit Robert eingeschlafen ist, mit den Worten: „How many years have I slept?“ und erhält als Antwort „you have slept precisely one hundred years“ (63). Dieser Wortwechsel ist eine klare Anspielung auf das Märchen Dornröschen, auf das in Abschnitt 4.1 noch genauer eingegangen werden soll. In Kapitel XIX wird Ednas wechselnde Stimmung beschrieben: „There were days when she was very happy without knowing why. [...] She discovered many a sunny, sleepy corner, fashioned to dream in. And she found it good to dream and to be alone and unmolested” (97). Diese Erkenntnis leitet ihren ersten Besuch bei der Pianistin Mlle. Reisz ein, die einen entscheidenden Einfluss auf Ednas Selbstfindungsprozess nehmen wird, der in Abschnitt 3.1.2 noch genauer thematisiert wird. Nicht ganz so häufig wie vom Schlafen ist vom Erwachen die Rede. Immerhin an zweiunddreißig Stellen setzt Chopin das Wort „awake“ oder „wake“ ein: „disturbed with dreams [...] leaving only an impression upon her half- awakened senses of something unattainable“ (55), „her eyes were bright and wide awake and her face glowed” (63), „Edna was sobbing, just as she had wept one midnight at Grand Isle when strange, new voices awoke in her” (107).

Die Häufigkeit der beiden Gegensätze „sleep“ und „wake“ könnte Aufschluss über die Entwicklung Ednas geben. Da das Schlafen häufiger genannt wird, mag man zu der Annahme kommen, dass es Edna bis zum Ende nicht gelingt, ganz aufzuwachen. Immerhin erstreckt sich ihr Erwachen beinahe über die gesamte Romanzeit, ist aber eng verwoben mit dem Zustand des Schlafens. Beides lässt sich nicht wirklich voneinander trennen, man hat den Eindruck, dass Edna fortwährend gegen ihr Bedürfnis zu Schlafen ankämpft und auch Wachphasen bald wieder von Schlaf abgelöst werden: „Edna began to feel like one who awakens gradually out of a dream, a delicious, grotesque, impossible dream, to feel again the realities pressing into her soul. The physical need for sleep began to overtake her“(53). Dieses Beispiel verdeutlicht die permanente Gefahr, wieder in ihre alten Verhaltensweisen

abzugleiten, also die Flucht in den Schlaf zu suchen, wieder unwissend und „verzaubert“ zu sein. Das Erwachen wird hier als schmerzlich beschrieben, da es Edna die Unmöglichkeit ihrer Träume vor Augen führt.23 Sehr deutlich wird das Zusammenspiel von Schlafen und Wachen auch in dem folgenden Beispiel, in dem Edna Doctor Mandelet ihr Herz ausschüttet: „The years that are gone seem like dreams - if one might go on sleeping and dreaming - but to wake up and find - oh! well! perhaps it is better to wake up after all, even to suffer, rather than to remain a dupe to illusions all one’s life.“ (184) Mit diesem Satz erkennt Edna ihre eigene Metamorphose als etwas Unvermeidliches an. Obgleich man streiten kann, ob sie diese vollendet und sich durch den Selbstmord von den letzten Fesseln befreit oder ob sie an ihr zerbricht und sich aus Verzweiflung darüber in die Fluten stürzt, so lässt sich doch auf jeden Fall festhalten, dass Edna sich dieser Verwandlung, dieses Erwachens aus einem symbolischen Schlaf, bewusst ist.

3.1.2 Hexe und weise Frau

Die vorangegangenen Kapitel haben die Rolle jener Mädchen im Märchen beleuchtet, deren Verzauberung durch die Metamorphose im Schlaf gelöst wird. Ihnen gehören Eigenschaften wie die Bereitschaft zur Ehe und Schwangerschaft sowie Gehorsam gegenüber dem Patriarchat an. Neben den Märchenprinzessinnen gibt es bei den Brüdern Grimm noch einen weiteren Frauenarchetypen, die Hexe. Es gibt sie als böse alte Frau, die Schaden bringt und als weise Frau, die den anderen Märchenfiguren zum Guten verhilft. Im Folgenden sollen mögliche Parallelen zwischen Mlle. Reisz und den Grimm’schen Märchenhexen gezogen werden.

Zunächst bietet es sich an, die Figur der bösen Alten näher zu beleuchten, da sie häufiger vorkommt. Ihre Ursprünge gehen bis in die antike Mythologie zurück, es „existierte als Vorbote des späteren Hexenglaubens der Volksmythos von weiblichen Gestalten, die über ein Potential magischer Kräfte verfügten.“24 Zu ihnen zählen auch die Hexengöttin Hekate und die zauberkundigen Frauengestalten Circe und Medea, von denen in Abschnitt 3.2.2 die Rede sein wird. Erstaunlicherweise wird das Thema Hexenverfolgung bei den Brüdern Grimm nicht thematisiert, wohl aber haben sie einige der schon im Hexenhammer aus dem Jahre1487 aufgeführten Eigenschaften der Hexe übernommen, demzufolge eine Hexe unter anderem Zauberei praktizierte, zur Unfruchtbarkeit verhexte oder Menschen vollständig vernichtete.25

Die Grimmsche Hexe scheint eher als Kontrastfigur zu den Märchenhelden zu dienen denn als unchristliche Teufelsbraut gefürchtet zu sein. Dementsprechend stilisiert wird ihr Äußeres und ihr Verhalten dargestellt. Sie lässt sich bereits an ihrem äußeren Erscheinungsbild identifizieren: „Ganz in ihren bedrohlichen, düsteren Wesenszügen zeigt sie sich im Äußeren genauso stets in dunkler Hautfarbe, dabei ist sie [...] immer von hohem Alter, abgrundtief hässlich, oft sogar bereits körperlich gebrechlich.“26

Betrachtet man nun die Figur der Mlle. Reisz, so fällt auf, dass auch sie ein deformiertes Äußeres hat. Außerdem trägt sie analog zu der dunklen Hautfarbe der Hexe stets schwarze Kleidung. Ad De Vries bemerkt weiterhin, dass Hexen Wasser meiden und ihr Haar rituell kurz geschnitten tragen.27 Mlle. Reisz erfüllt diese Kriterien: Sie trägt unechtes Haar und meidet das Meer. Diese ablehnende Haltung gegenüber der Natur wird noch unterstrichen durch die unechten Veilchen, die sie im Haar trägt und die verwelkten Geranien auf ihrer Fensterbank. Zieht man außerdem in Betracht, dass sie allein und abgeschieden in ihrem Apartment lebt, in dem ständig ein kleiner Ofen brennt, so wird das Bild noch hexenhafter: „The little stove was roaring; it was redhot, and the chocolate and the tin sizzled and sputtered” (133) - ein symbolischer Hexenkessel. Lynda S. Boren hat den Einfluss Mlle. Reisz’ auf Edna folgendermaßen analysiert:

[...]


1 Ersterscheinung: Kate Chopin: The Awakening. Chicago and New York: Herbert S. Stone & Co., 1899. Die vorliegende Arbeit bezieht sich auf folgende Neuauflage des Romans: Kate Chopin: The Awakening. New York: Avon Books, 1972. Beschriebene und zitierte Passagen aus The Awakening sind der Ausgabe von 1972 entnommen und werden mit der entsprechenden in Klammern gesetzten Seitenzahl gekennzeichnet.

2 Es liegt nahe, auch nach Bezügen zu irischer Mythologie zu suchen, da Kate Chopin einen irischen Vater hatte, der sie dahin gehend unterrichtet haben könnte. Dies erschien aber nach einiger Recherche als zu weit hergeholt, besonders da der Text selbst keinen Hinweis darauf gibt. Vergleichbar etwa mit Athene wäre die keltische Göttin Rhiannon, die David Leeming und Jake Page in ihrem Buch beschreiben. Sie weist aber keine Attribute auf, die sich nicht auch in der griechischen Mythologie finden ließen und fand daher keinen Eingang in diese Arbeit. Vgl. Leeming, David and Jake Page: Goddess. Myths of the Female Divine. New York and Oxford: Oxford University Press, 1994, S. 142.

3 Das jedenfalls erzählte sie Daniel Rankin, der sich in den 1930er Jahren auf die Suche nach Spuren Kate

Chopins begab. Vgl. Emily Toth: Kate Chopin. London, Sydney, Auckland, Johannesburg: Century, 1991, S. 51.

4 Vgl. Barbara Welter: „The Cult of True Womanhood“, American Quarterly, 18 (1966), 152. In: ebda., S. 235.

5 Frances B. Cogan: All American Girl: the ideal of real womanhood in nineteenth-century America. Athens and London: The University of Georgia Press, 1989, S. 70. Natürlich geht Cogan auch auf die Gegenseite ein, so nennt sie z.B. Ely van De Warker (1874) oder Samuel Gregory (1862), die sich für eine höhere Bildung von Frauen einsetzen.

6 Der genaue Lehrplan der „Sacred Heart Academy“ von 1852 sowie eine detaillierte Beschreibung des Tagesablaufs für die „boarder students“ findet sich bei Emily Toth: a.a.O., S. 45f.

7 Vgl. Barbara Becker: Geschichte einer Stunde: Erzählungen und der Roman 'The Awakening ’ . Frankfurt am Main: Verlag Roter Stern, 1978, S. 236.

8 Carolyn Forrey: “The New Woman Revisted”, Women’s Studies, 2 (1974),38. In: Barbara Becker: a.a.O., S. 237.

9 Vgl. Per Seyersted: Kate Chopin: a critical biography. Oslo: Universitetsforlaget / Baton Rouge: Louisiana State University Press, 1969, S. 174.

10 Vgl. Per Seyersted: a.a.O., S. 174.

11 Emily Toth: a.a.O., S. 425.

12 Rosemary F. Franklin: “Edna as Psyche: The Self and the Unconscious”. Approaches to Teaching Kate Chopin ’ s ‘ The Awakening ’. New York: The Modern Language Association of America, 1988, S. 147.

13 Elke Feustel: „Rätselprinzessinnen und schlafende Schönheiten. Typologie und Funktionen der weiblichen Figuren in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm“. Germanistische Texte und Studien. Band 72. Hildesheim, Zürich, New York: Olms - Weidmann, 2004, S. 231.

14 Vgl. ebda., S. 231.

15 Vgl. Diann Rusch-Feja: The Portrayal of the Maturation Process of Girl Figures in Selected Tales of the

Brothers Grimm. European University Studies. Series 1: German Language and Literature, Vol. 1539. Frankfurt am Main, Berlin, Bern, New York, Paris, Wien: Peter Lang, 1995, S. 26.

16 Vgl. Elke Feustel: a.a.O., S. 267.

17 Auch in der Mythologie finden sich Anspielungen auf die Metamorphose der Mädchen zu Frauen. Barbara Smith fand heraus, dass die parthenos, die diesen Zustand beschreibt, „zwischen dem jeweiligen von Männern den Frauen zugedachten Status“ stattfindet. „Es handelt sich [...] um männliche Kontrolle über die Menstruation, die als pathologischer Zustand galt und am besten durch Geschlechtsverkehr, unmittelbar gefolgt von einer Schwangerschaft, zu heilen sei.“ Daher schränkten sie infolgedessen „menstruierende Frauen durch verschiedene Regeln und Tabus ein, die in der Mythologie verschlüsselt überliefert sind.“ In: Charlotte Zwiauer (Hg.): Die mythische Frau : ein kritischer Leitfaden durch die Ü berlieferungen. Wien: Promedia Druck- und Verlagsgesellschaft m.b.H., 1997, S. 111f.

18 Vgl. Diann Rusch-Feja: a.a.O., S. 21.

19 Elke Feustel: a.a.O., S. 257.

20 Robert Levine. “Circadian Rhythms and Rebellion in Kate Chopin's The Awakening”. Studies in American Fiction 10.1 (1982), 71. Zitiert in Neal Wyatt: “Myths and Fairy Tales: Context of The Awakening”. Kate Chopin Study Text, 1995. Virginia Commonwealth University (Fall 2001). 9 Feb, 2007 http://www.vcu.edu/engweb/eng384/myths.htm

21 Die Zählung berücksichtigt alle Worte, die den Stamm „sleep” enthalten bzw. die Vergangenheitsform „slept“. Außerdem die Worte „wake“ und „woke“, also auch „wakefulness“ (73), auf die noch näher eingegangen wird.

22 Kursiv zur Verdeutlichung von mir

23 Eine interessante Parallele zur griechisch-römischen Mythologie findet sich bei Petra Strobel, die über Penelope vor der Ankunft Odysseus schreibt: „Oft scheint der tiefe Schlafzustand, in den die Gattin des Odysseus sinkt, die einzige Möglichkeit zu sein, mit Problemen vorübergehend fertig zu werden.“ Der Schlaf wirkt außerdem als eine Art Verzauberung, so dass Venus ihren Gatten Vulcanus in den Schalf wiegt, um auf diese Weise Waffen für Aeneas zu erbitten, und Hera ihren Zeus durch einen süßen Schlummer geschickt ‚ruhig stellt’. Petra Strobel: „Die Macht des Schlafes in der griechisch-römischen Welt“. Studien zur Geschichtsforschung des Altertums. Band 11.Hamburg: Verlag Dr. Kovač, 2002, S. 115.

24 Elke Feustel: a.a.O., S. 187.

25 Vgl. Elke Feustel: a.a.O., S. 188.

26 ebda., S. 190.

27 Ad de Vries. Dictionary of Literary Symbols and Imagery. Amsterdam, London: North-Holland Publishing Company, 1974, S. 231. Zitiert in: Susanne Geerke: Eine Untersuchung der Symbole in Kate Chopins 'The Awakening'. Hamburg: Universität Hamburg, 1995, S. 41.

Ende der Leseprobe aus 71 Seiten

Details

Titel
Mythologische Bezüge in Kate Chopins Roman 'The Awakening'
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
71
Katalognummer
V90628
ISBN (eBook)
9783638048248
Dateigröße
748 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mythologische, Bezüge, Kate, Chopins, Awakening, Kate Chopin, Grimm, Märchen, Griechische, Mythologie, Edna, Selbstmord, Aphrodite, Athene, Medusa, Medea, Artemis, Ikarus, weiblich, männlich, Umkehr, Geschlechter, Kritik, feministisch, Feminismus, Roman, viktorianisch, Frauenbild, new woman, true woman, Südstaaten, Dornröschen, Symbole, Schlaf, Mdlle, Reisz
Arbeit zitieren
Mareike Kruse (Autor), 2007, Mythologische Bezüge in Kate Chopins Roman 'The Awakening', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90628

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