Der Störfaktor, der in dieser Arbeit thematisiert werden soll, ist die Kinderarmut, von der in Deutschland 18 Prozent der unter 18-jährigen Bevölkerung betroffen sind. Damit handelt es sich um ein aktuelles und weitverbreitetes Problemgebiet, welches von der Gesellschaft anerkannt und diskutiert werden sollte. Die meisten Betroffenen können keine Resilienz gegen Armutsrisiken aufbauen, was sie anfällig für gravierende Entwicklungsdefizite macht.
Im Rahmen der "Speziellen Sozialpolitik für Kinder" dient diese Fallstudie dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Ziel ist es, durch eine theoretische Aufarbeitung der Kindes- und Jugendentwicklung, die Auswirkungen von Kinderarmut auf die Entwicklung darzustellen und ein fundiertes Konzept mit wissenschaftlichen Ratschlägen zur Prävention oder Intervention zusammenzustellen.
Von der frühkindlichen Entwicklungsphase bis in die Adoleszenz ist das Leben eines Menschen durch verschiedenste kognitive, soziale, emotionale und selbstbezogene Entwicklungsphasen geprägt. Wird dieser Entwicklungsprozess durch äußere Faktoren gestört, entwickeln sich entsprechende Defizite in diesen Bereichen. Diese Entwicklungsdefizite können bei Kindern und Jugendlichen bis in das Erwachsenenalter hinein noch Folgen und ernsthafte Auswirkungen auf ihr Leben haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die kognitive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
3 Die Selbstentwicklung von Kindern und Jugendlichen
3.1 Vom Ich-Bewusstsein zum Selbstkonzept
3.2 Die Identitätsfindung
4 Die soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
4.1 Das Temperament und die emotionale Entwicklung
4.2 Soziale Beziehungen außerhalb und innerhalb der Familie
5 Zusammenfassung des Theorieteils
6 Sozialpolitisches Problemfeld: Kinder und Jugendliche in Armut
6.1 Was bedeutet Armut?
6.2 Armut als Entwicklungsrisiko
6.3 Diskriminierung und Mobbing der Betroffenen
7 Spezielle Sozialpolitik für Kinder: Gemeinsam gegen Kinderarmut
8 Diskussion
9 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Auswirkungen von Kinderarmut auf die kindliche Entwicklung theoretisch aufzuarbeiten und ein fundiertes Konzept mit wissenschaftlich begründeten Ratschlägen zur Prävention und Intervention für das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zu entwickeln.
- Grundlagen der kognitiven Entwicklung sowie Selbst- und Sozialentwicklung
- Definition und verschiedene Dimensionen des Armutsbegriffs
- Armut als wesentlicher Risikofaktor für kindliche Entwicklungsdefizite
- Zusammenhang zwischen Armut, sozialer Ausgrenzung und Mobbing
- Strategien zur gesellschaftlichen Aufklärung und Armutsprävention
Auszug aus dem Buch
6.2 Armut als Entwicklungsrisiko
„Armut ist das Risiko für die Entwicklung von Kindern.“ Wenn eine Familie unter Armut leidet und damit einen niedrigen sozioökonomischen Status inne hat, so kann sich dieser Umstand neben den offensichtlichen finanziellen und sozialen Problemen besonders negativ auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen innerhalb der Familie auswirken. Sowohl die kognitive Entwicklung und die damit verbundenen schulischen Leistungen als auch die Selbst- und Sozialentwicklung können durch die Armutsrisiken gestört werden.
Dies bestätigt auch eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung, welche in den Jahren 2010 bis 2013 die Daten von 4802 eingeschulten Kindern gesammelt hat. Die Auswertungen haben unter anderem gezeigt, dass die meisten Kinder in Armut ohne einen Vater aufwachsen, unterdurchschnittlich gebildete Eltern haben und im schulischen Kontext höhere kognitive Entwicklungsdefizite aufweisen als nichtarme Kinder. Im Allgemeinen ist festzustellen, dass Armut innerhalb der Familie zwangsläufig zu Konsumeinschränkungen führt. Folglich werden dadurch Beziehungen und Interaktionen gestört, die dann unter anderem Anregungen zu familiären Aktivitäten verringern. Den Betroffenen wird der Zugang zu Statussymbolen erschwert, wodurch nur noch eine geringe außerfamiliäre Beteiligung am sozialen Leben stattfindet. Außerdem kann es zu Fehlernährung und gesundheitsschädlichem Verhalten kommen. Armut kann sich auf viele Arten negativ auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ausüben, jedoch muss festgehalten werden, dass arme Kinder unter keinen spezifischen Syndromen leiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt das Problem der Kinderarmut in Deutschland dar und definiert das Ziel der Arbeit, auf Basis entwicklungstheoretischer Erkenntnisse ein Interventionskonzept zu erstellen.
2 Die kognitive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen: Dieses Kapitel erläutert die kognitiven Stufen nach Piaget sowie den Informationsverarbeitungsansatz als theoretische Grundlage für die kindliche Wissensaneignung.
3 Die Selbstentwicklung von Kindern und Jugendlichen: Hierbei werden die Herausbildung des Ich-Bewusstseins, des Selbstkonzepts und die Prozesse der Identitätsfindung im Jugendalter thematisiert.
4 Die soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen: Das Kapitel behandelt den Einfluss des Temperaments auf die emotionale Entwicklung sowie die Bedeutung von Peer-Beziehungen und familiären Bindungen.
5 Zusammenfassung des Theorieteils: Dieser Abschnitt bietet einen kompakten Überblick über die zuvor behandelten entwicklungspsychologischen Erkenntnisse.
6 Sozialpolitisches Problemfeld: Kinder und Jugendliche in Armut: Hier wird der Armutsbegriff definiert und analysiert, wie Armut als Entwicklungsrisiko zu kognitiven, sozialen und emotionalen Defiziten bei Kindern führt.
7 Spezielle Sozialpolitik für Kinder: Gemeinsam gegen Kinderarmut: Das Kapitel entwickelt auf Basis der theoretischen Erkenntnisse ein Konzept, das gesellschaftliche Aufklärung und institutionelle Maßnahmen zur Armutsprävention vorschlägt.
8 Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert, wobei die Diskrepanz zwischen finanziellen Hilfen und dem gesellschaftlichen Umgang mit Armut beleuchtet wird.
9 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont, dass der Kampf gegen Kinderarmut eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, Entwicklungspsychologie, Sozialpolitik, Armutsrisiko, Selbstkonzept, Identitätsfindung, Soziale Entwicklung, Kognitive Entwicklung, Mobbing, Diskriminierung, Resilienz, Sozioökonomischer Status, Familienbindung, Pädagogische Intervention, Chancengleichheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Kinderarmut als Entwicklungsrisiko und entwickelt Strategien, um die negativen Folgen für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu minimieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zentrale Themen sind die entwicklungstheoretischen Grundlagen (kognitive, soziale, emotionale Entwicklung), der Armutsbegriff, Auswirkungen von Armut auf die kindliche Psyche und schulische Leistungen sowie präventive sozialpolitische Ansätze.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist die theoretische Aufarbeitung der Auswirkungen von Kinderarmut, um daraus ein fundiertes Konzept mit wissenschaftlichen Ratschlägen zur Prävention oder Intervention abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Fallstudie, die durch einen Theorie-Praxis-Transfer psychologische Entwicklungsmodelle auf das sozialpolitische Problemfeld der Kinderarmut anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die kognitive, selbst- und soziale Entwicklung dargestellt, danach das Armutsproblem definiert und abschließend das Konzept „Gemeinsam gegen Kinderarmut“ vorgestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind Kinderarmut, Entwicklungspsychologie, Armutsrisiko, soziale Ausgrenzung, Mobbing und Präventionsstrategien.
Wie unterscheidet sich die relative von der absoluten Armut im Kontext der Entwicklung?
Während absolute Armut die physische Existenz gefährdet, bedroht relative Armut primär die soziale Teilhabe, was bei Kindern oft zu Ausgrenzung und einer gestörten sozialen Entwicklung führt.
Welche Rolle spielt die Schule bei der Stigmatisierung armer Kinder?
Schulen können durch Lehrerbewertungen, die sich am sozioökonomischen Status orientieren, sowie durch mangelnde Sensibilisierung für soziale Unterschiede zur Diskriminierung und Ausgrenzung armer Kinder beitragen.
Warum betont die Arbeit die Notwendigkeit gesellschaftlicher Aufklärung neben finanziellen Leistungen?
Die Autorin argumentiert, dass finanzielle Hilfen zwar existieren, aber das Problem der sozialen Ausgrenzung und Diskriminierung im Alltag nicht lösen können, weshalb ein gesellschaftlicher Bewusstseinswandel notwendig ist.
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- Stefan S. (Autor), 2020, Auswirkung von Kinderarmut auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/906399