Mit dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, ob die Mau Mau Bewegung, die in den 1950er Jahren in Kenia in Opposition zu der britischen Kolonialregierung stattfand, als Geheimbund anzusehen ist oder nicht.
Um diese Frage beantworten zu können, ist eine Definition des Begriffes „Geheimbund“ notwendig. Der Arbeit zugrunde gelegt werden wird die Definition von Knut Knackstedt, der die Merkmale eines Geheimbundes folgendermaßen beschreibt:
„Der Geheimbund ist ein Zusammenschluss von Individuen auf nicht-verwandtschaftlicher Basis. Seine wesentlichen Charakteristika sind im Einvernehmen der Mitglieder intentional ausgerichtete Emotionen und soziale Geschlossenheit zum Zwecke des Bewahrens exklusiven Wissens. Eine Mitgliedschaft kann fakultativ oder obligatorisch sein, immer jedoch wird sie durch eine Initiation gefestigt.“ (Knackstedt 2002:22) kurze Einführungen zum Thema gegeben werden.
Um sich mit dem Hauptakteur des Aufstandes kurz auseinander zu setzen, soll die
Ethnie der Kikuyu beschrieben werden. Als Grundlage dient hier das Buch von Jomo
Kenyatta, dem ehemaligen Führer der Kenya African Union und dem ersten Staatspräsident
eines unabhängigen Kenias, „Facing Mt. Kenya“. In einem zweiten Teil soll kurz
definiert werden, wie ein Bund von zwei weiteren sozialen Begriffen, Gesellschaft und
Gemeinschaft, abzugrenzen ist, und warum man von Geheimbund spricht. Eine dritte
Einführung soll den Leser näher an das Thema heranführen, sie setzt sich mit der Frage
auseinander, woher der Begriff „Mau Mau“ kommt und es sollen die Anfänge der Bewegung
dargestellt werden.
Im Hauptteil, der Frage nach dem Geheimbund, werden die verschiedenen Merkmale
der Geheimbund-Definition aufgeschlüsselt und einzeln behandelt werden. Dabei
kommt der Initiation jedoch die deutlichste Berücksichtigung zu, da diese wohl das
wichtigste Merkmal der Mau Mau Bewegung war. Zu der verwendeten Literatur ist noch zu sagen, dass diese Arbeit sich stark auf Donald
Barnetts und Karari Njamas Werk „Mau Mau from Within“ stützt. Die Beschreibungen
eines ehemaligen Mitgliedes und Kämpfers der Mau Mau ist von großer Bedeutung,
um einen wirklichen Blick auf die Bewegung werfen zu können. Darüber hinaus stützt
sich die Arbeit auf die Thesen Venyš’, Leakeys und Buijtenhuijs’, außerdem Corfields
und ein Internettext Herbert Friedmans, der sich mit der psychologischen Kriegsführung
der Briten als auch mit den Mau Mau als solchen beschäftigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Volk der Kikuyu
3. Bund – Gesellschaft – Gemeinschaft
4. Der Begriff Mau Mau und die Ursprünge der Bewegung
5. Geheimbund?
5.1 Zusammenschluss auf nicht-verwandtschaftlicher Basis
5.2 Intentional ausgerichtete Emotionen
5.3 Soziale Geschlossenheit
5.4 Bewahren exklusiven Wissens
5.5 Initiation
6. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Mau Mau Bewegung in Kenia während der 1950er Jahre unter der Fragestellung, ob diese historisch als Geheimbund klassifiziert werden kann. Dabei erfolgt eine analytische Anwendung wissenschaftlicher Definitionsmerkmale auf die soziopolitischen Strukturen des Aufstandes.
- Ethnografische Grundlagen des Volkes der Kikuyu
- Theoretische Abgrenzung der Begriffe Bund, Gesellschaft und Gemeinschaft
- Ursprungsanalyse des Begriffs Mau Mau
- Kritische Überprüfung geheimbundspezifischer Merkmale (Initiation, Wissensbewahrung, Gruppendynamik)
- Einordnung der Bewegung in das Spannungsfeld zwischen antikolonialem Widerstand und Geheimgesellschaft
Auszug aus dem Buch
5.5 Initiation
Die Initiation kann als das wichtigste und am meisten ausgeprägte Ereignis für einen Kämpfer der Bewegung angesehen werden.
Da Schwüre oder Eide „having been an important sanction in traditional Kikuyu society“ (Barnett 1966:55), hatten sie einen starken Einfluss auf den- oder diejenigen, die den Eid ablegten. Der Schwur sollte die Mitglieder aufs Engste mit der Bewegung verbinden, nicht zuletzt durch die Furcht vor einer „Bestrafung durch übernatürliche Kräfte“ (Venyš 1970:12), wenn man den abgelegten Eid brach. „Es war diese Angst vor Rache […], die dem Mau Mau Schwur seine enorme Macht gab“ (Venyš 1970:12). So argumentiert auch Leakey, der angibt, dass eine „unüberwindliche Furcht vor magischen Gewalten […] allen Schwurzeremonien der Kikuyu zugrunde [lag]“ (Leakey 1953:69).
Zu Beginn der Bewegung war die Mitgliedschaft freiwillig, nach und nach und vor allem in den Jahren bis 1952 wurden jedoch mehr und mehr Kikuyu gezwungen, sich der Gemeinschaft anzuschließen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Status der Mau Mau als Geheimbund und führt in die verwendete Definition sowie die Quellenlage ein.
2. Das Volk der Kikuyu: Dieses Kapitel beschreibt die sozialen, ökonomischen und politischen Strukturen der Ethnie der Kikuyu als Voraussetzung für das Verständnis des Aufstandes.
3. Bund – Gesellschaft – Gemeinschaft: Hier erfolgt eine theoretische Differenzierung der Begriffe, um den soziologischen Rahmen für die spätere Analyse zu schaffen.
4. Der Begriff Mau Mau und die Ursprünge der Bewegung: Das Kapitel beleuchtet die etymologischen Unsicherheiten bezüglich des Namens sowie die historischen Anfänge der Mau Mau Bewegung.
5. Geheimbund?: Der Hauptteil prüft anhand von fünf Kriterien (u.a. Initiation, Wissensbewahrung), inwieweit die Bewegung die Bedingungen eines Geheimbundes erfüllt.
6. Schlussfolgerung: Die abschließende Einordnung charakterisiert die Mau Mau Bewegung eher als eine politisch motivierte Geheimgesellschaft denn als klassischen Geheimbund.
Schlüsselwörter
Mau Mau, Kenia, Kikuyu, Geheimbund, Initiation, Kolonialismus, Widerstand, Eid, Land and Freedom, Jomo Kenyatta, Rebellion, Geheimgesellschaft, Ethnologie, Afrikanische Geschichte, Aufstand
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Mau Mau Bewegung in Kenia während der 1950er Jahre und untersucht deren Struktur hinsichtlich der wissenschaftlichen Kriterien für Geheimbünde.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Kultur der Kikuyu, die Ursprünge des Mau-Mau-Aufstandes sowie die soziologische Klassifizierung von Geheimbünden.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob die Mau Mau Bewegung als Geheimbund anzusehen ist oder ob eine andere begriffliche Kategorisierung zutreffender wäre.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deduktive Methode angewandt, bei der eine definitorische Grundlage eines Geheimbundes auf das empirische Material der Mau Mau Bewegung appliziert wird.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Prüfung spezifischer Kriterien wie die nicht-verwandtschaftliche Basis, emotionale Bindungen, soziale Geschlossenheit, Wissensgeheimhaltung und die Bedeutung der Initiation.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Mau Mau, Kikuyu, Initiation, Widerstand und Kolonialgeschichte geprägt.
Welche Rolle spielten die Eide innerhalb der Bewegung?
Eide dienten als mächtiges Instrument zur Bindung der Mitglieder, wobei die Initiation sowohl eine soziale Verpflichtung als auch eine spirituelle Transformation darstellte.
Warum kommt der Autor zum Schluss, dass es kein klassischer Geheimbund ist?
Die Bewegung war zu groß und für die Behörden zu bekannt, sodass das Kriterium der strikten Geheimhaltung im Vergleich zu einem klassischen Geheimbund in den Hintergrund tritt.
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- Florian Kuhne (Author), 2006, Die Mau Mau Bewegung in Kenia - ein Geheimbund?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90646