Depressionen im Kindes- und Jugendalter


Seminararbeit, 2017

17 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Klassifikation
2.1 Klassifikation nach ICD-10
2.2 Vergleich der Klassifikation des ICD-10 mit der des DSM-IV
2.3 Symptomatik
2.3.1 Depressive Merkmale im Kindesalter
2.3.2 Depressive Merkmale im Jugendalter

3. Diagnostik
3.1 Diagnostische Interviews
3.2 Fragebögen
3.3 Andere Diagnoseinstrumente
3.4 Vergleich von Interviewverfahren und Fragebogendiagnostik
3.4.1 Vor- und Nachteile diagnostischer Interviews

4. Probleme bei der Diagnostik

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bis vor ungefähr drei Jahrzenten wurde davon ausgegangen, dass depressive Störungen bei Kindern und Jugendlichen nicht existieren oder nur sehr selten auftreten. Doch Depressionen im Kindes- und Jugendalter sind nicht selten, sie werden nur kaum erkannt. Epidemiologischen Studien zufolge liegt die Prävalenzrate im Kindesalter bei mehr als 5% und bei Jugendlichen schon bei etwa 10% (vgl. Nissen 2002). Das Anliegen dieser Arbeit ist, die vorhandenen diagnostischen Verfahren zur Bestimmung von depressiven Störungen bei Kindern und Jugendlichen darzustellen und Probleme in der Diagnostik herauszuarbeiten.

Im ersten Teil erfolgt die Definition und Klassifikation von Depression bei Kindern und Jugendlichen. Die Depression ist ein Oberbegriff für Störungen der Gemütslage, die mit Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Interessenverlust sowie Energie- und Antriebslosigkeit einhergehen. Sie können als eigenständige Störung auftreten oder als Folge von anderen schweren Grunderkrankungen oder Belastungen. Darauf aufbauend werden nachfolgend die typischen Symptome depressiver Störungen ausführlich vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen alterstypische Merkmale depressiver Störungen. Die Symptomatik depressiver Störungen verändert sich entsprechend dem Alter und Entwicklungsstand eines jeden Kindes. Während die Merkmale depressiver Störungen im Bereich der kognitiven Symptome in ihren entsprechenden Formen mit zunehmendem Alter eine wichtigere Rolle spielen, liegt der Fokus einer depressiven Symptomatik im Kindesalter vermehrt auf den somatischen Symptomen.

Im Hauptteil dieser Arbeit wird sich mit der Diagnostik auseinander gesetzt. Es werden das diagnostische Interviewverfahren und die Arbeit mit Fragebögen dargestellt. Auf andere Diagnoseinstrumente wird im Rahmen dieser Arbeit nur am Rande eingegangen. Im Hinblick auf die Probleme, die im Rahmen einer Depressionsdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen auftreten können, wird im letzten und dritten Teil auf die Problematik der Komorbidität, der vielfältigen Symptomatik und der Diskrepanz von Kind-Eltern-Aussagen eingegangen. Letzteres wird vertieft thematisiert, indem mögliche Gründe für die Entstehung dieser Diskrepanzen skizziert werden und eine Auseinandersetzung mit der Frage nach Gewichtung und Integration von Unterschieden in den Aussagen stattfindet.

2. Definition und Klassifikation

Um depressive Störungen bei Kindern und Jugendlichen bestimmen zu können, gibt es Klassifizierungssysteme, die die komplexen Zusammenhänge dieser Krankheit herausstellen. Die wichtigste Rolle nehmen hierbei die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit ihrer International Classification of Deseases (ICD-10) und die Amerikanische Psychiatrische Vereinigung mit ihrem diagnostischen und statistischen Manual psychischer Störungen (DSM-IV) ein.

Die zentralen Symptome einer depressiven Störung werden sowohl vom DSM-IV als auch vom ICD-10 wie folgt beschrieben: gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit, rasche Müdigkeit und Reduktion des Antriebs.

2.1 Klassifikation nach ICD-10

Im ICD-10 werden unterschiedliche Störungsbilder unter „Affektive Störungen“ aufgelistet. Die depressive Episode (F32) zeichnet sich durch eine gedrückte Stimmung sowie einen reduzierten Antrieb aus und muss mindestens zwei Wochen anhalten. Weitere depressive Kernsypmtome werden im ICD-10 aufgereiht, wovon mindestens zwei zwingend sind: Depressive Verstimmung, welche die meiste Zeit des Tages, fast täglich und mindestens zwei Wochen anhaltend vorliegen muss; Interessen- oder Freudeverlust an Aktivitäten und verminderter Antrieb oder gesteigerte Ermüdbarkeit. Desweiteren können folgende Symptome auftreten: unbegründete Selbstvorwürfe bzw. unangemessene Schuldgefühle, wiederholte Suizidgedanken, vermindertes Denk- und Konzentrationsvermögen, krankhafte Unruhe oder Hemmung, Schlafstörungen, Appetitverlust oder gesteigerter Appetit (vgl. Groen/Petermann 2002, S. 24f.).

Eine ähnliche Aufteilung findet man auch bei einer rezidivierenden depressiven Episode (F33). Hier muss neben der aktuellen noch mindestens eine weitere depressive Episode in der Vorgeschichte bestanden haben, die ebenso mindestens zwei Wochen andauerte und von der aktuellen Episode durch eine mindestens zweimonatige Zeitspanne abgegrenzt werden kann, die symptomfrei verlief (vgl. ebenda 2002, S. 25).

Depressive Episoden und rezidivierende depressive Störungen lassen sich je nach Schwere und Symptomhäufigkeit in „leicht“, „mittelgradig“, „schwer ohne psychotische Symptome“ und „schwer mit psychotischen Symptomen“ einteilen. Bei einer leichten Störung liegen zwischen vier und fünf Symptome, bei einer mittelgradigen zwischen sechs und sieben und bei einer schweren depressiven Störung liegen alle Kernsymptome und insgesamt acht der genannten Symptome vor. Bei einer leichten Störung besteht im Wesentlichen keine Einschränkung der schulischen und sozialen Aktivitäten. Bei einer mittelgradigen Episode kommt es zu beachtlichen Beeinträchtigungen und bei einer schweren bzw. rezidivierenden Depression kann es ganz zum Erliegen der allgemeinen Aktivitäten kommen (vgl. Groen/Petermann 2002, S.25f.).

Eine Zyklothymie (F34.0) ist charakterisiert durch eine anhaltende Instabilität der Stimmung und einem Wechsel von depressiven und hypomanischen Stimmungsphasen. Als Dysthymie (F34.1) wird eine über mehrere Jahre andauernde, chronische Verstimmung bezeichnet, die konstant immer wieder eintritt und mindestens zwei Jahre anhält, wobei Phasen der normalen Stimmung nicht länger als einige Wochen bestehen. Es sollten zumindest drei der folgenden Symptome auftreten: Verminderter Antrieb bzw. verminderte Aktivität, Schlaflosigkeit, Verlust des Selbstvertrauens oder ein Gefühl von Unzugänglichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Neigung zum Weinen, Interessensverlust oder Libidoverlust, Gefühle von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, Unvermögen mit Routineanforderungen des Lebens fertig zu werden, Pessimismus, sozialer Rückzug und verminderte Gesprächigkeit (vgl. ebenda 2002, S. 27).

Für Kinder und Jugendliche gibt es keine einheitlichen ICD-10 Kriterien depressiver Störungen. Das liegt unter anderem daran, dass die Symptome im Kindes- und Jugendalter einer „entwicklungsspezifischen Metamorphose“ (Nissen 2002, S. 189) unterliegen und es dadurch zu einer deutlich abweichenden Symptompräsentation kommt. In Abbildung 1 sind die in diesem Kapitel erwähnten Störungsbilder zur besseren Übersicht dargestellt.

Abb.1: Klassifikation depressiver Symptome nach ICD-10 (Mehler-Wex 2008, S. 11)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Vergleich der Klassifikation des ICD-10 mit der des DSM-IV

Das DSM-IV und die ICD-10 stimmen zu einem Großteil in der Kategorisierung der Störungen überein. Wie Abbildung 2 zeigt, weisen DSM-IV und ICD-10 mehrere Gemeinsamkeiten auf. Als zentrale Symptome der depressiven Episode werden bei beiden eine niedergeschlagene Stimmung, depressive Wahrnehmung und Suizidgedanken beschrieben (vgl. Essau 2007, S. 19).

Die Major Depression ist vergleichbar mit der depressiven Episode und ist gekennzeichnet durch eine oder mehrere depressive Phasen. Diese dauern mindestens zwei Wochen an, wobei laut DSM-IV dann diese Form vorliegt, wenn an fast allen Tagen mindestens eines der folgenden Kernsymptome auftritt: Depressive Verstimmung bzw. bei Kindern und Jugendlichen auch eine reizbare Verstimmung und ein merklich reduziertes Interesse bzw. Freude an nahezu allen Aktivitäten (vgl. Groen/Petermann 2002, S. 21f.)

Während im ICD-10 die Dysthymie streng genommen als Erkrankung des Erwachsenenalters klassifiziert ist und somit nicht ausdrücklich ein Störungsbild ist, welches Kinder betrifft, sieht der DSM-IV diese Diagnose auch für Minderjährige vor, solange die Symptome länger als ein Jahr auftreten. Auch müssen mindestens drei der folgenden Symptome mehr als fünfzig Prozent des Tages prägen und neben depressiver bzw. reizbarer Stimmung auftreten: Schlaflosigkeit oder gesteigerter Schlafbedarf, Energielosigkeit bzw. Erschöpfungsgefühle, eingeschränkter Selbstwert, Konzentrationseinbußen und Entscheidungshemmung, Hoffnungs-losigkeit, häufiges Weinen, Interessen- und Freudenverlust, sozialer Rückzug, verminderte Gesprächigkeit, Zukunftspessimismus, Appetitverlust oder Appetit-steigerung, gereizte Stimmung.

Abb. 2: Klassifikation von Depressionen in ICD-10 und DSM-VI (Essau 2007, S. 18)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Symptomatik

Depressive Symptome verändern sich mit dem Alter und dem Entwicklungsstand eines Menschen. Für die Unterscheidung der Symptomatik im Erwachsenenalter und der des Kinder- und Jugendalters gibt es einige Gründe (vgl. Nevermann 2009, S. 36): Zuerst einmal sind Kinder und auch Jugendliche noch mitten in ihrer Entwicklung. Der psychische Apparat ist noch nicht vollständig ausgebildet. Zweitens ist besonders bei Kindern die Fähigkeit zur Selbstreflexion noch sehr reduziert. Selbst die Reflexion des eigenen Erlebens kann nur schwer in Worte gefasst werden. Drittens muss erwähnt werden, dass je jünger das Kind ist, desto mehr fehlen ihm sowohl Ausdruck als auch das Bewusstsein für die eigenen psychischen Befindlichkeiten. Viertens besteht eine absolute Abhängigkeit von Erwachsenen. Kinder besitzen kein eigenes Wertesystem, sondern nehmen die Werte auf, die sie in der Familie vermittelt bekommen. Außerdem übernehmen Kinder oftmals auch Teile psychischer Beeinträchtigungen bzw. Störungen der Eltern. Zuletzt fehlt es ohne eigenes Bezugssystem Kindern an Erfahrung, dass andere Gleichaltrige die Welt anders wahrnehmen als sie selber.

Abb. 3: Altersabh ä ngige Symptompr ä sentation der Depression (Mehler-Wex 2008, S. 15)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Titel
Depressionen im Kindes- und Jugendalter
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V906631
ISBN (eBook)
9783346197672
ISBN (Buch)
9783346197689
Sprache
Deutsch
Schlagworte
depressionen, jugendalter, kindes-
Arbeit zitieren
Katja Stepputt (Autor), 2017, Depressionen im Kindes- und Jugendalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/906631

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