Die Stadthalle Magdeburg ist eines der bedeutendsten Bauwerke der Moderne in Magdeburg. Eine kolorierte Zeichnung dieser wurde 1929 der Publikation „Die Rote Stadt im Roten Land“ vorangestellt. Sie wurde begleitend zum Parteitag der SPD herausgegeben und stellte „das Werden und Wirken“ dieser in der Kommunalpolitik Magdeburgs dar. Der Haupttext vom Oberbürgermeister der Stadt geschrieben, wurde mit Abbildungen des Neuen Bauens in Magdeburgs umfassend begleitet. Stolz inszenierte sich Magdeburg zur gleichen Zeit in anderen Werbemitteln als „Stadt des Neuen Bauwillens“. Das die Sozialdemokraten auch in einer politischen Publikation die Architektur bildlich stark einbeziehen, lässt die Frage stellen, inwiefern die architektonischen und städtebaulichen Entwicklungen der Moderne in Magdeburg von der dortigen kommunalen Führung der SPD abhingen.
Um die städtebauliche und politische Situation der Zwanzigerjahre nachvollziehen zu können, ist die Betrachtung der Zustände vor dem Ersten Weltkrieg essenziell. Das Wirken des Oberbürgermeisters Hermann Beims und das des Stadtbaurats Bruno Taut ab 1924, sowie ihre Beziehung zueinander, sollen die Verbindungen zwischen Kunst und Politik in Magdeburg klären. Die Beschreibung der genauen Projekte und ihre Einbindung in die wirtschaftlichen und politischen Ziele werden die Betrachtungen der Wechselwirkungen fortsetzen. Ob Magdeburg als Rote Stadt zur Stadt des Neuen Bauwillens wurde, soll damit umfassend dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Rote Stadt im Roten Land
2. Magdeburg am Anfang des 20. Jahrhunderts
2.1 Festungs- und Industriestadt
2.2 Revolution und politischer Neuanfang
3. Hermann Beims und Bruno Taut
3.1 Taut als Stadtbaurat Magdeburgs
3.2 Die Beziehung zwischen Beims und Taut
4. Magdeburg - Mitteldeutsche Metropole
4.1 Wohnungsbau und Ausstellungen
4.2 Erfolge und Niederlagen
5. Die Rote Stadt als Stadt des Neuen Bauwillens?
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen der kommunalpolitischen Führung der SPD und den architektonischen sowie städtebaulichen Entwicklungen im Magdeburg der 1920er Jahre. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und inwiefern der Wandel Magdeburgs zur "Stadt des Neuen Bauwillens" gezielt von der sozialdemokratischen Stadtverwaltung vorangetrieben wurde und inwieweit dieser Prozess durch parteiübergreifende Konsense ermöglicht wurde.
- Die politische Rolle von Oberbürgermeister Hermann Beims und Stadtbaurat Bruno Taut.
- Die städtebauliche Transformation Magdeburgs unter dem Leitbild des "Neuen Bauens".
- Die Bedeutung von Großsiedlungsbau und Ausstellungswesen für das Image der Stadt.
- Die Einbettung Magdeburgs in die regionalen Ambitionen als mitteldeutsches Wirtschaftszentrum.
Auszug aus dem Buch
3.1 Taut als Stadtbaurat Magdeburgs
Anders als von Hermann Beims in einer kurzen Begrüßungsrede 1921 angesprochen, hatte Bruno Taut anfangs nicht primär vor, sich den praktischen Aufgaben, wie die Vorbereitung der MIAMA oder den anstehenden Wohnungsbau, zu widmen. In seiner Antrittsrede stellte er eine allgemeine Auffassung des Amtes dar und welche Veränderungen er für Magdeburg plane. Dabei sah er sich als universeller Künstler, welcher zentral als Architekt das Kulturbild verändert und prägt. Dieses elitäre und unpolitische Künstlerdasein sollte allerdings nicht mit seiner Position vereinbar sein. Die Magdeburgische Zeitung schrieb in einer ausführlichen Kritik über seine Antrittsrede: „Der Stadtbaurat Taut wird nie vergessen dürfen, daß auch Kommunalpolitik die Kunst des Möglichen ist“.
Taut begann seine Arbeit in Magdeburg mit einem umfänglichen Öffentlichkeitsprogramm. Neben zahlreichen Zeitungsartikeln hielt er Vorträge und initiierte eine Ausstellung über Neu und Alt Magdeburg. Diese „Erweckungsarbeit“ um eine Diskussion über Architektur und Städtebau anzuregen stellte er ein weiteres plakatives Mittel beiseite: die Verwendung von Farbe. Expressionistische Farbgebungen, wie Taut sie bereits in der Gartenstadt Kolonie Reform eingesetzt hatte, wurden in kürzester Zeit Teil des Magdeburger Stadtbildes.
Insbesondere die Bemalungen von Fassaden am Breiten Weg, welcher seit dem Mittelalter wichtigste Handelsstraße und spätestens seit dem barocken Wiederaufbau Wahrzeichen Magdeburgs war, riefen intensive Diskussionen hervor. Im Zentrum der Debatte stand dabei das Kaufhaus Baratsch. Nach einem Entwurf von Oskar Fischer bemalt, befand sich die nun abstrakte Fassade des Breiten Weges 148 in der Sichtachse zum Alten Markt. Die liberale Magdeburgische Zeitung, welche sich bis dahin positiv zu den neuen Farbgebungen bekundet hatte und in ihrem Feuilleton regelmäßig Tauts Beiträge abdruckte, äußerte starke Kritik aufgrund der zentralen Lage des Hauses im Stadtbild und seiner Gestaltung durch die „Verunstalter im Stadtbauamt“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Rote Stadt im Roten Land: Einleitung in die Thematik der architektonischen Moderne in Magdeburg und die Rolle der SPD-Stadtführung.
2. Magdeburg am Anfang des 20. Jahrhunderts: Analyse der historischen Ausgangslage, geprägt durch den Status als Festungsstadt und die sozialen Probleme der Industrialisierung.
3. Hermann Beims und Bruno Taut: Untersuchung der Zusammenarbeit zwischen dem Oberbürgermeister und dem Stadtbaurat sowie der Politisierung des städtischen Bauwesens.
4. Magdeburg - Mitteldeutsche Metropole: Darstellung der Bemühungen Magdeburgs, durch großstädtische Bauprojekte und Ausstellungen eine zentrale wirtschaftliche Funktion in Mitteldeutschland zu erlangen.
5. Die Rote Stadt als Stadt des Neuen Bauwillens?: Fazit über die Wechselwirkung von politischem Willen und städtebaulicher Umsetzung, welche Magdeburgs moderne Identität prägte.
Schlüsselwörter
Magdeburg, Weimarer Republik, Neues Bauen, Bruno Taut, Hermann Beims, Stadtbaurat, Siedlungsbau, Kommunalpolitik, Sozialdemokratie, Architektur, Städtebau, Mitteldeutsche Metropole, Stadtentwicklung, Wohnungsbau, Moderne
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die städtebauliche und politische Entwicklung Magdeburgs während der Weimarer Republik und untersucht die Verbindung zwischen den architektonischen Projekten der Moderne und den Zielen der lokalen sozialdemokratischen Stadtführung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten gehören das "Neue Bauen", der soziale Wohnungsbau (z.B. Beims-Siedlung), das politische Profil der SPD-Führung unter Hermann Beims sowie die Einbettung Magdeburgs in ein überregionales wirtschaftliches Netzwerk.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie politischer Gestaltungswille, architektonische Visionen und wirtschaftliche Ambitionen in Magdeburg zusammenwirkten, um der Stadt ein neues, modernes Image zu verleihen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine kunsthistorische und stadtgeschichtliche Untersuchung, die auf der Analyse von Primärquellen wie historischen Dokumenten, Zeitungsberichten und städtebaulichen Planungen sowie der Auswertung bestehender wissenschaftlicher Sekundärliteratur basiert.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Amtszeit von Bruno Taut als Stadtbaurat, die Kooperation mit Oberbürgermeister Beims, die Herausforderungen der Wohnungsnot und die ambitionierten Pläne, Magdeburg als mitteldeutsches Zentrum zu etablieren.
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Neues Bauen", "Magdeburger Moderne", "sozialdemokratische Kommunalpolitik" und "Städtebau" charakterisiert.
Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit zwischen Beims und Taut?
Die Beziehung war von gegenseitigem Vertrauen und einem gemeinsamen Ziel geprägt: Die Moderne im Stadtbild zu etablieren. Beims stützte Taut politisch, während Taut die bauliche Modernisierung als Mittel zur politischen Imagebildung nutzte.
Welche Bedeutung hatte das Ausstellungswesen für die Stadt?
Ausstellungen wie die MIAMA oder die "Deutsche Theaterausstellung" dienten nicht nur der kulturellen Repräsentation, sondern waren zentrales Instrument der "Metropolitanpolitik", um Magdeburg überregional als führende Stadt zu positionieren.
- Arbeit zitieren
- Lasse Peters (Autor:in), 2020, Die Rote Stadt im Roten Land. Wechselwirkungen von Politik und Architektur im Magdeburg der 1920er Jahre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/906820