In Zeiten zunehmender Globalisierung und sich ständig wechselnden Lebensbedingungen sehen sich Menschen vielfach vor neue Herausforderungen gestellt. Die sogenannte „multikulturelle“ Gesellschaft ist dabei ein sich vom reinen, gern benutzten und modischen Begriff zur Realität zu entwickeln.
Sei es nun im privaten Umfeld, auf der Arbeit, oder in diversen öffentlichen Einrichtungen, überall scheinen sich die kulturellen Grenzen zwischen den Menschen aufzuheben. Wir kaufen unsere Lebensmittel im türkischen Gemüseladen, gehen beim Italiener essen, lassen uns japanische Kampfkünste antrainieren und arbeiten im Büro in multikulturellen Teama zusammen. Diese vielschichtigen und oft unbewussten Kontakte erfordern sowohl Toleranz gegenüber der jeweils anderen Kultur, als auch Einfühlungsvermögen und eine gewisse Kompetenz im Umgang mit anderen Erwatungshaltungen und Wertschätzungen. Diese nennt sich „interkulturelle Kompetenz“, welche Fähigkeiten beinhaltet, die dem Individuum einen Umgang mit Individuen anderer Kulturen in verschiedenen Situationen erleichtert.
Im Rahmen dieser Hausarbeit soll die „interkulturelle Kompetenz“ näher beleuchtet werden, wobei es darauf ankommt, darzustellen, was überhaupt unter diesem Begriff zu verstehen ist. Wichtiger als die bloße Begriffsklärung ist jedoch in der vorliegenden Hausarbeit die Frage nach der Messbarkeit interkultureller Kompetenz, also ob, wie und warum überhaupt eine Messung dieser Fähigkeit vorgenommen werden kann oder sollte. Dabei wird im folgenden Bezug genommen auf zwei mögliche Verfahren interkulturelle Kompetenz zu messen und wie die Messergebnisse schließlich genutzt werden. Des Weiteren werde ich auf die den Verfahren zugrunde liegende Konzepte von interkultureller Kompetenz und Besonderheiten dieser Verfahren eingehen.
Abschließend möchte ich im Rahmen einer Schlussbetrachtung eine grobe Zusammenfassung des Themas und eigene Kommentare zu Vor- und Nachteilen der Verfahren und grundsätzlichen Problemen bei der Messung interkultureller Kompetenz einbringen. Der Begriff interkulturelle Kompetenz setzt sich aus mehreren Wörtern zusammen, daher sollte man fragen: Was ist Kultur, was ist Kompetenz und was ist interkulturell? Das Wort Kultur (lat.: cultura ), bedeutet übersetzt Ackerbau und wurde neben dem Gebrauch im landwirtschaftlichen Sinne auch in der Bedeutung von „Verehrung“ gebraucht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Untersuchungsgegenstand
1.2 Was ist interkulturelle Kompetenz?
2 Messung
2.1 Notwendigkeit der Messung interkultureller Kompetenz
2.2 Gegenstand der Messung
2.3 Problematik der Messung
3 Methoden
3.1 Paper – Pencil - Tests
3.2 Assessment – Verfahren
3.3 Vergleich
4 Konzepte
4.1 Zugrunde liegende Konzepte
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Herausforderung der Messbarkeit interkultureller Kompetenz. Ziel ist es, verschiedene wissenschaftliche Ansätze und Methoden zur Erfassung dieser Kompetenz vorzustellen, ihre zugrunde liegenden Konzepte zu analysieren und kritisch zu reflektieren, wie valide Aussagen über interkulturelle Handlungsfähigkeit in einer globalisierten Welt getroffen werden können.
- Definition und theoretische Einordnung interkultureller Kompetenz
- Notwendigkeit und Problematik der Messbarkeit sozialer Kompetenzen
- Analyse der "Paper-Pencil"-Testmethode (z.B. IDI)
- Untersuchung von Assessment-Verfahren (z.B. INCA-Projekt)
- Kritische Gegenüberstellung kognitiver versus verhaltensbezogener Messansätze
Auszug aus dem Buch
2.3 Problematik der Messung
Was interkulturelle Kompetenz bedeutet und wozu diese dienen kann oder soll, ist im vorangegangen Abschnitt erläutert worden, aber trotzdem scheint dieser Begriff äußerst unklar und kontextlos zu sein. Wie kann man diese spezielle Kompetenz auf das Alltagsleben anwenden? Woran lässt sich interkulturelle Kompetenz festmachen? Weise ich zum Beispiel einen hohen Grad an interkultureller Kompetenz auf, wenn ich die Sprache der anderen Kultur gut beherrsche und die Lebensverhältnisse der fremdkulturellen Individuen kenne? Oder gehört auch das Verständnis bestimmter kultureller Eigenarten, Bräuche, Sitten und Wertvorstellungen zu dieser Fähigkeit?
Genau diese Schwierigkeit, interkulturelle Kompetenz präzise zu beschreiben, macht auch ihre Messung kompliziert. Es ist nicht schwierig den Teilnehmern Fragen über ihre biographischen, sozioökonomischen und persönlichen Voraussetzungen zu stellen, aber die Auswertung und Einordnung der Antworten, besonders wenn es sich um offene Fragestellungen handelt, stellt eine Herausforderung dar. Es existiert kein grundsätzlich geltender Bezugsrahmen, in den die gewonnenen Ergebnisse eingeordnet werden können. Die Schaffung solcher Auswertungsschemata liegt demnach in den Händen der jeweiligen Forschungsgruppe, diese können daher nicht universal sein. Außerdem legt jede Projektgruppe eigene Zeitvorgaben, Räumlichkeiten und vor allem Teilnehmer fest, die die Messung und damit die zu erwartenden Ergebnisse verändern.
Andere Faktoren, die die Messung problematisieren und besonders Messergebnisse verfälschen können, sind die Teilnehmer und Interviewer selber. Im Idealfall antwortet der Befragte auf vom Interviewer gestellte fragen ganz subjektiv und nach seinen eigenen Erfahrungen und Assoziationen. In realen Befragungssituationen finden sich aber des öfteren „Phänomene wie das Zustimmungsverhalten (Akquieszenz), die sozial erwünschte Antwort (social desirability) oder eine fehlende Kooperationsbereitschaft von Seiten des Befragten.“7, welche empirisch nachgewiesen worden sind. Solche Verzerrungen der Ergebnisse einer Untersuchung, ob nun bei Befragungen oder im Rollenspiel, müssen im Rahmen der Untersuchungskonsruktion und der Untersuchungsdurchführung selbstverständlich berücksichtigt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz interkultureller Kompetenz in einer globalisierten Gesellschaft ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Messbarkeit dieser Fähigkeit.
2 Messung: Dieses Kapitel erörtert die Notwendigkeit und den Gegenstand der Messung und beleuchtet kritisch die methodischen Schwierigkeiten sowie potenzielle Verzerrungseffekte bei der Datenerhebung.
3 Methoden: Hier werden verschiedene Verfahren wie "Paper-Pencil-Tests" und "Assessment-Verfahren" vorgestellt und anhand von Praxisbeispielen wie IDI und INCA verglichen.
4 Konzepte: Das Kapitel erläutert die theoretischen Fundamente der Messinstrumente, insbesondere das Stufenmodell von Bennett und den INCA-Referenzrahmen.
5 Schlussbetrachtung: Die Autorin fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Stärken und Schwächen der betrachteten Messmethoden im Kontext der sozialen Kompetenzmessung.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kompetenz, Messverfahren, Paper-Pencil-Test, Assessment, INCA, IDI, Kulturbegriff, Sozialisation, Interaktion, Handlungsfähigkeit, Validität, Interviewereffekte, Bennett-Modell, interkulturelles Lernen, Verhaltensmessung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Definition und der praktischen Messbarkeit von interkultureller Kompetenz im Kontext einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Konzepte von Kultur und Kompetenz, die verschiedenen methodischen Zugänge zur Messung (Testverfahren vs. Assessment) sowie die Problematik von Verzerrungen in der Datenerhebung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, ob und wie interkulturelle Kompetenz als Fähigkeit gemessen werden kann und welche theoretischen Modelle dieser Messung zugrunde liegen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es erfolgt eine Literaturanalyse und ein Vergleich zweier spezifischer Ansätze: Paper-Pencil-Tests (wie IDI) und Assessment-Verfahren (wie INCA).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkrete Instrumente der Kompetenzmessung, erläutert die zugrunde liegenden theoretischen Modelle und vergleicht diese kritisch hinsichtlich ihrer Validität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Interkulturelle Kompetenz, Messverfahren, Validität, soziale Interaktion und theoretische Referenzrahmen.
Was unterscheidet das IDI-Testverfahren vom INCA-Assessment?
Während IDI primär kognitive Strukturen auf Basis des Entwicklungsmodells von Milton Bennett misst, konzentriert sich INCA stärker auf die Erfassung des beobachtbaren Verhaltens in interkulturellen Situationen.
Warum ist die Messung interkultureller Kompetenz problematisch?
Die Messung ist komplex, da kein universaler Bezugsrahmen existiert und subjektive Faktoren sowie Interviewereffekte die Ergebnisse stark beeinflussen können.
- Quote paper
- Kathrin Pflipsen (Author), 2005, Interkulturelle Kompetenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90691