Unterrichtsentwurf am Beispiel des Plinius-Briefes VI,16 (Vesuvausbruch)


Unterrichtsentwurf, 2007
25 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Didaktische Analyse
2.1. Der Brief VI, 16
2.2. Zur fachwissenschaftlichen Relevanz und zum Verständnis des Briefes
2.3. Übersicht über die Unterrichtseinheit zu Plin. epist. VI,16
2.4. Didaktische Reduktion
2.5. Lernziele
2.5.1. Instrumentelle Lernziele
2.5.2. Affektive Lernziele
2.5.3. Kognitive Lernziele

3. Methodische Umsetzung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Anhang A: Plin. epist. VI, 16: Ausbruch des Vesuvs und Heldentum des älteren Plinius

Anhang B: Beispielübersetzung: C. Plinius Secundus ep. VI, 16

1. Einleitung

Plinius der Jüngere ist im Curricularen Lehrplan der Jahrgangsstufe 11 für Latein als erste und zweite Fremdsprache als zu behandelnder Autor vorgesehen[1]. Aus Gesprächen mit Teil­nehmern und Teilnehmerinnen des Seminars "Fachdidaktik-Vertiefung" kam hervor, dass die meisten Lateinstudierenden diesen Autor tatsächlich bereits in der Schule behandelt haben, was darauf hindeutet, dass viele Lehrer die Werke bzw. Textpassagen aus den Werken des jüngeren Plinius für den Schulunterricht als geeignet halten.

Insbesondere die Briefe VI, 16 und VI, 20, die thematisch aufeinander aufbauen, werden häufig im Unterricht behandelt. Genau aus diesem Grund wählte ich einen dieser Briefe für meine Arbeit. In der Auseinandersetzung mit diesem und der Konzeption einer Unterrichtseinheit bzw. eines -abschnitts ist es mein Ziel, einen Unterrichtsentwurf anhand des Vesuv-Briefes VI, 16 zu erstellen und herauszufinden, ob der Einsatz der Briefe im Unterricht be­rechtigt ist.

Genauer gliedert sich die vorliegende Arbeit wie folgt: Nach der Einleitung wird im Kapitel 2 die didaktische Analyse vorgenommen. Hier wird zunächst der Inhalt dargestellt. Darauf folgt eine Erläuterung zur fachwissenschaftlichen Relevanz des Plinius-Briefes allgemein. Hier wird auch die Problemstellung der Auseinandersetzung mit dem Brief im Unterricht erstmals adressiert. Im darauffolgenden Teilkapitel wird eine Gesamtübersicht über eine mögliche Unterrichtseinheit erarbeitet. Auf einen näher zu erklärenden Abschnitt dieser Einheit wird im Rahmen der didaktischen Reduktion dann genauer eingegangen. Die hieraus abgeleiteten Lernziele werden nachfolgend aufgelistet.

In Kapitel 3 wird der bisher methodisch nur kurz vorgestellte Unterrichtsabschnitt im Bezug auf eben die Methodik detaillierter dargestellt. Auch der Erwartungshorizont zu den gestellten Aufgaben bezogen auf den Unterrichtsabschnitt erfolgt an dieser Stelle.

Den Darstellungen liegt kein tatsächlich durchgeführter Unterricht oder eine vorhandene Klasse zugrunde, so dass beispielsweise auch keine Abschätzungen bezüglich der ein­zu­planenden Zeiten gegeben werden. An geeigneter Stelle wird dies im Text genauer begründet.

2. Didaktische Analyse

2.1. Der Brief VI, 16

Der vorliegende Brief beschreibt die Geschehnisse vor dem Lebensende des älteren Plinius[2]. Plinius adressiert diesen Brief an Cornelius Tacitus, um die Taten des Onkels während des Vesuvausbruchs im Jahr 79 n. Chr. der Nachwelt zugänglich zu machen und ihm so zu Ruhm zu verhelfen.

Der Brief VI, 16 lässt sich in vier Sinnabschnitte unterteilen:

1. Proömium: §§ 1-3
2. Eröffnung der Erzählung: §§ 4-7
3. Reaktion des älteren Plinius und Fortgang des Vesuvausbruchs: §§ 8-20
4. Tod des Onkels und Schluss: §§ 17-22

Aus dem Proömium von Plinius geht hervor, dass dieser auf Bitte des Geschichtsschreibers Tacitus den Tod seines Onkels darstellen solle, um ihn wahrheitsgetreuer (verius) der Nachwelt überliefern zu können. Eine Schilderung durch Tacitus bedeute Lobpreisung Plinius d. Ä. als heldenhaften Mann und das Fortbestehen von dessen Taten durch die Geschichts­schrei­bung. So wird auch im Proömium bereits das erste Mal auf den unsterblichen Ruhm (immortalem gloriam) eingegangen, welcher durch die schriftliche Fixierung seiner Taten begründet wird. Plinius schließt die Einleitung damit, dass er seinen Onkel als zu den glücklichsten Menschen zugehörig beschreibt. Dies begründet er damit, dass dieser sowohl selbst lesenswerte Taten (scribere legenda) vollbringt und auch selbst die Gabe erhalten hat, solche zu beschreiben.

In § 4 eröffnet Plinius die Erzählung mit der Beschreibung der Situation seines Onkels, der sich zu jener Zeit am 24. August des Jahres 79 n. Chr. zusammen mit seinem Neffen C. Plinius Secundus und dessen Mutter in Misenum aufhielt und sich seinen Studien widmete. Von dort aus sah er eine riesige Wolke aufsteigen, welche zu diesem Zeitpunkt noch nicht dem Vesuv zugeordnet werden konnte. Sie wird als von ungewöhnlicher Größe und Gestalt (inusitata et magnitudine et specie) beschrieben und später mit der Gestalt einer Pinie verglichen. Es wird im Anschluss beschrieben, wie seine Neugier (studioso animo) ihn dazu antreibt, das Geschehen näher zu untersuchen. Plinius d. Ä. wird hier in seiner Rolle als Forscher dargestellt.

Was Plinius d. Ä. aus Neugier an dem Naturphänomen und mit Forschergeist begann, setzte er aus Heldenmut (maximo) fort: Da er einen Hilferuf erhielt, eilte er den Menschen, die der Gefahr durch den Ausbruch des Vesuvs ausgesetzt waren, mit einem Segelschiff zu Hilfe. Heißer, dichter Ascheregen und Vulkangestein machten es Plinius unmöglich, direkt zum Ziel zu kommen, so dass er gezwungen war, seine Route zu ändern. Diese Darstellung deutet bereits die später folgende bedrohliche Situation an. Mit seinen Schiffsinsassen erreichte er schließlich Stabiae, wo sich auch sein Freund Pomponianus befand. Es dauerte nicht lange bis auch Stabiae sich zu einer Gefahrenzone entwickelte. Zum einen wankten die Häuser aufgrund starker Erdbeben und zum anderen fielen Unmengen von Bimssteinen herab. Ein langer Aufenthalt dort war Plinius und den Einwohnern von Stabiae daher nicht möglich. Sie begaben sich zum Strand und warteten, bis das Meer die Ausfahrt zuließe. Statt dessen verschlimmerte sich die Situation auch dort, so dass viele, durch den Schwefelgeruch veranlasst, die Flucht ergriffen. Plinius, der ohnehin Asthma hatte, brach jedoch trotz der Stütze zweier Sklaven zusammen. Letztlich starb er und am 27. August 79 n. Chr. fand man seinen Leichnam an derselben Stelle und ohne Verletzungen.

Den Schluss des Briefes bildet die Reflexion des Plinius, in welcher er nochmals darauf hinweist, dass nicht er, sondern sein Onkel im Vordergrund dieses Briefes steht und er es Tacitus überläßt, die von ihm geschilderten Geschehnisse geeignet darzustellen (Interim Miseni ego et mater – set nihil ad historiam …).

2.2. Zur fachwissenschaftlichen Relevanz und zum Verständnis des Briefes

Beim Brief VI, 16 handelt es sich um ein für Schüler anspruchsvolles Untersuchungsobjekt. Der stetige Wechsel von Ereignisberichten und Beschreibungen, das ungewohnte und neue Vokabular (Gesteinsarten, vulkanische Elemente, römisches Marinewesen) machen den Text schwierig. Zudem verwendet Plinius oft eine kurze Ausdrucksweise, die jedem Schüler das Verständnis erschwert[3]. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass dieser „Vesuv-Brief“ auch tatsächlich im Unterricht behandelt wird. Dies bestätigte auch ein Gespräch mit vielen Teilnehmern des vertiefenden Latein-Fachdidaktik-Seminars, denen allen der Brief VI, 16 aus der Schulzeit vertraut war. Der Grund dafür, wie Sauer es in einem Zeitschriften­artikel formuliert hat, liegt einerseits in „der Bedeutsamkeit der mitgeteil­ten Ereignisse und deren gekonnter Darstellung“[4]. Andererseits ist das Thema Vulkanismus am Vesuv auch heute noch aktuell, was unter Anderem der Artikel „ZEITBOMBE VESUV-Vulkanforscher warnen vor Untergang Neapels“[5] in Spiegel-Online zeigt. So ist der Brief VI, 16 auch deshalb als Lektüre für den Lateinunterricht relevant, weil durch die Auseinander­setzung mit seinem Inhalt eine Brücke zwischen antiker Geschichte und heute noch bestehender Bedrohung gezogen wird und damit für spannende, interessante sowie zum Nachdenken anregende Unterrichtsatmosphäre gesorgt wird.

Neben der inhaltlichen Eignung für den Unterricht zeigt der Brief, wie das Wissen in der Antike weitergegeben wurde. Er lässt sich also auch aus der Perspektive der Geschichts­schreibung betrachten, mit anderen Quellen vergleichen und analysieren.

Die Kombination unterschiedlicher Gattungen (Brief, Geschichtsschreibung) wirkt sich auch auf das Vokabular aus. Neben den bereits erwähnten vulkanischen Elementen (cinis, pumer, sordidus, spiritus, etc.) kommen Wörter vor, die der Geschichtsschreibung zuzuordnen sind (verius, tradere, celebretur, immortalem gloriam, memorabili casu, perpetuitati, aeternitas, facere scribenda, etc.) und solche, die der Beschreibung Plinius d. Ä, dessen Handlungen sowie dessen Verhaltens dienen (… quod studioso animo incohaverat, obit maximo. …ascendit ipse … multis … laturus auxilium properat illuc, unde alii fuliunt, rectumque cursum, recte gubernacula in periculum tenet adeo solutus metu, …) hinzu.

Zudem ist der Brief so vielfältig in sich, dass es sich Unterrichtseinheiten mit verschiedenen Schwerpunkten konstruieren lassen. Neben der Handlung, die sich um den Ausbruch des Vesuvs dreht, beinhaltet der Brief Themen, die nicht weniger von Bedeutung sind: So bietet es sich an, sich näher mit der Person Plinius d. Ä. und seiner Darstellung durch Plinius bzw. ihrer Beziehung zueinander zu beschäftigen. Denn Plinius d. Ä. steht laut Sauer im Zentrum der Darstellung[6]. Auch die soziale Stellung der am Fuße des Vesuvs wohnenden Menschen und die Erarbeitung des daraus resultierenden römischen Alltags lässt sich anhand der Briefe unter Berücksichtigung der Sekundärliteratur beschreiben und analysieren.

Glücklich nennt ebenfalls zahlreiche Gründe dafür, warum viele Lehrer ungern auf Lektüre der Briefe VI, 16 und 20 verzichten:

„Zu gewichtig ist ihre Bedeutung als erste literarische Beschreibung eines Vulkan-Ausbruchs, als auch heute richtig erscheinende naturwissenschaftliche Beschreibung des Ausbruchs, als Rühmung eines heldenhaften Einsatzes, als Darstellung der menschlichen Gefühle und der Möglichkeiten der Bewährung während einer Katastrophe, als Vorlage für eine Vielzahl von Bildern, Büchern, Opern, als Gegenstand der Auseinandersetzung für viele berühmte Dichter und Schriftsteller, somit als Ausgangspunkt einer langen Reihe von Rezeptionen, als Gegenstand der Reflexion über Schicksal, Götter, Strafe und die Bedingungen menschliche Existenz.“[7]

[...]


[1] vgl. Sauer 1983, S. 167.

[2] Im weiteren Verlauf der Arbeit wird der ältere Plinius mit der Bezeichnung Plinius d. Ä. gekennzeichnet, ist nur Plinius genannt, so ist Plinius der Jüngere gemeint.

[3] vgl. Glücklich 2003A, S. 98.

[4] Sauer 1983, S. 167.

[5] vgl. Hall 2007.

[6] vgl. Sauer 1983, S. 167.

[7] Glücklich 2003A, S. 99.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsentwurf am Beispiel des Plinius-Briefes VI,16 (Vesuvausbruch)
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Veranstaltung
Fachdidaktik - Latein
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V90706
ISBN (eBook)
9783638045612
ISBN (Buch)
9783656661344
Dateigröße
1017 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtsentwurf, Beispiel, Plilius-Briefes, Fachdidaktik, Latein
Arbeit zitieren
Natali Bese (Autor), 2007, Unterrichtsentwurf am Beispiel des Plinius-Briefes VI,16 (Vesuvausbruch), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90706

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