Techniken des reproduktiven Klonens. Ethische Fragestellungen und gesellschaftliche Folgen


Referat (Ausarbeitung), 2018

15 Seiten, Note: 2

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Was ist Klonen ?
2.1 Klontechniken
2.1.1 Embryo-Splitting:
2.1.2 Zellkerntransfer (ZKT)

3 Anwendung des Klonens beim Menschen
3.1 Therapeutisches Klonen
3.2 Klonen zu diagnostischen Zwecken
3.3 Reproduktives Klonen

4 Wann ist ein Mensch ein Mensch?

5 Rechtslage
5.1 Österreich
5.2 International

6 Ethische Probleme des Klonens
6.1 Probleme des Klonens
6.2 Vorteile des Klonens

7 Ethisch-theologische Diskussion

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Was ist eigentlich reproduktives Klonen? Wie geschieht dies und ist es überhaupt in Österreich erlaubt? Klonen ist ein bekanntes Thema; oft sieht man in den Medien verschiedenste bahnbrechende Errungenschaften. Das bekannteste Beispiel dafür war das Klonschaf Dolly.

Aber welche Folgen bringt das Klonen für die Gesellschaft mit sich? Ist ein Klon ein richtiger Mensch? Welche Vor- und Nachteile bietet das Klonen?

Solchen und einigen anderen Fragen versucht diese Referatsausarbeitung genauer auf den Grund zu gehen. Es werden zunächst Techniken des Klonens vorgestellt und es wird eine sachliche Einführung in diese komplexe Materie gegeben. Der nächste Abschnitt der Arbeit widmet sich der ethischen Beurteilung des Klonens und den damit aufkommenden Problemen.

2 Was ist Klonen?

Der Begriff Klonen ist nicht ganz so eindeutig. Ursprünglich kommt der Begriff des >Klons< aus dem Griechischen, was so viel heißt wie >Spross< oder >Schößling<. In der Molekulargenetik ist das Klonen von Organismen, wie DNA-Fragmenten, Bakterien und Zellen, zu einer bewährten Technik geworden. 1 Ziel des Klonens ist die Herstellung eines genetisch identischen Duplikates dieser Organismen.2 Der Einsatz des Klonens beginnt auf der molekularen Ebene bei der DNA (Desoxyribonucleinsäure), die die chemische Grundlage unseres Erbguts ist.3

Grundsätzlich wird die geschlechtliche Fortpflanzung über die Verschmelzung von Samen- und Eizellen vollzogen, die eine neue Zusammensetzung von väterlichem und mütterlichem Erbgut zur Folge hat.4 Ein neues Lebewesen soll dadurch eine Verbindung von beiden Erbgütern werden.5 Klonen bedient sich hier einer anderen Methode. Das Klonen ist grundsätzlich ein ungeschlechtlicher Vorgang, bei dem es zu keiner Neuordnung der Gene kommt, da der Eingriff von außen, künstlich, stattfindet. Es entsteht vielmehr eine fast identische Kopie des Originals.6

2.1 Klontechniken

Es gibt im derzeitigen Wissenschaftsstand zwei verschiedene Klontechniken. Diese werden nun vorgestellt.

2.1.1 Embryo-Splitting:

Bei diesem Verfahren wird ein Embryo durch einen mikrochirurgischen Eingriff in mehrere Zellen geteilt.7 Diese erzeugten Zellen müssen totipotent sein, d.h. diese Zellen können sich vollständig zu einem eigenen Organismus entwickeln. Ein menschlicher Embryo z.B. hat bis zum 8-Zell-Stadium totipotente Zellen. Das Embryo-Splitting muss also dann durchgeführt werden, solange der Embryo noch über totipotente Zellen verfügt.8 Beim Klonen von Tieren ist diese Methode schon erprobt worden, so wurde z.B. ein Embryo-Splitting beim Rhesusaffen durchgeführt. Die geklonten Embryonen wurden in Leihmütter eingesetzt und infolgedessen kam es zu einer Lebendgeburt.9 Beim Menschen wurde diese Methode am erfolgreichsten mit einem Embryo im 2-Zell-Stadium durchgeführt. 1993 wurde ein Versuch publiziert, in dem sich aus dem >splitting< von totipotenten Zellen eine Entwicklung bis zum 32-Zellen Embryo nachweisen ließ.10

2.1.2 Zellkerntransfer (ZKT)

Beim ZKT wird die Erbsubstanz einer Eizelle entfernt und durch den Zellkern der Somazelle ersetzt, deren Kopie man erstellen will.11 Aus einer somatischen Zelle können keine Geschlechtszellen hervorgehen, da diese eine Körperzelle ist. Zellen, aus denen Gameten hervorgehen, nennt man Keimzellen.12 Der Zellkern der Eizelle wird mit einer Mikropipette entfernt und durch den Zellkern der Somazelle ersetzt. Durch elektrische Impulse wird der implantierte Zellkern animiert, sich mit dem der Eizelle zu fusionieren.13 Der Embryo wird dann in vitro kultiviert und einer Leihmutter eingepflanzt.14 Der ZKT wurde auch beim bekannten Dolly-Experiment angewandt. Dolly war das erste geklonte Schaf der Welt. Damit sie das Licht der Welt erblicken konnte, mussten 277 Versuche gestartet werden. Lediglich 29 von 277 Embryonen konnten sich weiterentwickeln. Insgesamt wurden 13 Leihmutterschafe für das Experiment verwendet. Dolly war das einzige Schaf, das geboren werden konnte und das nach seiner Geburt noch sechs weitere Jahre überlebte. 15

3 Anwendung des Klonens beim Menschen

Die Technik des Klonens wird beim Menschen sehr unterschiedlich angewandt. Das Klonen dient nicht nur rein der Fortpflanzung, sondern wird auch in anderen medizinischen Feldern genutzt, um Menschen heilen zu können.

3.1 Therapeutisches Klonen

Beim therapeutischen Klonen ruht die Hoffnung auf dem Stammzellenklonen. Die Stammzellenforschung erhofft sich so neue Erkenntnisse, um Krankheiten therapierbar zu machen. Ein großes Problem des Stammzellentransfers ist die natürliche Abstoßungsreaktion des Körpers von fremden Stammzellen. Deshalb wird beim therapeutischen Klonen aus dem eigenen Erbgut eines Patienten/ einer Patientin neues Gewebe gezüchtet, welches später von dessen/ deren Immunsystem akzeptiert wird. So kann auch die Organtransplantation eine große Weiterentwicklung erlangen. Aus Stammzellen könnten sich ganze Organe entwickeln und anschließend dem Empfänger eingesetzt werden, ohne dass es eine Abstoßung des Organs gibt, da dieses ja aus den Stammzellen des Empfängers/ der Empfängerin entnommen wurde. 16

3.2 Klonen zu diagnostischen Zwecken

Beim diagnostischen Klonen werden mithilfe der IVF (In-vitro-Fertilisation) Zellen eines Embryos entnommen und einer Präimplantationsdiagnostik (PID) unterzogen. Dabei werden genetische Abweichungen untersucht. Gesunde Embryonen werden eingepflanzt und ungesunde Embryonen vernichtet. Da die Zellen eines Embryos bis zum 8-Zell-Stadium noch totipotent sind und die neu gewonnenen Zellen durch Embryo-splitting entnommen werden, wird dies als Klonen bezeichnet.17

3.3 Reproduktives Klonen

Vom reproduktiven Klonen spricht man, wenn mithilfe der ZKT-Technik eine ungeschlechtliche Vermehrung vollzogen wird. Der erzeugte Embryo wird einer Leihmutter eingesetzt.18 Bis jetzt gibt es keine nachgewiesenen menschlichen Klone. Die ganze Forschung dazu befindet sich in einem frühen Stadium. Auch eine völlig exakte Kopie eines Menschen wird es nicht geben können, da in der zellkernlosen Eizelle nicht sämtliche Erbgutinformationen entfernt werden können und ein gewisses Resterbgut erhalten bleibt.19 Das Problem der Forschung ist derzeit, dass es zu viele Risikofaktoren gibt, um einen Menschen zu klonen. Das Klonschaf Dolly wurde aus 277 Versuchen erschaffen und lebte danach nur sechs Jahre. Um eine Forschung mit Menschen möglich zu machen, müssten Mütter unzählige Schwangerschaften ertragen, um überhaupt theoretisch ein geklontes Kind zu gebären.20

4 Wann ist ein Mensch ein Mensch?

Klonen ist unter anderem deshalb ethisch umstritten, weil dabei Menschen leiden oder gar getötet werden müssen. Leiden müssen Menschen z.B. bei der Leihmutterschaft, die in zahlreichen Versuchen zur Erforschung vollzogen werden muss. Um zu klären, ob beim Klonen auch Menschen sterben, muss zunächst überlegt werden, wann menschliches Leben überhaupt beginnt.

Es gibt dazu sehr viele verschiedene Theorien. Zum einen wird gesagt, dass die Empfindungsfähigkeit des Embryos das entscheidende Kriterium ist. Diese setzt ein funktionierendes Nervensystem voraus, das sich bei einem Embryo ca. in der zweiten Woche entwickelt.21

Eine andere Möglichkeit, den Beginn menschlichen Lebens festzusetzen, wäre mit der Ausbildung des Gehirns. Der Beginn des Hirnlebens beginnt ca. mit dem 57. Tag nach der Empfängnis. Gegen diese These spricht, dass Embryonen vor diesem Stichtag demnach als hirntot gelten müssten. Ob besagte Embryonen dann die gleiche Rechte wie hirntote Menschen haben, bleibt offen.22

Für einige Wissenschaftler definiert die Fähigkeit der Selbstachtung die menschliche Würde. Da Embryonen keine Selbstachtung empfinden, hätten diese auch keine Menschenwürde. Dagegen spricht z.B. die Stellung eines Komapatienten, der auch keine Selbstachtung hat. Nach dieser Theorie müsste der Embryo also die gleichen Rechte wie ein Komapatient haben.23

Die christliche Sichtweise strebt danach, die menschliche Lebensmöglichkeit zu schützen. Einen Menschen zeichnet gegenüber einem Tier seine Gottesebenbildlichkeit aus. Die Heiligkeit des menschlichen Lebens drückt sich auch durch das fünfte Gebot, das Tötungsverbot, aus. Ein Mensch soll keinen anderen Menschen töten. Ein Embryo hat das Potential, ein Mensch zu werden. Damit ist auch sein Leben schützenswert.24

Setzt man das menschliche Leben nun mit der Befruchtung der weiblichen Eizelle durch eine männliche Samenzelle an, muss diese Verbindung ebenso geschützt werden, wie ein schon geborener Mensch.25 Diese Verschmelzung von weiblicher und männlicher Keimzelle nennt man auch Zygote.26 Die katholische Kirche und die EKD gaben 1989 die Schrift >Gott ist ein Freund des Lebens< heraus. In dieser wird die Zygote mit voll entwickelten Menschen gleichgesetzt. Die Meinung innerhalb der evangelischen Kirche, wann Leben beginnt, ist aber nicht so einheitlich wie die innerhalb der katholischen Kirche. Das rührt u.a. daher, dass die evangelische Kirche sehr vielseitig ist und keine lehramtliche Hierarchie wie die katholische Kirche hat.27

[...]


1 Vgl. Kersten: Das Klonen von Menschen, S. 6.

2 Vgl. Sadaryan: Bioethik in ökumenischer Perspektive, S. 221.

3 Vgl. Hillebrand/Lanzerath: Klonen, Stand der Forschung, S. 11.

4 Vgl. Hillebrand/Lanzerath: Klonen, Stand der Forschung, S. 11.

5 Vgl. Kersten: Das Klonen von Menschen, S. 7.

6 Vgl. Hillebrand/Lanzerath: Klonen, Stand der Forschung, S. 11.

7 Vgl. Kersten: Das Klonen von Menschen, S. 8.

8 Vgl. Hillebrand/Lanzerath: Klonen, Stand der Forschung, S. 12.

9 Vgl. Kersten: Das Klonen von Menschen, S. 9.

10 Vgl. Graf: Klonen, S. 35.

11 Vgl. Sadaryan: Bioethik in ökumenischer Perspektive, S. 221.

12 Vgl. Graf: Klonen, S. 372-375.

13 Vgl. Schreiner: Klonen durch Zellkerntransfer, S. 12.

14 Vgl. Sadaryan: Bioethik in ökumenischer Perspektive, S. 221.

15 Vgl. Graf: Klonen, S. 33.

16 Vgl. Hengstschläger: Das ungeborene menschliche Leben, S. 159-160.

17 Vgl. Kersten: Das Klonen von Menschen, S. 23-25.

18 Vgl. Schreiner: Klonen durch Zellkerntransfer, S. 15.

19 Vgl. Sadaryan: Bioethik in ökumenischer Perspektive, S. 222.

20 Vgl. Hengstschläger: Das ungeborene menschliche Leben, S. 169.

21 Vgl. Zoglauer: Konstruiertes Leben, S. 61.

22 Vgl. Zoglauer: Konstruiertes Leben, S. 61.

23 Vgl. Zoglauer: Konstruiertes Leben, S. 61-62.

24 Vgl. Fischer: Die Schutzwürdigkeit, S. 30-31.

25 Vgl. Körtner: Bioethische Ökumene, S. 76.

26 Vgl. Graf: Klonen, S. 376.

27 Vgl. Körtner: Bioethische Ökumene, S. 76-81.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Techniken des reproduktiven Klonens. Ethische Fragestellungen und gesellschaftliche Folgen
Hochschule
Universität Wien
Note
2
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V907364
ISBN (eBook)
9783346210074
ISBN (Buch)
9783346210081
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reproduktives Klonen, klonen
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Techniken des reproduktiven Klonens. Ethische Fragestellungen und gesellschaftliche Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/907364

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