Kirchweihe aus der Sicht der byzantinischen Orthodoxen Kirche und der lutherischen Kirche


Seminararbeit, 2017

17 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Weihung einer Kirche durch einen Bischof

3 Die Weihung
3.1 Vorbereitung
3.2 Der Beginn der Weihung
3.2.1 Ankunft und Einzug des Bischofs
3.2.2 Beginn des Gebets
3.2.3 Entfernung des Waches
3.2.4 Nägel und Steine
3.2.5 Die Taufe des Altars
3.2.6 Weinsegnung des heiligen Tisches
3.2.7 Salbung des Altars
3.2.8 Bindung des Altars
3.2.9 Einkleidung des Altars
3.2.10 Beweihräucherung des Altars
3.3 Prozession
3.4 Der Einzug in die Kirche
3.4.1 Gebet vor dem Haupttor
3.4.2 Einzug in die Kirche
3.4.3 Platzierung der Reliquien

4 Evangelische Kirchweihe
4.1 Liturgische Elemente in der evangelischen Kirchweihe
4.2 Das ALTAR Verständnis im Luthertum

5 Resümee

6 Literaturliste

1 Einleitung

Die folgende Arbeit befasst sich mit der Weihung einer orthodoxen Kirche laut dem >Book of Needs<, welches mir in englischer Sprache vorlag. Bei der gewählten Methode handelt es sich um die Textanalyse; dabei wurden die englischen Texte übersetzt. Die einzelnen Schritte werden angeführt und verständlich erklärt, um einen späteren Vergleich zu starten. Für Laien, die nicht mit dem orthodoxen Ritus vertraut sind, öffnet sich im >Book of Needs< eine ganz neue und unbekannte Ansicht eines Gottesdienstes. Noch komplizierter ist die Sonderform der Kirchweihe, die von den verschiedenen Patriarchen der Welt immer wieder anders gefeiert wird. Eine offizielle Form, nach der jede Weihe vorgenommen wird, gibt es leider nicht. In dieser Arbeit gehe ich vor allem auf den byzantinischen Kirchweihritus ein, der in diversen Ausprägungen noch heute seine Verwendung findet.

Anschließend wird die lutherische Kirchweihe untersucht, vor allem anhand der Kirchweih-Predigt, die Luther zur Torgauer Schlosskapelle hielt. Ausgewählte Aspekte werden mit dem byzantinischen Kirchweihritus verglichen; dabei wird insbesondere auf die verschiedenen Schritte der byzantinischen Weihe und die der lutherischen Weihe geachtet.

Das Ergebnis der Untersuchung wird im Resümee der Arbeit erläutert und soll kurz und verständlich die Unterschiede zwischen byzantinischer und lutherischer Kirchweihe anführen.

2 Die Weihung einer Kirche durch einen Bischof

Die folgende Auflistung aller liturgischen Elemente findet sich im >Great Trebnik<, auch bezeichnet als >Book of Needs<, wieder. Diese Auflistung hatte bis zum Beginn des 20. Jh. seine Gültigkeit, wurde danach jedoch immer mehr durch den amerikanischen Ritus zurückgedrängt. In der Russisch-Orthodoxen Kirche wird die ursprüngliche Liturgie aber immer noch verwendet, wenngleich der ausführende Bischof auch die Art der Weihung bestimmen darf.1

Eine Kirche darf laut dem >Book of Needs< unter vier Voraussetzungen geweiht werden:

- Wenn eine Kirche neu gebaut oder neu aufgebaut wurde, wobei sich >neu aufgebaut< tatsächlich auf Kirchen mit gewaltigen Schäden bezieht, wie so oft nach dem Krieg vorkamen.
- Wenn die Kirche komplett zweckentfremdet worden war. In Russland beispielsweise war es oft der Fall, dass der Staat Kirchen enteignete und diese für keine liturgischen Anlässe mehr verwendet wurden. Als Russland sie schließlich nach dem Zerfall der Sowjetunion zurückgab, war eine erneute Weihung gerechtfertigt.
- Wenn die Kirche vorher einer Gemeinde anderer Konfession gehört hatte und nun zu einer orthodoxen wird.
- Wenn eine Kirche umgebaut wurde und dabei der Altar und der heilige Tisch entfernt wurden.2

3 Die Weihung

3.1 Vorbereitung

Im >Book of Needs< finden sich neben den liturgischen Vorgängen auch viele praktische Hilfestellungen, die vor und während der Kirchweihe von großer Nützlichkeit sind. Solch ein Vorschlag ist bspw. eine Anleitung zum Vorbereiten aller liturgischen Elemente wie Nägel, Schnüre oder der richtigen Utensilien für das Weihwasser. Am Vortag der Weihe liegt ein ganz besonderes Augenmerk auf der Herstellung des Wachsgemisches.3 Dieses wird während der Messe auf die Tischbeine aufgetragen, sodass die Tischplatte gut auf diesen befestigt werden kann. Zur Herstellung des Gemisches werden verschiedene Harze, Aloe, Myrre, Rosenwasser, Marmormehl und Bienenwachs verwendet.4

3.2 Der Beginn der Weihung

3.2.1 Ankunft und Einzug des Bischofs

Zu Beginn der Weihung betreten der Bischof und seine Weihpriester die Kirche. Dabei trägt der Bischof meist eine spezielle weiße Kleidung über seinem liturgischen Gewand. Wenn er diese trägt, müssen auch die Priester ein Obergewand tragen, da ein einheitliches Prozessionsgewand zu diesem Anlass wichtig ist.5

Die heiligen Tore des Altars werden geöffnet und der Klerus tritt in diesen ein. Alle Personen, die nicht zum Klerus gehören, verlassen den Altarraum. Der Bischof betet und besprenkelt die Säulen und Wände mit Weihwasser. Ein Gehilfe bringt ein Wachsgemisch und der Bischof besprenkelt zunächst auch dieses mit Weihwasser, um es zu segnen. Danach trägt er es in Form eines Kreuzes auf die Säulen auf, woraufhin es die Aufgabe der Priester ist, den Prozess des Erstarrens des aufgetragenen Wachsgemisches durch Blasen zu beschleunigen.

3.2.2 Beginn des Gebets

Der Diakon beginnt das Gebet mit den Worten: „Lasst uns den Herrn anbeten“.

Der Bischof antwortet mit einem kurzen Gebet; danach wird Psalm 144 von allen gemeinsam gesungen.6 Anschließend spricht der Bischof die Formel: „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Jetzt und immerdar und in aller Ewigkeit. Amen“.7

3.2.3 Entfernung des Waches

Vier Messer werden gebracht, damit das überschüssige Wachs auf den Tischbeinen von den Priestern abgekratzt werden kann.8

Während des Abkratzens wird Psalm 22 gebetet; dies dient einerseits zum Übertönen der Schabgeräusche und andererseits zum Feiern der Kirchweihe für die Messbesucher. Da sich das Geschehen zum größten Teil im Altarbereich abspielt, bietet der Psalm dem Messbesucher die Möglichkeit, mitzubekommen und zu verstehen, was der Klerus gerade macht.

3.2.4 Nägel und Steine

Der nächste Schritt in der Kirchsegnung ist das Anbringen der Tischplatte auf den zuvor vorbereiteten Tischbeinen. Die Gehilfen bringen 4 Nägel und 4 Steine, die vom Bischof mit Weihwasser gesegnet und anschließend auf den heiligen Tisch gelegt werden. In besagten Tisch werden die Nägel, mit den Steinen als Hammer dienend, hineingeschlagen. Auf einem Polster kniend, der vor den geöffneten heiligen Türen zuvor bereitgelegt wurde, betet der Bischof den Messbesuchern zugewandt, die stets mit ihm knien.9

3.2.5 Die Taufe des Altars

Nach dem Gebet des Bischofs folgt ein Dualgebet zwischen dem Diakon und den Priestern.10 Wein und Rosenwasser werden zum Bischof gebracht und von diesem gesegnet. Erneut wird ein Gebet gesprochen: „Herr, unser Gott, der du die Fluten des Jordans mit deiner heilbringenden Erscheinung geweiht hast, sende du selbst auch jetzt die Gnade deines Heiligen Geistes auf diesen Altartisch und segne uns und dieses Wasser zur Heiligung und Vollendung dieser Opferstätte“. Anschließend wird warmes Wasser mit einer Schöpfkelle über den heiligen Tisch gegossen,11 der dann auch wieder mit Tüchern trockengewischt wird, was gleichzeitig das Beten des 83. Psalms einleitet.12

3.2.6 Weinsegnung des heiligen Tisches

Der heilige Tisch wird mit einem Wein-Rosenwasser-Gemisch in Form eines Kreuzes besprenkelt, begleitet von folgendem Gebet des Bischofs: „Entsündige mich mit Ysop, dann werde ich rein, wasche mich, dann werde ich weißer als Schnee.“13 Anschließend werden die Verse 10-21 des 51. Psalms gebetet.14

Danach wird der heilige Tisch mit Schwämmen gereinigt und das Altartuch, auch Antimension genannt, wird auf dem oberen Ende des Tischs gesegnet.15 Das Antimension ist ein viereckiges Tuch aus Seide oder Leinen und erinnert an die Grablegung Christi. Auch Säckchen mit Reliquien werden eingenäht.16 Die Symbole der vier Evangelisten finden sich jeweils an den Ecken des Tuches. Weiters ist es ein unentbehrlicher Bestandteil der Liturgie, ohne den nicht zelebriert werden kann. Übersetzt heißt Antimension so viel wie >an Stelle des Altars<. Bei der Weihe der Kirche wird es zusammen mit dem Tisch geweiht.

[...]


1 BOOKOFNEEDS, S. 55.

2 BOOKOFNEEDS, S. 55.

3 BOOKOFNEEDS, S. 56-57.

4 https://orthodoxwiki.org/Wax/mastic.

5 BOOKOFNEEDS, S. 58.

6 BOOKOFNEEDS: S. 59.

7 BOOKOFNEEDS: S. 58-61.

8 BOOKOFNEEDS: S. 60.

9 BOOKOFNEEDS: S. 61.

10 BOOKOFNEEDS: S. 63-65.

11 BOOKOFNEEDS: S. 64.

12 BOOKOFNEEDS: S. 65.

13 Nikolaou, Egkainia. Kirchweihe, S. 61.

14 BOOKOFNEEDS: S. 66.

15 BOOKOFNEEDS: S. 67.

16 Lorgus/Dudko, Orthodoxes Glaubensbuch, S. 26.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Kirchweihe aus der Sicht der byzantinischen Orthodoxen Kirche und der lutherischen Kirche
Hochschule
Universität Wien
Note
2
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V907370
ISBN (eBook)
9783346199461
ISBN (Buch)
9783346199478
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kirchweihe, byzantinischen, Orthodoxen, lutherischen, Kirche
Arbeit zitieren
Christoph Igibert (Autor), 2017, Kirchweihe aus der Sicht der byzantinischen Orthodoxen Kirche und der lutherischen Kirche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/907370

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