Es gelang der Hussitischen Bewegung bereits 100 Jahre vor dem Auftreten Luthers einen tiefgreifenden politischen und religiösen Umsturz zu erzielen. Maßgeblicher Auslöser für diese Entwicklung war die Hinrichtung des Theologen Jan Hus durch das Konstanzer Konzil. Diese Entscheidung hatte zur Folge, dass sich seine Anhänger gegen die Kirche und den Kaiser formierten und für ihre Forderungen in den Krieg zogen. Am Ende der sogenannten Hussitenkriege war die böhmische Ständegesellschaft transformiert und eine Hussitische und Katholische Koexistenz existierte. Angesichts dieser Resultate drängt sich die Frage auf, inwiefern die Hussitische Bewegung als eine revolutionäre Bewegung bezeichnet werden kann.
Dieser Fragestellung folgend versucht die vorliegende Arbeit einen Teil zur Erforschung des Hussitentums beizutragen. Demgemäß soll die Hussitische Bewegung auf ihren revolutionären Charakter hin untersucht werden. Wohl lässt sich anhand der Literatur bereits die Zuschreibung eines solchen Charakters für das Hussitentum finden. Exemplarisch sei hier nur auf František Šmahels „Die Hussitische Revolution“ verwiesen. Dennoch wird diese Zuschreibung zumeist nicht problematisiert oder argumentativ untermauert. Die vorliegende Arbeit versucht diese Lücke zu schließen und hat zu ihrem Ziel, diese Zuschreibung einer Überprüfung zu unterziehen
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Forschungstand
- Der Begriff der Revolution
- Historischer Kontext: Das Vorhussitische Böhmen
- Eine Krise des Spätmittelalters?
- Böhmen im 14. Jahrhundert
- Jan Hus: Ein revolutionärer Vordenker?
- Das Hussitentum: Eine revolutionäre Bewegung?
- Die Entstehung der Hussitischen Bewegung
- Interne Spaltung: Die verschiedenen Gruppen und ihre Ziele
- Die Vier Prager Artikel
- Die Hussitenkriege 1420-1434
- Folgen und Resultate der Hussitenkriege
- Eine revolutionäre Bewegung?
- Zusammenfassende Bewertung
- Quellenverzeichnis
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Bachelorarbeit befasst sich mit der Hussitischen Bewegung in Böhmen und analysiert deren revolutionären Charakter. Das Ziel der Arbeit ist es, die Hussitische Bewegung anhand von Strukturmerkmalen einer Revolution zu bewerten, indem die Positionen Jan Huss und die Entwicklungen innerhalb der Bewegung betrachtet werden.
- Definition des Begriffs "Revolution" und die Herausarbeitung relevanter Strukturmerkmale
- Analyse des historischen Kontextes des Vorhussitischen Böhmens
- Untersuchung der Rolle Jan Huss als möglicher revolutionärer Vordenker
- Darstellung der Entstehung und der internen Spaltung der Hussitischen Bewegung
- Bewertung der Hussitischen Bewegung im Hinblick auf ihre Ergebnisse, insbesondere die Hussitenkriege
Zusammenfassung der Kapitel
- Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach dem revolutionären Charakter der Hussitischen Bewegung in den Vordergrund und skizziert den historischen Kontext sowie die Relevanz der Thematik.
- Das Kapitel "Forschungstand" beleuchtet die aktuelle Forschung zum Thema Hussitentum, insbesondere die tschechische und deutsche Perspektive.
- Das Kapitel "Der Begriff der Revolution" definiert den Begriff "Revolution" und benennt relevante Strukturmerkmale, die für die Analyse der Hussitischen Bewegung relevant sind.
- Das Kapitel "Historischer Kontext: Das Vorhussitische Böhmen" beschreibt die politische und gesellschaftliche Situation in Böhmen vor der Entstehung der Hussitischen Bewegung.
- Das Kapitel "Jan Hus: Ein revolutionärer Vordenker?" analysiert die Ansichten und Positionen Jan Huss und untersucht, ob er als revolutionärer Vordenker bezeichnet werden kann.
- Das Kapitel "Das Hussitentum: Eine revolutionäre Bewegung?" beschäftigt sich mit der Entstehung der Hussitischen Bewegung, ihren internen Spaltungsprozessen und den wichtigsten Meilensteinen, wie den Vier Prager Artikeln und den Hussitenkriegen.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Hussitentum, einer religiös-politischen Bewegung in Böhmen im 15. Jahrhundert. Im Fokus stehen der revolutionäre Charakter der Bewegung, die Rolle des Theologen Jan Hus als Vordenker, die Entstehung und Entwicklung der Bewegung sowie die Ergebnisse der Hussitenkriege. Weitere relevante Schlüsselbegriffe sind: Reformation, mittelalterliches Böhmen, Kirchengeschichte, politische und gesellschaftliche Umbrüche.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Jan Hus und welche Rolle spielte er für das Hussitentum?
Jan Hus war ein böhmischer Theologe und Reformator. Seine Kritik an der Kirche und seine anschließende Hinrichtung durch das Konstanzer Konzil waren der maßgebliche Auslöser für die hussitische Bewegung.
Kann man die hussitische Bewegung als „Revolution“ bezeichnen?
Die Arbeit untersucht dies anhand von Strukturmerkmalen einer Revolution. Da die Bewegung zu einem tiefgreifenden politischen und religiösen Umsturz sowie einer Transformation der böhmischen Ständegesellschaft führte, wird dieser Begriff oft bejaht.
Was waren die „Vier Prager Artikel“?
Dies war das zentrale Programm der Hussiten, das unter anderem die freie Predigt des Wortes Gottes und den Kelchkommunion (Laienkelch) forderte.
Was waren die Folgen der Hussitenkriege (1420–1434)?
Die Kriege führten zu einer Koexistenz von Hussiten und Katholiken in Böhmen und stärkten die politische Macht der böhmischen Stände gegenüber dem Kaiser und der Kirche.
Wie war die hussitische Bewegung intern gespalten?
Es gab verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Zielen, primär die gemäßigten Utraquisten (Adel und Bürgertum) und die radikalen Taboriten.
Wie unterschied sich das Hussitentum von Luthers Reformation?
Das Hussitentum trat bereits rund 100 Jahre vor Martin Luther auf und erzielte einen frühen, regional begrenzten Umbruch in Böhmen, der viele spätere reformatorische Gedanken vorwegnahm.
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- Björn Schweizer (Author), 2019, Das Hussitentum: Eine revolutionäre Bewegung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/907643