Ein funktionierendes Finanzsystem ist für die Prosperität und die Entwicklung einer Volkswirtschaft von entscheidender Bedeutung. Unsicherheiten und Unwägbarkeiten würden sowohl das System als auch die Mechanismen gefährden. Somit bedarf es, um in diesem Prozess einzugreifen, gute Argumente für die politischen Akteure. Bei einem Marktversagen, in denen der Marktmechanismus nicht oder nicht ausreichend die ihm in der Marktwirtschaft zukommenden Funktionen erfüllen kann, kann ein Eingriff sinnvoll sein.
Regulierung in der Marktwirtschaft ist für die Finanzbranche ein ganz besonderes Spannungsfeld. Eine starke Verflechtung mit anderen Bereichen der Volkswirtschaft, aber auch ein bestehendes Misstrauen in die Funktionsfähigkeit im Finanzsystem, sind oftmals genannte Gründe für die starke Regulierung in diesem Mechanismus. So führte der Bank Run, entstanden in den großen Depression in den 1930er Jahren in den USA, zu einer Wirtschaftskrise, die anschließend auf die ganze Welt übergriff. Auch die jüngsten Ereignisse der Subprime-Krise führten bei den Anlegern zum Misstrauen gegenüber dem Bankenwesen.
Solche Erfahrungen führen zu sektorspezifischen Sonderregelungen und Interventionen seitens des Staates, da sich das erhöhte Marktversagenspotential bei Banken in extremer Weise in systematischen Bankkrisen äußern kann, welche sich im Extremfall auf die gesamte Wirtschaft ausweiten können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Ökonomische Ansätze staatlicher Regulierungen
2.1 Die normative Theorie
2.1.1 Externalitäten und Verhaltensregulierung
2.1.2 Das natürliche Monopol
2.1.3 Asymmetrische Informationsverteilung
2.1.4 Fragile Bilanzstrukturen bei Banken
2.2 Die positive Theorie
3 Die zentrale ökonomische Funktion der Banken
3.1 Der deutsche Banken- und Finanzsektor
3.2 Nationale Bankenüberwachungssysteme
4 Ziele und Motive der Regulierung
4.1 Gläubigerschutz
4.2 Systemstabilität und Funktionsschutz
4.3 Effizienzverbesserung
5 Systematisierung staatlicher bankenregulatorischer Maßnahmen
5.1 Präventive Maßnahmen der Bankenregulierung
5.1.1 Regulierung des Eigenkapitals
5.1.2 Beschränkung des Wettbewerbs durch Regulierung des Marktzutritt
5.2 Protektive Maßnahmen der Bankenregulierung
5.2.1 Diskretionäre protektive Instrumente
5.2.2 Explizit protektive Instrumente
6 Subprime-Krise und regulatorische Arbitrage
6.1 Entstehung der Subprime-Krise
6.2 Reaktionen der Notenbanken
6.3 Regulatorische Arbitrage
7 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Wirkung staatlicher Regulierungen im deutschen Bankenwesen. Dabei liegt der Fokus auf der volkswirtschaftlichen Begründung für staatliche Interventionen, den Zielen der Bankenaufsicht sowie der kritischen Auseinandersetzung mit regulatorischen Maßnahmen anhand der Subprime-Krise und der regulatorischen Arbitrage.
- Ökonomische Theorien zur staatlichen Regulierung
- Aufbau und Funktionsweise der deutschen Bankenaufsicht
- Systematisierung präventiver und protektiver Regulierungsmaßnahmen
- Kritische Analyse der Subprime-Krise
- Problematik der regulatorischen Arbitrage
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Externalitäten und Verhaltensregulierung
Die unkompensierten Auswirkungen ökonomischer Entscheidungen von Wirtschaftseinheiten werden in der Volkswirtschaftslehre als externe Effekte oder auch Externalitäten bezeichnet. Negative externe Effekte werden als externe Kosten bezeichnet, wobei der Absender negativer externer Effekte nicht für den angerichteten Schaden haftet. Positive Effekte werden als externer Nutzen bezeichnet. Hier erhält der Absender von positiven externen Effekten vom Empfänger dementsprechend keine Vergütung. Solche Effekte gehen aus der Unvollständigkeit des Marktes heraus und stellen kein Pareto Optimum dar.
Durch die Analyse grundlegender Verfügungsrechte (Property Rights) wird darauf aufbauend in der neuen Institutionenökonomik auf die Problematik des externen Effekts eingegangen. In der Rechtssprechung wird i.d.R. von einem vollständigen Vertrag zweier Parteien ausgegangen, dies entspricht nicht der Realität. Wird ein Verfügungsrecht durch die staatliche Instanz durchgesetzt, so muss das Individuum, welches den Vertrag bricht, mit Sanktionen rechnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung eines funktionierenden Finanzsystems für die Prosperität einer Volkswirtschaft dar und definiert grundlegende Begriffe wie Bank, Bankenaufsicht und Regulierung.
2 Ökonomische Ansätze staatlicher Regulierungen: Hier werden die wohlfahrtstheoretischen Grundlagen (normative Theorie) sowie politische Erklärungsmodelle (positive Theorie) für staatliche Eingriffe in das Marktgeschehen analysiert.
3 Die zentrale ökonomische Funktion der Banken: Dieses Kapitel erörtert die zentrale Rolle der Banken bei der Liquiditätsversorgung und gibt einen Überblick über den deutschen Finanzsektor sowie dessen Überwachungssysteme.
4 Ziele und Motive der Regulierung: Die zentralen Motive Gläubigerschutz, Systemstabilität, Funktionsschutz und Effizienzverbesserung werden als Rechtfertigung für regulatorische Maßnahmen im Bankensektor hervorgehoben.
5 Systematisierung staatlicher bankenregulatorischer Maßnahmen: Dieses Kapitel klassifiziert regulatorische Eingriffe in präventive (ex ante) und protektive (ex post) Instrumente, um Stabilität zu gewährleisten.
6 Subprime-Krise und regulatorische Arbitrage: Anhand der Subprime-Krise wird kritisch hinterfragt, wie staatliche Regulierung ungewollt Anreize für regulatorische Arbitrage schaffen und Risiken systemisch verbreiten kann.
7 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass eine effektive Aufsicht zwar notwendig ist, aber stetig an ein sich wandelndes Umfeld angepasst werden muss, um kontraproduktive Effekte zu vermeiden.
Schlüsselwörter
Bankenregulierung, Bankenaufsicht, Finanzsystem, Gläubigerschutz, Systemstabilität, Subprime-Krise, Regulatorische Arbitrage, Externalitäten, Lender of Last Resort, Eigenkapitalregulierung, Marktversagen, Finanzmarktaufsicht, Risikomanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die staatliche Regulierung im deutschen Bankenwesen und deren ökonomische Begründung vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen wie der Subprime-Krise.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die ökonomischen Begründungen für Regulierungen, die Instrumente der deutschen Bankenaufsicht und die Auswirkungen regulatorischer Arbitrage auf das systemische Risiko.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Zweck und die Wirksamkeit staatlicher Bankenregulierung kritisch zu beleuchten und den Konflikt zwischen Stabilität und effizienter Marktgestaltung darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine ordnungsökonomische Analyse und greift auf theoretische Ansätze wie die Wohlfahrtsökonomie und die Neue Institutionenökonomik zurück.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung von Regulierung, die Beschreibung der deutschen Aufsichtsstruktur und die kritische Analyse von Regulierungsmaßnahmen im Kontext der Subprime-Krise.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Bankenaufsicht, Systemstabilität, Regulatorische Arbitrage und Gläubigerschutz.
Was unterscheidet präventive von protektiven Maßnahmen?
Präventive Maßnahmen (ex ante) zielen auf die Vermeidung von Risiken ab (z.B. Eigenkapitalvorschriften), während protektive Maßnahmen (ex post) der Krisenbewältigung dienen (z.B. Lender of Last Resort).
Welche Rolle spielt die regulatorische Arbitrage in der Arbeit?
Regulatorische Arbitrage wird als ein Problem identifiziert, bei dem Marktteilnehmer Regeln umgehen, was paradoxerweise zu erhöhtem systemischen Risiko statt zu Stabilität führen kann.
Warum ist das "Dreisäulenmodell" relevant?
Es kennzeichnet das deutsche Bankenwesen und dient als Grundlage für die Erörterung, wie unterschiedliche Bankentypen im Rahmen der Bankenaufsicht und des Einlagenschutzes behandelt werden.
- Quote paper
- Chantal Queneherve (Author), 2007, Staatliche Regulierung im deutschen Bankenwesen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90774