Die erzählerische Vermittlung im Comic

Am Beispiel der Comicumsetzung von Kafkas "Verwandlung"


Seminararbeit, 2007
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Zeicheninventar des Comics
2.1 Informationsvergabe durch das Bild
2.1.1 Bildanordnung
2.1.2 Bildkomposition
2.1.3 Zeichenstil
2.1.4 Darstellung der Figuren
2.2 Informationsvergabe durch den Text
2.3 Informationsvergabe durch andere Codes

3 Die Struktur der erzählerischen Vermittlung in Erzähltext und Comic
3.1 Erzählsituation
3.2 Fokalisierung
3.3 Zeit

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Sekundärliteratur

1 Einleitung

Der Comic ist eine „Gattung visuell-verbalen Erzählens“.[1] Wie in narrativen Texten wird also auch in diesem Medium Geschehen in einer bestimmten Form erzählerisch vermittelt. Doch wie sieht diese erzählerische Vermittlung genau aus?

Dies wird die vorliegende Hausarbeit klären, denn sie untersucht die Art der erzählerischen Vermittlung im Comic Metamorphosis[2] von Robert Crumb und David Zane Mairowitz.

Dazu ist die Arbeit in zwei Teile gegliedert: Im ersten Abschnitt untersuche ich zunächst mit welchen narrativen Mitteln es der Comic schafft, die Erzählung Die Verwandlung[3] von Franz Kafka zu vermitteln. Zu diesem Zweck wird das spezielle Zeicheninventar des Comics hinsichtlich der Informationsvergabe durch das Bild, den Text und andere Codes analysiert.

Diesem Bereich der Untersuchung liegt das von Marianne Krichel entworfene Analyseraster der Gattungsmerkmale des Comics aus ihrem Buch Erzählerische Vermittlung im Comic am Beispiel des amerikanischen Zeitungscomics 'Calvin and Hobbes'[4] zugrunde.

Im zweiten Teil der Arbeit vergleiche ich schließlich die Struktur der erzählerischen Vermittlung zwischen dem Erzähltext der Verwandlung und seiner Comicadaption hinsichtlich der Erzählsituation, Fokalisierung und Zeit.

Dabei wird zugleich auf die Frage eingegangen, welche erzähltheoretischen Probleme sich in der Comicumsetzung des narrativen Textes zeigen.

2 Das Zeicheninventar des Comics

„Comics sind [...] ein eigenständiges Kommunikationsmittel und verfügen über ein eigenes Zeichensystem.“[5] Deshalb wird in diesem Kapitel zunächst das Zeicheninventar des Metamorphosis -Comics dargestellt, um seine medialen Eigenschaften der erzählerischen Vermittlung zu veranschaulichen.

2.1 Informationsvergabe durch das Bild

Der wohl auffälligste Unterschied des Comics zum Erzähltext ist die Informationsvergabe durch das Bild.

„Die Informationsvergabe durch das Bild eines Comics erfolgt über die grafischen (visuellen) Elemente Bildanordnung, Bildkomposition, Zeichenstil, Darstellung der Situation und der Figuren.“[6] Im Falle der Comicversion der Metamorphosis stellt sich die graphische Gestaltung nach diesen Kriterien folgendermaßen dar:

2.1.1 Bildanordnung

Die Bildanordnung (Layout) bestimmt die Gestaltung (relative Panelgröße, -umrandung und -form) des einzelnen Panels innerhalb des Comicstrips in Relation zu den anderen Panels. Da die Größe (Differenzierung in Breite und Höhe) und das Arrangement der Panels unsere Wahrnehmung der erzählten Ereignisse steuern, ist das Layout in Comics für die erzählerische Vermittlung besonders wichtig.[7]

Im Comic der Metamorphosis entspricht die Anordnung der Panels (Bildkästen) dem chronologischen Ablauf des Geschehens im Erzähltext der Verwandlung. Dabei variieren die einzelnen Panels in Größe und Form und überlagern sich teilweise. Die jeweilige Panelumrandung wird durch eine Randlinie markiert, die die Bilder voneinander abgrenzt.

Lediglich zwei Panelränder weichen von den übrigen ab. So ist der Rand des zweiten Panels auf Seite 49 wellig dargestellt, um auf diese Weise Gregors Schmerzen visuell zu verdeutlichen. Auf Seite 50 fehlt der erste Panelrand sogar komplett, wodurch das Bild eine besondere Gewichtung erhält, weil es sich von den anderen grafisch abhebt.

2.1.2 Bildkomposition

Die Gesamtgestaltung der bildlichen Elemente innerhalb eines Panels ist vergleichbar mit den verschiedenen Kameraeinstellungen im Film, die den Betrachterstandpunkt bestimmen. Wichtig dabei ist das räumliche Verhältnis des Dargestellten zum Panelrand, die Lagerung der Blickachse [...] und der optische Aufbau im Sinne einer ästhetischen Ausgewogenheit [...]. Zur Beschreibung des 'Kamerablickwinkels' können Termini des Mediums Film herangezogen werden.[8]

In der Metamorphosis erfolgt dieser 'Kamerablickwinkel' meist aus der Halbtotale. Um die Gestik und Mimik der Figuren besser darstellen zu können, werden diese oft auch in einer Naheinstellung gezeigt (S. 41, Panel 1; S. 48, Panel 1; S. 50, Panel 1; S. 52, Panel 2 und 3; S. 53, Panel 1). Das zweite Panel auf Seite 42, sowie jenes auf S. 49 zeigen eine Detailaufnahme, bei der sich das Bild nur auf einen kleinen Ausschnitt beschränkt.

2.1.3 Zeichenstil

Der Zeichenstil des Metamorphosis -Comics ist recht unkompliziert. So bestehen die Zeichnungen aus einfachen schwarzen Strichen, die durch ihre Komposition das Bild ergeben. Farbige Elemente gibt es nicht.

2.1.4 Darstellung der Figuren

„Ein besonderer Schwerpunkt im Comic ist die bildliche Darstellung von Körpersprache, d.h. der nonverbalen Kommunikation. [...] Im Gegensatz zu Erzähltexten muss der Comic Gestik und Mimik zeigen.“[9]

Auch in der Metamorphosis wird die Körpersprache der Figuren betont und auf diese Weise deren Empfindungen verdeutlicht. Denn „das Zusammenwirken von Körperhaltung, Gesichtsausdruck und Gestik stellt Gefühle, Gedanken, Einstellungen und zwischenmenschliche Beziehungen dar. Diese Elemente der Körpersprache haben damit eine expressive Funktion und sind Ausdruck seelischer Befindlichkeit und Emotionen.“[10]

So lässt sich beispielsweise im ersten Panel auf Seite 41 der Schrecken über Gregors Gestalt in den Gesichtern seiner Eltern und des Prokuristen erkennen. Verstärkt wird dieser Ausdruck des Entsetzens zusätzlich durch die geballte Faust des Vaters und der Geste des Prokuristen, der sich die Hand vor den weit geöffneten Mund schlägt.

In Erzähltexten wie Kafkas Verwandlung muss diese nonverbale Kommunikation hingegen explizit beschrieben werden:

[...] nun sah er [Gregor] ihn [den Prokurist] auch, wie er, [...] die Hand gegen den offenen Mund drückte und langsam zurückwich [...]. Die Mutter – sie stand hier trotz der Anwesenheit des Prokuristen mit von der Nacht her noch aufgelösten, hoch sich sträubenden Haaren – sah zuerst mit gefalteten Händen den Vater an [...]. Der Vater ballte mit feindseligem Ausdruck die Faust, als wolle er Gregor in sein Zimmer zurückstoßen [...].[11]

[...]


[1] Dolle-Weinkauff, Bernd: Comic. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. 1. Hrsg. von Klaus Weimar. 3., neubearb. Aufl. Berlin und New York 1997, S. 312.

[2] Dieser Comic entstammt dem Buch Kafka for beginners, in dem einige von Kafkas Erzählungen und Romane als kurze Comics dargestellt werden.

Wenn im weiteren Verlauf der Arbeit aus diesem Comic zitiert wird, so wird dem Leser das Auffinden des zitierten Panels durch eine direkte Angabe der Seiten- und Panelzahl erleichtert. Zitiert wird nach: Crumb, Robert und Mairowitz, David Zane: Metamorphosis. In: Crumb, Robert und Mairowitz, David Zane: Kafka for beginners. Cambridge 1993, S. 39 – 55.

[3] Kafka, Franz: Die Verwandlung. In: Franz Kafka Ausgabe. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe sämtlicher Handschriften, Drucke und Typoskripte. Oxforder Quarthefte 17. Franz Kafka-Heft 4, Die Verwandlung. Faksimile-Edition mit CD-Rom. Hrsg. von Roland Reuß und Peter Staengle. Frankfurt/Main und Basel 2003, S. 23 – 91.

[4] Krichel, Marianne: Erzählerische Vermittlung im Comic am Beispiel des amerikanischen Zeitungscomics 'Calvin and Hobbes'. Trier 2006.

[5] Ebd. S. 7.

[6] Ebd. S. 7.

[7] Ebd. S. 7.

[8] Ebd. S. 8.

[9] Ebd. S. 13.

[10] Ebd. S. 14.

[11] Kafka: Die Verwandlung, S. 38.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die erzählerische Vermittlung im Comic
Untertitel
Am Beispiel der Comicumsetzung von Kafkas "Verwandlung"
Hochschule
Universität Mannheim  (Institut für deutsche Philologie)
Veranstaltung
Einführung in die Erzähltheorie
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V90775
ISBN (eBook)
9783638051415
ISBN (Buch)
9783638944311
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vermittlung, Comic, Einführung, Erzähltheorie
Arbeit zitieren
Johannes Steinmeyer (Autor), 2007, Die erzählerische Vermittlung im Comic, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90775

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