Behavioral Finance-Theorie und die Grenzen von Arbitragegeschäften


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
24 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

I NHALTSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

SYMBOLVERZEICHNIS

1. Ziel der Arbeit

2. Grundlagen der Behavioral Finance
2.1.Behavioral Finance vs. klassische Finanzwirtschaft
2.2.Empirische Verhaltensanomalien und deren Erklärungskonzepte

3. Arbitrage und Behavioral Finance-Theorie
3.1.Grundmodell der Arbitrage
3.2.Grenzen der Arbitrage in der Behavioral Finance
3.2.1.Performancebewertung und Noise Trader Risiko
3.2.2.Kurzfristige Investments und Transaktionskosten
3.2.3.Weitere Marktfriktionen

4. Zusammenfassung

ANHANG

LITERATURVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Beispiellotterie für häufiges Auftreten inkonsequenter Präferenzen

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

SYMBOLVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Ziel der Arbeit

In der Vergangenheit ist es schon an allen wichtigen Börsenplätzen der Welt zu großen Kurseinbrüchen innerhalb kurzer Zeit, so genannten „Crashs“, gekommen. Als das letzte markante Ereignis dieser Art lässt sich wohl das Platzen der Internet- und New Economy Blase an den Finanzmärkten um die Jahrtausendwende anführen. Die klassische Finanztheorie mit ihrem Modell der informationseffizienten Märkte, auf denen rationale Akteure optimale Entscheidungen treffen, ist nicht in der Lage gewesen solche Vorkommnisse in der Vergangenheit zu erklären.[1] Insbesondere die von der Ökonomie so vielfach verwendete Annahme des „homo oeconomicus“ ist zunehmend in die Kritik geraten, da Menschen in der Wirklichkeit häufig die geforderte Rationalität nicht an den Tag legen.[2] Insofern war es an der Zeit über neue Erklärungsansätze für die an den Finanzmärkten auftretenden Anomalien nachzudenken. Als Ergebnis dieser Bemühungen kann die Begründung der Behavioral Finance angesehen werden. Sie versucht das von den klassischen Annahmen abweichende Verhalten der Akteure, mit Hilfe psychologischer Verhaltensmodelle zu erklären.[3] Ein wichtiger Baustein in den Modellen der klassischen Theorie ist das Prinzip der Arbitrage. Sie garantiert, dass rationale Akteure Kursentwicklungen, die eventuell von Fundamentalwerten abweichen, über die Möglichkeit von risikolosen Arbitragegewinnen wieder in die Richtung der realistischen Werte bewegen.

Das Ziel dieser Arbeit soll es sein zu zeigen, wie die Arbitrage als das zentrale Instrument zum Erreichen von Gleichgewichten an den Finanzmärkten, im Rahmen der veränderten Modellannahmen der Behavioral Finance, an die Grenzen ihrer Wirksamkeit stößt. Dazu gilt es in einem ersten Teil die Behavioral Finance von der klassischen Finanztheorie abzugrenzen, deren grundlegende Konzepte und Annahmen darzustellen, sowie die Erklärungsansätze dieser Forschungsrichtung für empirisch beobachtete Marktverhaltensanomalien aufzuzeigen. In einem zweiten Teil wird dann ein klassisches Grundmodell der Arbitrage als Referenzstandard erläutert, um anschließend dieses Modell unter den Prämissen der Behavioral Finance zu beleuchten und die Grenzen der Arbitragewirkung unter verschiedenen Bedingungen darzulegen.

2. Grundlagen der Behavioral Finance

2.1. Behavioral Finance vs. klassische Finanzwirtschaft

Die Behavioral Finance stellt einen Forschungsansatz dar, welcher versucht die Ereignisse auf den Finanzmärkten über die explizite Berücksichtigung des menschlichen Verhaltens zu begründen. Dazu greift sie zusätzlich auf Methoden und Erkenntnisse aus anderen Wissenschaften, insbesondere der Psychologie und Soziologe, zurück.[4] Da sich die Behavioral Finance als eine Weiterentwicklung der klassischen finanztheoretischen Sichtweise versteht, muss sie sich bezüglich ihrer Erklärungskraft der Realität oft mit ihrem Vorgänger messen lassen. Insofern ist es notwendig, die wesentlichen Eckpfeiler der klassischen Finanzwirtschaft im Folgenden kurz zu skizzieren, um anschließend die Erweiterungen, welche die Behavioral Finance vornimmt, abgrenzen zu können.

Der Ausgangspunkt aller klassischen Kapitalmarkt- bzw. Finanzwirtschaftstheorien ist das Bernoulli-Prinzip, dessen Rationalitätsaxiome[5] und die damit verbundene Annahme, dass jedes rationale Individuum seinen erwarteten Nutzen aus einer Entscheidung maximieren möchte.[6] Dieses Prinzip ist eine Weiterentwicklung der Bayes’schen Regel, welche die Wahl der Alternative mit dem größten Erwartungswert fordert. Damit bildet sie die Grundlage für die Annahme, dass die bestimmenden Größen für die Preisbildung bspw. für Wertpapiere auf einem Markt, die mit dem Papier verbundene Rendite und das Risiko sind. Die Axiomatik und das Maximierungskalkül fußen auf einer weit verbreiteten Annahme der Ökonomie, dem Idealbild des „homo oeconomicus“. Er hat die Fähigkeit, immer rational auf der Grundlage aller verfügbaren Informationen seine Entscheidung zu treffen. Seine möglichen Entscheidungsalternativen bewertet er mit einem stabilen und geordneten System von Präferenzen. Er besitzt zusätzlich die Fertigkeit, die Folgen seiner Alternativenwahl perfekt abzusehen und somit zu bestimmen, welche Wahl ihn den höchsten Wert auf seiner Präferenzskala erreichen lässt.[7]

Zwei weitere Bausteine der klassischen Theorie stellen die Annahmen der rationalen Erwartungen aller Marktteilnehmer und der Informationseffizienz der Märkte dar. Die Schlussfolgerung der beiden Hypothesen liegt darin, dass alle Marktteilnehmer das richtige Entscheidungsmodell anwenden und vollkommene Informationen für ihre Entscheidung zur Verfügung haben. Vollkommen sind Informationen dann, wenn sie vollständig, korrekt, kostenlos und gleichzeitig für alle Teilnehmer uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Im Ergebnis führt diese Schlussfolgerung zu einer Situation, in welcher die Marktteilnehmer grundlegend die gleichen Portfolios halten und sich ihre individuelle Risikoneigung lediglich in einem unterschiedlichen Anteil risikobehafteter Papiere widerspiegelt. Den Tradeoff von Rendite und Risiko formalisiert das CAPM in Form eines gleichgewichtigen Kapitalmarktmodells und begründet damit die Prinzipien der Bewertung und Zusammenstellung von Kapitalmarktinstrumenten.[8]

Durch das Agieren vollkommen rationaler Akteure auf informationseffizienten Märkten können die Aktienkurse zu jedem Zeitpunkt den wahren Wert einer Aktie wiedergeben, da bei Eintreffen neuer Informationen diese sofort im jeweiligen Kurs berücksichtigt werden. Insofern spiegeln die Aktienkurse den mit einer Aktie verbundenen abdiskontierten Zahlungsstrom wider. Ein Markt kann auch dann als effizient angesehen werden, wenn es nicht möglich ist, beim Auftreten neuer Informationen, zu denen alle Akteure Zugang haben, systematische Überrenditen zu erzielen.[9] Sollte es durch irrationales Verhalten von Marktteilnehmern zu einem Abweichen des Kurses von seinem fundamentalen Wert kommen, so werden rationale Individuen diesen Zustand erkennen und über den Mechanismus der Arbitrage diese Chance ausnutzen, bis der Kurs wieder auf dem Niveau des Fundamentalwertes liegt.[10]

[...]


[1] Vgl. Statman, M. (1999), S. 19.

[2] Vgl. Pelzmann, L. (2006), S. 6.

[3] Vgl. Daniel, K.; Titman, S. (1999), S. 28.

[4] Vgl. Roßbach, P. (2001), S. 10.

[5] Die grundlegenden Axiome sind das Stetigkeitsaxiom, das Substitutionsaxiom und das Ordnungsaxiom.

[6] Vgl. Breuer, W.; Perst, A.; Stotz, O. (2005), S. 1.

[7] Vgl. Simon, H. A. (1955), S. 99.

[8] Vgl. Roßbach, P. (2001), S. 4 f.

[9] Vgl. Zeckhauser, R.; Patell, J.; Hendricks, D. (1991), S. 259.

[10] Vgl. Nau, R. F.; McCardle, K. F. (1991), S. 201.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Behavioral Finance-Theorie und die Grenzen von Arbitragegeschäften
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre)
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V90808
ISBN (eBook)
9783638051699
ISBN (Buch)
9783638944632
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Behavioral, Finance-Theorie, Grenzen, Arbitragegeschäften
Arbeit zitieren
Christopher Reiche (Autor), 2007, Behavioral Finance-Theorie und die Grenzen von Arbitragegeschäften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90808

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