E.T.A. Hoffmanns 'Don Juan' als Interpretation von W.A. Mozarts 'Don Giovanni'


Zwischenprüfungsarbeit, 2006

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Mythos Don Juan

3. Die Entstehung von Mozarts Don Giovanni

4. Hoffmanns Beziehung zur Musik

5. Hoffmanns Interpretation von Mozarts Oper
5.1. Welche Teile werden berücksichtigt und welche weggelassen?
5.2. Wie ist die lückenhafte Beschreibungsart zu verstehen?
5.2.1. Die positive Darstellung von Don Giovanni
5.2.2 Die Hervorhebung von Donna Anna in den Mittelpunkt des Geschehens.
5.3. Die Vorstellung des Enthusiasten von der Beziehung zwischen Don Giovanni und Donna Anna

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Sekundärliteratur

1. Einleitung

In dieser Arbeit sollen jeweils ein Werk von zwei wichtigen Künstlern dargestellt und mit einander verglichen werden: E.T.A. Hoffmanns Novelle Don Juan und W.A. Mozarts Oper Don Giovanni. Beide behandeln das gleiche und in der Geschichte oft vorkommende Thema eines Verführers, der jedoch bei verschiedenen Autoren verschiedener Nationen nicht nur anders genannt, sondern auch aus vielen unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wird.

Zunächst soll einen Überblick über die verschiedenen Bearbeitungen des Don-Juan-Themas der letzten Jahrhunderte gegeben werden, wobei nur eine kleine Auswahl der besonders zahlreichen Versionen dargestellt werden kann. Der dritte Abschnitt konzentriert sich auf Mozart und die Entstehung seiner Don Giovanni. Danach kommen wir zu Hoffmann und seiner Beziehung zur Musik, wobei nicht nur seine literarischen Werke, sondern auch seine musikalischen in dem Mittelpunkt stehen. Der fünfte Abschnitt gilt als Hauptteil der Arbeit, wo die Inhalte beider Werke miteinander verglichen werden sollen. Es wird untersucht, wie Hoffmann in seiner Novelle Mozarts Oper darstellt und neu interpretiert, indem er beispielsweise bestimmte Teile der Oper weglässt. Die möglichen Gründe dafür werden erläutert und Hoffmanns Interpretation von den Rollen des Don Giovanni und der Donna Anna, sowie die Beziehung zwischen diesen Charakteren werden diskutiert. Am Schluss werden die Einflüsse erwähnt, die Hoffmanns Novelle auf nachfolgende Bearbeitungen des Don Juan-Stoffs ausgeübt hat.

2. Der Mythos Don Juan

Seit vier Jahrhunderten lebt der Mythos von Don Juan, in all seinen unterschiedlichen Varianten. Diese literarische Figur hat schon eine Rolle nicht nur im Sprechtheater gespielt, sondern auch in der Oper, der Poesie und der Epik. Jede Don-Juan-Bearbeitung schafft eine andere Perspektive und verschiedene Charakterzüge dieses berühmten Verführers. Don Juan, der rein fiktiv ist, muss man von dem genauso berühmten Casanova unterscheiden, der eine historische Figur aus dem 18. Jahrhundert ist. Casanova wollte sich mit den Frauen einfach vergnügen, und für ihn war das Ganze ein “unterhaltsames Spiel”[1], während Don Juan die Damen, denen er begegnet, zerstören will, und bereit ist, die Männer, die in seinem Weg stehen, zu töten.

Den Ursprung des weltberühmten Don Juan-Mythos findet man im Jahre 1613 in Spanien. Der Autor war ein Mönch mit dem Namen Gabriel Tellez, der sich Tirso de Molina nannte. Er schrieb eine Komödie für die Bühne mit dem Titel El burlador de Sevilla y convidado de piedra. Als religiöser Mensch wollte Molina einen Charakter schaffen, der große Sünden gegen Gott begeht, und dadurch eine himmlische Strafe erleidet. Im Gegensatz zu dem Glauben der Antike war die christliche Meinung dieser Zeit, dass alles Erotische und Sinnliche, sowie Sexualität außerhalb der Ehe negativ und sündhaft sei. Deshalb entstand Don Juan, der durch seine Gerissenheit und seinen Reiz so viele Frauen wie möglich verführt, und am Ende in die Hölle gezogen wird.

Dem ursprünglichen Don-Juan-Stück des 17. Jahrhunderts folgten unzählbare Varianten des Stoffes, von Autoren in verschiedenen Länden, Sprachen und Epochen. Der Franzose Molière schrieb eine gesellschaftskritische Komödie mit dem Titel Dom Juan ou le festin de pierre, wobei er nicht nur Tirso de Molinas Stoff benutzt hat, sondern auch italienische Bearbeitungen in der Form der Commedia dell’arte. Bei Molière ist der Held ein Atheist und Rationalist, und außerdem spielten in diesem Stück die Herr-Diener-Dialoge eine größere Rolle als vorher. Es sind danach auch Stücke entstanden, die sich auf Molières Interpretation des Stoffes beziehen, beispielsweise von Brecht (1952) und Annouilh (1955).

In der Zeit der Aufklärung war das Thema des Wunderbaren im normalen Sprechtheater verboten, und in dieser Zeit tauchte Don Juan zum ersten Mal im Musiktheater auf. Im Jahre 1761 schrieb Gluck sein Don Juan-Ballett und im Jahre 1787 folgte Mozarts Oper Il dissoluto punito o sia Il Don Giovanni. Dramma giocoso in due atti. (Der bestrafte Verführer oder Don Giovanni. Komödie in zwei Akten.), mit einem Libretto von Lorenzo da Ponte.

25 Jahren nachdem Mozart seine Oper komponiert hat, schrieb E.T.A. Hoffmann seine Novelle, Don Juan, mit dem Untertitel Eine fabelhafte Begebenheit, die sich mit einem reisenden Enthusiasten zugetragen. Es handelt sich hier um einen “Enthusiasten”, der eine Aufführung der Mozartschen Don Giovanni-Oper anschaut und diese in einem Brief an seinen Freund beschreibt. Hoffmanns Erzähler beschreibt sehr subjektiv und lückenhaft das, was er sieht, und dadurch ist eine neue Interpretation der Oper und des Don Juan-Mythos entstanden.

Zusätzlich gibt es noch eine ganze Menge Don Juan-Bearbeitungen, von denen einige sich relativ stark am ursprünglichen Stoff orientieren, und andere kaum als Teil des Don Juan-Mythos betrachtet werden können. Es gab verschiedene Tendenzen, beispielsweise den Dandyismus. Diese Tendenz basierte auf einer echten Person namens Dandy aus dem 19. Jahrhundert, der bestimmte Ähnlichkeiten mit der Don Juan-Figur hatte. Christian Dietrich Grabbe hat Elemente von Don Juan und Faust genommen und die beiden kombiniert, während Théophile Gautier in seiner La comédie de la mort Elemente von Don Juan, Faust und auch Dantes La divina Commedia kombinierte. Verschiedene Autoren, wie Honoré de Balzac und Henry de Montherlant haben einen alten oder sterbenden Don Juan beschrieben und andere, zum Beispiel Byron und Max Frisch, haben den Helden so beschrieben, dass er nicht vor hat, die Frauen zu verführen, er gefällt ihnen einfach, weil er so charmant ist.

[...]


[1] Gnüg, Hiltrud: Don Juan: Ein Mythos der Neuzeit. Bielefeld 1993. S. 7

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Details

Titel
E.T.A. Hoffmanns 'Don Juan' als Interpretation von W.A. Mozarts 'Don Giovanni'
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Seminar für Deutsch als Fremdsprachenphilologie)
Veranstaltung
E.T.A. Hoffmann
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V90813
ISBN (eBook)
9783638052306
ISBN (Buch)
9783638945257
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hoffmanns, Juan, Interpretation, Mozarts, Giovanni, Hoffmann
Arbeit zitieren
Helen Stringer (Autor), 2006, E.T.A. Hoffmanns 'Don Juan' als Interpretation von W.A. Mozarts 'Don Giovanni', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90813

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