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Politische Feindbilder und ihre psychologischen Grundlagen

Einführung in die Begriffsdiskussion

Title: Politische Feindbilder und ihre psychologischen Grundlagen

Essay , 2007 , 8 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sebastian Theodor Schmitz (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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1 Einführung
Die Kategorie des Feindbildes stellt einen Schlüsselbegriff der Politikwissenschaft dar. Zu seinem Verständnis ist es notwendig auch kognitive Grundlagen zu begrei-fen. In der Sphäre der Politik werden Feindbilder zu Zweckmitteln, was in einem ge-sonderten Abschnitt illustriert wird und den Kernbestandteil des vorliegenden Textes darstellt. Das Fazit soll zu einer fortführenden, über den Text hinausgehenden Dis-kussion des Themas anregen.
2 Zentrale Komponenten der Definition
Ähnlich wie Stereotypen und Vorurteile verfügen Feindbilder über eine kognitive, eine affektive und eine konative Komponente. Die kognitive Komponente lässt sich über den Begriff der Stereotype sinnvoll entschlüsseln. Stereotypen sind starre Imaginati-onen, die eine das kognitive System entlastende, vereinfachende und verallgemei-nernde Funktion übernehmen. Auf das Phänomen der Feindbilder angewandt, kann so z.B. die Pluralität einer Kultur auf ein stereotypisches Merkmal reduziert und zu-sammengefasst werden („Die gelbe Gefahr“). Feindbilder sind stets affektiv besetzt und haben einen stark negativen Charakter, der in der Regel eine völlige Vernichtung des „Feindes“ bejaht. Oft tragen Feinbilder durch die völlige Negation des Gegners konkrete Handlungsaufforderungen (Konationen) bereits in sich. Dies wird etwa bei der Gleichsetzung einer Gruppe mit Ungeziefer, das ja ohne Skrupel vernichtet wer-den kann und sogar soll, veranschaulicht. In der internationalen Politik sind Feindbil-der auf der Makroebene, also gegenüber Völkern, Nationen und Ideologien, präsent. Diese zeichnen sich durch eine besondere Stabilität aus und sind je stärker die Bilder affektiv besetzt sind, umso schwieriger zu modifizieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Zentrale Komponenten der Definition

3 Psychologische Grundlagen

3.1 Virtuelle Bilder und Projektionen

4 Politik und Feindbilder

4.1 Krieg und Aufrüstung

4.2 Systemstabilisierung

5 Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen Grundlagen und politischen Funktionen von Feindbildern, um deren Entstehung, Stabilität und instrumentellen Einsatz in der Gesellschaft und internationalen Politik zu beleuchten.

  • Kognitive, affektive und konative Komponenten von Feindbildern
  • Psychologische Mechanismen wie Projektion, Halo-Effekt und Worst-Case-Denken
  • Die Rolle von Feindbildern bei der Rechtfertigung von Krieg und Aufrüstung
  • Funktion von Feindbildern zur internen Systemstabilisierung und Identitätsbildung

Auszug aus dem Buch

Psychologische Grundlagen

Menschliche Entscheidungsprozesse sind sowohl durch rationale als auch durch irrationale Faktoren geprägt. Der Mensch verfügt über so genannte „belief systems“, die es ihm erlauben seine unendlich komplexe Umwelt und seine Vorstellungen über sich selbst und seine Umwelt zu strukturieren und in Schemata zu verdichten. „Belief systems“ sind also kognitive Hilfsfunktionen, die eine Orientierung in der Welt ermöglichen. Sie beinhalten zudem gewisse Bilder von konkreten Überzeugungen gegenüber der Umwelt. Die Dissonanztheorie besagt, dass Menschen dazu tendieren Vorstellungen miteinander in Einklang zu bringen und einander widersprechende Vorstellungen nur schwer zu ertragen sind. „Belief systems“ haben eine zentrale Funktion für die Verarbeitung neuer Informationen, die den bereits bestehenden Schemata angepasst werden. Es besteht also tendenziell ein unbewusst verlaufender Vorgang der Ignorierung oder Verzerrung dissonanter Informationen. Die Tendenz zur kognitiven Konsistenz erklärt die Stabilität von Feinbildern, jedoch nicht deren Ursprung.

Ein für die Genese von Feindbildern bedeutsames Phänomen ist der „Halo-Effekt“. Dieser bezeichnet eine Funktion selektiver Wahrnehmung, die eine einheitliche emotionale Bewertung bestimmter Kategorien forciert. So werden „dem Feind“ ausschließlich negative Attribute zugeschrieben, andere Attribute werden ignoriert oder trivialisiert. Umgekehrt bewirkt der „Halo-Effekt“ eine ausschließlich positive Besetzung von Freundbildern. Dies führt zu Formen des Schwarz-Weiß-Denkens. So wird zwischen absoluten, binären Kategorien wie gut und böse, fleißig und faul oder rechtschaffen und kriminell unterschieden.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Die Einleitung definiert das Feindbild als zentralen Begriff der Politikwissenschaft und skizziert die Notwendigkeit, dessen kognitive Grundlagen und instrumentellen Charakter zu verstehen.

2 Zentrale Komponenten der Definition: Dieses Kapitel erläutert die kognitive, affektive und konative Struktur von Feindbildern sowie deren Bedeutung als Mittel zur Vereinfachung und Bedrohungswahrnehmung.

3 Psychologische Grundlagen: Hier werden menschliche Entscheidungsprozesse, „belief systems“ und Mechanismen wie der Halo-Effekt und das Worst-Case-Denken analysiert.

3.1 Virtuelle Bilder und Projektionen: Dieser Abschnitt beschreibt, wie durch Projektion eigene Unsicherheiten und unterdrückte Triebe auf ein äußeres Objekt ausgelagert werden.

4 Politik und Feindbilder: Das Kapitel untersucht, wie Feindbilder sozial und politisch genutzt werden, um geostrategische Ziele zu erreichen oder Geschichte zu deuten.

4.1 Krieg und Aufrüstung: Hier wird analysiert, wie Feindbilder zur Rechtfertigung von Militärausgaben und zur psychologischen Enthemmung bei der Kriegsführung dienen.

4.2 Systemstabilisierung: Dieses Kapitel beleuchtet, wie Feindbilder durch die Definition eines äußeren Gegners die Identitätsbildung nach innen stärken und soziale Spannungen überdecken können.

5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Feindbilder tief in der Psyche verankert sind und eine kritische Auseinandersetzung mit medial vermittelten Bildern essenziell für deren Abbau ist.

Schlüsselwörter

Feindbilder, Stereotype, Kognition, Projektion, Halo-Effekt, Worst-Case-Denken, Bedrohung, Krieg, Aufrüstung, Systemstabilisierung, Identitätsfindung, Schwarz-Weiß-Denken, Propaganda, Politikwissenschaft, Psychologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der psychologischen Genese und den politischen Funktionen von Feindbildern als Instrument der Wahrnehmung und gesellschaftlichen Steuerung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die Definition von Feindbildern, die Rolle psychologischer Mechanismen wie Projektion und kognitive Konsistenz sowie die praktische Anwendung von Feindbildern in der Politik zur Machtausübung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Entstehung von Feindbildern zu erklären und aufzuzeigen, wie diese zur Rechtfertigung politischer Handlungen wie Krieg, Aufrüstung oder systeminterner Stabilisierung genutzt werden.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf politikwissenschaftlicher und psychologischer Fachliteratur basiert, um Begriffsdiskussionen und Wirkmechanismen strukturiert darzustellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch psychologische Konzepte sowie eine Analyse der politischen Anwendung, insbesondere im Bereich der Kriegführung und internen Identitätspolitik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Feindbilder, Projektion, Halo-Effekt, Worst-Case-Denken, Bedrohungswahrnehmung und Systemstabilisierung.

Was bedeutet der in der Arbeit erwähnte „Halo-Effekt“ im Kontext von Feindbildern?

Der Halo-Effekt führt dazu, dass dem „Feind“ pauschal nur negative Eigenschaften zugeschrieben werden, während alle positiven oder differenzierenden Informationen ignoriert oder trivialisiert werden.

Wie unterscheidet sich die „monolithische Gegenwahrnehmung“ von einer differenzierten Sichtweise?

Bei der monolithischen Gegenwahrnehmung wird der Gegner als geschlossener, homogener Block imaginiert, anstatt die reale Pluralität einer Gesellschaft oder Gruppe anzuerkennen.

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Details

Title
Politische Feindbilder und ihre psychologischen Grundlagen
Subtitle
Einführung in die Begriffsdiskussion
College
RWTH Aachen University  (Institut für Politische Wissenschaft)
Grade
1,3
Author
Sebastian Theodor Schmitz (Author)
Publication Year
2007
Pages
8
Catalog Number
V90872
ISBN (eBook)
9783638050203
Language
German
Tags
Politische Feindbilder Grundlagen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Theodor Schmitz (Author), 2007, Politische Feindbilder und ihre psychologischen Grundlagen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90872
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