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Feindbilder von Bundeswehr und NVA

Eine Analyse zweier Militärhandbücher im Kontext des kalten Krieges

Title: Feindbilder von Bundeswehr und NVA

Essay , 2007 , 8 Pages , Grade: 1,74

Autor:in: Sebastian Theodor Schmitz (Author)

Politics - Political systems in general and in comparison
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Während „Politische Feindbilder und ihre psychologischen Grundlagen“ eine theoretische Annäherung an Grundlagen der Feindbildforschung bietet, soll die vorliegende Arbeit an gewonnene Kenntnisse anknüpfen und einen Überblick über ein konkretes Feld schaffen. Als Quellen dienen hierzu Handbücher, die Soldaten in der Grundausbildung erhalten haben. Diese enthalten hinreichende Informationen über Bündnisse, die Beschaffenheit des internationalen Staatensystems, sowie Selbst- und Gegnersicht, sodass Feindbildkonstellationen rekonstruiert werden können. Es wird von der Hypothese ausgegangen, dass die in den Militärhandbüchern präsentierten Feindbilder einen offiziellen Charakter besessen und weite Verbreitung gefunden ha-ben. Die mir vorliegenden Handbücher „Der Reibert“ (BRD 1974) und „Handbuch militärisches Grundwissen NVA“ (DDR 1983) sind mit fast einem Jahrzehnt Abstand erschienen. Dennoch kann dies bei der Analyse von langfristig konstanten Feindbildern vernachlässigt werden. Beide Werke beinhalten zentrale Anschauungen des kalten Krieges. Eine wechselseitige Vergleichbarkeit bleibt bei Feindbildern, die kaum tagespolitischen Änderungen unterliegen, sondern dauerhafter Natur sind, erhalten. Als zusätzliche Quelle hilfreicher Erläuterungen dient das „Wörterbuch zum sozialistischen Staat“ (DDR 1974).


2 Der Feind aus der Sicht der Bundeswehr

Die Angaben in „Der Reibert“ enthalten alle Perzeptionen, die nach Anne Flohr zur Definition eines extremen Feindbilds gehören (Vgl. Flohr 1991: 32).
Der „Feind“ wird als akute Gefahrenquelle dargestellt (Vgl. Der Reibert 1974: 206), seine Potenziale werden als überwältigend beschrieben (Vgl. Der Reibert 1974: 197) und eine unmittelbar erlebbare räumliche Nähe ist durch die Situation des geteilten Deutschland gegeben.

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Der Feind aus der Sicht der Bundeswehr

2.1 „Staatsbürgerliche Bildung“ und Zweck der Bundeswehr

2.2 Feindbild Kommunismus

3 Der Feind aus der Sicht der NVA

4 Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Konstruktion von Feindbildern in militärischen Ausbildungshandbüchern der Bundesrepublik Deutschland und der DDR während des Kalten Krieges, um strukturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der gegenseitigen Wahrnehmung aufzuzeigen.

  • Analyse militärischer Grundausbildungsliteratur (Der Reibert, HMG)
  • Untersuchung der psychologischen und ideologischen Feindbildmechanismen
  • Vergleich der ideologischen Legitimationsstrategien für militärische Aufrüstung
  • Rolle des Nationalsozialismus in der jeweiligen Feindbildkonstruktion
  • Bedeutung der Teilung Deutschlands für die psychologische Präsenz des Feindes

Auszug aus dem Buch

2 Der Feind aus der Sicht der Bundeswehr

Die Angaben in „Der Reibert“ enthalten alle Perzeptionen, die nach Anne Flohr zur Definition eines extremen Feindbilds gehören (Vgl. Flohr 1991: 32). Der „Feind“ wird als akute Gefahrenquelle dargestellt (Vgl. Der Reibert 1974: 206), seine Potenziale werden als überwältigend beschrieben (Vgl. Der Reibert 1974: 197) und eine unmittelbar erlebbare räumliche Nähe ist durch die Situation des geteilten Deutschland gegeben.

Laut „Der Reibert“ dient „der Soldat“ für den Schutz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und der Bundesrepublik vor externen Gefahren sowie dem Erhalt des Friedens im Verbund mit der NATO (Vgl. Der Reibert 1974: 17). Allein diese kurze Zweckbestimmung wird erst durch die Kontrastierung mittels eines Feinbildes sinnvoll. Es wird suggeriert, dass die Gefahr für Frieden und Freiheit derart akut ist, dass sie dringend militärischen Schutzes bedarf. Unter dem Kapitel „Staatsbürgerliche Bildung“ wird eine historische Herleitung der geopolitischen Situation versucht, indem die deutsche Nachkriegsgeschichte nachskizziert wird.

Das Kapitel liefert ein typisches Schwarz-Weiß Gemälde, untermauert mit vorgeblichen Fakten aus der Geschichte. Historische Richtigstellungen nehme ich hier nicht vor. Vielmehr interessiert hier die Struktur der verbreiteten „Wahrheiten“. Die alliierten Siegermächte seien um Frieden, Freiheit, Demokratie, Wiedervereinigung und den Erhalt der deutschen Ostgebiete bemüht. Die Sowjetunion sei die einzige Macht, die dem widerspricht und installiere stattdessen trotz anders lautenden Vereinbarungen eine diktatorische Zwangsherrschaft mit Hilfe von Täuschung und Tarnung, mit dem Ziel dass sich der Kommunismus gleich einer Krankheit weiterverbreitet.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Die Einleitung erläutert die theoretische Basis der Feindbildforschung und stellt die verwendeten Quellen (Der Reibert, HMG) vor, deren Analyse Aufschluss über die offiziellen Feindbilder des Kalten Krieges geben soll.

2 Der Feind aus der Sicht der Bundeswehr: Dieses Kapitel analysiert, wie in westdeutschen Ausbildungshandbüchern durch historische Kontrastierung und die Konstruktion eines ideologischen Bedrohungsszenarios der Bedarf an militärischer Verteidigung legitimiert wurde.

3 Der Feind aus der Sicht der NVA: Die Untersuchung zeigt auf, dass die NVA in einer fast spiegelbildlichen Weise argumentierte, wobei der Imperialismus als existenzielle Bedrohung markiert und eine ideologische Rechtfertigung für die Aufrüstung geschaffen wurde.

4 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass trotz ideologischer Gegensätze in beiden Lagern ähnliche psychologische Mechanismen der Feindbildbildung wirkten, um Stabilität und Bedrohungsperzeption zu festigen.

Schlüsselwörter

Feindbildforschung, Kalter Krieg, Bundeswehr, NVA, Militärhandbuch, Der Reibert, Handbuch Militärisches Grundwissen, Ideologie, Systemkonflikt, Bedrohungsszenario, Sozialismus, Demokratie, Propaganda, Identität, Zweiteilung Deutschlands.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der vergleichenden Analyse von Feindbildern in militärischen Ausbildungshandbüchern der Bundeswehr und der NVA während des Kalten Krieges.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Fokus stehen die ideologische Konstruktion des Gegners, die Legitimierung militärischer Strukturen sowie die psychologische Funktionalität von Feindbildern.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch spezifische Texte in Handbüchern das Bedürfnis nach militärischer Stärke und Ideologieverteidigung bei Soldaten erzeugt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine inhaltsanalytische Untersuchung von Primärquellen (Militärhandbücher) im Kontext der theoretischen Feindbildforschung durchgeführt.

Was wird im Hauptteil analysiert?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des „Reibert“ für die Bundeswehr und des „Handbuchs Militärisches Grundwissen“ für die NVA, inklusive der Rolle von NS-Anspielungen und ideologischer Abgrenzung.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Systemkonflikt, Bedrohungsszenario, Ideologisierung und politische Psychologie beschreiben.

Wie nutzen die Handbücher historische Ereignisse für ihre Feindbilder?

Beide Seiten nutzen eine selektive Darstellung der Nachkriegsgeschichte, um den jeweils anderen Akteur als unrechtmäßige, aggressive Macht darzustellen und die eigene Existenz zu rechtfertigen.

Welches Fazit zieht der Autor bezüglich der Symmetrie der Feindbilder?

Der Autor stellt fest, dass die Feindbildkonstruktionen fast spiegelbildlich funktionieren, da beide Seiten den Gegner zur Bedrohung der eigenen Grundwerte stilisieren, um die innere Kohärenz zu stärken.

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Details

Title
Feindbilder von Bundeswehr und NVA
Subtitle
Eine Analyse zweier Militärhandbücher im Kontext des kalten Krieges
College
RWTH Aachen University  (Institut für Politische Wissenschaft)
Grade
1,74
Author
Sebastian Theodor Schmitz (Author)
Publication Year
2007
Pages
8
Catalog Number
V90873
ISBN (eBook)
9783638053099
Language
German
Tags
Feindbilder Bundeswehr
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Theodor Schmitz (Author), 2007, Feindbilder von Bundeswehr und NVA, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90873
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